Buch des Monats September 2014: Martyrium und Selbstopferung (nicht nur) im Mittleren Osten

Rz-Dehghani-Horsch-MartyrdomSasha Dehghani / Silvia Horsch (eds.):
Martyrdom in the Modern Middle East.

Ex Oriente Lux, Band 14. W√ľrzburg: Ergon 2014, 225 S., Abb.
— ISBN 978-3-95650-030-5 —

Dieser Band pr√§sentiert die √ľberarbeiteten Beitr√§ge eines Workshops an der Freien Universit√§t Berlin aus dem Jahr 2011: ‚ÄúTraditions of Martyrdom in the Modern Middle East‚ÄĚ. Entstanden ist dadurch eine Vergleichsperspektive im Blick auf das M√§rtyrerverst√§ndnis in den monotheistischen Religionen, aber auch unter Ber√ľcksichtigung hinduistischer Traditionen am Beispiel von Mahatma Gandhi. Ein gewisser Schwerpunkt liegt dabei auf dem Baha‚Äôi-Glauben. Insgesamt werden von den einzelnen AutorInnen soziologische, philosophische und theologische Aspekte des M√§rtyrertums in Vergangenheit und Gegenwart wirkungsgeschichtlich untersucht. Die Konfliktsituationen in ihrer Unterschiedlichkeit bringen auch M√§rtyrerprofile in erstaunlicher Vielgestaltigkeit hervor. Dies schl√§gt sich in bestimmten Ritualen, aber auch in den k√ľnstlerischen Darstellungen nieder.

Das Buch bietet wichtige Einsichten in die religi√∂s-theologischen Grundmuster von(Selbst-)Opfer und Martyrium, haupts√§chlich in den monotheistischen Religionen und in gesellschaftlichen Zusammenh√§ngen.¬† Die ungewollten und gewollten Martyrien sind eine Herausforderung an Menschenw√ľrde und Menschenrechte. Die Wiederherstellung der Humanit√§t geh√∂rt zu den dringendsten globalen Aufgaben!

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

 Reinhard Kirste

Creative Commons-Lizenz

 Rz-Dehghani-Horsch-Martyrdom, 31.08.14

 

 

 

Die Faszination der antiken Götter

Rz-Sonnabend-GötterHolger Sonnabend: Götterwelten. Die Religionen der Antike.
Darmstadt: Theiss (WBG) 2014, 192 S., Abb., Zeittafel
— ISBN 978-3-8062-2635-5 —

Mit seinem neuen Buch bringt der Althistoriker Holger Sonnabend eine Art Fortsetzung und geht mehr erz√§hlend den einflussreichsten religi√∂sen Traditionen der Antike nach. Bis auf Judentum und Christentum haben diese ‚Äěalten‚Äú Religionen letztlich nicht √ľberlebt, aber ihre Wirkungen sind bis heute zu sp√ľren. Ich w√ľrde allerdings zu den heute noch existeiernden Religionen den Zoroastrismus dazu z√§hlen. Insgesamt gelingt dem Autor ein farbiges Religionen-Bild unserer Vorg√§nger-Religionen, wie sie sich im Zweisstromland, im Mittelmeerraum, aber auch im mittleren und n√∂rdlichen Europa entwickelt haben.

Insgesamt ist dem Autor jedoch eine neugierig machende Lekt√ľre f√ľr alle diejenigen gelungen, die die Brennpunkte und Entwicklungs-Sch√ľbe antik-religi√∂ser Glaubensformen und Traditionen auch im Blick auf heutige Religiosit√§t bedenken m√∂chten.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste, 24.08.2014

Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats August 2014: Die islamische Philsophie und Europa

Rz-Yousefi-Islam-PhilHamid Reza Yousefi: Einf√ľhrung in die islamische Philosophie.
Eine Geschichte des Denkens von den Anfängen bis zur Gegenwart.

UTB Philosophie Nr. 4082. Paderborn: Fink 2014, 240 S., Abb.

