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Online-Lernen in der Fortbildungspraxis: Module B und C im Rückblick

Kompetent am PC!Im dritten Jahr werden nun bei rpi-virtuell die Fortbildungsmodule A, B und C durchgeführt. Anlässlich dieser Ausgabe der Themenwochen Online-Lernen haben wir Absolventinnen und Absolventen um einen Rückblick gebeten: Was hat ihnen gefallen? Was hat Schwierigkeiten bereitet? Was haben sie sich besonders mitgenommen?

Seit 2006 werden bei rpi-virtuell die drei Online-Module A, B und C
durchgeführt. Auf besonderes Interesse stoßen der Grundkurs Modul B (mehr) und der Aufbaukurs Modul C (mehr), die sich mit Online-Moderation und der Konzeption von Online-Bildungsangeboten beschäftigen. Das technisch orientierte Modul A (mehr) dient der Ausbildung von rpi-Supportern.

Mit Hilfe eines offenen Fragebogens haben wir AbsolventInnender Module B und C befragt. Ihre Rückmeldungen sind aufschlussreich für andere Einrichtungen und Personen, die online unterstützte Fortbildungen anbieten oder anbieten wollen.

Modul B und C: Das sagen ehemalige TeilnehmerInnen

  • "Das hat mir gefallen …" 
  • "Das hat mir Schwierigkeiten bereitet …"
  • "Das habe ich mir besonders mitgenommen …"
  • Perspektive für die eigene Einrichtung:
    Strategie zur Implementierung
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Fünf!"Das hat mir gefallen …"

Hier gibt es drei Themen, die immer wieder positiv hervorgehoben werden: Kommunikation und Austausch im Seminar, die Seminarmaterialien und die  Lernbegleitung.

Kommunikation und Austausch im Seminar
Es mag vielleicht überraschen: Die Module finden als reine Online-Seminare statt. Dennoch gehören Austausch und Kommunikation zu den Spitzenreitern bei den positiven Rückmeldungen.
"Der unkomplizierte Kontakt im Forum", "die Offenheit der Teilnehmenden, die sich ja durchwegs überhaupt noch nicht gekannt hatten", wurden hervorgehoben.

"Mein Vorurteil ‘Online-Lernen ist einsames Lernen’ wurde widerlegt: Gruppenarbeit mit wechselnden Teilnehmenden, Lernpartnerschaft, gegenseitige Beratung und Chat führten zu einem lebendigen Austausch."
Es hat mich positiv überrascht, so eine Rückmeldung, "dass man über große Entfernungen, biografische Hintergründe und unterschiedliche Berufsfelder hinweg gemeinsam arbeiten kann." Und das auch noch virtuell, könnte man ergänzen.

Die Seminarmaterialien
Am zweithäufigsten werden – neben der Betreuung – die Seminarmaterialien gelobt. Zu jeder Seminareinheit gibt es ein Handout.

"Die Unterlagen waren qualitativ sehr gut und informierend." Gefallen haben "die gute didaktische Aufbereitung der Arbeitsmaterialien", "die übersichtlichen und umfassenden Lernmaterialien mit Aufgabenstellungen und die Vielfalt und Wahlmöglichkeiten".

"Klarheit und Dichte der inhaltlichen Inputs haben Modell-Charakter", hebt eine Rückmeldung hervor, "und sind für mich Ansporn, meine Infos … in ähnlich knapper, lesefreundlicher und übersichtlicher Form aufzubereiten."
Übrigens: Die Begleitmaterialien sind auch im Buchhandel erhältlich:

  • Julia Born: Das eLearning-Praxisbuchmehr


Die Lernbegleitung

Auch die Lernbegleitung wird sehr gelobt: "Die Betreuung fand ich besonders gelungen. Obwohl der Kontakt nur virtuell war, empfand ich die Kommunikation doch sehr persönlich und angenehm." "Eingehen auf meine eigenen Vorlieben und ein immer wertschätzender Umgang der Leitung mit mir!!"

Hand links"Das hat mir Schwierigkeiten bereitet …"

Natürlich stößt man beim Online-Lernen auch auf Hürden. Hier sind die Rückmeldungen diverser. Gleichzeitig sind sie aufschlussreich, weil sie in ähnlicher Form auch bei anderen Online-Lernangeboten auftauchen können.
Sie betreffen die Zusammenarbeit in der virtuellen Gruppenarbeit, die Selbstorganisation der Arbeit und den Zeitbedarf sowie technische Hürden.

Online-Gruppenarbeit
Zum Grundkurs Modul B gehören zwei Gruppenarbeitsphasen. Dabei nehmen die Teilnehmenden – teilweise auch über Misserfolgserlebnisse – wahr, dass Zusammenarbeit in der virtuellen Gruppe ein hohes Commitment und hohe Selbstkompetenz des einzelnen Teilnehmenden verlangt. Das ist eine wichtige Erfahrung für die künftigen Online-ModeratorInnen, die sie anschließend in ihre Online-Lehrtätigkeit einbeziehen werden.

