Wochenaufgabe 4: Praxisbeispiele – “Die Bergpredigt-Insel” (Alexander Struß)

Praxisbeispiele (Wochenaufgabe 4)

„Die Bergpredigt-Insel“.

Ich stelle hier meinen Entwurf zur zweiten Staatsprüfung zur Verfügung (als PDF-Datei). Da die Examensprüfung noch nicht soooo lange her ist und in dieser kompetenzorientierter Unterricht verlangt wurde (und da ich die Prüfung erfolgreich bestanden habe und ich mittlerweile seit ca. 1,5 Jahren auch „richtiger“ Lehrer bin ;-)), dürften die Unterrichtseinheit und die –stunde einigermaßen kompetenzorientiert sein .

Die Examensstunde fand in Hessen (G8) in einem kath. Religionskurs der E-Phase (Einführungsphase zur Oberstufe: Erstes Schuljahr der Oberstufe) statt.

Thema der Unterrichtsreihe: Biblische Ethik – Die Bergpredigt als „Zeichen“ für Gottes Zu- und Anspruch an den Menschen, erschlossen und gedeutet mit Hilfe des Planspiels „Die Bergpredigt-Insel“.

Thema der Unterrichtsstunde:„Happy-Slapping“ auf der „Bergpredigt-Insel“. Deutung und Beurteilung der Bergpredigt in Bezug auf erfahrene Gewalt. Die Schülerinnen deuten die Bergpredigt in Bezug auf erfahrene Gewalt, entwickeln durch eine persönliche Auslegung dieser Perikope eine Lösung für das Szenario „Hap-py Slapping“ und beurteilen diese kritisch (Biblisches Lernen).

Hier mein Entwurf als Download (Für diejenigen, die sich nicht durch den gesamten Entwurf “durchkämpfen” wollen, gibt es weiter unten deutlich kürzere Anmerkungen zu der Unterrichtseinheit ;-)).

und als Link: Examensentwurf Kath. Religion

 

Eine relative kurze Erklärung zum Planspiel „Die Bergpredigt-Insel“

Die Vorlage des Planspiels „Die Bergpredigt“ stammt aus der religionspädagogischen Zeitschrift „entwurf“.

(Vgl. Büttner, Gerhard u. Kumpf, Herbert: Die Bergpredigt-Insel. Das Arbeitsheft zum Spiel. In: entwurf (2008) Nr.2. 39. Jg. Und Büttner, Gerhard u. Kumpf, Herbert: Die Bergpredigt-Insel. Erfahrungen mit einer Lernumgebung. In: entwurf (2008) Nr.2. 39. Jg. S. 30-34).

Ich habe aber aus verschiedensten Gründen einige Veränderungen vorgenommen (Näheres wird im Entwurf ausführlich beschrieben).

Das Planspiel „Die Bergpredigt-Insel“ beinhaltet eine situierte Lernumgebung und dient dazu, den Schülerinnen Biblisches Lernen durch reflektierte und korrelierte Interaktionen zu ermöglichen. In diesem Kontext wird der Klasse zu Beginn Unterrichtseinheit mitgeteilt, „dass sie von einem Fernsehsender ausgewählt wurde, sechs Wochen lang auf einer Insel nach den Regeln der Bergpredigt zu leben“ (nach eigener Erfahrung sind die Schülerinnen und Schüler bereits an dieser Stelle sehr motiviert, da sie diese situierte Lernumgebung bewusst an Fernsehformate wie „Big Brother“, „Promi Big Brother“ „Die Alm“ „Dschungelcamp“, „Berlin – Tag u. Nacht“, „Wild Girls“ oder „Reality Queens auf Safari“erinnert).

Anhand der Bergpredigt erstellt sich der Kurs als „Inselkommune“ Regeln, die es im Verlauf des Spiels zu beachten gilt. Die „Inselbewohnerinnen“ verwalten ihre Insel eigenverantwortlich. Um dies bewerkstelligen zu können, wird von jeder „Inselbewohnerin“ erwartet, dass sie täglich acht Stunden arbeitet. Zu diesem Zweck muss die „Kommune“ einen Tagesplan erstellen. Im Verlaufe des Spiels geschehen viele unvorhergesehene Ereignisse. Dabei wählt die Lehrkraft aus zwanzig Ereigniskarten einige aus und gibt diese nach und nach in die Klasse ein. Mit diesen Ereignissen müssen sich nun die Jugendlichen auseinandersetzen und Lösungen präsentieren. Dabei müssen die Inselregeln und die Bergpredigt beachtet werden, mit deren Auslegung die jeweiligen Ergebnisse begründet werden müssen. (Auszug aus meinem Entwurf der Examensstunde).