— ISBN 978-3-8252-4082-0 —

Der Autor, Hamid Reza Yousefi, interkulturell orientierter Philosoph mit iranischen Wurzeln, hat sich schon seit Jahren zur Aufgabe gesetzt, die Philosophie in ihrer Interkulturalität näher zu untersuchen und zu beschreiben.
Mit diesem Buch f√ľllt er nun eine erhebliche L√ľcke angesichts der √ľblichen westlich-einseitigen Einsch√§tzungen zur europ√§ischen Philosophiegeschichte.

Nun stellt Yousefi nicht einfach Kurzbiografien zu Leben, Werk und philosophischer Bedeutung einzelner Denker hintereinander, sondern nimmt im Grunde ein interkulturelles Strukturmuster der Orientierung wieder auf, das er bereits in seinem Buch ‚ÄěDie B√ľhnen des Denkens‚Äú (2013) beschrieben hatte. Von daher macht er deutlich, dass Philosophie von einem Sehnsuchtsimpuls gepr√§gt ist, der die Selbst-Auf-Kl√§rung des Menschen und die der materiellen und geistigen Welt vorantreibt.

Man merkt diesem angenehm zu lesenden Buch an, wie sehr der Autor, europ√§isch-zentrierte Sichtweisen dahingehend √§ndern m√∂chte, dass er in der Weite des Mittelmeerraum und des Mittleren Ostens den Quellgrund f√ľr vision√§re Denk-Konstrukteure sieht. Geistige Lebenskraft kann nur aus dem engen Zusammenwirken √∂stlicher und westlicher Denker auch gesellschaftlich, religi√∂s und politisch wirksam werden.

Yousefi hat mit diesem Studienbuch eine wichtige ‚ÄěOrient-Erweiterung‚Äú im Kontext europ√§ischer Philosophie geleistet.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Rz-Yousefi-Phil-Islam, 31.07.14  Creative Commons-Lizenz

 

Lernen im Trialog РGotteshäuser und Feste

Rz-Sajak-FesteDas von der Herbert Quandt-Stiftung gef√∂rderte Schulprojekt des interreligi√∂sen Lernens im Kontext von Trialog der Kulturen bietet auch entsprechende Unterrichtsmaterialien. Mit einer Gruppe von Fachleuten – gerade auch aus der Praxis – hat der Religionsp√§dagoge Claus Peter Sajak (Universit√§t M√ľnster) inzwischen zwei Hefte herausgebracht. Sie erm√∂glichen auf einer soliden theologischen und religionswissenschaftlichen Basis nicht nur Zug√§nge zu Judentum, Christentum und Islam, sondern auch m√∂gliches Miteinander durch diese Unterrichtshilfen zu vertiefen. Im Rahmen eines Seminars f√ľr k√ľnftige ReligionslehrerInnen an der TU Dortmund wurden die beiden bisher erschienen Hefte umfassend besprochen.

 Lernen im Trialog, Heft 1:
Clauß Peter Sajak (Hg.):
Gotteshäuser. Entdecken РDeuten РGestalten.

Sekundarstufen I und II.
Paderborn: Schöningh 2012
— Rezension: hier —

Lernen im Trialog, Heft 2:
Clauß Peter Sajak (Hg.):

Feste feiern. Jahreszeiten  РMahlzeiten РLebenszeiten.
Sekundarstufen I und II
Paderborn: Sch√∂ning 2013¬† — Rezension: hier —

Clauß Peter Sajak beschäftigt sich seit längerem mit den Fragen des interreligiösen Lernens. Davon zeugt z.B. das Buch:

Clauß Peter Sajak u.a.: Kippa, Kelch, Koran: Interreligiöses Lernen mit Zeugnissen der Weltreligionen.
Ein Praxisbuch. M√ľnchen:
K√∂sel 2010 — Rezension: hier —

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Die Arabische Welt im Umbruch

Rz-Pott-arab-SeeleMarcel Pott : Der Kampf um die arabische Seele.
Der steinige Weg zur islamischen Demokratie.
K√∂ln: Kiepenheuer & Witsch, K√∂ln 2012, 208 S. (mit einem kleinen Islam-Glossar, S. 194), zugleich bpb Schriftenreihe Bd. 1359 –— ISBN: 978-3-462-04407-2 —

Der Journalist und Autor Marcel Pott hat sich als Nahost-Experte durch seine Recherchen, Dokumentationen und Ver√∂ffentlichungen als kompetenter Berichterstatter und Kommentator erwiesen. Er schreibt: “Der arabische Fr√ľhling war kurz, doch er hat viele Fragen aufgeworfen, auf die es noch keine Antworten gibt.”

