31.01.2018: Der “Hilfe-Tisch”

“So macht Unterricht Spa├č”, dachte ich mir, als ich erfreut aus der Schule ging…. Aber alles von Anfang an:

In der Pause hatte ich gerade die Bilder, die die Klassenstufe 10 bearbeitet hatte, um sie zu Virtuellen Religionsr├Ąumen mit dem Thema Sterben – Tod – Jenseits f├╝r Islam und Christentum zusammenzubauen, wieder sortiert und von den Kleberesten befreit, als ich ein Zeitfenster erwischte, in dem ich unseren Schulleiter kurz sprechen konnte. Kaum war das Gespr├Ąch beendet, traf ich schon auf Boris, der vor dem Sekretariat mit Sch├╝lern schnackte. Prompt konnte ich ihn einsammeln und so ging es nahtlos ├╝ber in die Vorbereitung des Klassenraumes f├╝r den Religionskurs Klasse 7. Wir bauten die Rechner auf, brachten sie online, organisierten Verl├Ąngerungskabel, Mehrfachstecker und nat├╝rlich die Calliopes, die im B├╝ro unserer Abteilungsleitung hinterlegt waren. Erfreulicherweise hatten wir dieses Mal einfach sehr viel Ruhe, eine wirklich konzentrierte Arbeitsatmosph├Ąre in der Pause und die Sch├╝ler, die letzte Woche noch ganz unruhig waren, waren diese Woche vorbildlich und r├╝cksichtsvoll. Ich war sehr beeindruckt von der Disziplin, die sie heute an den Tag legten.

Als wir alles fertig organisiert hatten, hatten wir noch genau drei Minuten bis zum Stundenbeginn. Wir trommelten die Sch├╝ler des Kurses, die nun langsam fast vollz├Ąhlig eingetrudelt waren in dem Sitzkreis zusammen. Erfreulicherweise hatten wir direkt zu Beginn der Stunde Verst├Ąrkung aus unserer Oberstufe bekommen: Louis und Moritz -aus der jetzigen S1 (baldigen S2)!- hatten sich bereit erkl├Ąrt, das Projekt unseres Religionsunterrichts zu unterst├╝tzen. Sie waren nun anwesend, um sich einerseits Boris und dem Kurs vorzustellen, andererseits aber auch um einen ├ťberblick zu bekommen, was wir in unserem Kurs bis zur Pr├Ąsentation am 28.02 planten.

Boris redete auch gar nicht lange drum herum und ├Ąu├čerte ehrlich, dass ihn der Gedanke nicht losgelassen hatte, dass er in der letzten Stunde einerseits den Sch├╝lern klar machen wollte, dass sie alles schaffen, andererseits aber einige Ideen nicht umsetzen k├Ânnten. Er griff folgerichtig die Idee einer Gruppe von Sch├╝lerinnen auf, die sich in der letzten Stunde gew├╝nscht hatten, etwas Gutes f├╝r Rollstuhlfahrer zu programmieren. Dem Impuls folgend sammelten die Sch├╝ler erst einmal Ideen, die Rollstuhlfahrern helfen k├Ânnten, ihren Alltag einfacher zu bew├Ąltigen. Boris erz├Ąhlte daraufhin, dass er mit einer Rollstuhlfahrerin geredet h├Ątte und diese den Wunsch ge├Ąu├čert habe, dass sie sich wirklich dar├╝ber freuen w├╝rde, wenn sie einen Tisch h├Ątte, den sie so steuern k├Ânnte, dass sie nicht immer alles umst├Ąndlich und kompliziert auf ihrem Rollstuhl durch die Wohnung bringen m├╝sste. F├╝r meine Klasse lag die L├Âsung auf der Hand und sie wollten helfen: Sie wollten einen Tisch bauen.

