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Demografischen Wandel gestalten: Wissensmanagement durch Lernplattformen – Teil II

rpi-virtuell - Startseite 2007Wenn in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte der
Lehrkräfte in Pension geht, dann sind das erhebliche Anforderungen an
die Schule. Die Antwort sind zielbewusste Fortbildung und planmäßiges
Wissensmanagement mit Hilfe von Online-Plattformen. Teil II des Artikels von Stefan Kugler.

 

 

 
Stefan Kugler,
M. A. Erwachsenenbildung, ist Lehrer u. a. für Deutsch und Religion an
der Realschule plus in Idar-Oberstein und in der Erwachsenenbildung
engagiert. Sein besonderes Interesse gilt der Nutzung von
Lernplattformen im Unterricht.
 
Teil II: Den Generationenwechsel gestalten
Wissensmanagement durch Lernplattformen

  • Erfahrungen und Wissen weitergeben
  • Voraussetzung: Aufbau einer Kooperationskultur
  • Netzwerke und Online-Plattformen als technische Grundlage
  • Merkposten für eine Team- und Kooperationskultur
  • Empfehlung für rpi-virtuell
    Ganzer Artikel als PDF-Datei: mehr

Teil I: Herausforderungen an die Schule

  • Digitale Spaltung und Erziehungsauftrag der Schule
  • Medienkompetenz: Sich fit machen für erzieherische Aufgaben
  • Demografischer Wandel und Schule – mehr

Wissensmanagement in der Schule:
Erfahrungen und Wissen weitergeben

Mit der Pensionswelle, die auf die Schulen zukommt, ergibt sich
gleichzeitig Frage: Wie lassen sich Wissen und Erfahrungen der in den
Ruhestand gehenden Kolleginnen und Kollegen für jüngere Kolleginnen und
Kollegen bewahren?
 
Der Begriff Wissensmanagement beschreibt die Aufgabe, das Wissen und
die Kompetenzen, die in einer Organisation zur Verfügung stehen, zu
sichern, verfügbar zu machen und weiter zu entwickeln. Jedes Mitglied
einer Organisation soll von den Kompetenzen der anderen profitieren und
gleichzeitig eigenes Wissen und eigenen Erfahrungen beitragen. Dabei
können in der Schule ganz verschiedene Ebenen einbezogen werden, vom
Schulleben über den Unterricht bis hin zur Schulverwaltung.
 
Es liegt auf der Hand, dass es lohnend ist, Informationen zu sammeln zu Fragen wie:

  • Was sind gute Ziele für Schulausflüge in der Umgebung?
  • Welche Unternehmen sind gute Ansprechpartner für Betriebspraktika?
  • Welche
    besonderen Interessen und Kompetenzen bringen die Lehrkräfte im
    Kollegium ein? An wen kann man sich also bei bestimmten Fragestellungen
    wenden?
  • Wollen wir Stoffverteilungspläne online aufbewahren
    und sukzessive einen Materialpool zu einzelnen Schwerpunkten aufbauen?
    Zum Beispiel mit Aufgaben und Musterlösungen für Probearbeiten in den
    verschiedenen Fächern und gelungenen Unterrichtseinheiten?
  • Wie organisieren wir Abschlussprüfungen? Welche Verbesserungen wollen wir fürs nächste Mal vormerken?
  • Wie
    stellen wir die Geschäftsverteilung der Schule allen Kollegen online
    zur Verfügung und halten sie schnell und unbürokratisch auf dem neusten
    Stand?
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Voraussetzung: Aufbau einer Kooperationskultur
 
Wissensmanagement erfordert die Bereitschaft, seine Arbeit (Prozesse
und Produkte) zu teilen, um andere daran teilhaben zu lassen und zur
eigenen Entlastung. Voraussetzung dafür ist das Bewusstsein einer
gemeinsamen Verantwortung für die Schule und für einander innerhalb der
Schulgemeinschaft, die Entwicklung einer Team- und Kooperationskultur.

Eine solche Kultur wird von den Schulen immer wieder gefordert. Sie
muss gleichzeitig systematisch gefördert und aufgebaut werden und setzt
das aktive Engagement und eine hohe Führungskompetenz der
Verantwortlichen voraus. Von den Schulleitungen fordert diese
Führungsaufgabe unter Umständen, dass sie hierarchische Strukturen
aufgeben.

