19.19. Jetzt wird’s ernst!

Wir sollen liefern: Tolle Eigenproduktionen oder Sachen von Freunden, die nix dagegen haben, dass die Zeugnisse ihrer Ruhmestaten bekannt werden. So steht es im neuen Newsletter.

newsletter6

Vier Lieferkanäle werden genannt:

  • Eigener Blog – probiere ich gleich mal aus.
  • Mail – och nö, ist nix für mich. ×
  • Soziale Netzwerke (fb, g+, rpi-virtuell) [fb halte ich für nicht wirklich geeignet, g+ ist mir zu verzettelt (muss man mit Google Docs auffüllen und piepapo), und rpi-virtuell fällt gelegentlich aus …] – also nö. ×
  • Wiki – bischen knifflig am Anfang, aber gut für im Team zu erledigen.

Tag 16.15. Wochenaufgabe 3: Selbstreflexion

KlassenbildNach dem Lesen der neuesten Aufgabenstelleung stelle ich fest: Das ist mir zu lang. Ich habe auch keine Lust, die Videostunden zu beurteilen. Dazu bin ich schon zu lange im Geschäft, und es gibt genügend andere Stunden, die ich beurteilen muss.

Doch zum Glück ist dies ein MOOC, und ich kann mir aussuchen, was ich lernen oder reflektieren mag. Und das ist mein Unterricht. Wo war’s gut? Was lässt sich verbessern?

Ich schätze das folgendermaßen ein:

  • Ich habe relativ kleine Lerngruppen. Der Unterricht macht fast allen Spaß und tut gut. Die SchülerInnen fühlen sich wahrgenommen.
  • Wir diskutieren viel. Manchmal sind sie ehrlich schockiert von all dem Leben, das im RU vorkommt. Das ist sehr gut.
  • Wir üben auch viel, auch im niedrigschwelligen Bereich. Es gibt ein paar Kompetenzen, die werden wirklich bei jedem angebahnt. Und es gibt Belohnungen. Die SchülerInnen legen sich richtig ins Zeug, jede/r nach seinen Fähigkeiten
  • Ich stehe immer noch zu viel im Mittelpunkt. Das liegt zT daran, dass ich meine Arbeitsmaterialien “anschiebe”, um differenzieren zu können. Das ist vielleicht problematisch.
  • Es fehlt in meinem Unterricht an Struktur und Klarheit. Damit passe ich mich zwar in gewisser Weise den manchmal unvorhersehbaren Verhältnissen an meiner Schule an, und ich liebe ja auch das kreative Chaos, aber vielleicht sollte ich gerade deswegen gegensteuern und mehr Struktur in die Sache bringen. Ansatzweise habe ich damit begonnen.
  • Ich könnte weitere Aufgaben den SchülerInnen überlassen. Das habe ich von den Drübecker Videos gelernt.

Nach den jetzigen Herbstferien in Rheinland-Pfalz soll meine Schüle ein Whiteboard bekommen. Ich freue mich sehr darauf, es einzusetzen und Methoden zu entwickeln, wie man dieses Medium nicht-frontal verwendet. Das wird noch sehr spannend, und vielleicht sollte man mal bei openreli darüber reden.

Tag 15.13. Musik-Experimente (und Werkzeuge)

Ich dachte, ich könnte mal wieder was für die Musiksektion tun und habe einige Tools ausprobiert.
Das allereinfachste ist das

Online-Metronom

Man braucht gerade ein Metronom, hat aber keins zur Hand? Wozu gibt es Computer und das Internet?
Bei www.metronomeonline.com kann man es sich anzeigen lassen, einstellen und dann abspielen.

Wer noch nie Musik gemacht hat, kann mit dem folgenden Werkzeug anfangen:

Otomata und Circuli

Die folgenden beiden Flash-Fantasien stammen von Batuhan Bozkurt, einem türkischen, in Istanbul lebenden Programmierer und Performer. Dies hier ist Otomata.

Anweisung: Klicke ein- oder mehrfach in etliche Quadrate hinein. Danach klicke auf “Play”. Nach einiger Zeit wird klar, was passiert. Man kann die entstandene Melodie stoppen, variieren oder ganz löschen, um von vorn anzufangen.

Die neuste Phasmagorie aus der Bozkurt-Schmiede heißt Circuli und ist noch faszinierender als Otomata. Vor allem dauert es ewig bis unendlich, bis sich ein Soundcluster wiederholt: Musik meets Chaostheorie.

Auch hier gilt es, auf die Fläche zu klicken und zu warten, was passiert. Um Circuli zu stoppen, muss man die Webseite neu laden (F5).

