Theologisieren mit Jugendlichen

Hallo Welt!

keine Ahnung, ob nach dem Ende von Openreli 2013 noch jemand mitliest – ich hab jedenfalls immer noch große Lust, ein wenig vor mich hin zu bloggen, und manchmal gibtÂŽs ja AnlĂ€sse. Diesmal die Frage nach “Theologie im kompetenzorientierten Unterricht” (Reinhard zuliebe ;-)).  Ich habe gerade ein paar sehr interessante Stunden erlebt, in denen meine SchĂŒlerinnen miteinander theologisch diskutiert haben. Ich hab ja das GlĂŒck, dass “GesprĂ€che ĂŒber religiöse Fragen fĂŒhren” im Erzieherinnenlehrplan eine der Fachkompetenzen ist – das ermöglicht einen sehr direkten Anschluss.

Den Anfang der Unterrichtssequenz hab ich frĂŒher im Blog schon mal erzĂ€hlt, unter “Erinnerung an eine gelungene Stunde” oder so Ă€hnlich. Nun wĂŒrde ich gern mit Euch ein bisschen ĂŒber Methoden plaudern und dann ein Ergebnis eines GesprĂ€ches “abdrucken”, das mich ziemlich geflasht hat.

Zur Erinnerung: Fragen meiner SchĂŒlerInnen (in Auswahl)

  • Wenn Gott die Menschen liebt – wie kann es die Hölle geben?
  • Wenn es die Hölle nicht gibt – wie kann es “Gerechtigkeit” geben?
  • Liebt Gott jeden? – was wird dann aus den Opfern von Verbrechern, hat er dazu keine Meinung?
  • Warum greift er nicht ein – oder greift er ein, und alles ist vorherbestimmt?
  • Wie kann er aber dann jemanden bestrafen, denn der hatte doch gar keine Wahl?
  • Komme ich in die Hölle, weil ich nicht religiös sozialisiert bin, und wenn, was soll daran “gerecht sein”?! usw.

 Fragen aufgreifen

Das Engagement der SchĂŒlerinnen steht und fĂ€llt damit, dass die Fragestellung ihr Interesse weckt. Deshalb werde ich, wann immer es möglich ist, echte Fragen aufgreifen, die aus der Gruppe selbst kommen. Ein GesprĂ€ch, das ich initiiere, weil ich die Fragestellung interessant finde (oder weil sie im Lehrplan steht, womöglich) kann zwar Fahrt aufnehmen – wenn jemand aus der Gruppe sich mit einer Frage herumplagt und die Gruppe um Beratung bittet, ist das aber etwas ganz anderes
 Das lĂ€sst sich natĂŒrlich kaum vorbereiten – muss aber ja gar nicht sein. Wenn ich die „handwerklichen“ Grundlagen der theologischen Moderation beherrsche, bin ich doch fĂŒr alles gewappnet


Auf „Moderation“ lege ich deshalb Wert, weil „GesprĂ€chsfĂŒhrung“ schon als Begriff ungĂŒnstige Weichen stellt. Ich fĂŒhre das GesprĂ€ch nicht – ich ermögliche es, indem ich Zeit und Raum dafĂŒr gebe, ich setze Impulse, um zu schĂ€rfen (anzufeuern, sozusagen), aber mehr nicht. Ich erteile nicht das Wort (das regeln die SchĂŒlerinnen schon lange untereinander), ich bewerte Aussagen nicht, ĂŒberhaupt halte ich meine GesprĂ€chsanteile gering. Ich höre so intensiv zu, wie ich nur kann. Ich versuche weniger, mich verstĂ€ndlich zu machen, als die anderen zu verstehen.

