Virtuelle Rundgänge – Experimente für entdeckendes Lernen von Sakralbauten

VR eignet sich für entdeckendes Lernen, soviel ist sicher – und das unabhängig von dem Standpunkt des Betrachters! Aber wie kann ich relevante VR erstellen? Und was gilt es zu beachten?

Immer wieder machte ich mir im Zuge meiner Vorbereitung um zwei Sachen besonders Gedanken, die ich einfach nicht aus dem Kopf bekam:

1. Wie kann ich trotz des fehlenden WLANS mit den mir zur Verfügung stehenden Geräten anständige Fotos in den Sakralbauten aufnehmen?

2. Ein VR-Bild erzielt zwar einen guten Einblick von einem Raum, aber die wenigsten Räume kann man von einem Punkt im Raum einsehen und alle Details in sich aufnehmen.

Als erstes näherte man sich ihnen von außen und gewinnt so einen ersten Eindruck von Stil, Erhabenheit und Größe. Daraufhin geht man zweitens durch die Tür, um aus den profanen Außenbereich in den sakralen Innenbereich zu gelangen. Nun nähert man sich in mehreren Etappen dem Allerheiligsten. Je nach Ausrichtung der Gemeinde werden dabei unterschiedliche Dinge inszeniert. Je größer die Sakralbauten sind  oder je komplexer die Räumlichkeiten, desto dringlicher muss die Frage beantwortet werden muss, wie man diese Vielfalt angmessen in der Virtuellen Realität darstellen kann. Von besonderer Relevanz sind dabei drei Fragen:

  1. WIE kann ich die Bilder aufnehmen;
  2. WO können die Bilder gespeichert werden und
  3. WIE können aus ihnen Rundgänge entstehen.

zu 1.) WIE kann ich die Bilder aufnehmen?

Ich dachte an die Google-Street-View-App wusste allerdings, dass ich damit nicht sehr weit käme, da ich in den meisten Kirchen kein WLAN haben würde. Dementsprechend wusste ich, dass ich im Notfall auf meine eigenen mobilen Daten zurückgreifen werden muss. Im Idealfall sollte es allerdings mit normalen Android-Handys gehen – und möglichst ohne Daten-Preisgabe.

In diesen Überlegungen hatte ich Glück und ich konnte auf eine YI VR 360 zurückgreifen, die mir durch einen Nutzungsvertrag für drei Jahre zur Verfügung gestellt wird. Mit der YI Vr 360 hatte ich eine Kamera, die hervorragende Bilder ohne Stiching-Ränder unmittelbar nach der Aufnahme verarbeitet. Desweiteren ware es möglich einfach via APP ein Android- oder auch ein IOS-Smartphone zu koppeln und damit die Bilder zu schießen.

Die Frage ist dabei -und dies wird anhand der Kreuzkirche getestet!- wie nah oder fern man der Kamera für die Aufnahmen sein muss. So oder so war mir allerdings klar, dass die Aufnahmen für die Kirche nicht das Problem darstellen sollten.

zu 2.) WO könnten die Bilder gespeichert werden?

Zweitens gab es wieder die Möglichkeit – wie kann es anders sein?!- mit Google-Photo-Sphere einen Google-Dienst zu nutzen. Dieser ermöglicht nicht nur die Aufnahme von 360°-Aufnahmen, sondern stellt ebenfalls die Möglichkeit zur Verarbeitung mehrer Fotos zu einem Rundgang bereit. Das zusammengebundene Bundle aus 360°-Fotos wird dann auf Google-Earth verlinkt und gibt Einblicke in die entsprechenden Orte. Aber kostenloser Speicherplatz wird meist durch Preisgabe von persönlicher Daten teuer erkauft…  Eine weitere Frage ist dabei wie gut sich die Aufnahmen der Yi VR 360 in Google-Maps integrieren lassen.

Da ich die Datenflüsse durch Nutzung der Handys aus der Uni-Würzburg verschleiere und nicht die Schüler zuzuordnen sind, gleichzeitig aber auch die Geo-Lokalisation im Sinne der Gotteshäuser ist, sah ich in diesem Punkt vorerst keine Probleme wurde aber von der Realität eingholt: Kein WLAN = KEINE Fotos mit den Google-Diensten. Wie allerdings die Prototypen-Fotos der Kreuzkirche zeigen (leider auf einem Tisch aufgenommen) lassen sich die Fotos der Kamera einstellen und verknüpfen.

zu 3.) WIE können aus ihnen Rundgänge entstehen.

