Game gegen Hetze: “Change City”

Eine gute Idee: ähnlich wie SimCity gebaut,  transportiert das Spiel zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Diskriminierung von Minderheiten durchaus geschickt von den Auftraggebern (Kolping Württemberg, Schule ohne Rassismus B.-W.) gewollte und gesellschaftlich anerkannte Informationen und Einstellungen, erhältlich als Gratis-App (App-Store / Play-Store) oder in beschleunigter* Unterrichts-PC-Version (hier Gratis-Download der exe-Datei, dabei muss Adobe® Air  installiert sein, evtl. schulische Adminrechte erforderlich) . Grafisch bleibt das Angebot eher anspruchslos und ist nicht immer ganz flüssig bedienbar. Ob damit wirklich “das Selbstverständnis der Jugendlichen geweckt werden” kann, “sich aktiv gegen Diskriminierungen zu engagieren” (Zitat Website), muss sich zeigen. Zunächst werden sich wohl solche Jugendliche bestärkt und gerüstet fühlen, die schon in diesem Sinne Handlungsimpulse empfinden. Für bisher gänzlich Uniformierte wird durch das Spiel die Aufmerksamkeit erst geweckt und sie bekommen wichtige Informationen (z.B. diskriminierende Tendenzen im Fußball), die vielleicht schon präventive Wirkung im Sinne der Bereitschaft frühzeitigen sich dagegen Stellens entfalten kann. Denn der „Mief“ der Menschenfeindlichkeit ist geradezu ausserirdisch – witzige Legende, wie er durch die Raumschiffhavarie eines  giftgrünen Aliens auf die Erde kommt. Religion ist Bestandteil des Spieldiskurses, zunächst als Gelegenheit für “Mief”, dann aber auch als Chance, sich mit Feindseligkeit auseinanderzusetzen, z.B. beim Reizthema Moscheeneubau. Christliche Gottesdienste (kleine sachliche Fehler kann man dabei verschmerzen), denen man “lauscht” werden als Gelegenheit vorgeführt, über “Toleranz im Fußball” zu “informieren”. Eine Pfarrerin repräsentiert das Christentum (durchaus auf der Linie antisexistischer Positionierung, beachtlich für katholische Auftraggeber). Extremistische Bestrebungen (z.B. Salafimus) werden wünschenswert deutlich charakterisiert. Der Stimmungsmache gegen Geflüchtete wird im Ansatz entgegengetreten, indem z.B. Zeitungsnews über Bürgerkriegszustände sarkastisch als aus “Weitwegistan” stammend angeführt werden. Xenophobischen Vorurteilsreaktionen gegen den Islam wird entgegengetreten. Interessant ist neuerdings (Update Sept. 2016) das Einwohnermeldeamt, dem alle Namen bekannt sind und bei dem ein muslimischer Jugendlicher durch zuschaltbaren Vollbart als Salafist charakterisiert wird. Gedacht ist das Spiel schon ab 12 Jahren (vielleicht angesichts der Informationen etwas früh). Im Unterricht sind vielleicht eher 60 min (statt der angegebenen 15 bis 45 min)für die individuelle Beschäftigung (Hintergrundmusik lässt sich abstellen) nötig. Rolle und Position des christlichen Glaubens in derzeit prekären gesellschaftlichen Stimmungslagen lassen sich danach mit ab 15jährigen geeignet thematisieren  (dabei zur Nachbereitung im Klassenplenum an Screenshots denken!) – in der Perspektive des Spiels reiht er sich eher nivelliert ein in eine breit konsensfähige human-engagierte Weltanschauung.
Eine Handreichung (© ACHTUNG?! Eine Präventionsinitiative des Polizeipräsidiums Ludwigsburg gegen Radikalisierung und Extremismus: dort auch jugendnahe und  intelligente Auseinandersetzung mit jeder Art davon (Clip 6 min.)) erlaubt den schnellen Überblick und gehört in die Hand der vorbereitenden Lehrkraft. Darin werden als einzelne Spielthemen u.a. erkennbar:
  • Rassismus und Homophobie im Fußball
  • Rechtsextremismus im Internet, rechtsextremistische Radikalisierung
  • Islamophobie
  • Fremdenfeindlichkeit
  • Salafistische Radikalisierung (neu ab Update 27.09.2016)
  • Weltreligionen / Weltethos (geplanter Release: Febr.2017)

Bei Letztgenanntem wird “Prof. Küng … nach Change City” kommen. Für ein “tolerantes Miteinander der Religionen soll ein großes Fest veranstaltet werden. Der Imam der Stadt und die Pastorin sind begeistert.” Aber plötzlich “bricht eine heilige Kuh des Saddhus aus, die der Spieler einfangen muss.” (Zitate: Handreichung, S.7f.). Der Lehrkraft wird in den FAQ dringend geraten, das Spiel selber zu spielen, um im Unterricht geeignet zum Austausch mit ihrer Lerngruppe zu kommen.

* hier die  Kampagnen-Codes für gezielte Auswahl. Danke 🙂  für die barrierefreie Bereitstellung (samt Handreichung und exe-Datei) an Clemens Petzold von Kastanie Eins)

Making-of mit Spielszenen: Clip bei YouTube

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