Musicshake

musicshakeMusicshake ist ein einfaches (und einfach zu erlernendes) Online Musik-Arrangierprogramm für Dummies wie mich. Es besteht aus einer Art Raster aus Musikinstrumenten-Kanälen und numerierten Musikstück-Abschnitten. Diesen kann man Grundarkkorde zuordnen, nach denen sich dann alle Musikinstrumente richten.

Auf diese Weise kam schon im ersten Versuch ein erstaulich harmonisches  Musikstück heraus.

Ich hatte mich natürlich gefragt, worin der Haken besteht und sich die Programmierer dieses kostenlosen Werkzeugs finanzieren: Nun, die geschriebenen Musikstücke können nur auf der Musicshake-Website gespeichert werden. Wenn man sie auf dem eigenen Rechner speichern oder sonstwie als eigene Musikstücke frei verwenden will, muss man sie entweder kaufen, oder eine Art Premiummitgliedschaft erwerben (die ziemlich günstig ist).

Soundcloud

… ist kein Musikwerkzeug, sondern ein Ort, wo man kostenfreie Musik im Netz anhören, herunterladen, speichern, twittern, kommentieren und miteinander teilen kann. Geht ganz einfach.
Probiere es aus!

Ein kostenloses Audiobearbeitungswerkzeug: Audacity

audacityAudacity erwähne ich der Vollständigkeit halber. Es ist den meisten wahrscheinlich schon bekannt. Audacity ist kein Online-Tool, sondern eine kostenlose Soundbearbeitungs-Software. Man kann sie zB beim Chip-Downloadserver sicher herunterladen.

Wozu wird das Programm verwendet?

  • Ton- und Sprachaufzeihnungen von beliebiger Länge >> Podcasts
  • Kombinieren von unterschiedlichen Tonspuren (zB Musik zur Sprachaufzeichnung einmischen)
  • Schneiden von Tonspuren (zB dümmliche Lacher aus einem Podcast entfernen)
  • Tonmanipulation, zB weiches Ein- und Ausblenden, Nebengeräusche filtern, jede Menge komische Effekte
  • “Normalisieren”: Eine sehr leise Audio-Aufzeichnung wird zuerst analysiert. Danach wird die lautestmögliche Tonspur erzeugt, die man kriegen kann, ohne dass es zu Übersteuerungen kommt.

Neben dem Basisprogramm kann man noch allerlei Extensions hinzufügen, die meist beim Abmischen von Musikstücken eingesetzt werden – vorausgesetzt, man braucht so etwas.

Ich habe mal mit einer 4. Klasse einen Film produziert. Es handelte sich um einen Puppentrickfilm, und wir nahmen Ton und Bild getrennt auf. Die Aufgaben waren verteilt, und wir hatten auch ein Ton-Schnitt-Team. Das nahm die einzelnen Sprecher auf und normalisierte die Tracks nachher mit Audacity. Ich übernahm später den Videoschnitt.

Kleiner Hackertipp:

Es ist möglich, mit Audacity auch Systemsounds (also das, was der Rechner so von sich gibt, zB auch wiedergegebene Musik) ohne Mikro aufzuzeichnen.

audacity-mikroauswahlDafür muss als Aufnahmegerät “Stereomix” ausgewählt werden.
Oft jedoch steht dies bei der Auswahl nicht zur Verfügung, weil der Stereomix, um Audio-Raubkopien zu verhindern, werksmäßig deakitiviert ist.

Hier ein Video, wie man den Stereomix aktivieren und so mikrofonlose Audioaufnahmen des PCs ermöglichen kann. Die aufgenommenen Tracks kommen sehr leise rüber. Man sollte sie noch normalisieren (Menü “Effekt”, “Normalisieren…”), um schön klare Tonspuren zu erhalten.

Ludwig 3

ist weder kostenlos (sondern kostet ca. 30 €) noch ein Online-Werkzeug (es braucht stattliche 500 MB Festplattenspeicherplatz!), aber ein faszinierendes Werkzeug für Lehrkräfte und andere, die (wie zB ich) in Ermangelung von Instrumentalkenntnissen

  • mal schnell eine Melodie vertonen wollen
  • zu einer Melodie ein Playback brauchen
  • das Spielen von Musikinstrumenten der eigenen Spielstärke entsprechend einüben wollen

Ludwig erzeugt zu einfach eingegebenen Melodien komplette Arrangements. Man bestimmt selber, ob man es lieber country-, rock-, jazz- o.ä. -mäßig oder klassisch haben will, kann die Orchestergröße bestimmen, dann dampft Ludwig los, und nach kurzer Zeit steht das Arrangement, inklusive Notenpartitur. Für Karaoke-Events kann man bestimmte Tonspuren ausblenden. Wenn ich also beim Weihnachtsfest zu meiner Klampfe die nötige orchestrale Hintergrundmusik benötige – voilà!