Die erlebten Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit sind im Nachhinein noch spürbar. "Die Organisation einzelner Teilnehmer für die Bearbeitung von Aufgaben gestaltete sich manchmal schwierig. Es fing damit an, Termine zu finden, in Kontakt zu kommen, Antwort zu erhalten etc."
Schwierig fand ich "die Terminfindung mit den SeminarkollegInnen, wenn Fristen von der Leitung für Gruppenaufgaben gesetzt waren", "ganz andere Lerntypen und deren Logik erst einmal wahrzunehmen und dann als grundlegende Basis einer notwendigen Zusammenarbeit erfolgreich umzusetzen: Wer setzt welche seiner/ihrer Stärken an welcher Stelle und in welchem Umfang ein?"

Umgang mit der Zeit und Lernverhalten

Wer sich an einem Online-Seminar beteiligt, entscheidet selbst, wann und in welcher Tiefe er sich mit den Seminarinhalten beschäftigt. Es verlangt Selbstkompetenz, sich vom Tagesgeschäft und der Familie zurückzuziehen und sich über mehrere Wochen hinweg systematisch mit der eigenen Fortbildung zu beschäftigen.
Es mag überraschen, dass auch besonders hoch motivierte Teilnehmende sich hier gefordert fühlen.

"Manchmal konnte ich nicht "abschalten" und war zu oft online." "Es war in der Hochphase manchmal schwierig, den Rechner wieder auszuschalten. Online-Seminare haben auch ein Sucht-Potential … Hier braucht es hohe Eigendisziplin, die nicht immer bei mir anzutreffen war."

Auch mit – zum Teil selbst gesetztem – Leistungsdruck gilt es, fertig zu werden: "Durch die sehr straffe Zeitorganisation mit Pflichtaufgaben hatte ich z.T. große Probleme, diese neben einem Fulltimejob so zu erledigen, dass es meinen Vorstellungen entsprach."

Zeitbedarf aus Sicht der Seminarverantwortlichen
Unsere systematische Seminarevaluation hat ergeben, dass die veranschlagte Zeit im Mittelwert als ausreichend wahrgenommen wird. Das bedeutet gleichzeitig, dass manche weniger, andere auch mehr Zeit aufwenden. Manchmal gilt es Hürden zu überwinden: Ein Urlaub während der Seminarzeit ist bereits geplant, es kommt zu unerwarteten familiären oder beruflichen Beanspruchungen.

Als Seminarleitung sehen wir hier zwei Aspekte:
Eine Online-Fortbildung ist eine echte Fortbildung und mit entsprechendem Zeitaufwand verbunden. Der einzelne ist für sich gefordert, Zeiten zu finden und einzuplanen, um entsprechend mitarbeiten zu können.
Gleichzeitig versuchen wir mit Hilfe der Lernbegleitung Leistungsdruck abzubauen und bei Engpässen nach Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen. In der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle haben wir bisher einvernehmliche, gute Lösungen finden können.

Technische Hürden
Nicht alle Teilnehmenden finden gleich Zugang zum technischen Umgang mit der Plattform. Daher werden auch solche Hürden in einigen Rückmeldungen genannt, "technischen Details", für die es "einiges an Probieren und Studieren" brauchte.

Die Teilnehmenden eines Seminars hatten besonders zu kämpfen: "Technische Schwierigkeiten ergaben sich teils daraus, dass das Portal gerade umgerüstet wurde und Anleitungen erst im Entstehen waren." Diese Rückmeldung ist sehr berechtigt.
Zwischenzeitlich stehen umfangreiche Hilfeseiten im Wikiformat mit Anleitungen und Fotos bereit (mehr). Alle unsere Seminare werden begleitet von einer Supporterin bzw. einem Supporter, an die man sich telefonisch oder per E-Mail wenden kann.

Bei der Anmeldung zum Grundkurs Modul B wird auf den Startworkshop (mehr) hingewiesen, der als autodidaktisches Angebot oder als begleitetes Online-Seminar zur Verfügung steht. Für Teilnehmenden, die wenig Erfahrung mit Internet und rpi-virtuell haben, ist das eine hervorragende Einführung.
 

Hand rechts"Das habe ich mir besonders mitgenommen …"

Hier gibt es zwei eindeutige Spitzenreiter. Die Teilnehmenden berichten in großer Übereinstimmung, dass das Seminar ihre Kommunikationskompetenz gestärkt hat. Gleichzeitig haben sie Anregungen für ihre persönliche Berufspraxis mitgenommen.