Wenn ich mich beteilige, haben sich folgende Impulse als besonders gĂŒnstig erwiesen, um das GesprĂ€ch lebendig zu halten und zu vertiefen:

  • Vor dem Einstieg in die Diskussion ausdrĂŒcklich die Frage klĂ€ren, um die es geht: Welches (gedankliche) Problem soll gelöst werden?
  • ZurĂŒckfragen, d. h. verstehen wollen, was gemeint ist: „Verstehe ich Sie richtig, dass
?“
  • Begriffe klĂ€ren: „Das heißt, Sie verstehen unter
 folgendes: 
-?“
  • Hinterfragen: „Sehen das alle so?“ – „Stimmt das wirklich?“
  • Weiterfragen: „Wer hat sonst noch eine Idee dazu?“
  • Nach Alternativen fragen: „Wie könnte man das auch noch sehen?“ – „Könnte es auch anders sein?“
  • Nach BegrĂŒndungen fragen: „Wie kommen Sie darauf?“ – „Was spricht dafĂŒr?“
  • Nach Beispielen fragen: „Können Sie dafĂŒr ein Beispiel nennen?“ oder ein Beispiel einbringen: „Was bedeutet das fĂŒr den Fall, dass
?“
  • Nach Gegenbeispielen fragen
  • Nach Annahmen fragen, die hinter einer Aussage stehen: „Sie setzen also voraus, dass
 – ?“
  • Nach Folgen fragen: „Wenn das so ist, was bedeutet es fĂŒr
?“
  • Antwortversuche in Beziehung zueinander bringen – WidersprĂŒche ansprechen, Ähnlichkeiten benennen, zum Vergleichen anregen: „Wie kann X und Y gleichzeitig zutreffen?“ – „Ist dies ĂŒberzeugender fĂŒr Sie als jenes? Wie kommt das?“
  • Zusammenfassen, auf den Punkt bringen, ggf. schriftlich festhalten.
  • Dabei zurĂŒckfragen: „Habe ich das richtig verstanden?“ – „Passt die Zusammenfassung, trifft das Ihren Punkt?“
  • Strukturieren, auch visuell.
  • DafĂŒr sorgen, dass nichts unter den Tisch fĂ€llt, auch wenn nicht alles gleich aufgegriffen werden kann.
  • FĂŒr eine Auswertung am Ende sorgen.

Die ein oder andere methodische Idee hab ich auch noch im HandgepĂ€ck – besonders das “Gedankenbuch” empfehle ich wĂ€rmstens. Schaut mal:

Methode DenkanstĂ¶ĂŸe

Methode Frageketten

Methode Gedankenbuch

Mehr zufĂ€llig habe ich in der letzten Woche entdeckt, dass es förderlich sein kann, im Anschluss an das GesprĂ€ch ein gut strukturiertes Ergebnis festzuhalten, mit dem die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler anschließend weiter arbeiten können. WĂ€hrend des laufenden GesprĂ€ches schreibe ich Thesen und die allerwichtigsten Stichworte dazu auf Metaplankarten und lege eine Argumentationsskizze. Aus diesen Überschriften und meinen Erinnerungen erstelle ich einen Text, der möglichst viele Aspekte des GesprĂ€ches aufnimmt. Diesen Text gebe ich in der nĂ€chsten Stunde in die Klasse und lasse prĂŒfen, ob sich jeder „wiederfindet“.

Hier unser Beispiel zur Frage:

„Ist alles wahr, was in der Bibel steht?“

Die Frage wurde als “fundamental” empfunden, also anderen Fragen vorgelagert, weil wir eine Haltung dazu benötigen, ob wir ein Bibelzitat fĂŒr ein “schlagendes” Argument halten, wenn es um theologische Meinungverschiedenheiten geht.

Zu dieser Frage gibt es mehrere mögliche grundsÀtzliche Antworten:

1.    Die Bibel ist ein Sachbuch, das objektive Wahrheiten ĂŒber Gott, die Menschen, die Entstehung der Welt, das Leben von Jesus, die Hölle, das Ende der Welt und viele andere Themen enthĂ€lt. Die Menschen, die die Bibel geschrieben haben, wissen diese Wahrheiten, weil Gott persönlich ihnen den Text diktiert hat. Fachbegriff dafĂŒr: Verbalinspiration.

Daraus folgt: Wenn biblische Aussagen mit der modernen Wissenschaft nicht vereinbar sind, hat die Bibel recht und die Wissenschaft nicht.

Unser Beispiel: Die Welt entstand buchstÀblich in 7 Tagen.

Variante: Nimmt man den Satz aus Psalm 90 hinzu „1000 Jahre sind vor Dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache“, kann man die 7 Tage aus 1. Mose 1 als „7000 Jahre“ interpretieren (was die Aussage etwas realistischer macht).