Ja, und schon waren wir beim nächsten Problem! Wir werden also den Gotteshäusern mit hervorragenden Fotos gerecht (WENN man ein paar Regeln befolgt!) und wir müssen uns jetzt nur überlegen, wie wir der Komplexität in Ausstattung und Bauweise angemessene Wirkung verleihen. Diesbezüglich hatte ich bisher zwei Ansätze:

Es gibt die Möglichkeit über den kostenpflichtigen Dienst “Thinglink” 360°-Panoramen zu verknüpfen (wie auch mit dem benannten Google-Dienst!), allerdings schafft man über den benannten Dienst weiterhin die Anreicherung der Rundgänge durch Audio-Clips, Präsentationen oder Bilder. Zwar ist mir bewusst, dass dieser Dienst seine Vorteile hat, da er

  1. die Verlinkung von 360°-Bildern zu Virtuellen Rundgängen ermöglicht;
  2. die Möglichkeit eröffnet diese 360°-Bilder interaktiv zu machen, indem man Vorträge, Kurzvideos, Slideshows oder gifs einbindet und
  3. einen Link frei gibt, der problemlos auf Wibsides eingebunden werden kann.

Eine andere Möglichkeit stellt der Dienst Vizor 360° dar. Dieser Dienst hat mehrere Versionen und ermöglicht die Zusammenstellung von Rundgängen per Drag & Drop. Außerdem bietet er kostenlose Edu-Plans. Leider ist ein Rundgang bei der kostenlosen Option auf sechs Bilder begrenzt.

Dennoch tat ich mich bisher schwer diese Variante zu wählen, da ich ideologisch eher lange brauche, bis ich den Entschluss fasse, Schüler

  1. mit kostenpflichtigen Arbeitsmitteln arbeiten zu lassen: Es ist schließlich nicht meine Aufgabe als Lehrerin Lobby-Arbeit für Firmen zu betreiben oder Kinder darauf zu trainieren, mit Programmen zu arbeiten, die für zu Hause (aufgrund von Handling oder – wie hier!- Preis) nicht einfach nutzbar sind;
  2. mit Diensten zu arbeiten, die bei Kündigung des Abos das entsprechende Angebot einstellen und somit die Ergebnisse nicht mehr verfügbar sind.

Anhand der Bilder der Ulu werde ich die erste Masse der Bilder aufnehmen und probeweise erste Rundgänge zusammenbauen.

Die m.E. beste Möglichkeit ist allerdings die Arbeit mit dem H5P-Tool für virtuelle Rundgänge. Sobald man eine WordPress – Instanz hat, kann man über ein Plug-in die H5P aktivieren und Touren damit machen…


Fazit:

Aus meinen Ausführungen wurde bereits ersichtlich, auf was es nun ankommt: Die verschiedenen technischen Vorgehensweisen müssen ausprobiert werden. Gleichzeitig wurden aber auch die damit verbundenen Probleme aufgewiesen.

Einerseits werde ich die Prototypen-Fotoaufnahmen in der Kreuzkirche testen. Hierbei werde ich die Google-Dienste und die Kameras in der Kreuzkirche der Tabita-Gemeinde erstmals ausprobieren. Durch die Unterstützung von Jens Palkowitsch-Kühl habe ich die Möglichkeit Thinglink zu testen und werde einen Prototyp für einen Rundgang erstellen.

Insgesamt bin ich dennoch der festen Überzeugung, dass H5P als eine OpenSource-Alternative gut funktioniert, um die Dauerhaftigkeit der Ergebnisse zu garantieren. Das Prinzip ist scheinbar recht einfach und effektiv: Aus der Betrachtung der Aufnahmen schließe ich, dass die 360°-Kugel-Panoramen aus Einzelbildern gestitcht sind. Die Art und Weise der Fortbewegung ist bei Thinglink und Google-Street-View ähnlich: Ein Punkt kann (mit den Augen!) anvisiert und erreicht werden und ein neues Foto wird geladen. Entsprechend schlussfolgere ich, dass es sich hier um Hyperlinks handelt, mit denen die Photos untereinander verknüpft wurden.

Trotzdem: Die ersten Experimente begeistern die Kinder und mich und die Aufbereitung der religiösen Inhalte macht sie sprachmündig und dialogfähig… Es bleibt zu hoffen, dass sie dieses in der VR weitergeben werden.

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