Das Programm hier im Kurs schon von Alexander Ebel empfohlen, und er hat auch gleich damit ein Musikstück erzeugt:

ich swing an deiner krippen hier

Ich muss noch anmerken, dass die Demo-Version auf meinem Rechner recht instabil lief. Ludwig schmierte des öfteren ab. Vielleicht habe ich ja was falsch gemacht?

Weiterlesen

Tag 14.15. Ein neuer Live-Event mit Dr. Michalke Leicht und After-Show-Party

Leider konnte ich nicht bei dem Hangout zum Thema Wie entsteht eine kompetenzorientierte Sequenz/Unterrichtsstunde (mit Beispielen) dabei sein, bei dem Wolfgang Michalke-Leicht, katholischer Religionslehrer am Goethe-Gymnasium Freiburg, einen inspirierenden Vortrag hielt.

Aber ich habe es mir nachträglich im openreli-Livekanal angesehen und kann die Sache nur weiterempfehlen. Unten befindet sich die Youtube-Aufzeichnung. Normalerweise ist es aber besser, sich die gestochen scharfe Adobe-Connect-Version zu Gemüte zu führen. Es gibt auch ein Chatprotokoll und eine PDF-Version der Vortragsmaterialien.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=6DcfilgoW3Y

Dr. Michalke-Leicht war nicht zum letzten Mal bei openreli. Er wird am 5.11. bei der Vorstellung eines kompetenzorientiert konzipierten Religionsbuches dabeisein und auch bei der Expertenrunde am 20.11. zum Abschluss von openreli.

Die Teilnehmer des oben gezeigten Live-Events waren von der hochschwelligen Bildungsparty so aufgedreht, dass etliche noch bei der von Jörg Lohrer spontan organisierten After-Show-Party (einem Google-Hangout) mitmachten, von dem es aber glaubich keine Videoaufzeichnung gibt. (Ist vielleicht auch besser so: Es scheint, als hätten sie eine openreli-TShirt-Modenschau veranstaltet…)

Tag 14.12. Kompetenzorientierte Bewegungsmittel

Aus den gelesenen Kursblogs und den vergangenen Hangouts bleibt mir eine Definition guten (und kompetenzorientierten) Unterrichts wie eine Klette im Hirn hängen:

Guter Unterricht bewegt, regt an und befähigt zur Bewegung – er macht den Bewegten zum Beweger.

Dafür braucht es natürlich Bewegungsmittel. Dies gilt besonders für den kompetenzorientierten Unterricht, in dem die Lehrkraft, anders als im herkömmlichen Religionsunterricht, sich nicht selber zum Bewegungsmittel machen, sondern eine Moderatorenfunktion einnehmen und sich auf die angelaufenen Lernprozesse der SchülerInnen konzentrieren sollte.

An dieser Stelle wird der k.o.(= kompetenzorientierte) Unterricht wirklich schwer. Denn der Anspruch in Bezug auf die einzusetzenden Schülerbewegungs- bzw Lernprozess-Anschubmittel ist denkbar hoch, wie aus diesem Präsentations-Ausschnitt von Andreas Ziemer hervorgeht:

httpv://www.youtube.com/watch?v=akJupGSymIw

Das Problem

… besteht darin, dass die SchülerInnen jeder Lerngruppe ganz individuell verschiedene Lernvoraussetzungen (“Grundkompetenzen”) mitbringen. Im Extremfall muss jeder Schüler in ganz eigener Weise angeschubst werden, um zur Zielkompetenz zu gelangen. Was früher üblich war: Impuls, Info, Arbeitsblatt, Auswertung, Lernziel erreicht läuft nicht mehr im k.o.Unterricht. Ist wohl auch nie besonders gut gelaufen.

Man kann drei Aspekte der Schüler-Anschubserei unterscheiden:

  1. der personale Aspekt
  2. der Aspekt der zu stellenden Aufgaben
  3. der Aspekt der Arbeitsmaterialien

Ich möchte in diesem Artikel den Aspekt Nr.1 ganz ausklammern, denn der ereignet sich im Unterricht, hängt stark von den Persönlichkeiten der Lerkraft und der SchülerInnen ab und entzieht sich weitgehend den hier diskutierten Vorüberlegungen.

Mir geht es dagegen um das, was wir hier bei openreli versuchen: Aufgaben und Unterrichtsmaterialien zu entwickeln, die mehrfach einsetzbar sind und weitergegeben werden können.

