Aristeas: Der König und die Bibel. Von Kai Brodersen

Aristeas: Der König und die Bibel

Griechisch/Deutsch
hrsg. u. übersetzt von Kai Brodersen. (Reclam Universal Bibliothek 18 576)
Ditzingen: Reclam 2008, 228 S.
ISBN: 978-3-15-018576-6
EUR 6,80

Wie es zur Übersetzung der Hebräischen Bibel kam, erzählt ein Bericht des Aristeas im Gewand eines Briefes an Philokrates. Wieder einmal hat der Reclam Verlag die Fülle der fundamentalen Texte zur europäischen Tradition, seine „Universalbibliothek“, um einen spannenden Text mit dem griechischen Original und einer neuen Übersetzung des Althistorikers Kai Brodersen verbreitert. Der griechische Text ist übersichtlich lesbar gedruckt nach der Ausgabe von A. Pelletier, Paris 1962. Einführung 7-42. Text 43–165. Im Textanhang weitere Texte aus der Antike bis zu Augustinus.. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sich das so abgespielt hat, wie die Legende das angibt, so ist die Erzählung doch überaus wertvoll: Sie zeigt, wie ein neues Judentum entstanden ist, noch vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. Die Vorstellungen des Diaspora-Judentums von seiner religiösen und kulturellen Tradition, insbesondere das Bild von Jerusalem, und die Wertschätzung, die die jüdische Tradition in der hellenistisch-römischen erfuhr – neben der anderen Erfahrung des Antisemitismus, der in der gleichen Zeit seine Prägung erhielt und für die Europäische Religionsgeschichte formuliert wurde (Jan Assmann, Moses der Ägypter, 1997).
Kai Brodersen (auch Berater der Septuaginta-Übersetzung) hat nicht nur eine sehr gut lesbare und verlässliche Übersetzung gegeben, sondern auch in der Einleitung vorzüglich in den Kontext des hellenistischen Ägypten gestellt. Das sollte in den Kanon der Bücher im Studium als Pflichtlektüre Eingang finden.

Wertvolles Buch:
Großartig der Aristeas-Brief: die griechisch-deutsche Ausgabe der Selbstdarstellung eines selbstbewussten Judentums in der klassischen Welt: Das sollte in die Bibliothek einer jeden und eines jeden gehören, die sich für Religionsgeschichte interessieren weit über das Judentum hinaus, schon gar Grundlage für alle Studierenden der Geschichte und der Theologie und der Religionswissenschaft.
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30.06.2009
Christoph Auffarth,
Prof. für Religionswissenschaft
Universität Bremen

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