Die Oberstufensch├╝ler Louis und Moritz waren im Bilde und es schien ihnen intuitiv klar zu sein, wie sie meine Sch├╝ler in den n├Ąchsten Stunden unterst├╝tzen k├Ânnten. Daher nutzten sie die Chance, best├Ątigten die Machbarkeit des Projekts und kehrten nach der Absprache jede Woche eine kurze Stipvisite in dem Religionskurs zu machen, um einerseits den Sch├╝lern helfen zu k├Ânnen, andererseits aber auch nicht zu viel Unterricht zu verpassen, in ihren Unterricht zur├╝ck. Wir kl├Ąrten in diesem Sinne ab, dass es sch├Ân w├Ąre, wenn jede Kleingruppen zu Beginn einer Doppelstunde kurz Impulse von ihnen bek├Ąme, worauf sie beim Programmieren der Idee zu achten habe und wie sie weiter vorgehen k├Ânnte. Hierf├╝r w├Ąre es ausreichend, wenn alternierend jeweils einer der Oberstufensch├╝ler einen Teil der Doppelstunde unterst├╝tzen k├Ânnte. Die Frage stellt sich, ob Herr Crismancich sich ebenfalls einmal via Videotelefonie (als “Graue Eminenz”) ├╝ber das Smartboard in den Unterricht einschalten wollen w├╝rde. Auf diese Weise h├Ątten die Sch├╝ler drei Mal direkte und unmittelbare Unterst├╝tzung sowie die M├Âglichkeit ihre Projektfortschritte den ├älteren gegen├╝ber darzulegen und so abschlie├čende Hinweise und ein angemessenes Briefing zu erhalten. Wieder war ich beeindruckt von der Fokussiertheit und Leistungsbereitschaft, der beiden Oberstufensch├╝ler unserer Schule.

Und schon ging es ├╝ber in die Planung. Die Sch├╝ler brainstormten, was man f├╝r einen Tisch, den sich die Rollstuhlfahrerin zur Alltagsbew├Ąltigung w├╝nschte, brauchen k├Ânnte und sie wurden auch schnell sehr konkret:

Nun ging es an das Design: Die Sch├╝ler teilten sich in zwei Gruppen. Jungen “gegen” M├Ądchen. Boris sprach und plante mit den Jungs und ich mit den M├Ądchen. In meinem Kopf wurde dabei z├╝gig aufger├Ąumt mit dem Vourteil, dass M├Ądchen keine Ahnung von Technik h├Ątten. Sie machten sich direkt eine Skizze eines Tisches: Dieser sollte eine erste rutschfeste und schmutzabweisende Stellfl├Ąche mit Halterungen f├╝r Flaschen oder Gl├Ąser haben sowie eine zweite Fl├Ąche, auf der Zeitschriften etc. transportiert werden k├Ânnten. (ÔÇťSie soll ja nicht Angst haben m├╝ssen, dass etwas ruckelt und dann kaputt geht!ÔÇť) Daraufhin ging es schon um die Frage, wie die R├Ąder g├╝nstig angebracht werden k├Ânnten, wo der Motor geschickt untergebracht werden k├Ânnte, wie viele Moteren denn wirklich von N├Âten seien und welche R├Ąder wie am besten angetrieben w├╝rden, um die gr├Â├čte Reibungslosigkeit und die geringste Anf├Ąlligkeit f├╝r Sch├Ąden zu vermeiden. (ÔÇťEs ist ja schlie├člich ├Ąrgerlich, wenn st├Ąndig etwas kaputt geht und nicht helfen kann… oder sich st├Ąndig verhakt!ÔÇť)

Nach zwanzig Minuten pr├Ąsentierten wir unsere Ideen gegenseitig. Die M├Ądels zeigten ihre Skizze und gemeinsam kl├Ąrten wir die Problematik der Motoren, die anfangs zwar von den Jungs, im Laufe der Auseinandersetzung immer mehr von den M├Ądchen dominiert wurde. Die Gesamtheit der Ideen ergab eine sch├Âne Kombination, die zur Festlegung der notwendigen drei Schritte dorthin f├╝hrte:

 

Schlie├člich mussten sich die Sch├╝ler nur noch zuordnen und Verantwortung f├╝r einzelne Arbeitsschritte ├╝bernehmen. Erfreulich bei der Zuordnung war die Zusammenfindung in wenigstens einem gemischten Team. Die Teams insgesamt fanden sich fast m├╝helos.

