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Theologisieren in der Grundschule – Band 2. Von Ulrike Itze und Edelgard Moers

Theologisieren in der Grundschule – Band 2

Ulrike Itze, Edelgard Moers
Anleitungen und Ideen zum Umgang mit schwierigen Kinderfragen
1. Aufl. 2008
ISBN: 978-3-8344-3458-6   21,90 €

[Beachten Sie auch die Vorstellung von Band 1]

Band 2 ist im Prinzip ähnlich aufgebaut, erweitert jedoch das Repertoire um vertiefende Fragestellungen und andere Unterrichtsthemen. Im Folgenden werden einige Unterrichtseinheiten daraus kurz vorgestellt und kommentiert.

Der Basisaufsatz (5 – 14)  ist nur im Titel gleich wie im 1. Band. [Warum wurde kein anderer Titel gewählt, um Verwechslungen mit Bd.1  auszuschließen?] Denn hier steht der Umgang mit dem „Fragen“ im Vordergrund. Eine ausführliche Tabelle mit Kinderfragen gibt Hinweise auf Gesprächsgestaltung und unterrichtliche Umsetzungsschritte. Es folgen 3 Lieder zum Fragen, darunter auch das schöne Lied „Fragen stellen kann ich gut“, das im Schulbuch „Spuren lesen 1-2“ Eingang gefunden hat. [Vgl. meine Buchbesprechung  zu „Spuren lesen“]

Großen Raum nimmt die biblische Erzählung von Jona in Anspruch (34 – 61). Diese wird hier mit der Frage verbunden „Wie bist du, Gott?“  Die Unterrichtseinheit ist für 3. – 6. Schuljahr vorgesehen. Neben Erzähltexten werden hier interessante methodische Hinweise gegeben: Arbeit mit Legematerialien wie Seil, Ortsschilder und Jona-Figur; Lieder und eine Ballade von Klaus Peter Hertzsch; Impulskarten zur Identifikation mit Jona; Anregungen zu einem Jona Buch.
Fotos aus dem Unterricht zeigen, wie Ergebnisse aussehen können. In didaktischer Freiheit entscheidet sich die Autorin Ulrike Itze dazu, Jona mit den Einwohnern von Ninive ein „Lebensfest“ feiern zu lassen (84).

Edelgard Moers hat für das 3. – 6. Schuljahr die Frage „Was ist Glück?“  bearbeitet (75 – 90). In neun Sequenzen bietet sie eine reiches Repertoire an Einzelaspekten und Methoden. Es beginnt mit einer anregenden Geschichte vom „glücklichen Elefant“ (80f), es folgen Lernangebote zu „Glücks-Sätzen“ (84-86), und geht über zu den Seligpreisungen der Bergpredigt. Das Arbeitsblatt dazu (87) erscheint mir jedoch für die Altersstufe sehr anspruchvoll zu sein. Mir erschließt sich auch nicht die eigenwillige Übersetzung von Mt 5,3: „Selig sind, die Gottes Wort nicht verstehen, auch ihnen  gehört das Himmelreich“! Abgesehen davon ist das Thema „Glück“ hier sehr breit und kreativ für die Umsetzung im Unterricht angeboten.

Für das Thema „Schöpfung“ (91 – 109) wurde ein besonderer Zugang über ein Kinderbuch gewählt. Im Mittelpunkte steht das Buch von Giaconda Belli, Die Werkstatt der Schmetterlinge. Um die Hauptpersonen (Rodolfo, Die Weise Alte) herum wird das Unterrichtsgeschehen aufgebaut. Dabei geht es besonders um ästhetische Wahrnehmungen und Ausdrucksformen. Darüber hinaus bietet diese Unterrichtseinheit Zugänge zum biblischen Schöpfungslob über Psalm 104, die beiden Erzählungen aus Gen 1 und 2 sowie eine schöne Sammlung von 24 Psalmworten, welche Gottes Schöpfung preisen (Psalmwortkartei). Die Aufgabenstellungen und die Materialien sind ansprechend und vielseitig verwendbar.

Ulrike Itze setzt den ästhetischen Schwerpunkt fort in der Unterrichtseinheit über die „Liebe“ ( 110 – 132). Der philosophische und der biblisch-theologische Hintergrund wird sorgfältig aufgearbeitet. In verschiedenen neuen Sprachspiel-Methoden („Siebenlein“, „Gedankenrondo“, Akrostichon, Sinnesgedicht) können die Kinder sich dem Thema nähern. Neben dem paulinischen Hohelied der Liebe, 1. Kor 13,1-13 steht das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37) im Zentrum. So wird deutlich, dass Liebe nicht nur ein Gefühl ist, sondern zur Handlung führt.

Alle vorliegenden Unterrichtseinheiten dieser Bände dienen auch dem kindertheologischen Ansatz, wenngleich es nicht überall explizit betont wird. Die Breite und die Tiefe der Unterrichtsvorschläge lässt mannigfache individuelle Variation zu. Je nach Klassensituation können Schwerpunkte gesetzt werden. Den Kindern werden dadurch gute Gelegenheiten geboten, ihr eigenes Fragen und Denken einzubringen und weiter zu führen.

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Dr. Manfred Spieß
Universität Bremen
Religionswissenschaft/Religionspädagogik
02.01.2012

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