Starten Sie ins Online-Lernen

OUL und Kompetenzlernen: Online geht mehr!

Beim Lehren geht es heute um mehr als das Vermitteln von Wissen. Stattdessen sollen Lehrende die "Teilhabe an einer kulturellen Praxis" ermöglichen – mit den entsprechenden Haltungen und Fertigkeiten. Barbara Pühl beschreibt, warum Online-Unterstützung dies kompetenzorientierte Lernen verstärkt.

  

 

Barbara PühlBarbara Pühl ist Pfarrerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU München im Fachbereich Religionspädagogik und -didaktik. Derzeit arbeitet sie an ihrem Dissertationsprojekt "Identität in
der Postadoleszenz".
Ihre Interessen gelten Menschen und ihren lebens- und glaubenspraktischen Fragen.

 

Kompetenzlernen: Online geht’s besser!

  • Kompetenzorientiert lernen: Partizipation ermöglichen
  • Exkurs: Kompetenzorientierter Religionsunterricht
  • Warum Online-Unterstützung Kompetenzlernen fördert
    Ganzer Artikel als PDF-Datei mehr


Kompetenzorientiertes Lernen und kompetenzorientierter RU

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", hieß es früher. Heute setzen wir im Gegensatz zu dem alten Sprichwort auf lebenslanges Lernen.
Dabei geht es nicht um das reine Anhäufen von Wissen. Lernen wird vielmehr "verstanden als Prozess der Teilhabe an einer bestimmten kulturellen Praxis. Dieser Prozess schließt dann das Erlernen der hierfür notwendigen Haltungen, Fertigkeiten und Wissensbestände mit ein."(1)

Erfolgreiches Lernen in diesem Sinne verlangt auch nach angepassten Konzeptionen. Hier wird je nach Alter, Ausbildungsstand und -situation zu unterscheiden sein. Insbesondere im Bereich der Fort- und Weiterbildung könnte sich Online-Lernen zu einem wichtigen Baustein entwickeln.

Kompetenzorientiert lernen – Partizipation ermöglichen

Wo heute die Rede von Bildung und Lernen ist, ist die Rede von Kompetenzen nicht weit. Besonders im Hinblick auf die schulische Ausbildung hat der Begriff zusammen mit dem der "Bildungsstandards" die pädagogische Landschaft im letzten Jahrzehnt maßgeblich geprägt.(2)

Mithilfe von Bildungsstandards soll für jedes Fach festgelegt werden, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe erreicht haben sollen. Damit sollen die Anforderungen an die Beteiligten des Lernprozesses für alle einsehbar und überprüfbar gemacht werden. Das Ziel ist, die Qualität des Bildungssystems zu sichern und zu steigern.

Unter Kompetenzen werden dabei die "bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten [verstanden], um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volutionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können."(3)
Es geht also bei kompetenzorientiertem Lernen – kurz gesagt – um eine Verknüpfung von Wissen und Handeln, um Teilhabe, Partizipation, zu ermöglichen.

Exkurs: Kompetenzorientierter Religionsunterricht

Im Kern ist die Orientierung an allgemeinen wie fachbezogenen Kompetenzen keine neue Erfindung. Gerade im Religionsunterricht ist der lebensweltliche Bezug zum Unterricht und seinen Inhalten seit den 60-er Jahren mit dem Ansatz des Problemorientierten Unterrichts nicht mehr wegzudenken.
Durch die Formulierung von Kompetenzen soll dieser Bezug noch deutlicher und für alle Beteiligten transparenter werden. So gibt es inzwischen auch für den Religionsunterricht sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite Konzeptionen, die Kompetenzlernen in den Mittelpunkt stellen.(4)

Orientierung bietet die Definition von Ulrich Hemel: "Religiöse Kompetenz ist die erlernbare, komplexe Fähigkeit zum verantwortlichen Umgang mit der eigenen Religiosität in ihren verschiedenen Dimensionen und in ihren lebensgeschichtlichen Wandlungen."(5)
Eine Schlüsselrolle für den kompetenzorientierten Religionsunterricht wird dem Begriff der Partizipation zugeschrieben.(6) Damit wird an den oben skizzierten umfassend verstandenen Lernbegriff angeknüpft. Allerdings dürfte der Begriff nicht auf eine religiöse Kategorie zu beschränken sein. Lernen als Partizipation ist vielmehr als Schlüsselbegriff jeden Kompetenzlernens zu sehen.

