Mentoring bezeichnet einen Lernprozess, in dem eine erfahrenere Person (Mentor*in) eine weniger erfahrene Person (Mentee) über einen längeren Zeitraum in der Regel in Vier-Augen-Gesprächen begleitet. Das Mentoring und entsprechende Programme sind gut eingeführte und gängige Instrumente der Personalentwicklung. Zur Förderung von Chancengerechtigkeit werden sie zum Beispiel auch in Gleichstellungsprogrammen im öffentlichen und privaten Sektor und im Hochschulbereich angewandt.

Grundlegendes Ziel eines Mentoringprogramms ist es, die Mentee in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern. Dabei entsteht eine Win-Win-Win-Situation: Die Mentee profitiert vom Netzwerk und den Erfahrungen der Mentorin, die Mentorin reflektiert ihren eigenen Führungsstil und die Organisation wird zu einer lernenden Organisation.

Das vorliegende Mentoringprogramm richtet sich an aktiv im Dienst stehende Pfarrerinnen bzw. ordinierte Gemeindepädagoginnen der EKBO. Ziel des Programms ist es, qualifizierten Frauen einen exponierten Gesprächsraum zu eröffnen, in dem Fragen nach dem eigenen Führungs- und Leitungshandeln sowie der Führungs- und Leitungskultur der Organisation Kirche insgesamt kritisch-konstruktiv aufgenommen und weiterentwickelt werden können. Das Programm soll Lust machen, eine leitende Aufgabe in der Kirche wahrzunehmen und soll damit dazu beitragen, den Frauenanteil in kirchlichen Leitungspositionen (zum Beispiel im Amt der Superintendentin) zu erhöhen. Es will darüber hinaus qualifizierte Frauen in der Kirche sichtbarer machen sowie Netzwerke schaffen und stärken.

Das Mentoringprogramm ist als ein Element in einer Kette von Maßnahmen zu verstehen, die der Verbesserung der Chancengerechtigkeit in der EKBO dienen. Vor dem Hintergrund des empirisch nachweislichen starken Ungleichgewichts zwischen Frauen und Männern speziell auf der mittleren Leitungsebene der EKBO richtet es sich ausschließlich an Frauen.  Aus pragmatischen Gründen ist das Programm zunächst auf eine eng gefasste und klar definierte Zielgruppe beschränkt. Bei Folgeprojekten kann es sinnvoll sein, die Zielgruppe sowohl in ihrer Geschlechterzusammensetzung als auch mit Bezug auf die angesprochenen Berufsgruppen neu zu definieren.