Daraus folgt fĂŒr theologische GesprĂ€che: Wenn jemand ein Zitat nennen kann, das eine Frage beantwortet, ist die Frage beantwortet und das GesprĂ€ch beendet. WidersprĂŒchliche Aussagen innerhalb der Bibel mĂŒssen irgendwie ausgeglichen werden.

 

2.   Die Bibel ist ein Sachbuch, das veraltete Informationen enthĂ€lt. Menschen haben aufgeschrieben, was sie zu ihrer Zeit fĂŒr objektiv richtig hielten. Wir haben uns in wissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickelt und wissen mehr.

Daraus folgt: Wenn sich Bibel und Wissenschaft widersprechen, hat die Wissenschaft recht und die Bibel nicht.

Unser Beispiel: Die Aussage ĂŒber die Schöpfung in 7 Tagen hat sich durch die Theorie vom Urknall erledigt, der Schöpfungstext aus 1. Mose 1 ist falsch und kann vergessen werden.

Daraus folgt fĂŒr theologische GesprĂ€che: Wenn es eine wissenschaftliche Antwort auf eine Frage gibt, ist das GesprĂ€ch beendet.

 

3. Die Bibel ist eine bewusste FĂ€lschung. Menschen haben eine Geschichte erfunden und andere Menschen dazu verfĂŒhrt, diese fĂŒr wahr zu halten.

Daraus folgt: Die Bibel hat Unrecht, egal was die Wissenschaft sagt.

Unser Beispiel: Hinter der Schöpfungsgeschichte steckt eine TÀuschungsabsicht.

Daraus folgt fĂŒr theologische GesprĂ€che: Schön blöd, wer die Bibel dabei heranzieht. Jeder von uns kann eine genauso „wahre“ Geschichte erfinden
 WidersprĂŒche in der Bibel sind Zeichen fĂŒr eine schlecht konstruierte LĂŒge.

 

4.  Die Bibel enthĂ€lt verschiedene Arten von Texten: ErzĂ€hlungen, Sachtexte, Lieder, Gebete, Briefe, Visionen, Prophetenworte, Predigten… Aus der Form des Textes kann man darauf schließen, welche Texte als Sachtexte ĂŒber objektive Wahrheiten geschrieben wurden und welche nicht. Außerdem kann man sich fragen, wer zu welcher Zeit mit welcher Absicht den Text geschrieben hat, auf welche aktuelle Situation er evtl. reagiert, wer die Zuhörer gewesen sein könnten usw. Man kann biblische Texte mit wissenschaftlichen Methoden (vor allem aus der Literaturwissenschaft und der historischen Wissenschaft, aber eher nicht aus den Naturwissenschaften) untersuchen. Fachbegriff dafĂŒr: Historisch-kritische Methode.

Daraus folgt: Wenn biblische Aussagen mit der modernen Wissenschaft nicht ĂŒbereinstimmen, schaut man erst einmal, ob der Bibeltext ĂŒberhaupt als wissenschaftliche Aussage gemeint war oder ob wir eine Frage an den Text herantragen, die dieser nie beantworten wollte. Falls der Text keine objektive Wahrheit ĂŒber die gleiche Fragestellung verkĂŒnden wollte, stellt sich das Problem nicht, weil beide Aussagen „wahr“ sein können.

Unser Beispiel: Ist der (so genannte!) „Schöpfungsbericht“ in 1. Mose 1 wirklich ein Sachtext? Will er die Frage beantworten „Wie lange hat Gott gebraucht, um die Welt zu schaffen?“ Oder steckt eine andere Absicht dahinter, die in dafĂŒr passende Form gebracht wurde? In welcher Zeit, mit welcher Absicht entstand der Text, welche Frage beantwortet er, wenn es nicht die „erdgeschichtliche“ ist? Im Zweifelsfall eine theologische Frage, aber welche? Kommt Ihr drauf? Oder braucht ihr weitere Informationen?

Daraus folgt fĂŒr theologische GesprĂ€che: Wenn ich die Bibel als „Beweis“ fĂŒr angebliche objektive Wahrheiten heranziehen will, brauche ich sehr viele Hintergrundinformationen
 Die Texte erschließen sich mir nicht durch das bloße Lesen, ich brauche Begleitmaterial, um sie zu interpretieren. Wenn ich weiß, was drinnen steht, weiß ich, was jemand zu einer anderen Zeit fĂŒr aufschreibenswert hielt – das sagt noch nichts ĂŒber die „Wahrheit“ (es kann aber sehr sinnvoll sein).

