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Der Islam – Fragen und Antworten

Willi Weitzel | Mouhanad Khorchide

Der Islam
Fragen und Antworten für alle, die’s wissen wollen.

Mit Illustrationen von Oliver Weiss.
Edition chrismon, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2018
Format: Hardcover, 120 Seiten
ISBN: 978-3-96038-124-2
Preis: 14.- (o.G.)

Vielen jungen Leuten und auch Lehrkräften ist Willi Weitzel vom Fernsehen bekannt. Seine Erklärsendungen „Willi will’s wissen!“ sind vielfach Kult. In diesem Fall ist der Wissensbegierige unter die schriftlichen Autoren gegangen. Das ist gut so, denn im Buch „Der Islam“ sind so unglaublich viele Einzelfragen  und -antworten zu finden, dass es schade wäre, diese nicht in Ruhe lesen zu können!

Zwei Tage lang haben sich der TV-Reporter und der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, Prof. Mouhanad Khorchide zusammengesetzt, um die Themen dieses Projektes durchzusprechen. Willi Weitzel hat – auch durch seine frühere berufliche Ausbildung zum Hauptschullehrer mit dem Fach Katholische Religion – ein starkes Interesse, mehr Einblick in die fremde Religion Islam zu bekommen. Der muslimische Gesprächspartner Khorchide stammt aus einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie, hat als Jugendlicher u.a. lange in Saudi Arabien und Libanon gelebt, in Wien studiert. Seit 2010 ist er als Professor an der Universität Münster tätig, sein Schwerpunkt ist die islamische Religionspädagogik. [1]

Der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit fünf Themenstellungen:

  • Die Glaubensinhalte des Islam
  • Die Glaubenspraxis der Muslime
  • Religionsgeschichte des Islam
  • Islam und Moderne

Ein Schlagwortregister erleichtert das Aufsuchen bestimmter Themen.

Die Fragen sind eine Mischung aus Sachfragen und persönlichen Fragen. Die Gesprächspartner zeigen einander viel Vertrauen und lassen auch persönliche Einblicke zu. Neben mehr theologischen Themen: „Wer oder was ist Allah?“, „Wie unterscheiden sich Sunniten und Schiiten?“ werden auch einzelne Sachfragen geklärt, etwa: „Wie geht dieser Gebetsruf?“ und: „Woher kommt das mit der Beschneidung? Steht das im Koran?“ (30). Paradies und Hölle nehmen einen gewichtigen Raum im Islam ein. Die Gesprächspartner gehen dem gründlich nach und räumen mit etlichen Vorurteilen auf. Dabei werden populäre Vorstellungen, etwa von Paradiesjungfrauen und schlaraffenlandähnlichen Illusionen, in ihren zeitbedingten und menschlichen Hintergründen erklärt. Hier und an etlichen weiteren Stellen zeigt sich, dass der Koran in seinen geschichtlichen Ursprungssituationen verstanden werden muss, denn, so Khorchide: Der Koran ist „kein vom Himmel gefallenes Buch“. Im Laufe von dreiundzwanzig Jahren wurden die Koranverse zunächst in Mekka und später in Medina geoffenbart. Sie sind Spiegel der damaligen Ereignisse und Reaktionen darauf. [2]  Erst Jahrzehnte später ist der Koran als Buch aufgeschrieben worden (77).

Am Beispiel der im Unterricht viel gefragten „Fünf Säulen“ wird der Gewinn dieses persönlichen Informationsgesprächs besonders deutlich. Hier erzählt ein Muslim in reflektierter und erfahrungsgesättigter Sprache, was es mit dem Glaubensbekenntnis, dem Beten, dem Fasten und der Pilgerreise auf sich hat. Viele Nachfragen des wissenshungrigen Willi Weitzel erschließen auch Einzelheiten, die in einem Sachlexikon zum Islam so nicht zu finden wären. Dadurch erhält die Religion des Islam ein ‚Gesicht‘, wird aus der Lebenspraxis heraus vorgestellt. Natürlich wird man nicht verschweigen dürfen, dass andere Muslime viele Dinge auch ganz anders beurteilen und  darstellen.[3] Das wäre ja beim Christentum auch nicht anders!

Der praktische Einsatz dieses sehr bereichernden Gesprächsbuches lässt viele Möglichkeiten zu. So kann eine Lehrkraft besondere thematische Teile auswählen und im Unterricht besprechen. Sowohl für den Einstieg, als auch für die vertiefende Arbeit mit dem Islam bieten die Fragen und Antworten eine Fülle von Material. Auch ein Vergleich zwischen christlicher und islamischer Theologie und Lebenspraxis ist gut möglich, denn W. Weitzel ist immer wieder überrascht, wie ähnlich viele Dinge zwischen Islam und Christentum doch sind.[4]

Auch in der Gemeindearbeit, die sich dem christlich-islamischen Dialog öffnen will, kann dieses Buch gute Dienste leisten. Für Gesprächskreise und Info-Abende ist hier eine reichhaltige inhaltliche Basis.

Angesichts der großen Ahnungslosigkeit, die viele Menschen in Deutschland bezüglich des Islam haben, ist dieses Buch ein wertvoller Beitrag zum besseren Verstehen und eine Anregung, selbst das Gespräch mit Muslimen zu suchen und aufzunehmen. Überraschende Entdeckungen warten da, wie in diesem Buch!

 

Dr. Manfred Spieß

Oldenburg

23.08.2018

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[1] In zahlreichen Büchern hat Khorchide seine theologischen Positionen zur Sprache gebracht. Mit seiner Betonung der Barmherzigkeit Gottes (Mouhanad Khorchide. 2014. Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion. Freiburg i.Br.: Herder) und der liberalen Umschreibung des schillernden Begriffs Scharia (Mouhanad Khorchide. 2013. Scharia – der missverstandene Gott: Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik. Freiburg i.Br.: Herder) hat er viel Aufsehen erregt. Die traditionellen islamischen Verbände in Deutschland lehnten diese Positionen vielfach ab. Von islamistischer Seite her bestehen sogar Morddrohungen, weshalb M. Khorchide unter Polizeischutz lebt.

[2] Diese neuen Erkenntnisse der Koranwissenschaft sind noch viel zu wenig bekannt. Allen voran hat Angelika Neuwirth in ihren umfassenden Arbeiten darauf hingewiesen; vgl. Der Koran als Text der Spätantike, 2010. Hier eine ausführliche Rezension dazu.

[3] Immer wieder verweist Khorchide auf seine individuelle Sichtweise, die sich von traditionellen Lesarten oft unterscheidet. Unterschwellig, aber unübersehbar, wird im Gespräch deutlich, dass viele liberale Ansichten, auch wenn sie aus dem Koran begründet werden, noch längst nicht den Mainstream-Islam in Deutschland widerspiegeln.

[4] Khorchide berichtet ausführlich über die prominente Rolle, die Jesus im Koran spielt. Er wird dort u.a. als „Wort Gottes“ und „Geist Gottes“ bezeichnet, ja er hat theologisch sogar einen höheren Rang als Mohammed!(vgl. 72f.)

 

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