Mitverantwortung kann nur entstehen, wenn die Beteiligten in der
Schulgemeinschaft auch ernst genommen werden und tatsächlich
Verantwortung übertragen bekommen. Der Rückzug des Lehrers auf
Strukturen wie "ich und meine Klasse" hängt mancherorts ursächlich auch
damit zusammen, dass er eben nur dort etwas zu sagen hat.

Gleichzeitig sind sorgsames Zeitmanagement und kompetente
Moderation gefordert. So lange die Arbeitszeit von Unterrichtenden nach
den erteilten Unterrichtsstunden bemessen wird, ist jede Besprechung,
jede Konferenz eine Zusatzaufgabe. Auch engagierteste Lehrkräfte werden
nur begrenzt in der Lage sein, an endlosen und unergiebigen Konferenzen
teilzunehmen.

Netzwerke und Online-Plattformen als technische Grundlage
 
Wissensmanagement wird meist mit der Nutzung der digitalen Medien
verknüpft. Denn diese bieten die Möglichkeit, Wissen und Erfahrungen zu
dokumentieren und kommunizierbar zu erhalten, aktuell und in
gespeicherter Form über die Jahre hinaus.

Erforderlich dafür sind Online-Angebote, die zeitgleiche und
zeitversetzte Kommunikation ermöglichen, die Zusammenarbeit an
Dokumenten und Dateien sowie den Aufbau einer Datenbank, in der Inhalte
gespeichert und über Suchfunktionen wieder abgerufen werden können.
Dabei ist eine Abstufung nötig für die Freigabe, also die
Unterscheidung, welche Dateien nur persönlich zugänglich sind, welche
für eine bestimmte Nutzergruppe frei gegeben werden und welche
allgemein zugänglich sein sollen.

Verschiedene Online-Angebote unterstützen solche Arbeitsformen. Dazu gehören zum Beispiel das Projekt "Schulen im Team" (mehr) aus Nordrhein-Westfalen, das ausdrücklich auf Nachhaltigkeit setzt, das Portal lo-net² (mehr), das luxemburgische Angebot mySchool! (mehr) und rpi-virtuell.

Die Nutzung von bestehenden Online-Plattformen bietet dabei viele Vorteile:

  • Sie bieten professionelle technische und inhaltliche Angebote auf einem angemessenen qualitativen Niveau.
  • Der Anfang ist bereits gemacht, das Andocken an bestehende Strukturen ist möglich.
  • Die erforderlichen Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten sind bereitgestellt.
  • Bei der Einarbeitung sowie bei technischen Fragen steht Unterstützung bereit.
  • Sie ermöglichen unkompliziert eine Erweiterung auf schulübergreifende Netzwerke.

Merkposten für eine Team- und Kooperationskultur
 
Soweit die Technik. Hilfreich ist die Erkenntnis, dass sich
Gruppen im Vollzug der Internet- oder Netzwerknutzung verändern. Nicola
Döring, die sich intensiv mit der Sozialpsychologie des Internets
beschäftigt hat, findet eindeutige Belege dafür, dass sich die Kultur
von bestehenden Gruppen durch die Nutzung des Internets weiter
entwickelt, sobald wenigstens einige Mitglieder Internetzugang haben
und die Gruppenkommunikation teilweise im Netz abläuft.(1)