Kompetenzorientierte Aufgabenstellungen

Gute Aufgabenstellungen passen sich einem verwickelten Lernprozess an …

Aufgabenstellungen sollen die (Lern-)Aktivitäten der SchülerInnen in bestimmte Bahnen lenken, möglichst solche, dass am Ende für alle Beteiligten ein Kompetenzzuwachs und eine Art Erfolgserlebnis herauskommt.

Dies war noch nie einfach.Im Zeitalter der k.o. Lerndifferenzierung wird es jedoch besonders knifflig.

Streng genommen muss jede Lerngruppe und jede Unterrichtsstunde ihr eigenes, hochdifferenziertes Aufgabenportfolio erhalten. Es wird, bildlich gesprochen, nicht mehr nur eine Bobbahn bereitgestellt, sondern viele. Eeine Lehrkraft ist jedoch überfordert, wenn sie Tag für Tag jede Schulstunde bis in jede Arbeitsanweisung hinein aufdröseln und individuell vorbereiten muss – aufgeschlüsselt für “Überflieger-Schüler”, “normale Schüler” und “schwache Schüler” und all die anderen, individuellen SpezialschülerInnen aus der Lerngruppe.

Wo liegt der Königsweg zwischen fehlender Differenzierung und realistischem Vorbereitungsaufwand?

Ich kann keine hinreichende Antwort auf diese Frage geben, die (meinem Eindruck nach) trotz all der inzwischen vorhandenen Materialien nicht in voller Klarheit reflektiert wurde. Hier einige Ansätze:

  • Aufgaben sollten offen gestaltet werden, so dass jeder Schüler auf seinem Lernweg möglichst weit voranschreiten kann
  • Teamaufgaben sind zu fördern. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht die Schwachen im Team in Urlaub gehen, nach dem Motto “Einer für alle…”, sondern dass für eine Rollenverteilung und einen gemeinschaftlichen Lernerfolg gesorgt ist. Dies gelingt häufig, wenn bei der Präsentation der Ergebnisse alle Team-Beteiligten mitwirken.
  • Bei der Differenzierung von Einzelaufgaben sollte man sich an der anzubahnenden Kompetenz orientieren und bedenken: Welche Aufgabe sollte gelöst sein,
    – wenn die Kompetenz zumindest ansatzweise angebahnt wurde?
    – wenn die Kompetenz im Rahmen der gestellten Erwartungen angebahnt wurde?
    – wenn die Kompetenz über die gestellten Erwartungen hinaus erworben wurde?
Ein Beispiel: In der Grundschule, 3. Klasse wird der Auszug der Israeliten aus Ägypten besprochen und erfahren, dass Gott sein Volk aus der Sklaverei befreite. Die Schüler haben gelernt, wie die Sklaverei der Israeliten beschaffen war (Lehmziegel herstellen usw). Die anzubahnende Kompetenz besteht darin, darstellen zu können, was Sklaverei überhaupt ist und in welcher Weise es sie heute noch gibt.
Der Lerngruppe werden in einer Stationenarbeit Bilder, Texte und Videos zur Verfügung gestellt mit Beispielen heutiger Sklavenarbeit.
Zur Lösung der Stationenarbeit gibt es drei Aufgabentypen:
Typ 1 ist gelöst, wenn der Schüler ein konkretes Beispiel für moderne Sklavenarbeit schildern kann.
Typ 2 ist gelöst, wenn der Schüler mehrere Beispiele, darunter ein besonders auffälliges nennen und darüber hinaus erklären kann, worin “Sklaverei” eigentlich besteht.
Typ 3 ist gelöst, wenn der Schüler mehrere Beispiele nennen und “Sklaverei” selbständig erklären kann, wenn er selbstständig weiterforscht und beispielsweise herausfindet, welche Waren, die wir verbrauchen, möglicherweise unter Sklaverei-Bedingungen hergestellt wurden.
  • Wenn erkennbar ist, dass wichtige Kompetenzen angebahnt wurden, sollte am Abschluss eine Aufgabe stehen, die den üblichen, unterrichtlich-propädeutischen Rahmen sprengt und von den SchülerInnen besondere Initiative, Kreativität und Selbstverantwortung erfordert: Ein (Praxis)Projekt, eine irgendwie geartete Aktion oder Performance, die nur mit den angebahnten/erworbenen Kompetenzen erfolgreich durchgeführt werden kann.
  • Neben cleveren Aufgaben ist ein cleveres Belohnungssystem sinnvoll, das starken Schülern einen Anreiz gibt, schwierige Aufgaben zu lösen … wie wäre es zB mit zertifizierten Badges (wie es sie hier imopenreli-Kurs gibt)?
    Neben einem solchen – starren – Belohnungssystem sollte man ein “geklippertes” in Betracht ziehen, bei dem nicht nur die reine Aufgabenerfüllung, sondern die Leistungssteigerung honoriert wird: wenn zB ein sonst schwacher Schüler es schafft, Aufgaben vom Typ 2 zu lösen.

