Zusammenfassung der Lektüre der Skripte zu “Datenschutz & Datenhoheit”

1 Der zukünftige Umgang mit dem Wirtschaftsgut “Daten” muss juristisch konkretisiert und politisch/wirtschaftlich geregelt werden, so dass

    1. Geschäftsmodelle kritisch hinterfragt werden können (insbesondere: Service für Daten, da Wert, der durch Verknüpfung entsteht, nicht absehbar ist) &
    2. das Privacy-Paradox (Jeder weiß, dass man vorsichtig mit privaten Daten umgehen soll, allerdings steht dem die Untugend der “Bequemlichkeit” oder die Illusion der “Kontrolle” entgegen) aufgebrochen werden kann.
        • Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung-2019-Datenverwertung und Datenethik-02

2 Dabei müssen zwei Wege a) im Hinblick auf Wirtschaft und b) Nutzer verfolgt werden

    1. Die Durchsetzungsasymmetrie muss staatlich/juristisch durchbrochen werden
      • DSGVO = erster guter Schritt, geht aber nicht weit genug;
      • Möglichkeiten:
        • Personalisierung
        • Pravacy-Bots
        • kollektive Kontrollmechanismen
          • gestaffelte Einwilligungen
          • Bilder
          • Ampeln
          • Stiftung “Datentest”-Siegel
            • Quelle: Auszug aus “Mario Martini – Blackbox Algorithmus – Grundfragen einer Regulierung künstlicher Intelligenz”
    2. Die Nutzer müssen in die Lage versetzt werden, ihr Nutzerverhalten zu modifizieren.
      • Ethik macht Klick zeigt einen exemplarischen Sensibilisierungsprozess in sieben Stufen auf, der auf weitere Anwendungsbeispiele übertragbar ist.
        • Sensibilisierung
        • Erkennen d. Mechanismen von Datenpreisgabe & -sammlung
        • Auseinandersetzung mit Risiken
        • Reflexion über die Folgen der Privatsphäreverletzung
        • Wertekonflikt thematisieren
        • Ethos der Privatheit
        • Handlungsoptionen
      • Quelle: Grimm Petra-2018-K061-Ethik-macht-klick_2019698615691
        •  

3 Die Bitkom unterstützt die Äußerungen der hierzu gegründeten DEK, insofern sie nicht ihre wirtschaftlichen Interessen bedrohen, weshalb eine Befürwortung einer Beschränkung von Weitergabe und Nutzung von Big Data ausbleibt.

    • Quelle: Stellungnahme zum Abschlussbericht DEK-Dateneigentum

4 Die Kirche muss sich innerhalb dieses Problemfeldes als wirtschaftliches Unternehmen mit besonderer ethischer Verantwortung im Zuge der Digitalisierung positionieren und erneuern, wobei sie folgende Aspekte zu berücksichtigen hat:

    1. Prüfkriterien des Transformationsprozesses
      • Ist-Zustand in voller Komplexität erfassen
      • Fachbereiche & Bedarf first – It-Lösungen second
      • kritisches Abwägen  – beurteilen
      • Expertise, Aufklärung und Partizipation
      • Rückholbarkeit von Konstruktionen & Architekturen
      • Entwicklung möglicher Zukunftsalternativen
      • Anlegen ethisch getragenes Qualitätsicherungsstandards
    2. Adäquatheit der Institution
      • Bedingung: Berücksichtigung polit-kulturell gewachsener Strukturen , die der Demokratie förderlich und ihr immanent (Föderalismus, Selbstverwaltung, Ressortprinzip) sind
    3. Kriterien zum Schutz der Person
      • Nonmaleficience: Eines der grundlegenden Moralprinzipien ist das Nichtschadensprinzip
      • Beneficience: Prinzip der positiven Fürsorgepflicht
      • Justice: Gerechtigkeitsprinzip
      • Fidelity: Offenlegung wie
        1. mit Daten umgegangen wird;
        2. Daten geschützt werden;
        3. Bedenken und Ängste berücksichtigt werden.
          • Quelle: Frank Grubauber_Verwaltung 4.0 als medienethische Herausforderung, in: Theologische Medienethik im digitalen Zeitalter

5 Theologie ist aufgefordert zur Übernahme von Verantwortung in der Diskursgestaltung und Entwicklung einer Ethik des Digitalen als politischer Akteur mit ethischen Grundsätzen und Glaubensüberzeugungen wobei mögliche Schwerpunkte sind:

    1. sprachsensible Diskursgestaltung auf erkenntnistheoretischer und ontologischer Basis, in der spezifische Charakteristika des Menschen nicht inadäquat auf technische Artefakte/Maschinen übertragen werden und andersherum (“Vorrangige Aufgabe der Ethik ist eine Sprach- und Diskurskritik”)
      • Quelle: Daten als Rohstoff – Ralph Charbonnier_Wahrnehmen entscheiden handeln;
    2. “Gebote”, die das Individuum befähigen in der Digitalität ermöglichen
      1. ein verantwortungsvolles Verhalten  im Miteinander &
      2. Mitgestalten der Gesellschaft 
        1. Gebote (z.B. Haberer)
          1. Du musst dich nicht vereinnahmen lassen ;
          2. Du darfst keine Unwahrheiten verbreiten;
          3. Du sollst den netzfreien Tag heiligen (Digital Detox);
          4. Du sollst dein Datentestament machen;
          5. Du sollst nicht töten;
          6. Du sollst keine schwachen Beziehungen eingehen;
          7. Du sollst nicht illegal downloaden, Quellen zitieren & offen arbeiten;
          8. Du sollst keinen digitalen Rufmord betreiben;
          9. Du sollst Verantwortung für persönliche Daten übernehmen;
          10. Du gestaltest die Gesellschaft durch Auftreten im Netz mit.
        2. Quelle: Frank Grubauber_Verwaltung 4.0 als medienethische Herausforderung

 

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