F√ľr den Verfasser entscheidet sich vor allem in √Ągypten mit 85 Millionen Menschen, das Ursprungsland der Muslimbruderschaft (S. 62 ff), wohin die Reise der arabischen V√∂lker in der Zukunft geht.

F√ľr den Verfasser entscheidet sich vor allem in √Ągypten mit 85 Millionen Menschen, das Ursprungsland der Muslimbruderschaft (S. 62 ff), wohin die Reise der arabischen V√∂lker in der Zukunft geht. Besonders interessant sind bereits seine Bemerkungen zu Heliopolis, wo Macht und Reichtum aufeinandertreffen (S. 13).

Analysen der √§gyptischen nach-revolution√§ren Gesellschaft und Politik bis zur Pr√§sidentschaftswahl in √Ągypten im Juli 2012 und Konflikte zwischen s√§kularen und religi√∂sen Kr√§ften und die Rolle des Milit√§rs sind auch nach dem Sturz des Pr√§sidenten Mohammed Mursi relevant. Dazu blickt er in diesem Buch auf Entwicklungen in Libyen und Syrien, in Tunesien. K√∂nnte letzteres ein Musterbeispiel f√ľr eine islamische Demokratie (S. 122 ff.) und damit Modell der gesamten arabischen Welt sein? Denn vom Atlantik bis zum Arabischen Meer ist die arabische Welt im Umbruch (S. 136 ff.).

Nun will offensichtlich Saudi-Arabien eine Union der Monarchien (S. 149), und Libyen bleibt ein Sonderfall (S.154).

Ganz aktuell ist das Kapitel: Die syrische Tragödie: Freiheitskampf oder Religionskrieg (S.162 ff.): Die Machthaber um Assad bilden immer noch einen Machtfaktor, von oppositionellen Gruppen (insbesondere islamisch und islamistisch orientierten) bedrängt. Zusätzlich wirken die auswärtigen Mächte hinein, und zwar durch die gegensätzlichen Interessen von Saudi-Arabien und dem Iran, verstärkt durch den Machtkampf zwischen den USA und Russland im Blick auf die Einflussnahme im Nahen Osten.

Der Kampf um die arabische Seele und eine neue soziokulturelle Identität sowie eine Neubestimmung des politischen Islams beginnt. Die Entwicklungen zu einem demokratischeren System erscheinen fraglich. Wahrscheinlich werden die Unruhen noch länger andauern.

Das Buch ist generell ein neutraler und gut lesbarer Einstieg in die Entwicklungen im arabischen Raum seit 2011.

Prof. Dr. Eckhard Freyer, Hochschule Merseburg

 

Rz-Pott-arab-Seele-Freyer, 29.12.13   Creative Commons-Lizenz

 

Islam und interreligiöses Lernen

Rz-Islam-bpbBundeszentrale f√ľr politische Bildung (Hg.): Islam. Politische Bildung und Interreligi√∂ses Lernen.
Arbeitshilfen f√ľr die politische Bildung.
Bonn 2002-2006, 8 Module (in 5 Material-Lieferungen), mit dem vollständigen Bild- und Textmaterial auf CDs.
Wissenschaftliches Autorenteam
‚Äď Projektleitung: Wolfgang B√∂ge, J√∂rg Bohne;
f√ľr die bpb: Franz Kiefer (verantwortlich)