Kompetenzgewinn in Bezug auf Online-Kommunikation
Viele Teilnehmende stellen fest, dass die Erfahrungen ihre persönliche Kommunikationskompetenz im Online-Bereich gestärkt hat:

"Hier habe ich gelernt, wie wichtig es ist, auf Nuancen in Formulierungen etc. zu achten." "Bei der Formulierung von Mails, Forumsbeiträgen etc. bin ich mir sehr darüber bewusst, dass es zu Missverständnissen kommen kann (wie es im Onlinekontakt zwischen mir und einem Teilnehmer passiert ist) und formuliere daher so klar und überlegt wie möglich."
"Die Tücken der Online-Kommunikation sind mir seit dem Seminar deutlich und fließen positiv in meinen Kommunikationsstil ein. :)"

Ein Zugewinn besteht auch in Bezug auf die Bedienkompetenz: "Ich habe mich hinterher sehr souverän gefühlt, also der Umgang mit der Technik und den unterschiedlichen Kommunikationstools."

Gewinn für die eigenen berufliche Praxis

Viele Teilnehmende berichten auch, dass sie Anregungen für ihre eigene berufliche Praxis mitgenommen haben.
"Didaktische und methodische Fragestellungen bekamen einen hohen Stellenwert und lassen die sonst üblichen Arbeitsfelder in einem anderen/neuen Licht erscheinen. Momente des Coaching bzw. Counseling will ich unbedingt in meine Arbeit einfließen lassen."
"Meine Erfahrungen ermutigten mich noch während des Seminars Räume für meine Klassen einzurichten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel lerne, das ich sofort in meinem laufenden Unterricht einsetzen kann."

Auch das Konzept der unterschiedlichen Lern- und Wahrnehmungstypen wurde wiederholt aufgegriffen: "Eine wichtige Erkenntnis war mir die Informationen zu den verschiedenen Lerntypen. Das hat mir die Zusammenarbeit im Online-Seminar erleichtert und begleitet mich seitdem auch im schulischen Alltag."
"Die Tatsache, dass es verschiedenen Lerntypen gibt, birgt viele Überraschungen: Die Bedeutung des Lerntyps muss man von Anfang an einbeziehen und konstant im Auge behalten, wobei Interventionen gerade bei ganz anders ‘gestrickten’ Lerntypen hoch sensibel sein können."

Und natürlich Erkenntnisse, die die eigene Online-Lehrtätigkeit betreffen. Die Teilnehmenden nutzen vor allem Blended Learning, also die Verbindung von Online- und Präsenzphasen, denn "manche Kompetenzbereiche aus dem Berufsfeld, für das ich ausbilde, lassen sich nur im persönlichen Kontakt miteinander entwickeln, das Online-Lernen ist eine Ergänzung dazu."

"Ich kann mich nun besser in die Rolle "der Lernenden" hineinversetzen und konzipiere meine eigenen Blended Learning Module angemessener!" "
Online-Lernen ist nicht damit getan, Materialien auf eine Plattform zu stellen. Es ist mir wichtig, gut abzuwägen, welche Lernangebote es geben soll und welche Lernhilfen, Aufgaben etc. dafür unterstützend notwendig sind."

Auf jeden Fall "Lust auf eigene Seminarplanung" hat ein Seminarmitglied bekommen, "auch wenn die konkrete Planung immer viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber es lohnt sich."

Fünf!Perspektive für die eigene Einrichtung: Strategie zur Implementierung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben also Lust bekommen, nun auch eigene Bildungsangebote mit Online-Unterstützung durchzuführen. Dabei stellen manche fest, dass das sie in ihren Einrichtungen zu den Schrittmachern gehören und es Kolleginnen und Kollegen gibt, die gerne bei ihrer bisher geübten Praxis bleiben möchten – auch wenn sie die Vorteile von OUL theoretisch durchaus wahrnehmen.

Die "eigene Begeisterung für derartige Lernformen und die Übertragung auf die Arbeit an einem Institut sind doch zwei Welten, die sich oft noch kaum begegnen. Es braucht viel mehr große und kleine Überzeugungsarbeit im eigenen Haus, viel mehr, als ich am Anfang gedacht habe.
Im Aus- und Fortbildungsbereich bewegen sich Tanker. Ein Kurswechsel wird dauern und braucht einen wirklich langen Atem", wird in einer Rückmeldung festgestellt.

Passend dazu schreibt eine andere Person: "Wenn OUL in Bildungseinrichtungen angewandt werden soll, ist es wichtig, eine Strategie zu haben, wie eine Implementierung erfolgen soll. Bei OUL ist es so wie bei der Qualitätsentwicklung: Die Leitung der (Bildungs-)Einrichtung muss dahinter stehen."
Dann kann man damit auch – und das ist eine große Chance für die Erwachsenenbildung, "neue, andere Zielgruppen und Milieus ansprechen."

Es lohnt sich also – auch in Hinblick auf die Überwindung der digitalen Spaltung und das interne Wissensmanagement – in der eigenen Einrichtung Knowhow aufzubauen.

 

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