Wenn es zu einer Fragestellung einen biblischen Bezug gibt, geht das GesprĂ€ch weiter, denn ich kann mir eine Meinung zu der Meinung bilden, nach Vergleichspunkten zwischen damals und heute fragen, verschiedene Ansichten durchdenken
 und werde vermutlich nicht zu einer „objektiv wahren“ Lösung fĂŒr die Frage kommen, aber erheblich schlauer sein als vorher.

Das allein ist aber zu wenig, denn was Menschen vor 2000 Jahren mal gedacht haben, könnte mir ja ganz egal sein. Ein rein (theologisch-)wissenschaftlicher Umgang mit der Bibel wird ihr auch nicht gerecht. Aspekte aus Lösung 5 sollten dazukommen (siehe unten).

5.   Die Bibel enthĂ€lt eine andere Art der „Wahrheit“: Was darĂŒber ĂŒber Gott und die Menschen gesagt wird, kann sich auch in meinem Leben als „wahr“ erweisen. Ob es fĂŒr mich wahr, hilfreich, tragend
 ist, erweist sich in konkreten Lebenssituationen. „Objektiv“ ist diese Art der Wahrheit deshalb nicht, weil man jede Situation auch anders deuten könnte. Genauso wenig ist diese Art der Wahrheit aber objektiv widerlegbar. Letztlich ist es eine Sache der eigenen Entscheidung, ob ich fĂŒr die Deutung meines Lebens annehme, dass es Gott gibt und er mit mir eine Geschichte hat, so wie er mit den biblischen Menschen (und den Schriftstellern, die ĂŒber sie schrieben) eine Geschichte hat – oder ob ich annehme, dass das nicht so ist. Beides kann man nicht beweisen.

Daraus folgt: Wenn ich biblische Texte lese, frage ich: Was ist darin fĂŒr mich „wahr“ – was spricht mich an, was ist relevant fĂŒr mein Leben? Die meisten Texte der  Bibel wurden geschrieben, um solche Denkprozesse auszulösen, nicht um objektiv zu informieren.

Unser Beispiel: Welche Relevanz hat es fĂŒr Dein Leben denn, ob es 7 Tage, 7000 Jahre oder lĂ€nger gedauert hat, bis die Welt fertig geschaffen war? Ist es nicht viel wichtiger, ob


  • 
 Du selber ein Produkt eines blinden Zufalls bist oder ob es jemanden gibt, der will, dass es dich gibt und dass Du individuell bist?
  • 
 alle Menschen mit gleicher WĂŒrde geschaffen sind – und nicht die Herrschenden als „Abbild Gottes“ persönlich gelten, wĂ€hrend die Mehrheit der Menschen zum pausenlosen Dienen gemacht sind (so wie es die Menschen damals dachten, als der Text entstand)?
  • 
  Menschen „als Mann und Frau“ geschaffen wurden, also ebenfalls gleich an WĂŒrde, wenn auch als zwei Varianten des Wesens „Mensch“?
  • 
 Mond, Sonne, Sterne usw. keine Götter sind, die man bei Laune halten muss (wie man damals glaubte), sondern nur so etwas wie „Lampen am Himmel“, also GegenstĂ€nde im weitesten Sinne? Wir kĂ€men schon gar nicht mehr drauf
 was auch dem Einfluss dieses Textes zu verdanken ist.

FĂŒr theologische GesprĂ€che folgt: Wir tauschen uns ĂŒber die Bedeutung von biblischen Impulsen fĂŒr uns persönlich aus. Wir fragen nach dem, was uns anspricht und fĂŒr unser Leben etwas bedeuten könnte. Manche Geschichten sprechen die eine an und die andere nicht, manche Texte sagen mir jetzt nicht so viel, aber das kommt vielleicht noch, und andere bleiben mir ganz fremd. Das ist ganz normal so. Jedenfalls geht es darum, dass ich in einen gedanklichen Austausch mit dem jeweiligen Text komme. DafĂŒr muss ich nicht unbedingt alle Hintergrundinformationen haben – es hilft aber, wenn ich Deutungen ausschließen kann, die nur aufgrund von Denkgewohnheiten zustande kommen und mit der ursprĂŒnglichen Absicht nicht vereinbar sind.