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Seit mehr als sechzig Jahren hat die Bundeszentrale f√ľr politische Bildung das Anliegen, den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen zu erm√∂glichen. Dabei dient die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen vor allem dazu, um Vorurteile abzubauen, damit Verst√§ndigung und ein interreligi√∂ser Dialog √ľberhaupt stattfinden kann. Das gestellte Material zum Islam von der bpb ist √ľbersichtlich und strukturiert aufgebaut. Durch einleitende Kommentare oder orientierende Briefe wird der Leser mit den Intentionen der Autoren vertraut gemacht, so dass ein Einstieg in die Thematik leichter gelingt. Die Inhalte √ľberzeugen durch Vollst√§ndigkeit und umfangreiche Zusatzinformationen, sowie detaillierte Definitionen von eher unbekannten Begriffen aus dem Islam. Neben diesen Definitionen werden auch Karikaturen und Bilder abgedruckt, so dass man zwischen verschiedenen Zug√§ngen zur Thematik w√§hlen kann. Besonders gut eignen sich die Materialhefte und die CDs als Nachschlagewerk f√ľr Lehrer- und Lehrerinnen sowie an Religion interessierte Menschen.

Die Materialien sind nach Jahrgangsstufen sortiert und erm√∂glichen so eine unkomplizierte Art der Unterrichtsvorbereitung. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die reichhaltigen Materialhefte und CDs zum Islam eine wirklich gelungene Informationsquelle sowie ein Nachschlagewerk f√ľr (angehende) Lehrer/innen ist. Neben den f√§cher√ľbergreifenden Themen √ľberzeugen die Inhalte zudem mit ziemlicher Vollst√§ndigkeit und √ľbersichtlicher Klarheit.

Katja Niederbiermann
im Rahmen des Seminars Vielfalt des Islam
im Wintersemester 2013/2014 an der TU Dortmund

TU-DO/WiSe 2013/2014/Rz-Islam-bpb, 03.12.13    Creative Commons-Lizenz

 

 

 

 

 

 


[1]    Im Folgenden bpb genannt.

[2]¬†¬† Thomas Kr√ľger,CD 1, Vorwort S.3

[3]   CD 1, S. 12

[4]   CD 1, S. 14

[5]   CD 1, S. 52

[6]   CD 2, Vorwort an die Kollegen und Kolleginnen, S. 88

[7]   Materialien zu finden unter http://www.bpb.de/shop/

Auf dem Wege der Verständigung: Das besondere Lexikon Christentum РIslam

Rz-Islam-Lexikon-DialogRichard Heinzmann in Zusammenarbeit mit Peter Antes, Martin Thurner, Mualla Selçuk und Halis Albayrak
(Hg.: im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung): Lexikon des Dialogs.
Grundbegriffe aus Christentum und Islam.

— Band 1: Abendmahl ‚Äď Kult
— Band 2: Kultur ‚Äď Zw√∂lferschiiten.

Freiburg u.a.: Herder 2013, 851 S., Indices
(t√ľrkische und englische Ausgaben in Vorbereitung).¬†— ISBN 978-3-451-30684-6 —

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

In siebenj√§hriger Arbeit haben √ľber 100 kompetente Wissenschaftler aus Christentum und Islam zusammen mit der Eugen-Biser-Stiftung in M√ľnchen und der¬† Islamisch-Theologischen Fakult√§t der Universit√§t Ankara gemeinsam dieses Lexikon erarbeitet und zugleich die jeweilige Begrifflichkeit auch noch in t√ľrkischer Sprache erl√§utert. Mit √ľber 300 Artikeln ist hier tats√§chlich ein Mammutwerk entstanden, das es so bisher auf dem deutschsprachigen Markt nicht gibt.

Den Leitgedanken des Lexikons hat der Vorsitzende der Eugen-Biser-Stiftung, der christliche Philosoph Richard Heinzmann, klar auf den Punkt gebracht: ‚ÄěEs [das Lexikon] ist von dem Leitgedanken gepr√§gt, Christen und Muslimen vertiefte Kenntnisse √ľber die jeweils andere Religion zu vermitteln, ebenso allen an der Begegnung dieser Kulturen beteiligten Menschen Grundlagen f√ľr das Gespr√§ch und damit f√ľr das friedliche Zusammenleben und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenwirken eine Voraussetzung zu bieten‚Äú (S. 7).