Warum Online-Unterstützung Kompetenzlernen fördert

Lernen ist und bleibt ein komplexer Prozess. In den Präsenzseminaren kann der komplette Lernweg häufig nicht geleistet werden. Übung, Festigung und kreative Anwendung fristen notgedrungen nur ein Schattendasein. Durch online unterstütztes Lernen kann dieser Lernweg ein Stück weitergehen.

Im Studium eingesetzt, leistet Online-Lernen
vor allem einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz. Im Vordergrund
stehen die sinnvolle Nutzung des Internets als Informationsquelle und
das Einüben unterschiedlicher Kommunikationsformen. In pädagogischen
Studiengängen wie dem Lehramtstudium kann daneben der konzeptionelle
Einsatz online unterstützten Lernens thematisiert, reflektiert – und
gelernt werden.

Im Bereich der Aus- und Fortbildung bietet Online-Lernen darüber hinaus ganz besondere, strukturelle Vorteile. Das hängt mit folgenden Aspekten zusammen:

  • Lernen und Umsetzen sind verschränkt
    Im Unterschied zum Lernen in Schule und Studium begegnet uns hier eine andere Lernsituation. Lernort ist nun nicht mehr vorrangig der Schul- oder Studienort, sondern der Arbeitsplatz – also der Wirkungsort. Lernen und das wirksame Umsetzen des Gelernten sind so von vornherein verschränkt.
  • Raum für individuelle Lernwege und individuelle Begleitung
    Theoretische Inhalte müssen bei ihrer Umsetzung immer individuell an die Situation angepasst werden. Dadurch entstehen immer wieder neue und sehr unterschiedliche Fragen und Probleme. Online-Lernen ermöglicht individuelle Lernwege und eine individuelle Begleitung – sei es durch durch die Seminarleitung oder durch Kolleginnen und Kollegen – auch über längere Zeiträume hinweg.
  • Längere Lernzeit
    Die Zeit für die Vermittlung von Inhalten sowie für persönliche Begleitung ist bei Aus- und Fortbildungsseminaren in der Regel sehr begrenzt und kann nur punktuell stattfinden. Online-Lernen ermöglicht demgegenüber eine schrittweise Vermittlung und Begleitung über einen längeren Zeitraum hinweg.
  • Austausch über räumliche Distanz
    Räumliche Distanz und Zeitbegrenzung bei Präsenzseminaren erschweren häufig den kollegialen Austausch und Zusammenarbeit. Durch das Medium Internet wird der Austausch erleichtert und kann ohne großen Aufwand auch über die Seminardauer hinweg fortgesetzt werden.

Dank dieser Rahmenbedingungen lassen sich mit Hilfe gut konzipierter Online-Angebote individuelle und kooperative Lernprozesse ermöglichen und fachliche und persönliche Kompetenzen vermitteln.

 
Weiterlesen
  • Ganzen Artikel als PDF-Datei mehr
  • Hans Burkhardt: Kompetenzlernen im Ausbildungsseminar
    Mit einem neuen Konzept ein
    Bündel von Kompetenzen trainieren:
    Fachliche, kommunikative,
    soziale Kompetenz, Selbst- und Medienkompetenz
    mehr


Themenwochen Online-Lernen

Neue Medien im Einsatz. Das Online-Magazin in zweimonatigem Turnus!

  • September 2009: "Eine neue Dimension!"
    Online unterstütztes Lernen in Aus- und Fortbildung


    Inhaltsverzeichnis: mehr

  • Alle bisher erschienen Ausgaben im Überblick: mehr



 
Literatur
  1. Sander-Gaiser, Martin (2008): Neue Lerntheorien und ihre Relevanz
    für den kompetenzorientierten Religionsunterricht, in: Theo-Web.
    Zeitschrift für Religionspädagogik 7, H. 1., S. 275-294, hier S. 285f.
  2. Vgl. Eckhard Klieme; u.a. (2003): Zur Entwicklung
    nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise, hg. Vom Bundesministerium
    für Bildung und Forschung, Bonn. Volltext unter: http://www.bmbf.de/pub/zur_entwicklung_nationaler_bildungsstandards.pdf
  3. Weinert, Franz Emanuel (2001): Leistungsmessungen in Schulen. Weinheim: Beltz, S. 27.

  4. Vgl. Kalloch, Christina; Leimgruber, Stephan; Schwab, Ulrich
    (2009): Lehrbuch der Religionsdidaktik: Für Studium und Praxis in
    ökumenischer Perspektive, Freiburg: Herder, S. 341-360

  5. Hemel, Ulrich (1988): Ziele religiöser Erziehung. Beiträge zu einer integrativen Theorie. Frankfurt am Main: Lang, S. 674.

  6. Vgl. Sander-Gaiser: Neue Lerntheorien, S. 290.