Wieder angekommen

Ja, jetzt bin ich schon wieder fast 2 Wochen zurück in Deutschland. Hier wurde es winterlich und kalt und ich habe das Gefühl noch mehr zu frieren, als sonst im Winter. Immer wieder denke ich daran, wie ich am letzten Tag im Schatten (denn nur dort war es erträglich) auf der Wiese gelegen habe und mich mit vielen netten Menschen unterhalten habe. Nach und nach reiste immer wieder eine Gruppe ab. Manche erzählten von ihren weiteren Reiseplänen nach Patagonien oder Peru. Einige sind dann auch als Rucksacktouristen weitergereist. Das hat mich sehr beeindruckt und die Berichte von ihnen habe ich rege weiter verfolgt.
Schön ist, wenn man auch viel Schlechtes über Facebook sagen kann, dass ich so tatsächlich zu zwei sehr lieben Chileninnen weiterhin Kontakt habe. In einem Mischmasch aus Englisch, Spanisch und vielen bunten Bildchen bleiben wir in Kontakt und hängen der schönen Zeit hinterher. Wir nehmen Anteil an unserem Leben und unseren Welten. Das ist etwas sehr Wertvolles.
Was nehme ich noch mit aus dieser Zeit?
Man kann sich die Fußsohlen an heißen Steinplatten verbrennen. So etwas kannte ich bisher noch nicht.
Papageien sind keine gern gesehenen Gäste in Gärten, weil sie Bäume und ihre Früchte komplett niedermetzeln, wenn sie als Schwarm zum Beispiel in einem Mandelbaum landen.
Mitten in der Wüste bildet sich ein Loch, das mit Süßwasser gefüllt ist und in dem man baden kann. Was für ein Naturwunder!
Chilenische Straßenhunde werden gefüttert und sind sehr flexibel. Sie passen sich der Umgebung und den Menschen an und genießen jede Streicheleinheit, die sie bekommen. Schön ist auch, dass ich keine Kinder gesehen habe, die Angst vor Hunden haben. Die Hunde gehören einfach dazu, nur das mit den Häufchen ist nicht so schön.
Die Menschen in diesem Land würden niemals zum Betteln an die Straße sitzen. Jede nur erdenkliche Möglichkeit durch kleine Hilfeleistungen an ein Trinkgeld zu kommen wird genutzt. So treten Straßenkünstler bei Rot vor die Fahrzeuge und zeigen ihre Kunststücke. Obstverkäufer gehen von Fahrzeug zu Fahrzeug mit herrlichem Obst oder Blumen. Öffentliche Parkplätze an den Straßen für Autos oder Fahrräder werden von Menschen in Warnwesten angewiesen und man bekommt Hilfe beim Rangieren. Die Fahrzeuge werden im Auge behalten.
Man gibt diesen Menschen dann ein Trinkgeld oder auch nicht. Niemals wurden wir bedrängt von diesen Menschen. So hat fällt es leichter auch mal etwas zu geben oder Summen aufzurunden.
Der Taxifahrer, der sich im Chaos der (tageszeitlich wechselnden) Einbahnstrasse so verfahren hatte, dass er nur die Hälfte der Summe wollte und sich entschuldigte, dass er so lange gebraucht hätte.
Oder der andere Taxifahrer in dessen unsäglich ausgelutschter Hinterbank wir saßen um die 500 m zum nächsten Museum zu fahren, weil wir in der Hitze einfach nicht wussten, wo es hinging und so erschöpft waren. Kein böses Wort, nur Freundlichkeit und Interesse an uns, unserer Herkunft.
Ich trauere diesen netten Menschen schon etwas hinterher. Den faszinierenden Landschaften sowieso und dem Sommer am allermeisten. Wieder zurück!

Gegensätze

In Chile nimmt der Mond von links nach rechts zu,
morgens wecken einen Papageien und keine Amseln,
mit dem Auto fährt man eher links statt rechts,
Sylvester feiert man die ganze Nacht im Freien,
wenn ein Chilene 11 Uhr sagt, meint er 12 Uhr,
vielen Dank für die Gegensätze und das dadurch recht bunte kulturelle Durcheinander.

 

Treibende Kraft

Zwei Tage voller Erlebnisse und keine Zeit mehr fuer den Computer! Gestern war ich allein mit Berni auf Tour nach Valparaíso. Oeffentlich mit dem Bus und dann vor Ort. Leider hat mein Fotoakku versagt, deshalb gibt es erst zu Hause BIlder.
Vorgestern waren wir dann endlich auf der Spendentour. Ich habe die Poliklinik,die KInderkrippe und den Kindergarten in Renca besucht. Das ist eines der Armenviertel hier. Eine Querstrasse weiter von der Klinik ist die Drogenszene zu Hause, oft gibt es Schiessereien, auf der Hauptstrasse ist die Prostituion. Inmitten dieser Gegend sind die Einrichtungen der Stiftung Oasen fuer die Kínder, liebevolle Erzieherinnen, saubere Umgebung, regelmaessige Mahlzeiten, Gemeinschaft. Von aussen scheint uns das gar nicht so fremd und doch, wenn man genau hinsieht, wird es schwieriger.