Dieses Lexikon hat nicht den Anspruch, f√ľr alle theologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Probleme im Horizont von Islam und Christentum L√∂sungswege zu bieten, aber es ist ein beeindruckender ‚ÄěEtappensieg‚Äú kompetenter und nachhaltiger Verst√§ndigung √ľber gemeisanme, differierende und gegens√§tzliche Begrifflichkeiten der beiden Religionen.

Unabh√§ngig davon, wie diese Grundlagenarbeit weitergehen wird, f√ľr Forscher/innen und Interessierte ist hier bereits eine wissenschaftlich definitorische Standortbestimmung zwischen Christentum und Islam erreicht worden, hinter die niemand mehr ehrlichen Gewissens zur√ľck kann! Insofern sei den F√∂rderern, Herausgebern, dem gro√üen Autorenteam und auch dem Herder-Verlag ausdr√ľcklich gedankt.

                                                                                                                                                                                     Reinhard Kirste 

 

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                                                                                                                         Rz-Islam-Lexikon-Dialog, 16.11.13

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Den Islam spielend lernen?

Rz-The-Top-5-for-Life-SpielbrettJinan Rashid (Hg.): The Top 5 For Life.
Das Sinnspiel, das Spaß macht.

Leipzig: Cube & Orbit 2011.
Kommunikations-Spiel zum Islam mit Spielbrett, Aktions- und Bildkarten.


F√ľr Kinder ab 6 Jahren ‚Äď mit aktuell bis zu 10 Spielversionen — Preis: 29,90 ‚ā¨ —
In diesem Brettspielspiel (mit Karten) einer offensichtlich j√ľngeren muslimischen Autorin werden den TeilnehmerInnen in leicht fassbarer Weise die Hauptthemen des Islam nahegebracht:
 Die F√ľnf S√§ulen (= The Top 5): Glaubensbekenntnis, Ritualgebet, Fasten im Ramadan, Wallfahrt nach Mekka, Sozialabgabe.
Das Verständnis dieser Säulen wird durch die islamisch-monotheistische Gottessicht und die Bedeutung des Propheten Mohammed erweitert, und zwar mit dem Ziel, eine gewisse Lebensorientierung zu ermöglichen.
Dem Spiel sind mehrere Anleitungen beigef√ľgt, die einiges √ľber die Variationsm√∂glichkeiten f√ľr verschiedene Altersgruppen aussagen, allerdings sind die inhaltlichen Informationen √ľber den Islam im Zusammenhang der Spielkarten eher sparsam ausgefallen.

Die Vorz√ľge
Das Spiel “Top 5 for Life” ist damit grunds√§tzlich nach einer guten Idee entwickelt: ein Spiel, bei dem man auf vielf√§ltige Art und Weise √ľber eine Religion ins Gespr√§ch kommen kann. Besonders gelungen ist die Vielfalt an M√∂glichkeiten, die das Spiel bietet: es kann in allen Altersklassen, allein, sowie in kleinen und in gro√üen Gruppen gespielt werden. Diese Variabilit√§t ist ein sehr gro√üer Pluspunkt. Nat√ľrlich l√§sst sich das Spiel auch allein spielen. Alles k√∂nne sich so ein Bild, √ľber zentralen Inhalte des Islam verschaffen.

Probleme:
P√§dagogisches: Was die kindgerechte Vermittlung der Inhalte betrifft, stockt leider stockt gerade in den Spielvarianten f√ľr Kinder und Jugendliche die Spieldynamik erheblich. Ein Kind soll eine Bildkarte zuordnen und die anderen Kinder entscheiden, ob die Erkl√§rung einen Punkt wert ist. Die Tatsache dass Kinder entscheiden sollen, ob das Gegen√ľber gewinnt oder verliert gestaltet sich unseres Erachtens schnell zum Problem, weil dadurch die Beurteilung eines Anderen in den Vordergrund tritt.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Zuordnung zu den Oberbegriffen, weil durch die Mehrfachm√∂glichkeiten die Eindeutigkeit verloren geht und dadurch Unklarheiten √ľber Bild- und Inhaltszuordnungen aufkommen. Das kann eine Chance sein, kann aber ebenso Verwirrung stiften, weil man im Spiel normalerweise eindeutige Zuordnungen erwartet.

