Guter Unterricht Vol. I: Eine Vergewisserung

p1040309Heute Morgen war ich in meiner Schule. Ich habe dort einen Kurs Ev. Religion in der 12. Klasse. Es ging um anthropologische Fragen. Auf dem Heimweg dachte ich mit einem unbestimmten Gefühl bestimmten Fragen hinterher: War es eine gute Stunde?

Gut für mich?
Gut für meine Schülerinnen und Schüler?
Gut für alle oder nur für ein paar?
Gut für das Abi?
Gut für das Leben oder was da sonst noch kommt?

Meine Antworten waren sehr bunt und reichten von entschiedenen “Ja’s” und mutigen “Ganz sicher” über vage “Vielleicht’s” und hoffende “Könnte sein”, bis hin zu nüchternen “Eher nicht” und klaren “Nein’s”.

Und woran macht man überhaupt eine gute Stunde fest, worauf bezieht sich dieses “Gut” und gibt es dafür ein möglichst klar umrissenes Merkmal, mit dem man “das Gute” wahrnehmen kann?

PS.: Dabei geht es noch ganz allgemein um guten Unterricht. Kompetenzen und Standards sind dabei noch gar nicht im Blick. Auch nicht für den Religionsunterricht.

Moment mal

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Erinnere Dich an eine Unterrichtsstunde, aus der du mit einem guten Gefühl gekommen bist und beschreibe in deinem Blog oder in einer eMail an #Openreli zwei Merkmale, an denen Du guten Unterricht festmachst.

Eine Arbeitsthese

Hilbert Meyer formuliert eine eigene normative These, in der er beschreibt, was für ihn “Guter Unterricht” ist. Dabei greift er auf 6 Grundstrukturen zurück.

Guter Unterricht dient unserer Gesellschaft und deshalb muss er nach demokratischen Regeln laufen. Es geht um Solidarität und Mündigkeit. Die Schwachen müssen gestärkt und die Starken nicht behindert werden. Und der gute Lehrer agiert innerhalb dieser demokratischen Strukturen.

Guter Unterricht ist im Bewusstsein gestaltet, dass Erziehung immer dazu gehört. Speziell zielt er auf Verantwortungsübernahme für die eigenen Lernprozesse. Der Lehrer oder die Lehrerin sorgt dafür, dass Schülerinnen und Schüler etwas lernen können. Dass sie tatsächlich etwas lernen, liegt nicht bei der Lehrkraft, sondern in ihren eigenen Händen.

Guter Unterricht lebt von dem Willen zur Zusammenarbeit von Schülern und Lehrern. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, kann zwar Unterricht stattfinden, aber eben kein Lernen.

Guter Unterricht verhilft zu sinnstiftender Orientierung. Das weist weit über die Schule hinaus. Das ist mehr als Wissen oder Können. Es geht um Persönlichkeitsbildung und Identitätsstiftung, es geht um die Biografien anvertrauter Schülerinnen und Schüler.

Guter Unterricht sorgt für einen strukturierten Wissens- und Könnensaufbau und zwar in der Gemeinschaft mit anderen Lernenden.

Guter Unterricht tut auch den Lehrerinnen und Lehrern gut. Er stärkt das Selbstvertrauen und lässt den Wert der eigenen Arbeit deutlich werden.
Wenn alle Beteiligten Spaß und Freude haben, ist guter Unterricht bestimmt nicht fern.

Moment mal

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Erinnere Dich noch einmal an die Unterrichtsstunde und prüfe, ob diese Grundstrukturen Hilbert Meyers darin zu finden sind.

Kommentiere in deinem Blog oder per eMail Hilbert Meyers Arbeitsdefinitionen zu gutem Unterricht.

Literatur zum Weiterlesen

Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht, Berlin 7. Auflage 2010

 

Ein Gedanke zu „Guter Unterricht Vol. I: Eine Vergewisserung

  1. Pingback: Woche 3: 16. bis 22. Oktober 2013 | openreli

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