 In der Klinik werden haeufig Opfer von Schiessereien behandelt. Dabei besteht sie nur aus 3 winzigen Raeumen, zwei Krankenschwestern und 4 mal die Woche einem Arzt. Einmal kommt auch die Hebamme und die Sozialarbeiterin. Aber man bekommt immerhin einen Termin innerhalb eines Tages, was im staatlichen Wesen nicht klappt. Da kann man schon mal Wochen auf einen Termin warten und im Akutfall kurz vor dem Blinddarmdurchbrich sein, bis man in den OP kommt. Es gibt zu wenig Aerzte im oeffentlichen Bereich fuer zu viele Menschen. Alle wollen ins Privatsystem, dort ist es  profitabler. Die kleine Poliklinik versorgt 4000 Menschen! Im Winterhalbjahr erstickt die Stadt im SMOG, dann kommen viele Kínder mit Atemproblemen. Das ist ein hartes Leben!
Die Menschen arbeiten und kommen trotzdem nicht ueber die Runden.

Nachmittags waren wir bei der unglaublichen Schwester Karoline, die das alles aufgebaut hat. Auch ein Berufsbildungwerk. Da koennen junge Maenner in 6 Monaten den Beruf des Metallschlossers, des Elektrikers und des Kochs lernen. Das ist wahrlich viel zu kurz, aber der Staat finanziert nicht mehr. Sie ist eine drahtige Person, die eine Freude ausstrahlt und Zaehigkeit. Sie geht nicht, sie rennt, die huepft vor Freude wie ein Kind, sie weiss genau, wie sie die Leute fesseln kann. Am Abend war sie bei unserer Chorprobe, was ihr sehr gefallen hat.
Es gibt noch viel zu tun und zu bewegen in dieser chilenscihen Gesellschaft und doch ist es gut, solche treibenden Kraefte zu haben. Christus sei Dank!

Gegensaetze

Viel Freude duerfen wir erleben hier in Santiago. Fantastisches hochsommerliches Wetter, tolle Gastfreundschaft, viel Spass beim abendlichen Singen und erholsame Stunden im Schatten.

Aber gerade Schatten gibt es hier genug. Die Gegensaetze zwischen arm und wohlhabend sind krass. Und niemand ist gefeit gegen Abstiege. Die Suchtgefahren sind hoch, staatliche Rente gibt es nicht, die Gesundheitsvorsorge ist sehr teuer. Gestern haben wir zwei Projekt der Fondacio besucht, in der wir jeden Abend proben. Hier treffen sich einmal die Woche Frauen, denen das Leben bisher viel Schatten gegeben hat.

Eine Frau berichtete darueber, wie sie als 6Jaehrige sich selbst in der Schule eingeschrieben haette, barfuss und mit zu leichter Bekleidung. Viele Frauen wurden geschlagen, verlassen, ausgenutzt, haben kaum Bildung erfahren und sind doch so froh nun eine Anlaufstelle zu haben.

Gemeinsam erstellen sie Mosaike. Sie organisieren Fliesen, schneiden und brechen sie und fertigen Kunstwerke von denen sie nie gelaubt haben, so etwas mit eigenen Haenden herstellen zu koennen. Sie erleben Kreativitaet als Ausdruck von Freude von Glauben. “Jesús der Schreiner, der es uns vorlebt” nennt sich die Gruppe. Sie beten gemeinsam, reden und arbeiten und haben uns am Vormittag sehr herzich in die Gruppe aufgenommen. Viele Traenen flossen, auch bei uns, als die bewegenden Geschichten erzaehlt wurden.

Am Nachmittag besuchten wir einen “Club” von gehandicapten Menschen in der Gaertnerei. Sie legen dort Kraeuterkulturen an, trocknen Kraeuter, verkaufen sie auch. Aber vor allem die Arbeit in und mit der Natur gefaellt ihnen sehr. Da sind koerperlich Beeintraechtigte, neben einer erblindeten Frau, Frauen mit Depressionen und Spastiker, verstummte ehemals erfolgreiche Maenner, einem Maedchen mit Trisomie21, die sehr gerne singt . Aber alle erleben viel Freude und sich selbst als wertvoll, weil sie etwas mit ihren Haenden tun koennen. Wir haben ihnen geholfen und aus Beeten Pflanzen geholt, Ableger in Blumensaecke umgetopft und viel gemeinsam gesungen und gebetet. Das gehoert hier so selbstverstaendlich dazu, ist nicht erzwungen oder aufgesetzt, ist einfach der Grund fuer ihre Freude am Leben und der Arbeit dort.

