Lefty aus http://muppet.wikia.com/wiki/Lefty_the_Salesman (Lizenz CC-BY-SA)

Tag 24.14. Der Gehalt des Religionsunterrichts

Hier sind die Punkte, welche den Religionsunterricht in meinen Augen wertvoll machen. Ich selber finde mich dabei in der Rolle von Lefty aus der Sesamtraße wieder, der den Schülern aus dem Fundus der Religion Frappierendes über das/ihr Leben verkauft. Ja, “verkauft”, denn wenn sie es mir nicht abkaufen, bleibt die Ware für sie wertlos.

    1. Religiöse Sozialisation
      Die Schüler kennen sich aus mit Bräuchen, Gebäuden und anderen Äußerlichkeiten des christilichen Glaubens.
      Sie können das Kirchenjahr in groben Zügen, kennen religiöse Feste (vor allem der eigenen Konfession) und wissen, wie man sie feiert. Sie wissen sich in einer Kirche oder an anderen religiösen Stätten zu verhalten und zeigen dies durch eigene Aktivität. Sie können kirchliche Amtsträger identifizieren und wissen, in welchen Situationen man sich an sie wendet. Besonders in der Sekundarstufe durchschauen sie im Groben den organisatorischen Aufbau ihrer Kirche und wissen, welche Funktionen sie darin ausüben können.
    2. Aufschließen der Zugänge
      Die Schüler können religiöse Zugänge nutzen, also ihre Spiritualität, die Bibel, andere religiöse Quellen, Ratgeber und Hilfe aus dem Bereich der Kirche (vom Verbindungslehrer bis zu diakonischen Einrichtungen).
      Diese Kompetenz schließt ein, dass Schüler die Anforderungssituatioationen erkennen, in denen es sinnvoll ist, solche religiösen Zugänge zu nutzen und dass sie versuchen, sich darauf einzulassen.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=QxzEMLgieYI

  1. Kompass
    Die Schüler akzeptieren, dass ihr Glaube ihnen Rat, Orientierung und Lebenshilfe gibt (wenn sie sich darauf einlassen).
    Sie kennen grundlegende biblische Texte und haben Freude daran, sie zu erschließen und ihnen wichtige Erkenntnisse abzugewinnen. Sie erlernen grundlegende Normen des christlichen Glaubens (zB das Liebesgebot, die Goldene Regel, das Nicht-Richten aus der Bergpredigt, also eine Haltung der Toleranz und des Respekts, etc). Sie verstehen, dass die Liebe der Kern der christlichen Ethik ist, weil Gott die Menschen geliebt und auf Liebe hin geschaffen hat. Sie bedenken, was mit “Glaube”, “Liebe”, “Freiheit”, “Hoffnung”, etc gemeint ist und bewerten die christliche Grundthese, dass man damit letztlich weiter kommt als mit Zwang, Gewalt und Unterdrückung. Sie bedenken die christliche Grundthese, dass es eine Auferstehung und ein (ewiges) Leben nach dem Tod gibt.
    Diese Kompetenz schließt ein, dass Schüler die Anforderungssituatioationen erkennen, in denen es sinnvoll ist, diesen “christlichen Kompass” zu nutzen und dass sie ihn (zumindest punktuell) ausprobieren..
  2. Wir und die anderen
    Die Schüler können die Vorzüge und Nachteile ihres Glaubens in Bezug auf andere Weltanschauungen und religiöse Systeme einschätzen und entsprechend danach handeln.
    Sie akzeptieren, dass sie (im Sinne des Toleranzprinzips s.o., Nr. 2) nicht dazu berufen sind, andere zu “ihrem Glück” zu zwingen, sondern dass man anderen auch dann mit Respekt begegnet, wenn sie andere Meinungen vertreten oder sich gar feindselig verhalten.
  3. Technik
    Der Erwerb dieser glaubensbezogenen Fähigkeiten erfordert weitere, im k.o. Religionsunterricht bereits anerkannte Kompetenzen (Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, usw.)

Summa summarum: Diese fünf Punkte liegen, glaube ich, sehr nahe bei dem von Matthias Heil angesprochenen “Teaser” für eine Heimat im Glauben, aber es ist schon noch mehr als das. Eine Impuls (im physikalischen Sinn), manchmal auch eine Probepackung.

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.