Kompetenzorientierte Materialien

Kann man Unterrichtsmaterialien so auffrisieren und anschieben, dass sie sowohl motivieren als auch differenziert einsetzbar sind?

Wenn man das Bild der SchülerInnen als bewegter Beweger aufgreift und die Aufgabenstellungen mit Bob-Bahnen vergleicht, dann stehen die Materialien für die Vehikel, mit denen die Schüler in Fahrt kommen (können). Doch ach! Es gibt den “Einheitsbob” aus der Lernzielorientierung nicht mehr.

Wenn ich selber Unterrichtsmaterialien erstelle, was in meinem Hauptberuf regelmäßig vorkommt, habe ich einen bestimmten “Typ 2-Lernweg” vor Augen. Mir graut davor, nicht eine Version dieses Materials, sondern viele (für all die unterschiedlichen SchülerInnen) anfertigen zu müssen.
Vielleicht ist das auch gar nicht notwendig, wenn ich es klug anfange.

Weit von einer Lösung dieser Frage entfernt stelle ich hier einige Erfahrungen und Ideen in Bezug auf kompetenzorientierte Materialien in den Raum:

  • Eine kompetenzorientierte, offene Augabenkultur passt gut zu einem reichhaltigen Set an universal einsetzbaren, einfachen Materialien, wie sie zB in der Montessori-Pädagogik eingesetzt werden. Im Grundschulbereich sind dies etwa Lege-, Bastel- und Schreibmaterialien, Instrumente, Requisiten für Rollenspiele. Im weiterführenden Bereich sollten auch computer- und internetgestützte Tools und social-Web-Techniken eingesetzt werden.
    Alle diese Werkzeuge erfordern es, dass der Umgang mit ihnen zunächst gründlich eingeübt wird und sorgfältig erfolgt. Gerade die Nutzung multimedialer Möglichkeiten birgt ein enormes Schadenspotenzial und erfordert eine hohe Schülerverantwortung und Sozialkompetenz. Manche Schulen stellen sie darum nur “vertrauenswürdigen Schülern” zur Verfügung.
  • Differenziert einsetzbares, inhaltsspezifisches Lernmaterial (zB Arbeitsblätter zu einem Thema) sollte einen Bezug zur Anforderungssituation enthalten und so beschaffen sein, dass
    – wesentliche Inhalte von “Typ 1”-Schülern erfasst werden können,
    – sie von “Typ 2” Schülern gut verstanden werden können,
    – sie interessante Hinweise enthalten, wie man am Thema selbsttätig weiterarbeiten kann (für Typ 3-Schüler)
    Eine ergiebige Quelle für solche (sekundarstufenbezogenen) Internetmaterialien ist der Blog web.competent vom Team um Andreas Ziemer.
  • In den Kinderschuhen steckt mE der Einsatz von inhaltsspezifischen, offenen Material-Impulsen, die Lernende zum eigenständigen Denken, Theologisieren, Diskutieren und Gestalten herausfordern. Dies betrifft nicht nur die üblichen Druckerzeugnisse, sondern zB auch Filmimpulse.

    kinderbibel-zsg

    Die Darstellungen aus der Kinder-Bibel zum Selbergestalten von Michael Landgraf, fordern Kindergarten- und Grundschulkinder zur Vervollständigung fragmentarischer Darstellungen heraus.

Materialorganisationcuratingpyramid

Zum Abschluss dieser Reflexion über kompetenzorientierte Bewegungsmittel will ich das Augenmerk auf das Problem der Materialkuratierung lenken, denn bei der Kompetenzorientierung ist es wichtig, Unmengen davon schnell bei der Hand zu haben, um mit all den vielen, unterschiedlichen Lernszenarios umzugehen.

Der rpi-virtuell-Materialpool bietet für religionspädagogische Materialien im deutschsprachigen Bereich wohl die am besten kuratierte Sammlung an – nicht zuletzt wegen der buchstäblich handverlesenen Themenseiten. Außerdem verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Suchfenster und den hübschen bunten Kästchen eine sehr leistungsfähige und differenzierbare Suchfunktion.