Sie haben uns mit Kraeutertee und Obst bewirtet und wollten wissen, was uns Freude macht und hier gefallen hat. Sehr geduldig haben sie den Uebersetzungen zugehoert.

Ein par Leute vom Chor waren auch bei schwer behinderten KIndern und haben mit und bei Ihnen musiziert. Sie begannen sich zu regen und bewegen, wo sie vorher noch teilnahmslos in den Betten lagen.

Das sind Erlebnisse, die uns die Schatten der Gesellschaft zeigen. Wie gut es uns und unseren Kindern, den beintraechtigten und gesunden bei uns zu Hause geht, erfahren wir hier. Wie leicht wir es in unserem Sozialsystem haben!

Morgen werden wir die Organisation besuchen, fuer die ich Gelder gesammelt habe. Ich bin schon sehr gespannt!

 

Joy! Internationales Singen!

Seid gestern proben wir endlich jeden Abend. Gut 150 Menschen aus drei Laendern (Deutschland, Schweiz und Chile) singen und proben gemeinsam Gospel. Das alles auf Englisch! Oder eben international mit Mimik und Gestik, mittlerweile verstehen die Chilenen unsern deutschen Chorleiter auch ohne Uebersetzung und wir den chilenischen. Und in den Pausen wir gequatscht als gaebe es kein morgen. Das alles macht so viel Freude und gibt so viel Freude, das SIngen, das Beisammensein, die chilenische Hitze, die vielen Erlebnisse.

Wir wurden heute im Park angesprochen von einem Menschen, der Geld wollte. Angeblich um seinen Bachelor als Antropologiestudent abzuschliessen. Der Gesundheitszustand seines Gebisses lies allerdings auf andere Abhaengigkeiten schliessen. Allerdings war er ausnehmend freundlich und hat uns auch einen grossen Schein Klein gewechselt. Das absurdeste war allerdings, dass er einen komplett deutschen Namen hat, weil seine Familie seit drei Generationen hier lebt. Er hat uns seinen Pass gezeigt und meinte sein Grossvater waere aus Stuttgart gekommen. Ja, auch das sind reale Begegnungen, bei denen wir Joy weitergeben und empfangen.

Wuestenerfahrungen

Nach einem irrsinnig langen Flug, bin ich gut bis Calama und San Pedro gekommen. Dort erwarteten uns tolle kleine Bungalows und Wueste! Heiss und trocken und staubig und windig. 30 Grad sind hier im Sommer gerade normal. Jeden Tag haben wir Ausflugsfahrten gemacht ins Hochland, an Salzseen mitten in bizarren Steinlandschaften, heute morgen ganz frueh in das Hochland auf 4600 Meter. Dort gab es Geysire und heisse Quellen zu bestaunen und wir konnten in einer Thermalquelle baden. Am letzten Tag ging es nochmals in die Salzwueste und an eine Salzlagune, in der man badén konnte. In Salzwasser mit ueber 30% Salzgehalt schwebt man eher, als dass man schwimmt. Es war herrlich und sehr lustig.

Auch Flamingos gab es wieder zu bestaunen. Wie machen die Viecher das bloss, stehen im komplett salzigem Wasser und fressen winzige Tiere.

Sylvester ist bei uns 4 Stunden spaeter als bei euch in Europa. Wir werden ein tolles chilenisches Menue heute abend haben und die Nacht in der Wueste geniessen.

Nachtrag: Die Chilenen feiern hier durch. Direkt neben unserem Hotelbungalow war wohl die groesste und vor allem lauteste Party. Totz Ohrstoepsel und Kopfhoerer und Kissen hatte ich die Nacht ueber das Gefuehl direkt unter einer  Box zu liegen.

Mit dem Bilder einfuegen ist der Rechner in der Wueste noch uebrfordert. Ich hoffe, dass ich ab morgen in Santiago das hinbekomme.

Kompetenzorientierung

Beim Rumsuchen  und Querlesen bin ich auf das Lehrerfortbildungsportal von BW gestoßen:

http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/religion/gym/

Da wird sehr viel erzählt über ko Unterricht und Umsetzung im Gymnasium. Das gibt mir zwar Impulse, aber leider gibt es nichts direkt für die Hauptschule.

Allerdings finde ich die Arbeitsfassung der neuen Bildungspläne ganz gelungen.

http://www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/arb

Ich denke, damit kann ich was anfangen!