Filme im Unterricht: Diese Methoden empfehlen Medienpädagogen

Filme erweitern unsere Erfahrungswelt. Mit den richtigen Methoden gelingt es Ihnen, das Potenzial von Filmen und Videos fruchtbar zu machen. Diese Ideensammlung
hilft Ihnen bei der Vorbereitung!

 

 

Die folgenden Tipps stammen von Roland Kohm, Medienpädagoge im Evangelischen Medienhaus Stuttgart (mehr).

I.   Mit der Methodenwahl Akzente setzen
II.  Inhaltsorientierte Methoden
III. Teilnehmer orientierte Methoden

I. Die Wahl der Methode setzt Akzente

Filme
erzählen eine Geschichte, sie dokumentieren Geschehen. Sie stellen
Personen dar, vermitteln das Bild eines Landes, einer Region, einer
Menschengruppe. Sie können das Werk eines Künstlers darstellen und zur
Meditation anregen.

Diese Möglichkeiten des Mediums können für
das Gespräch in einer Gruppe und für die Auseinandersetzung mit einem
Thema genutzt werden. Durch die Auswahl der Methode kann der Akzent
unterschiedlich gesetzt werden:

  • Inhaltsorientierte Methoden rücken die Inhalte in den Vordergrund und sichern sie.
  • Teilnehmer orientierte Methoden sind fokussiert auf die Reaktionen, die ein Film hervorruft.


II. Inhaltsorientierte Methoden

Die
Auseinandersetzung mit der Inhalten, die der Film vermittelt, hat das
Ziel, diese Inhalte wahrzunehmen, in Worte zu fassen und zugänglich zu
machen.

  • Beobachtungsaufgaben verteilen (Fokussierte Inhaltsanalyse)
    Vor oder nach dem Film werden Beobachtungsaufgaben gestellt, eventuell in Verbindung mit einem Arbeitsblatt oder Fragebogen.
  • Wiederholtes Ansehen
    Man kann den Film wiederholen (Frequenzmethode) oder in Intervallen
    (Sequenzmethode) vorführen. Die mehrfache Vorführung oder Darbietung in
    Portionen dienen dazu, schwierige Filme zu analysieren und die
    Informationen eines Films besser zu erfassen.
    Variation: Wiederholte Sichtung ausgewählter Sequenzen zu Kernaussagen des Films.
  • Einfrieren
    Einzelne, besonders wichtige Filmszenen können als
    Standbild eingefroren werden. Das Einzelbild wird gemeinsam betrachtet.
    Spontane Wahrnehmungen werden geäußert und Beobachtungen und
    Vermutungen diskutiert.
  • Fragebogen zum Film
    Man kann den Teilnehmenden für den Einstieg in die Gruppenarbeit auch einen Fragebogen geben, z.B. mit folgenden Fragetypen:
    1. Emotionale Stellungnahmen, z.B.: "Was hat besonders gefallen, was hat gestört?"
    2. Inhalt, z.B.: "Was ist das zentrale Problem des Films?"
    3. Beurteilung des Films, z.B. mit Noten -3 bis +3
    4. Begründung des Urteils
    5. Spezielle Fragen, z.B.: "Was bedeutet nach Ihrer Meinung…?"
    Innerhalb der Gruppe wird die Auswertung aufgeteilt, einer wertet alle
    Antworten auf Frage 1, ein anderer auf Frage 2 usw. aus. Die Auswertung
    wird Frage für Frage besprochen.
  • Drehbuch-Analyse bzw. Transkription
    Die Umwandlung eines Ausschnitts eines Films in textliches
    Filmprotokoll ermöglicht eine Feinanalyse, insbesondere der filmischen
    Darstellungsmittel. Ggf. kann auch das Drehbuch verwendet werden.
    Damit verbunden ist die Diskussion des Bedeutungs- und
    Wirkungspotentials als Folge der eingesetzten filmischen Mittel. Das
    sensibilisiert für die Mikrostruktur filmischer Gestaltung und führt
    zum genauen Sehen hin.

 
III. Teilnehmerorientierte Methoden

Teilnehmerorientierte Methoden der Auseinandersetzung machen die
Reaktionen, die der Film hervorruft, zum Thema und haben das Ziel, ein
gemeinsames
Gespräch auszulösen.