Auf dieser Basis ist ĂŒbrigens eine VerstĂ€ndigung zwischen denen möglich, die jeden Satz wörtlich nehmen und denen, die eher nach der ursprĂŒnglichen Aussageabsicht fragen: Beide können darĂŒber nachdenken, was  ein Textausschnitt fĂŒr sie persönlich bedeuten kann. Es ist aber nicht das Ziel eines GesprĂ€ches, dass wir am Ende eine Aussage treffen, die „objektiv“ fĂŒr jeden wahr ist – schon weil jeder von uns in einer anderen Lebenssituation ist, andere PrĂ€gungen mitbringt usw., ist dies sehr unwahrscheinlich und eher die Ausnahme.  Dennoch ist der Austausch sinnvoll, weil er deine und meine Perspektiven erweitert.

(FSS 12 A, 15. 11. 13)

 

Diese Impulse kamen sĂ€mtlich aus der Gruppe, jeder hat mindestens eine/n Vertreter/in, ich habe von mir aus nur bei 5. ein paar Formulierungen beigesteuert und fĂŒr die Struktur gesorgt. Die Thesen wurden intensiv hin und her bewegt, von allen Seiten beleuchtet und abgewogen. Die zahlreichen biografischen BezĂŒge und lebenspraktischen Beispiele habe ich weggelassen – der Gruppe sind sie aber deutlich im Ohr. Und in folgenden GesprĂ€chen beziehen sich die SchĂŒlerinnen nun oft von sich aus (oder auf einen Tipp hin) auf die 5 grundsĂ€tzlichen Möglichkeiten zurĂŒck und ziehen ihre SchlĂŒsse daraus.

Ich bin von der Ernsthaftigkeit und dem Tiefgang der Auseinandersetzung sehr beeindruckt (Kompliment an die Klasse, falls jemand mitliest!). Und stark im Zweifel, ob dies möglich gewesen wĂ€re, wenn ich Ähnliches als „Fremdtext“ eingereicht hĂ€tte. Eine SchĂŒlerin hat es auf den Punkt gebracht: „Wir könnten unsere SchulbĂŒcher selber schreiben!“ Wohl wahr


Ich wĂŒrde gern weiter nach Impulsen suchen, die dabei helfen, in so einen gedanklichen Flow hineinzufinden. Wenn die eigenen echten Fragen erst mal auf dem Tisch liegen, lĂ€uft es fast von selber weiter… aber dass sie wahrgenommen und ausgesprochen werden, ist sicher nicht selbstverstĂ€ndlich.

FĂŒr die Gruppe wird es demnĂ€chst weiterfĂŒhrend darum gehen, einen Schritt zurĂŒckzutreten – zu reflektieren, warum uns die GesprĂ€che so spannend erscheinen (tun sie wirklich) und wie man sie lebendig halten kann – und dann selber zu lernen, wie Moderation geht, denn das ist ja die Fachkompetenz… sehr spannend!

Die Lernsituation dazu (Beispiel aus der letzten AbschlussprĂŒfung):

“Du sitzt mit einigen Jugendlichen im Aufenthaltsraum des Heims, in dem Du Dein Berufspraktikum absolvierst, in der gemĂŒtlichen Sofaecke. Ihr plaudert ĂŒber dies und das. Im Lauf des GesprĂ€ches kommt Ihr ungeplant auch auf religiöse Themen, und zwar auf Fragen, die Jugendliche sich in der PubertĂ€t hĂ€ufig stellen.”

(Kompetenz: Religiöse Fragen und Äußerungen von Kindern/Jugendlichen verstehen, anregen und begleiten)

8 Gedanken zu „Theologisieren mit Jugendlichen

    1. Seltsam – bei mir gehts… aber fĂŒr Comptertechnikfragen bin ich die völlig falsche Person. Ich kann Dir aber gaaanz klassisch die Dateien als Mailanhang schicken, die Adresse steht ja unten… kommt sofort!

