Offene Kirche …

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Offene Kirche … Allgemein Gedanken zum Pfingstmontag: Friede sei mit euch

Gedanken zum Pfingstmontag: Friede sei mit euch

Für den Ökumenischen Gottesdienst der Hückelhovener Gemeinden am 1.6.2020 um 18 Uhr vor der Trinitatiskirche in Hilfahrt

Friede sei mit Euch
Gedanken zu Johannes 20,19–23

Die Tür hinter sich zuzuschließen, das kann guttun.
Für eine gewisse Zeit für sich allein sein können.
Hinter den Türen für sich bleiben, das kann zuweilen nötig sein. Quarantäne – bei vielen Menschen mit Corona-Verdacht waren das in diesen Wochen 14 Tage.
Früher waren es sogar 40 Tage (quaranta = 40).
Aber irgendwann ist es endlich dran,
die Türen auch wieder zu öffnen.
Sich rauszutrauen. Sich auf die Welt einzulassen.

Beim Pfingstfest feiern wir genau diesen Übergang.
Die offenen Türen. Die offenen Herzen.
Das Aufeinander-Zugehen. Wir freuen uns sehr,
dass der erste Gottesdienst, den wir hier in der Trinitatiskirche in Hilfarth wieder feiern, gleich
der ökumenische Gottesdienst miteinander ist.

Wären wir damals in Jerusalem gewesen, in den 40 Tagen nach Ostern und darüber hinaus – bei den Jüngern hätten wir vor verschlossenen Türen gestanden. Angst und Vorsicht brachten sie dazu, ihre Kontakte auf das Nötigste zu beschränken. Unter sich zu bleiben. Nicht hinauszugehen. Erst recht nicht anderen zu erzählen von Jesus und seiner Botschaft. Von ihren Hoffnungen und Erfahrungen.
Von seiner Einladung, seinem Ruf: ‚Folgt mir nach‘.

Doch der Auferstandene findet den Weg zu ihnen.
Dabei fällt er nicht mit der Tür ins Haus.
Er lässt ihnen Zeit. Zeigt sich. Grüßt sie mit dem vertrauten hebräischen Gruß: ‚Shalom‘ – Friede sei mit euch!
Schon vor seinem Tod hatte er ihnen zum Abschied gesagt:
„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
Er kennt ihre Ängste.

Er kennt unsere Ängste und Sorgen.
Wie soll es werden in der Zukunft?
Wird der friedliche Umgang miteinander,
werden Rücksicht und Fürsorge sich weiter ausbreiten?
Oder nehmen die Kämpfe und Auseinandersetzungen
in der kommenden Zeit immer mehr zu, wenn es darum geht, die Lasten der Krise zu gemeinsam zu tragen?

Friede braucht Zeit, um ängstliche Herzen zu erfüllen.
Jesus lässt seinen Jüngern diese Zeit.
Und sagt noch einmal: „Friede sei mit euch“.
Und dann erinnert er sie an seine Aufgabe, an ihre Aufgabe.
Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch!

Seine Sendung hat ihn mitten hineingeführt ins Leben.
Er ist unterwegs, Gottes Frieden auch zu denen zu bringen, die am Rand stehen.
Das führt ihn mitten hinein in die Konflikte seiner Zeit.

Darum gibt es auf seinem Weg nie einfach
einen innerlichen Privat-Frieden,
der sich abschirmen könnte gegen den Unfrieden der Welt.
Der all den Krieg und die Gewalt ausblenden könnte
und das maßlose Leid, das Menschen anderen zufügen.
So, als ginge uns das alles nichts an.

Sein Gruß: Friede sei mit euch – er ist Zuspruch
und zugleich Auftrag und Sendung für alle, die ihn hören.
Denn Frieden braucht Menschen,
die eine Hoffnung in sich tragen.
Menschen, die daran glauben, dass der Friede uns geschenkt ist – und deshalb eine Aufgabe ist, der wir uns stellen dürfen.

Solche Menschen und solche Hoffnung haben schon die langen Wege der Versöhnung geprägt, die die europäischen Völker nach 1945 gegangen sind.
Viele von ihnen auf diesem Weg waren Christen.
Und bis heute sind viele von denen, die sich weltweit oder vor Ort in Versöhnungsprozessen engagieren, Christen.
Angefangen bei den Brüdern von Taizé, die ihrem kleinen Dorf Anfang der 60er-Jahre die große Versöhnungskirche gebaut haben. Bis heute laden sie Jahr für Jahr Jugendliche aus aller Welt ein auf den Weg des Friedens und der Versöhnung.
Auch Vereinigungen wie Pax Christi nehmen Jesu Auftrag auf und mahnen immer wieder zum Frieden.
So war die erste ökumenische Aktion in der Coronazeit hier in Hückelhoven das gemeinsame Glockenläuten am 8. Mai – zum 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs – mit Gebet um den Frieden am Friedenspfahl und in den Kirchen.
Und ökumenische Gemeinschaften wie St. Egidio engagieren sich sogar weltweit aktiv in politischen Friedensprozessen.

Aus den Erfahrungen der vielen Versöhnungswege nach dem 2. Weltkrieg können wir heute lernen: Nur wer bereit ist, sich den eigenen Abgründen zu stellen, kann zu tragfähigen neuen Beziehungen gelangen.
Nur wer bereit ist, sich selbst aufrichtig und ehrlich zu betrachten, wird in der Lage sein, den Anderen zu begegnen und zu neuer Gemeinschaft beizutragen.
Nur wer auf die Opfer schaut, dient der Versöhnung.
Kurz gesagt: Nur wer bereit ist, dem Weg Christi zu folgen, lebt aus dem Frieden, den Gott uns schenken will. Wir Christen sind überzeugt: Gott nimmt uns in die Verantwortung für den Frieden. Das gilt auch heute.

Die Kriege in Syrien und in zahlreichen anderen Ländern des Nahen Ostens, der Krieg in der Ukraine, die Gewalt an so vielen Orten der Welt, die Toten im Mittelmeer – all die Schrecken unserer Zeit fordern uns heraus.
Wir neigen – quasi instinktiv – dazu, den Blick abzuwenden. Aber der Friede Jesu und die uns geschenkte Hoffnung erlauben uns keine Kleinmütigkeit
und ängstliche Selbstbezogenheit.

Wir sind in die Welt gesandt. In dieser Umbruchszeit haben wir die Aufgabe,
die Menschen zu ermutigen, damit sie auf Dauer an die vielen Erfahrungen von Solidarität und Fürsorge in den letzten Wochen anknüpfen und sie ausbauen.
Wir haben die Aufgabe, die Menschen zu stärken, damit sie nicht allein um Eigenes kämpfen müssen oder sich gar von den vielfältigen Verschwörungstheorien den Blick für andere und ihr Mitgefühl vernebeln zu lassen.

Jesus spricht uns zu und trägt uns auf: Friede sei mit euch.
Und er gibt uns das Versprechen: Ich will euch auf diesem Weg nicht allein lassen. Ich will euch die nötige Kraft und Ausdauer dazu geben.
„Nehmet hin den heiligen Geist!“, sagt er seinen Jüngern.
Was das für ein Geist ist, den er uns sendet, das beschreibt für mich eines der schönsten und klarsten Worte der Bibel:
„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Darum: lasst uns alle Furcht ablegen, unsere Türen – auch in den Gemeinden – auftun und besonnen und zielstrebig bei uns und in der Welt weiterzusagen und  weiterzuleben, was Jesus uns mitgibt:
Friede sei mit Euch!

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