Schade ist es, dass ich f├╝r die Arbeit lediglich meine privaten Laptops zur Verf├╝gung habe und im Idealfall auch noch Boris zwei Laptops f├╝r die Programmierung zur Verf├╝gung stellen k├Ânnte. Dennoch hoffen wir, dass diese Ausstattung im Zusammenspiel mit der Recherchearbeit ausreicht, damit jeder seine Aufgabe im Team wahrnehmen kann.

Neben der Programmierung haben die Sch├╝ler allerdings auch daran gedacht, was sonst zu ber├╝cksichtigen ist: Sie verwiesen darauf, dass nach dem Schreiben der Programme:

  • ein Bauteam den Tisch zusammenschrauben m├╝sse;
  • ein Dokumentationsteam eine Anleitung erstellen m├╝sste, die das m├╝helose Nachbauen erm├Âglichen w├╝rde;
  • ein ├ťbersetzungsteam daf├╝r Sorge tragen m├╝sse, dass so viele Menschen wie m├Âglich Zugang zu ihrer Arbeit erhalten k├Ânnten.

Begeistert schienen einige von der Idee zu sein, dass wir das Tischchen der Dame, die den Wunsch ge├Ąu├čert hatte, ├╝bergeben k├Ânnten. Hierf├╝r habe ich, um einen entsprechenden Rahmen zu schaffen, in den B├╝cherhallen Altona angefragt, ob wir die Pr├Ąsentation und ├ťbergabe dort machen k├Ânnten. Auf dem #bcnordkirche lernte ich Lena Modrow kennen, die bereits Interesse an dem Projekt meiner Sch├╝ler bekundete. Daher fragte ich sie, ob sie Lust habe, ├╝ber die Arbeit an dem Projekt zu berichten. Erfreulicherweise hatte sie Lust und Zeit und w├╝rde gerne dazu kommen.

Da sie, als Nachrichtenredakteurin der Nordkirche in unseren Religionsunterricht kommen m├Âchte, ist es mir allerdings ein Anliegen die Eltern vorab zu fragen, ob sie damit einverstanden sind, dass im Rahmen der ├ľffentlichkeitsarbeit des Gymnasium Altonas Fotos und ├äu├čerungen ihres Kindes verwendet werden, um die Aktivit├Ąten des Religionsunterrichts im Zuge des Unterrichtsprojektes ÔÇ×Die hilfreiche Idee ÔÇô Programmieren f├╝r den guten Zweck in karitativen EinrichtungenÔÇť darzustellen.

In der Hoffnung auf Zustimmung bin ich nun gespannt auf die folgenden Stunden. Hierf├╝r haben wir allerdings noch eine Menge Arbeit:

W├Ąhrend Boris sich um die Materialien (siehe oben!) k├╝mmert und das technische Equipment organisiert, werde ich die Materialien als Nachschlagewerk (zu den Oberthemen “Festlegung der Befehle”, “Kommunikation der Calliopes” sowie “Antrieb eines Motors”) zusammenstellen und vorab unseren Oberstufensch├╝lern zukommen lassen. Damit m├Âchten wir eine reibungslose Peer-to-Peer-Beratung w├Ąhrend des Projektes sicherstellen.

In einem sind Boris und ich uns jedoch einig: Wir haben ein gutes Gef├╝hl und hoffen, dass die Sch├╝ler am Ende zufrieden mit den Ergebnissen und ihrer Leistung sein k├Ânnen. Die Basis daf├╝r war jedenfalls gelegt: “So macht Unterricht Spa├č”, dachte ich mir, als ich erfreut aus der Schule ging….

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