Allerdings kann man sich nicht darauf verlassen, dass man ein
virtuelles Angebot macht und dann "geht alles wie von selbst". Eine
Neuausrichtung der kollegialen Zusammenarbeit an einer Schule erfordert
ein Konzept.
Dabei sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Wie erwerben Lehrkräfte – und gerade die, die den neuen
    Medien noch eher fernstehen – das erforderliche Knowhow? Ist für sie
    ein schrittweiser, begleiteter Einstieg möglich? An wen können sie sich
    bei Fragen wenden?
  • Wie kann der Zeitgewinn vermittelt werden, den eine solche
    Zusammenarbeit bringt? Stehen schon erste – entlastende – Angebote
    bereit? Welche relevanten Informationen sind für das ganze Kollegium
    oder für die jeweiligen Fachgruppen besonders hilfreich? Gibt es Ideen,
    die schnell umgesetzt werden können?
    Denkbar wäre z.B. einen
    Stoffverteilungsplan zu entwickeln und dann die Vorbereitung der
    jeweils anstehenden Themen innerhalb der Fachgruppe aufzuteilen. Jedes
    Teammitglied stellt seinen Teil der Vorbereitung online zur Verfügung.
    Anregungen werden im Forum ausgetauscht. Nach der Erprobung ist es kein
    großer Aufwand mehr, die evaluierten Arbeitsmittel dem Kollegium
    dauerhaft zur Verfügung zu stellen.
  • Jedoch: An einer Schule, in der Ängste vorherrschen – "Der
    Chef sieht, was ich schreibe!" – wird es keine öffentliche
    Online-Zusammenarbeit geben. Unterstützen die Leitungsverantwortlichen
    aktiv das Konzept? Gelingt ihnen der Perspektivwechsel von der Defizit-
    zur Ressourcenorientierung? Sind sie aktiv dabei?
    Wenn z.B. die
    Schulleitung wichtige Informationen systematisch online stellt, werden
    die Kolleginnen und Kollegen sukzessive das Netzwerk oder die Plattform
    nutzen – spätestens dann, wenn die Suche nach der wichtigen Kopie
    zwanzig Minuten lang vergeblich war …
  • Zwingend erforderlich für das Gelingen solcher Vorhaben ist
    die Entwicklung einer offenen Kommunikationskultur nach dem Motto "Der
    öffentliche Mut zur Unvollkommenheit ist ein Merkmal selbstbewusster
    Lehrer/-innen."(2)  Wer besitzt die erforderliche Kompetenz zur
    Online-Kommunikation und kann hier Vorbildfunktion und
    Moderationsaufgaben übernehmen?
  • Wer kann ggf. Verantwortung übernehmen für den Aufbau von
    und Umgang mit der schulischen Datenbank? Die Systematisierung und
    Erschließung von Wissensbeständen verlangt eine gewisse
    Professionalität, Unterstützung und Begleitung.


Empfehlung für rpi-virtuell


Unter diesen Gesichtspunkten scheinen mir wenigstens in der
Anfangsphase professionell gestaltete Plattformen mit entsprechenden
Supportangeboten die beste Lösung zu sein.

Die Online-Plattform rpi-virtuell ist in mehrfacher Hinsicht besonders geeignet:
  • Mit dem Materialpool steht eine professionell gemanagte
    Datenbank bereit, die zahlreiche praktische Handreichungen und
    Hintergrundinformationen enthält. relilex bietet fundierte und weit
    gefächerte Informationen. Im rpi-Wiki findet man Angebote, die
    letztlich von der Gemeinschaft gemeinsam verantwortet werden.
    rpi-virtuell bietet daher auch Kolleginnen und Kollegen, die den neuen
    Medien als Kommunikationsplattform noch skeptisch gegenüber stehen,
    Anreize zur Nutzung.
  • Die Möglichkeit zur Einrichtung eigener virtueller Räume mit
    internen Kommunikations- und Kooperationsangeboten schafft einen
    Schutzraum für Austausch und Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen
    Schule, notfalls auch ohne die Chefetage.
  • Die ausgefeilten Fortbildungsangebote machen eigentlich jeder Schule die Nutzung möglich.
  • Die Möglichkeiten zur Einbindung der Schülerinnen und Schüler über reliweb runden das Angebot ab.
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Anmerkungen
  1. Nicola Döring. Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des
    Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen
    und Gruppen. 2., vollst. überarb. und erw. Aufl., Göttingen, Bern,
    Toronto, Seattle 2003, S. 504
  2. Bernhard Sieland. Das Lehrerforum als virtuelle professionelle Lerngemeinschaft. S.1. PDF-Datei. [18.08.2009] – mehr
    In  der Wirtschaft stellt sich das Problem in ähnlicher Form. "Wissen
    ist Macht" verhindert die Weitergabe von wichtigen Informationen.
    Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen ist daher ein Wandel der
    Unternehmenskultur angesagt, wenn ein elektronisch gestütztes
    Wissensmanagement zur Erhaltung des Knowhows beim Ausscheiden von
    Mitarbeitenden eingesetzt werden soll. Vgl. PDF-Datei – mehr