#Coding im #Religionsunterricht: Warum und Wie?

Morgen beginnt es also, die lang angedachte und geplante Einheit zum Thema “Hilfreiche Ideen für die diakonischen Werke”. Im Zuge des Projekts ist folgende Vorgehensweise angedacht: Am Ende der Einheit (28.2) soll ein Calliope Mini so programmiert sein, dass er als konkrete Hilfe einer Rollstuhlfahrerin helfen kann.

Die Nachricht von Boris und Nachfragen aus Schülerschaft und Kollegium beschäftigte mich stark im Vorhinein und entwickelte eine besondere Relevanz für die Planung und Rechtfertigung meines Unterrichts.

Wichtige Einsichten sind dabei leitend:

  1. Wir sind nicht im Physik-, sondern im Religionsunterricht;
  2. Meine Schüler weisen unterschiedliche Stärken und Vorlieben auf, die ich auch im Unterricht zur Geltung kommen lassen will;
  3. Alle Schüler des Kurses möchten -ihren Möglichkeiten entsprechend!- etwas dazu beitragen, Menschen zu helfen – bestenfalls dauerhaft.

Da ich immer wieder von Kollegen und Schülern gefragt wurde, wie ich dies mit dem Religionsunterricht vereinbaren könnte, möchte ich meine Überlegungen hierzu darlegen.


zu 1.) Wir sind im Religionsunterricht und nicht in Physik!

Religionsunterricht ist in Hamburg ganz besonders gestrickt und soll den Schülern nicht nur Wissen sondern auch religiöse Sichtweisen und Perspektiven vermitteln. Grundlegend für alle großen Religionen ist, dass sie den Menschen und besonders die Schwachen der Gesellschaft im Blick behalten. Hier setzen Religionen an und übernehmen oftmals ganz pragmatisch Verantwortung und HELFEN. Diese Hilfe lebt allerdings vom Einsatz derjenigen, die Ideen haben und diese gemeinnützig in die Tat umsetzen.

Es ist wichtig, diesen Ansatz im Auge zu behalten, da es in Religion eben nicht um die technische Möglichkeit geht. Es geht auch nicht einfach darum, wie man etwas umsetzt. Vielmehr ist handlungsleitend, was man für ein Ziel anstrebt sowie die Vorgehensweise und das Resultat ethisch zu reflektieren.

Unser Ziel ist es zu helfen und diese Hilfestellung auch der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Es ist uns als Projektinitatoren und Kurs wichtig, nicht nur punktuell zu helfen. Wie gesagt, ist es immer Ziel der großen Religionsgemeinschaften an die Schwächeren in der Gesellschaft zu denken, diese zu unterstützen und zwar so, dass alle -nicht nur die Reichen unter ihnen!- sich diese Lösungen leisten können. Das können wir auch im Kleinen! Da die Welt von morgen, unsere Alltagswelt – wie gesagt!- von Algorithmen durchdrungen sein wird, ist die Beschäftigung damit zwingend und ein ganzheitliches Anliegen!

Entsprechend twitterte auch Boris -wichtige Schlagworte unseres Unterfangens aufgreifend!- zu Recht:

“Der selbstfahrende Tisch der Schüler*innen des soll Menschen mit Rollstuhl im Alltag helfen.

zu 2.) Die unterschiedlichen Stärken meiner Schüler dabei zu nutzen, ist dabei eines unserer vorrangigen Ziele.

Dies aufgreifend schicke ich vorweg, dass ich nicht naiv bin. Alle Schüler haben Lust den Leitspruch zu entsprechen: ! Aber nicht jeder sieht unmittelbar den Sinn und Zweck im Programmieren selbst, um dieses Ziel zu erreichen. Einige Schülerinnen können hervorragend zeichnen, andere schreiben gerne, manche Schüler bauen gerne Dinge zusammen und andere lieben PCs und Coding. Das ist gut und das macht auch Sinn im Gesamtprozess. Wie im Artikel “Der helfende Tisch” deutlich wird, gibt es für jeden etwas zu tun. Trotzdem möchte ich, dass alle wenigstens ein Gefühl für das Programmieren entwickeln.

Eingangs wurde die Frage aufgeworfen, was die Durchdringung der Welt durch Algorithmen mit den Menschen tue. Das Unverständnis der Funktionsweise lässt die Menschen heutzutage ahnungs- und hilflos zurück. Im Religionsunterricht sehe ich besonders anhand des jetzigen Projektes folglich folgende Chancen:

Wir

  1. schaffen ein Verständnis für die Funktionsweise;
  2. zeigen Möglichkeiten der Nutzung zum Guten;
  3. erschaffen konkrete Anlässe zur ethischen Reflexion.

zu 3.) Alle Schüler des Kurses möchte etwas dazu beitragen, Menschen zu helfen – bestenfalls dauerhaft.