Mediale Darstellung: Sie betrifft √ľberwiegend die Optik und die Beschaffenheit des Spiels an sich. Sowohl die Bilder auf dem Spielbrett, als auch die der Karten sind teilweise stark verpixelt und auch in ihrer Gestaltung uneinheitlich (Comic, Foto, etc.). Das wirkt nicht sehr ansprechend. So sollte auch das Spielbrett von der grafischen Gestaltung einheitlicher sein, z.B. nur Zeichnungen oder nur Fotos. Insgesamt w√§re ein besser Qualit√§t w√ľnschenswert.

Der Preis: Das Preis- Leistungsverh√§ltnis ist nicht ausgewogen. Auch wenn die Herstellung eines solchen Spieles allein vom Material her nicht billig ist, darf man dennoch erwarten, dass bei einem Preis von fast 30 ‚ā¨ die technische Qualit√§t insgesamt besser ist.

Fazit:
Die Grundidee stimmt und sollte methodisch weiter ausgebaut werden. Als Gesamteindruck neben den unbestreitbaren Vorz√ľgen bliebt, dass ‚ÄěThe Top 5 for Life‚Äú nicht ganz bis zum Ende durchdacht ist und deshalb in der Gestaltung eine Reihe von Br√ľchen festzustellen sind. Dies lie√üe sich gewiss in einer √ľberarbeiten Auflage des Spiels verbessern.

Wir haben in einem Seminar zur Religionslehrerausbildung Chancen, Einsatzm√∂glichkeiten und Nachteile ausf√ľhrlich bedacht. Wir k√∂nnen von daher nur eine beschr√§nkte Empfehlung aussprechen.

Mehr zum Hintergrund des muslimischen Netzwerks ‚ÄěZahnr√§der‚Äú:           
http://www.zahnraeder-netzwerk.de/2013/04/22/zrk2013/

Rezension im Rahmen des Seminars ‚ÄěInterreligi√∂ses Lernen und dessen theologische Grundlagen‚Äú an der Technischen Universit√§t Dortmund (Sommersemester 2013)

Wiebke Bierbrodt und Arbeitsgruppe

Rz-The-TOP-5-for-Life, 16.07.13


 

Religionsmonitor 2013 – Studie: “Religiosit√§t im internationalen Vergleich”

Rz-Religionsmonitor-internationalDer Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung 2013 hat im Fr√ľhjahr erhebliche Beachtung und Diskussionen ausgel√∂st. 
Das gilt f√ľr den Bereich: “Religiosit√§t und Zusammenhalt in Deutschland“.
(vgl. Besprechung in den “Ein-Sichten” vom  25.06.2013).

Der k√ľrzlich vorgelegte Teil √ľber Religiosit√§t im internationalen Vergleich” d√ľrfte eine √§hnliche Wirkung zeigen.
Der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel hat die Auswertung vorgenommen.

Hier der gesamte Text zum Download

Das MIGAZIN, Fachmagazin f√ľr Migration und Integration in Deutschland (25.06.2013) hat eine √ľbersichtliche Beschreibung und differenzierte Bewertung vorgelegt. Sie zeigt, dass bei den L√§nderuntersuchungen Religiosit√§t in Europa kontinuierlich abnimmt (mit einigen typischen L√§nderabweichungen), aber au√üerhalb Europas eine gesellschaftlich entscheidende Rolle spielt. Dabei ist in Europa insgesamt ein recht entspanntes Verh√§ltnis zu Religion(en) zu beobachten. Eine Ausnahme bildet der Islam. Er wird weiterhin √ľberwiegend  negativ eingesch√§tzt und gilt f√ľr viele nicht mit der Demokratie vereinbar. Nachdenklich machende und zum Teil beunruhigende Bilanzen, auf die Religionsgemeinschaften und politisch Verantwortliche unbedingt angemessen reagieren m√ľssten!

Man darf auf die weiteren Auswertungen gespannt sein!