  • Spontane Stellungnahmen
    Die Teilnehmenden sagen im Plenum, welche Szenen sie am meisten
    beeindruckt hat, welche am spannendsten, bedrohlichsten etc. für sie
    war.
  • Methode 66
    Bei großen Teilnehmerzahlen werden Kleingruppen zu je 6 Personen
    gebildet. Dabei bleiben alle Gruppen im gleichen Raum. In einem Saal
    wird jede zweite Stuhlreihe umgedreht, so dass sich die Anwesenden
    gegenüber sitzen. Jeweils 6 Personen können sich in der Regel noch
    verständigen, 8-er Gruppen sind erfahrungsgemäß schon zu groß.
    Die zweite Ziffer 6 der Methode 66 besagt, dass das Gespräch in der
    Kleingruppe 6 Minuten dauert. Diese Vorgabe sollte jedoch vom Film
    abhängig gemacht werden. Um das Gespräch in der Kleingruppe zu
    erleichtern, können auch Bögen mit wenigen Fragen verteilt werden.
  • Assoziations-Methode: Eindrücke, Reaktionen, Stellungnahmen
    Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin schreiben ihre Eindrücke und
    Reaktionen auf. Dafür sollte ein Zeitraum von 5 – 10 Minuten vorgesehen
    werden. Das erleichtert es dem einzelnen, über seine Eindrücke anhand
    der Aufzeichnungen zu sprechen.
    In der Kleingruppe werden die Assoziationen und Gedanken vorgelesen und besprochen.
    Variation: Anpinnen an Pinnwand, Arbeitsblatt mit gezielten Fragen
  • Schreib-Gespräch
    Die Teilnehmenden schreiben ihre Fragen, Reaktionen, Einfälle und
    Stellungnahmen auf Zettel und reichen sie schweigend in der Gruppe
    weiter.
    Dabei nach der Methode 6-3-5 vorgegangen werden: 6 Teilnehmer haben je
    ein Blatt in 3 Spalten aufgeteilt. Jeder schreibt möglichst in jede
    Spalte eine Frage, eine Aussage oder eine Stellungnahme. Nach etwa 5
    Minuten wird das Blatt an den jeweiligen Nachbarn weiter gereicht.
    Dieser füllt wieder 3 Spalten aus. Das wiederholt sich fünfmal.
    Anschließend werden die Aufzeichnungen besprochen.
    Bei dieser Methode geht es nicht nur um Äußerungen einzelner, sondern
    auch um die Wechselwirkungen in der Gruppenkommunikation. Es lassen
    sich Aspekte der Gruppenkommunikation erkennen.
  • Film nicht bis zum Ende zeigen und Ausgang, Lösung erfinden lassen
    Die Filmvorführung wird vor Schluss abgebrochen. Die Teilnehmenden
    eines Seminars, die Schülerinnen und Schüler einer Klasse werden
    motiviert, sich intensiver mit dem Problem, das der Film darstellt
    auseinander zu setzen. Das Ende kann auch im Rollenspiel entwickelt
    werden.
  • Film ohne Ton vorführen
    Die Dialoge bzw. der Kommentar werden in Kleingruppen erarbeitet. Neben
    einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht es
    diese Methode, die Ausdruckmöglichkeiten der Bildsprache kennen zu
    lernen.
  • Rollenspiel
    Nicht für alle Altersgruppen geeignet, aber sehr ertragreich: Durch das
    Nachspielen kann sich der Einzelne besser in das Gesehene und Erlebte
    hineinversetzen und Eindrücke verarbeiten. Im Rollenspiel können auch
    alternative Handlungs- und Vorgehensweisen erprobt und anschließend
    diskutiert werden.
  • Das Gesehene malen oder mit Figuren nachspielen
    Diese Methode eignet sich für jüngere Kinder, die sich verbal noch nicht gut ausdrücken können.
    Die Figuren werden gemalt und ausgeschnitten oder aus Knete geformt. Der Film wird dann nachgespielt.

Weitere Ideen zum Filmgespräch

  • Welche Rolle würde ich im Film spielen wollen?
  • Geschichte weiter schreiben:
    alternatives Ende finden, 2. Teil, Fortsetzung etc.
  • Kennzeichen des Genres sammeln
    Beispiel: Typische Elemente des Action-Films, Liebesfilms etc.
  • Verkauf des Films an ein Kino:
    Was sind die Stärken/Eigenschaften des Films? Welches Publikum wird er ansprechen?


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