Screenshot aus dem rpi-virtuell Materialpool

Screenshot aus dem rpi-virtuell Materialpool

Um sie in vollem Umfang zu nutzen und am Ende unerwartet viele passende Ergebnisse einzufahren, braucht es einige Übung (wie bei jeder ausgefeilten Suchmaschine). Vielleicht sollten wir bei openreli eine Spielwiese zu diesem Thema veranstalten. (Siehe unten die Abstimmung)

Noch wichtiger scheint es mir, dass man diese Suchmaschine zum Standard-Materialpool für religionspädagogische Onlineressourcen macht. Nur so geht einem später nichts durch die Lappen. Das bedeutet auch, dass man eigenes (oder entdecktes) Material im rpi-virtuell Materialpool empfiehlt. Ich kann nur jedem zum gegenseitigen Nutzen raten: Wenn du etwas herumliegen hast, dass sich nach deiner Einschätzung auch für andere lohnt, scanne es ein, speichere es im Netz (zB bei rpi-virtuell) und empfehle es beim rpi-virtuell-Materialpool!

Zum Abschluss die Abstimmung. Ich habe sie befristet bis 2.11. Wenn bis dahin mehr als vier Ja-Stimmen eingehen, werde ich auf Google+ einen Hangout organisieren, eine Spielwiese, in der der Materialpool von rpi-virtuell vorgeführt wird und in dem man Fragen stellen und selbst experimentieren kann. Wichtig: Wenn du mitmachen willst, solltest du dich vorher bei Google+ registrieren. Anders kommst du in den Hangout nicht hinein.

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Tag 13.13. Die vergangenen Events…

… verdienen es durchaus, nochmal Revue passiert zu werden.

Da gab es am Montag die Spielwiese zum Thema: Wie gestalte ich einen Hangout mit Christian F. Freisleben-Teutscher, der zwar nicht übermäßig stark besucht, aber (zumindest nach dem ersten Drittel der Aufzeichnung) sehr informativ wurde.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=xXg_FgUMDak

Gestern ging es um die Frage: Was ist guter Unterricht? Dort versuchte Andreas Ziemer darzulegen, dass guter Unterricht durchaus etwas mit Kompetenzorientierung zu tun hat. Vor allem jedoch zeigte er eine hochinteressante, videogestützte Methode, wie LAAs guten Unterricht erlernen und andere Interessierte davon noch profitieren können. In der Diskussion (sowohl auf der AV-Ebene als auch im Chat) ging’s dann richtig zur Sache. Die Videoaufzeichnung ist etwas ruckelig, da stets am Limit der verfügbaren Bandbreite, aber im Ergebnis ergiebig. Es empfiehlt sich, auf den Vollbildmodus umzuschalten.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=s9aToXrBCAM

Tag 3.01. Jesus lehrte kompetenzorientiert

Auch das noch! Ausgerechnet Jesus muss nun für k.o.-Unterricht herhalten?! Wird der christliche Glaube nicht schon genug instrumentalisiert?

Dass Jesus kompetenzorientiert vorging, wäre auch mir bis vor kurzem nicht in den Sinn gekommen. Dies änderte jedoch dieser Artikel.
Dort macht der Jugendleiter Ralpf Wagner ein paar Dinge klar, auf die ganze Heerscharen von Religionspädagogen (mich eingeschlossen) eigentlich schon früher hätten gekommen sein können.

Jesus sendet seine Apostel aus

Als besondere biblische Quellen zieht er Mt 10 und Lk 10 heran, hat aber auch andere Szenen aus den Evangelien im Blick.

Welche Kompetenzen wollte Jesus anbahnen?

Dies ist nicht so schwer herauszufinden, denn die sind uns Christen noch heute als Taufbefehl ins Stammbuch geschrieben:

Wir sollen

  • das Evangelium verkünden können und
  • alle Umkehrwilligen, die darauf vertrauen, taufen und sie in die Gemeinschaft des kommenden Gottesreiches (“Kirche”) aufnehmen können.

Interessant finde ich, dass sich die memorierbaren Glaubensformeln (Einsetzungsworte, Zehn Gebote usw) bis hinein in den heutigen Konfi/Firm(?)-Unterricht erhalten haben, wogegen die Kompetenz, diese Wissensschnipsel praktisch einzusetzen, weitgehend verlorengegangen, da an eine kleine Clique von Professionals (“Kleriker”) delegiert worden ist. Daran hat auch die Reformation nicht viel geändert.

Wie hat Jesus Kompetenzen angebahnt?