Diesem Wunsch entsprechend sollen die Ergebnisse des Kurses als OpenSource zur Verfügung gestellt werden. Denn handlungsleitend sind für uns die eingangs aufgeworfenen Fragen:

  1. Was baue ich?
  2. Für wen?

Durch die konkrete Beantwortung der Frage ist unsere Arbeit im Religionsunterricht sinnhaft und exemplarisch:

Einen “helfenden Tisch” für eine Frau, die im Rollstuhl sitzt und den Bedarf daran formuliert hat!

Allerdings ist das Schicksal, an den Rollstuhl gebunden zu sein, ja kein Einzelfall, so dass das Teilen und Verbreiten der Ergebnisse Sinn macht.

Ausblick: Inspiriert von einem Gespräch mit einer Schülerin der S2, dachten wir in diesem Zuge stärker über eine Präsentationsplattform nach. Sie hat sich neben den beiden Oberstufenschülern Moritz und Louis noch Maria-Luisa (ebenfalls aus der S2) zur Verfügung gestellt, zu helfen und würde beim Aufbau einer Präsentationsseite eventuell mitarbeiten.

Luisa hatte bei einem Austausch mit den beiden anderen Schülern aufgeschnappt, um was es geht. Daraufhin sprach sie mich spontan an und bot ihre Hilfe an, da sie bereits Erfahrungen aus Kanada mit Coding hatte und diese Arbeit dort zu schätzen gelernt hatte.


Nach der vorangegangenen Darlegung kann ich nur noch das Fazit ziehen:

Ja, auch Programmieren gehört in den Religionsunterricht. Allerdings steht der Inhalt und die Prägung des Faches im Vordergrund und das Ziel ist in den Religionen als “Fürsorge für die Schwachen der Gesellschaft” klar vorgegeben. Denn die Religionen rufen in ihren Lehren zu einem mitfühlenden, sensiblen und pragmatischen Handeln auf, welches den Menschen in unserer Gesellschaft zugute kommen, die es am meisten brauchen.

Im Zuge der industriellen Revolution ist das Maß der Dinge in erster Linie der wirtschaftliche Erfolg geworden. Eine Zeile Code kann heute die Welt verändern. Die Frage danach, ob das, was wir tun, nicht nur rentabel ist, sondern auch den Menschen dient, ist relevanter denn je. Die Kinder sollen mündig entscheiden lernen: Für wen und für welchen Zweck schreibe ich diese Zeile in der neuen “Sprache”!

In diesem Sinne sehe ich in der Aufgabe, auch im Religionsunterricht “Coding” zu thematisieren, einen Auftrag dafür, die Schüler in einem ihnen entsprechenden Unterricht

  • auf die Zukunft vorzubereiten,
  • handlungsfähig zu machen und
  • das Bewusstsein dafür wach zu halten, wie praktische Hilfen konkret aussehen und umgesetzt werden können!

Für eine sozialere Gesellschaft -auch morgen noch!- für die die Schüler schließlich auch im Religionsunterricht ausgebildet werden müssen und die sie ethisch verantwortlich einordnen und beurteilen können sollen, plädiere ich folglich auch für Coding im Religionsunterricht.

Die konkrete Zuhilfenahme des “Calliope minis” ist der großzügigen Unterstützung des Arbeitgebers von Herrn Crismancich, der Firma Erminas GmbH, zu verdanken, die unseren Schülern, die Calliopes als Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen. Auch die Raspberrys, die wir zum Programmieren brauchen, werden meinem Kurs durch die Firma zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich hierfür bedanken.


Im Zuge unserer Arbeit werde ich hier regelmäßig von Fortschritten, Problemen und dem grundsätzlichen Vorgehen berichten.

Hierbei sollen sie alle zur Verfügung stehenden Hilfestellungen bekommen

  1. aus der Schule:
    1. von unseren Oberstufenschülern und Nachwuchsprogrammierern Moritz und Louis und
    2. mir als Betreuungsperson im Religionsunterricht sowie
  2. von Externen wie
    1. Herrn Crismancic, als hauptberuflicher Programmierer und Betreuer in “Jugend hackt”mit viel Know-How
    2. Erminas GmbH durch die benötigten Calliopes sowie
    3. finanzielle Unterstützung für die benötigten Materialien von der Nordkirche.

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