Weitere Hinweise

Als Student habe ich während meiner schulpraktischen Studien an einer Kasseler Schule bereits in einer Klasse 12 „Die Bergpredigt-Insel“ im Unterricht behandelt. Die Examensunterrichtseinheit weist im Vergleich zu der Kasseler Version einige deutliche Unterschiede auf. Mittlerweile bin ich als Lehrer an einer Hanauer Schule tätig. Auch hier werde ich nach den Ferien meinen Religionskurs der Q1 (Q1 = erstes Halbjahr der Qualifikationsphase für das Abitur, das heißt: zweites Schuljahr der Oberstufe) auf die “Bergpredigt-Insel” schicken. Dies würde ich nicht tun, wenn ich mit diesem Planspiel keine guten Erfahrungen gemacht hätte. Aber auch hier werde ich aufgrund verschiedenster Erfahrungen im Vergleich zu meiner Examensreihe wiederum einige Veränderungen vornehmen. Meiner Meinung nach eignet sich dieses Planspiel für diese Jahrgangsstufe besonders (Vgl. Hessischer Lehrplan: „Ethik Jesu“) gut. Es werden viele Möglichkeiten eröffnet, Praxis und Theorie miteinander zu verknüpfen, wie es auch neulich Prof. Dr. Markus Tomberg bei openreli forderte. In der Deutschdidaktik (Deutsch ist mein anderes Fach) würde man das wohl als Wechselspiel zwischen subjektiver Involviertheit und genauer Textwahrnehmung bezeichnen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln letztendlich selbst Auslegungsmodelle der Bergpredigt und stellen sie zur Diskussion. Sie vergleichen sie mit bekannten theologischen Modellen und können diese sowie ihre eigenen unter verschiedensten Gesichtspunkten beurteilen (Urteilskompetenz).

Für Fragen (sowohl zur Einheit als auch zu einzelnen Stunden) und Rückmeldungen stehe ich natürlich zur Verfügung.

 

Creative Commons Lizenzvertrag
“Happy Slapping auf der Bergpredigt-Insel” von Alexander Struß ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz.

Das heißt: Ihr dürft damit machen, was ihr wollt ;-).

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6 Kommentare zu Wochenaufgabe 4: Praxisbeispiele – “Die Bergpredigt-Insel” (Alexander Struß)

  1. rweber sagt:

    Klingt sehr spannend – danke!

  2. christian guenther sagt:

    Sehr spannend.
    Ich würde gerne mal wissen, welche Regeln die Schüler aufgestellt haben. Und welche Ereignisse deinen Insulanern so zustoßen können.

    • a.struss sagt:

      Vielen Dank für die Rückmeldung!

      Zu den Regeln (eine kleine Auswahl):
      – Respektvolles und faires Miteinander (“Goldene Regel”)
      – Gewaltverzicht
      – Bescheidenheit
      – Kompromissbereitschaft
      – Gleichberechtigung

      Eine kleine Auswahl möglicher Ereignisse:
      – “Touristen” kommen auf die Insel, um die dortigen Bewohner zu testen. Sie schmieren den Bewohnern Eistüten ins Gesicht, filmen diesen Vorgang und stellen ihn auf youtube, wo sich dieses Video großer Beliebtheit erfreut.
      – Mit den zahlreich eintreffenden Touristen kommen auch at-traktive Männer und Frauen, auch jüngeren Datums, auf die Insel. Bei diesem Wetter flanieren sie gerne „oben ohne“ bzw. sehr leicht bekleidet über die Strandpromenade, kurz-um: Sie geizen nicht mit ihren Reizen. Ein Teil der Gemein-schaftsmitglieder betrachtet mit sichtlichem Vergnügen diese Touristen und Touristinnen. Einige meinen festzu-stellen, dass das die Stimmung innerhalb der Inselkommu-ne hebe. Manche meinen, dass dadurch in das etwas zwanghafte Zusammenleben frischer Wind hineinkomme. Tätigkeiten, bei denen man mit attraktiven Touristen und Touristinnen in Kontakt tritt, sind sehr begehrt – insbeson-dere die ausführliche Inselführung. Andere bezeichnen da-gegen die Mädchen, die sich nun vermehrt um die Inselfüh-rungen reißen, als „billige Bitches“. Männer, die sich nun ebenfalls darum reißen, Frauen die Insel zeigen zu können, werden vereinzelt als „geile Böcke“ bezeichnet. Zu beden-ken ist, dass niemand der „Bergpredigt-People“ verheiratet ist. Dem Facebook-Status einzelner Mitglieder ist allerdings zu entnehmen, dass sie sich momentan in einer festen Beziehung befinden.
      – Die Bewohner der Insel müssen sich entscheiden, ob sie eine Versicherung abschließen, um einen Windpark aufbauen zu können. Des Weiteren müssen sie sich entscheiden, ob sie das Sponsoring-Angebot eines Stromanbieters annehmen.
      – Die Bewohner müssen sich mit dem öffentlichen Vorwurf, “nichts anderes als eine Sekte zu sein, “auseinandersetzen.
      – Als Lehrkraft hat man zudem vielfältige Möglichkeiten mit Ereignissen auf das Verhalten der Lerngruppe zu reagieren…

  3. Jörg Lohrer sagt:

    Danke, Alexander, dass uns Einblick in deinen Entwurf gibst. Ich habe ihn auch in den Materialpool bei rpi-virtuell eingepflegt, so dass diese Blogseite von dort aus auffindbar wird: Happy-Slapping auf der Bergpredigt Insel und mit den Schlagworten verknüpft ist.
    Im Moment sind noch “Alle Rechte vorbehalten” eingestellt. Magst du eine Weiternutzung mit einer Creative-Commons-Lizenz ermöglichen?

    • a.struss sagt:

      Habe mit einer Weiternutzung natürlich kein Problem, muss mir nur nochmal am Wochenende zu Gemüte führen, wie ich das einstellen muss.

  4. a.struss sagt:

    Jetzt müsste hoffentlich die Weiternutzung mit einer Creative-Common-Lizenz ermöglicht worden sein.

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