  1. Hallo Marion,
    mir gefÀllt die Zusammenstellung der vielfÀltigen Fragen/Anregungen zum theologischen GesprÀchmit Jugendlichen gut. Es erweitert mein Repertoire, das sich bisher auf Kindertheologie beschrÀnkt hat.
    DafĂŒr hat Anton Bucher hilfreiche Frageanregungen gegeben, im Jahrbuch fĂŒr Kindertheologie, Bd 5 (2006 Calwer). Ein Auszug ist hier zusammengestellt:
    http://www-user.uni-bremen.de/~mspiess/a-bucher-philosoph-fragen.pdf

    Die kann man zum Teil auch fĂŒr Ältere verwenden.
    Viele GrĂŒĂŸe und einen schönen 1. Advent

    Manfred Spieß
    mspiess@uni-bremen.de

  2. Wirklich beeindruckend! Du schreibst: “dass es förderlich sein kann, im Anschluss an das GesprĂ€ch ein gut strukturiertes Ergebnis festzuhalten”. Ich denke, das ist ganz sicher so, allerdings auch nicht immer einfach. Eine wichtiges Strukturelement dafĂŒr waren sicher die Thesen, die du auf den Metaplankarten mitgeschrieben hast.

    Im Blick auf deinen nÀchsten Planungsschritt kam mir noch die Idee:
    Mit Hilfe der Metaplankarten könnten die SchĂŒler vielleicht auch selbst das GesprĂ€chsergebnis strukturieren. Und noch mal digital gedacht: wenn jede/r eine Kopie aller Metaplankarten hĂ€tte, könnte jeder eine eigene Zusammenfassung unterschiedlich gewichten und strukturieren und mit zusammenfassenden Überschriften versehen.

    1. Ja, genau – da sind meine SchĂŒlerinnen sogar vor mir drauf gekommen… 😉
      GlĂŒcklicher Zufall: Ich hatte die Mappe mit den Karten (aus der Stunde nach der erzĂ€hlten Stunde) zu Hause vergessen – kein Problem, denn eine SchĂŒlerin hatte das Ergebnis der Moderation mit dem Handy fotografiert, ausgedruckt, ins Gedankenbuch geklebt, eigene Gedanken dazugeschrieben und sich auf die gemeinsam vereinbarte Frage der gestrigen Stunde per Recherche vorbereitet – falls Du das glauben kannst. Ich war geplĂ€ttet!
      So war es jedenfalls ganz einfach, wieder den Anschluss an das GesprĂ€ch zu finden. Und am Ende der Stunde gestern haben wir schon ein paar Leute mehr gehabt, die fotografiert haben… Unglaublich, ich stehe staunend davor.
      Eine digitale Variante, mit der man sich eigene Strukturskizzen erstellen könnte? Hört sich verlockend an! Könnte man auch gleich fĂŒr die “Meinungsumfrage” nutzen … eine von mir sehr geschĂ€tzte Diskussionsanstoßmethode zu jeder beliebigen Fragestellung, die kann ich demnĂ€chst mal in irgendeinem Kontext vorstellen, sie schreit ebenfalls nach digitalisierter Umsetzung 😉
      Danke fĂŒrÂŽs Mitdenken – sehr ermutigend!

      1. Eine digitale Variante, mit der man sich eigene Strukturskizzen erstellen könnte Ich wollte dir gerade ein Beispiel heraussuchen. Aber da war ich wohl etwas zu optimistish. Es gibt zwar einige Tools, mit deren Hilfe man Inhalte strukturieren kann aber alles andere als komfortabel . Einige findet man unter dem Tag Whiteboard. Apps ala “Metaplan” habe ich noch keine gesehen. Hier ist ein kleiner Hack von mir dazu: https://joachim-happel.makes.org/thimble/metaplan-methode_, der sich eigenen sollte.
        Die damit erzeugten Cluster lassen sich kopieren und weiterbearbeiten. (Das ganze zum Remixen mit Thimble: https://joachim-happel.makes.org/thimble/metaplan-methode)

        1. Das ist großartig… und (in der Anwendung) so einfach, dass ich es intuitiv kapiere – toll, vielen lieben Dank! Hoffentlich hab ich bald mal etwas Zeit, damit ausgiebig herumzuprobieren 😉

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