  1. Praxiserfahrung von Anfang an.
    Jesus hat seine Schüler überallhin mitgenommen und ist mit ihnen durchs Land gezogen, abgesehen von einigen wenigen Auszeiten in der Einöde. Sie teilten seine Lebensbedingungen und sammelten (durch Hospitieren und Assistenz) unmittelbare Praxiserfahrungen.
  2. Wohldosierte Lehreinheiten
    Die meisten Lehren Jesu ergaben sich offenbar aus konkreten Situationen. Sie waren anschaulich (Gleichnisse, Parabeln) oder prägnant (Apophthegmen). Längere Lehrreden Jesu in den Evangelien sind offensichtlich redaktionell zusammengesetzt (zB die Bergpredigt). Jesus fasste sich programmatisch kurz. Auf philosophisch-theologische Welterklärungssysteme verzichtete er ganz.
    Offenbar hatte Jesus nicht die Absicht, seinen Schülern “Wissen” oder “Bildung” zu vermitteln, sondern die Kompetenz, das Evangelium zu verkünden und dabei auch Rede und Antwort zu stehen.
  3. Das Wort wird durch die zeichenhafte Tat bestätigt
    Jesu Lehren erhielten ihre Plausibilität nicht durch sich selbst oder ihre bezwingende Logik, sondern durch die zeichenhaften Ereignisse, die sie begleiteten. Auch die Schüler Jesu sollen auf diese Weise ihre Kompetenz als Evangeliums-Verkündiger erweisen.
  4. Selbstverantwortete Projekte
    Die Aussendung der Jünger, die Sturmstillung und der Seewandel des Petrus zeigen, dass Jesus seinen Schülern in hohem Maße Eigenverantwortung zutraut. Dies ist m.E. der Königsweg eines kompetenzorientierten Lernprozesses. Dort wo der Lehrer oder Pfarrer seinen Schülern (oder Mitarbeitern) keine Freiräume überlässt, Eigenverantwortung zu übernehmen und zu versagen, kann auch nicht viel Neues wachsen.
  5. Lernweg zur Kompetenz
    Die Aussendung der Apostel, wie sie in Mt 10 geschildert wird, zeigt in geradezu klassischer Weise den Weg des Kompetenzaufbaus:
  1. Aufbau auf vorhandener Kompetenz (v.1): Durch die Verleihung der Vollmacht zum Heilen (was immer dies bedeuten mag) war bei den Jüngern eine Grundlage geschaffen worden, von der aus der (Lern-)Weg fortgesetzt werden konnte.
  2. Eingehende Analyse der Anforderungssituation (die verblüffend stark derer der verfolgten syrischen Urkirche 50 Jahre danach ähnelt 😉 v.16-26)
  3. Die Formulierung der zu erwerbenden Kompetenz steht nicht explizit im Bibeltext, geht aber aus den Arbeitsaufträgen hervor. Es handelt sich um die in v.7.8 angesprochene Fähigkeit, das Evangelium vom Reich Gottes unter den galiläischen Juden zu verbreiten und (gewissermaßen OER-mäßig) Menschen zu heilen.
  4. Die selbstständige Arbeitsphase wird durch detaillierte Anweisungen (v.7-14) eingeleitet. Jesus versäumt es nicht, seine Schüler zu motivieren und zu ermutigen (v. 27-32.40).
    In der Aussendung der 72 Jünger ist zu erfahren, dass Jesus Teamarbeit begünstigt.
  5. Die Evaluation erfolgt sofort, nachdem die Schüler Jesu von ihrem Weg zurückgekehrt sind und ihre Arbeitsphase abgeschlossen haben. Dies wird nicht bei Matthäus, sondern in Lk 10 geschildert. Die Schüler berichten begeistert von ihren Erfahrungen. Jesus gibt Feedback mit einem indirekten, aber um so dramatischerem Lob. Gleichzeitig übt er konstruktive Kritik.

 Folgerungen

Aus dem Geschilderten ergibt sich natürlich nicht, dass wir unsere armen SchülerInnen jetzt paarweise auf Evangelisierung schicken. Allerdings könnte man Evangelisationskampagnen mal darauf abklopfen, ob dort “das Wort” in ähnlicher Weise von heilender Tat glaubhaft gemacht wird. Doch was resultiert für den Religionsunterricht? Hier ein paar Denkanstöße:

  • Der Religionsunterricht ist weder eine missionarische Veranstaltung, noch eigentlich eine genuin kirchliche. Zwar finden inzwischen viele Religionspädagogen, dass SchülerInnen dort religiös sozialisiert werden sollten (weil aus dem Elternhaus keinerlei religiöse Impulse mehr kommen), aber diese Sozialisation, wenn man sie beabsichtigt, muss so erfolgen, dass SchülerInnen diese reflektiert ablehnen können, ohne deswegen eine schlechte Zensur zu erhalten.
    Welche speziellen Kernkompetenzen besitzt der Religionsunterrichit also? Wahrnehmungs-, Deute-, Urteils- und Diskursfähigkeit werden auch in Deutsch und Sozialkunde angebahnt. Das Spezielle in Reli, was übrigbleibt, ist vielleicht der Bezug auf besonders komische (“religiöse”) Quellen. Naja.
  • Bleibt also noch die Handlungskompetenz. Würde dies nicht bedeuten, dass das Fach Religion komplett umgestrickt werden müßte auf eine handlungsorientierte Schiene? Dass man jede Unterrichtseinheit in einem irgendwie praxisbezogenen Projekt enden lassen müßte? Aber welchem?
  • Überhaupt: Welche praxisbezogenen Kompetenzen lassen sich für den Religionsunterricht erdenken? Worin besteht denn unsere Kompetenz “als Christen”?
    Okay, irgendwo steht, dass wir die Gemeinschaft der Heiligen sind. Und Heilige, so habe ich gelernt, das sind Leute, bei denen die Güte Gottes durch ihr Leben sichtbar wird. In diesem Sinne war wohl auch die BDKJ-Aktion 72 Stunden ohne Kompromiss gemeint. Aber lässt sich so etwas auf die spezielle Situation des Religionsunterrichts übersetzen?
    Oder ist – horribile dictu – unser Religionsunterricht (quasi aus der Sicht Jesu) einfach überflüssig?

 

unplugged1Ich gehe für ne Woche offline.

Da ich dann zu spät zur Woche 2 wieder eintreffe, sende ich schon jetzt, etwas verfrüht, meinen Senf einen gedanklichen Impuls zum KO-Thema – ihr wisst schon.

Tschöhö, bis denne!

Tag 1.21. Kann man auch selber mal einen Hangout veranstalten?

Es gibt unterschiedliche Weisen, einen Online-Kurs anzugehen. ZB. so wie Fritzi:

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Oder wie Evi:

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Zum Beispiel Hangouts. Um die “auszuprobieren”, braucht man Komplizen, die bei dem Experiment mitmachen. Große Online-Kurse sind geradezu eine Fundgrube für solche Komplizen. Man kann sie vielleicht mit einem interessanten Thema ködern.

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Zur Zeit gibt es zwei wichtige Provider, die Hangouts zur Verfügung stellen. Adobe und Google. Adobes Werkzeug wird bei den großen Kurs-Hangouts eingesetzt, kostet aber ganz schön viel Geld. Google Hangouts sind nicht ganz so stabil und haben weniger Extras, kosten aber nichts. Das Plugin, das den Browser für Videokonferenzen aufbohrt, bekommt man kostenlos.

Wie man einen Google Hangout sinnvoller Weise plant (wenn das Plugin installiert ist), erkläre ich unten im Video:

httpvh://www.youtube.com/watch?v=nk4yU6Tvss8

Jetzt können sich die eingeladenen Gäste anmelden oder angeben, dass sie “vielleicht” kommen. In beiden Fällen bekommen sie in ihrem Google Calendar den Termin des geplanten Hangouts eingetragen.

Inzwischen haben sich bei Evi hat genügend Gäste für das geplante Online-Treffen angemeldet. Nun muss der eigentliche Hangout gestartet werden. Wie das gehen kann, versuche ich mal zu erklären:

httpvh://www.youtube.com/watch?v=fHDqzk8Ifv4

Okay. Mehr zu verraten wäre unfair. Wo bliebe sonst der Kompetenzzuwachs? Platz für Fragen und Kommentare ist hier unten, oder noch besser, bei openreli auf g+ – da antworten auch Leute, die alles viel besser können als ich.

Tag 0.15. Rückblick auf die openreli-Startsession

Openreli startete mit einer Art Massen-Hangout. Fast 50 Leute beteiligten sich, und es brummte wie im Bienenstock. Als ich mich einloggte, blieb mir nur der Chat. Später wurde ich hochgestuft und konnte ein paar Minuten lang mein Konterfei zeigen, aber die Moderation war so prima (finde ich), dass das gar nicht nötig gewesen wäre.

Für alle, die nicht dabei waren oder die es nochmal erleben möchten: Klicke unten auf das Bild, dann startet die Aufzeichnung in full HD und piepapo!

openreli-Startsession

Spannend fand ich, dass sich bereits erste Konturen abzeichneten: “Kompetenzorientierung” – ist das wirklich was Gutes? – so MB im Chat. Auch andere möchten es klarer haben, was überhaupt damit gemeint ist und wie es geht.

Was soll ich sagen? Damit sind die Kursmitglieder schon gleich ins Herz von openreli hineingestoßen. Schaumamal, ob die kommenden Wochen da Aufklärung und Hilfe bringen!