Offene Kirche …

… der Evangelischen Kirchengemeinden Erkelenz, Heinsberg, Hückelhoven, Lövenich, Ratheim-Gerderath, Schwanenberg, Wassenberg-Dalheim und Wegberg

Offene Kirche … Allgemein Gedanken zum Sonntag Jubilate: Fest verwurzelt in Gottes Liebe

Gedanken zum Sonntag Jubilate: Fest verwurzelt in Gottes Liebe

Unser Herr Jesus Christus redet oft in Bildern. Am vergangenen Sonntag haben wir das Bild vom Hirten bedacht. Heute sagt Jesus uns: Ich bin der Weinstock. Als wir im Winter in unser Pfarrhaus einzogen, war an der Wand zum Garten ein ziemlich unscheinbares, knorriges Stück Holz zu sehen. Erst im nächsten Frühjahr erkannten wir: das ist ein Weinstock. Ein wahres Kraftwerk, wie ich beim Nachlesen gelernt habe. Der Weinstock hat Wurzeln tief in die Erde hinein. Ein alter Weinstock reicht auch schon mal bis zu 20 Metern in die Tiefe. Durch alle Steine und Hindernisse hindurch. Aus diesen Tiefen holt er alles, was die Reben zum Leben brauchen. Sie brauchen den Weinstock zum Wachsen und Frucht bringen. Und die Kraft, mit der der Saft aus der Tiefe durch den Weinstock in die
Reben steigt, kann als Druck in Atü gemessen werden. Jesus ist mit seinem Leben tief in Gott verwurzelt. Durch ihn bekommen wir Verbindung zu Gott, bekommen wir alles, was wir brauchen zum Leben von Gott. Selbst als er am Kreuz stirbt, bleibt er fest verwurzelt in Gottes Liebe. Denn an Ostern haben wir ja gefeiert: Gott schenkt ihm neues Leben, damit er als der Auferstandene uns von seinem Leben schenken kann. Und heute sagt Jesus uns: Ihr seid die Reben. Darum: Bleibt. Bleibt an mir hängen. Bleibt mit mir in Verbindung, wie Reben, die wachsen wollen. Hört auf meine Worte. Jesu Worte für uns steigen auf aus der Tiefe der Bibel, aus der Geschichte des Glaubens und wirken mitten in unser Heute hinein. Alles, was in der Bibel zu lesen ist, lässt die Tiefe ahnen, aus der der Glaube Kraft zieht. Vom ersten Wort des Schöpfers über die Mahnungen der
Propheten über die Klagen der Geplagten bis zu dem Moment, in dem die Jüngerinnen und Jünger ihr Brot teilen, wirkt etwas in das Heute hinein. Und wir können seine Kraft spüren, wenn wir an diesem Wort bleiben. Können an uns selbst und anderen spüren: Das alte Wort Gottes treibt junge Triebe und lässt wachsen.
Wachst. In diesen Tagen und Wochen ist das für viele von uns womöglich eine ziemlich herausfordernde, irritierende Einladung. Wo wir doch gerade versuchen nicht einzugehen in unseren Wohnungen. Ohne die spürbare Nähe von Familie und Freunden. Ohne die Umarmung. Ohne das Lachen der Kinder auf den Spielplätzen. Wo wir versuchen nicht einzugehen – wie Blumen, denen das Licht fehlt.
Wachst. Mir fällt der scheinbare Widerspruch ins Auge zwischen dem knorrigen, vertrocknet scheinenden Weinstock und dem frischen Grün der Blätter, die er gerade in diesen Tagen in unserem Garten wieder treibt. Gespeist aus Tiefen, die ich nicht sehen und ergründen kann. Und mir fallen viele wunderbare, mutmachende Ideen ein, wie sich Gottes Wort in diesen Wochen neue Wege sucht und mit frischem Grün verbreitet. Gerade heute Morgen findet in Erkelenz der erste gemeinsame Autokino-Gottesdienst unserer Region statt. Vor acht Wochen war von so etwas noch nichts zu sehen. Menschen, die sich vor acht
Wochen nur selten im Gottesdienst bei uns gesehen hätten, nehmen vor unserer Kirche einen ‚Gottesdienst zuhause‘ mit, oder bitten sogar noch um ein, zwei Gottesdienste, die sie gerne ihren Nachbarn bringen möchten. Da wächst
plötzlich Neues an Phantasie und an Verbundenheit. Und vielleicht auch an der Ahnung: Es ist wichtig für mein Leben mit den Kräften des Lebens aus den unsichtbaren Tiefen unseres Glaubens verbunden zu bleiben.
Ihr bringt Frucht. Wo unser Glaube sich in einem Menschen so aus den Tiefen nähren und wachsen kann, da wachsen wie von selbst auch Früchte heran, die andere nähren und erfreuen können. Ich höre das auch als eine Verheißung für die kommende Zeit, für die Zukunft. Gewiss: noch ist Frühling. Es braucht noch einen langen Sommer, bis die Früchte wieder reif werden. Oft können wir die Früchte noch nicht sehen. Oder wenn, dann erscheinen sie uns noch so klein und unscheinbar. Aber wir dürfen auf die Verheißung Jesu vertrauen: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht! Lassen wir uns in der kommenden Zeit neu überraschen – von uns selbst, von anderen, die mit uns auf dem Weg sind
und in all dem von unserem Herrn Jesus selbst. Amen.

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