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Voll digital – F├╝nf Beobachtungen zum Medienalltag von Jugendlichen

Das Freizeit- und Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen wird alljährlich von der renommierten KIM- und JIM-Studie untersucht. Für heutige Jugendliche, so das Ergebnis, hat der Computer dem Fernsehgerät bereits den Rang abgelaufen. Heranwachsende sind intensive Mediennutzer. Von Schule und Eltern sind sie dabei – noch – weitgehend allein gelassen.

 

Medienalltag von heutigen Jugendlichen
Erkenntnisse aus KIM- und JIM-Studie

  1. Heranwachsende vollversorgt mit digitalen Medien
  2. Spielen ist nur eine Funktion – und nicht die wichtigste
  3. Jungen und Mädchen setzen unterschiedliche Schwerpunkte
  4. Medienerziehung: Intensivere Auseinandersetzung mit Spielinhalten gefordert
  5. Wertedebatte bei der Internetnutzung überfällig


KIM- und JIM-Studie: Medienalltag von heutigen Jugendlichen

"Kinder und Jugendliche können heute auf ein enormes Medienangebot zurückgreifen. Erstmals in der zehnjährigen Geschichte der JIM-Studie zeigt sich, dass Jugendliche eher einen Computer als einen Fernseher besitzen, zum ersten Mal haben mehr als die Hälfte der Jugendlichen einen eigenen Internetanschluss.

Aber auch die jüngeren Kinder können zu Hause zum größten Teil auf Computer, Internetanschluss und Spielmedien zurückgreifen. …
Nahezu alle Jugendlichen zählen zu den Internetnutzern und Internet bedeutet für die Generation der 12- bis 19-Jährigen in erster Linie Kommunikation, also die Nutzung von Instant Messenger, E-Mail, Chat und Communities. Weiter wird das Internet zum Spielen, zur Informationssuche und als Unterhaltungsmedium genutzt."(S.32)

So diesem Fazit kommt das Sonderheft "Computer- & Konsolenspiele" des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest bei einer Zusammenschau von KIM- und JIM-Studie (s.u.). Zentrale Ergebnisse der Studie sollen hier kurz vorgestellt werden.

1. Heranwachsende sind vollversorgt mit digitalen Medien 

Haushalte mit Jugendlichen sind auf höchsten Stand, was die Medienausstattung betrifft: "Vollversorgung besteht bei Mobiltelefonen, Computern bzw. Laptops und Fernsehgeräten. 96 Prozent aller Haushalte haben einen Internetzugang. "(S.11).

In praktisch allen Familien sind heute CD- und MP3-Player sowie eine Digitalkamera vorhanden, zum Teil sogar mehrfach. Spielkonsolen sind in etwa zwei Drittel der Haushalte zu finden.

2. Spielen ist nur eine Funktion – und nicht die wichtigste

Für die jüngeren Kinder bedeutet Computernutzung vor allem Spielen, darauf folgen Tätigkeiten für die Schule. 56% Prozent aller 6-13-Jährigen spielen jede Woche oder gar täglich. Genutzt werden dabei auch Spielkonsolen. Im Alter von 10-13 Jahren hat jedes zweite Kind ein tragbares Spielgerät. 

Für die älteren Jugendlichen gehört zur Computernutzung eher Internet und damit Kommunikation. Spielen ist für sie nur eine Funktion neben anderen.

Zu den Lieblingsspielen der Jüngeren gehören Super Mario, Die Sims und das Fußballspiel FIFA. Die Hits bei den Älteren sind Strategiespiele (Die Sims, Ages of Empires), Shooter- und Actionspiele (Grand Theft Auto, Counter Strike, Call of Duty) und Rennspiele (Need for Speed).

3. Jungen und Mädchen setzen unterschiedliche Schwerpunkte

Was treiben Jugendliche im Netz? Mit Recherche und
Unterhaltungsangeboten verbringen beide Geschlechter etwa gleich viel
Zeit.
Die größte Bedeutung bei beiden Geschlechtern haben kommunikative Anwendungen wie Messenger, E-Mail, Chat, Communities. Mädchen verbringen damit mehr Zeit als Jungen.

Jungen setzen im Gegenzug ihren Schwerpunkt beim Spielen: "Jungen und Mädchen unterscheiden sich im Umgang mit dem Computer nach
wie vor hauptsächlich bei den Computerspielen – während bei den Jungen
fast die Hälfte mindestens mehrmals pro Woche spielt, sind es bei den
Mädchen nur 13 Prozent." (S. 14)
Mädchen begeistern sich neben Strategiespielen für Fun-, Gesellschafts-
und Lernspiele (Solitär, Singstar). Jungen ziehen Sport-, Adventure-
und Actionspiele vor.

Unterschiedliche Vorlieben zeigen sich auch im Gerätebesitz: Doppelt so viele Jungen wie Mädchen besitzen eine Spielkonsole für Fernsehgerät oder Computer.
Jungen verfügen eher als Mädchen über einen eigenen Computer, Internet und Fernsehgerät. Mädchen besitzen häufiger Musikabspielgeräte und Digitalkameras.

4. Medienerziehung: Intensivere Auseinandersetzung mit Spielinhalten gefordert

Alterskennzeichung spielt eine untergeordnete Rolle
Haupt- und Realschüler haben tendenziell eher ein Fernsehgerät und eine
eigene Spielkonsole im Zimmer. Jugendliche am Gymnasium verfügen eher
über einen eigenen Computer oder Laptop und Internetzugang.

Und es sieht aus, als genießen die Heranwachsenden dabei große Freizügigkeit. Jeder zweite Jugendliche kennt keine Auseinandersetzungen in der Familie, was Computerspiele betrifft. Wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, dann höchstens darüber, wie lange gespielt wird. Um die Inhalte der Spiele geht es selten. 

Dabei hat fast jedes dritte Kind unter 13 Jahren schon Spiele gespielt, für die es eigentlich zu jung ist. Bei den 12-19-Jährigen sagen sogar zwei Drittel, dass sie Altersbegrenzungen missachtet haben. "Im Vergleich zu 2005 scheinen sich (noch) weniger Jugendliche den Alterskennzeichnungen verpflichtet zu fühlen." (S.19)

Eltern lassen Heranwachsenden weitgehend freie Hand
Die Eltern selbst scheinen sich "nur sehr rudimentär" mit der Spielenutzung ihrer Kinder auseinanderzusetzen. "Nur ein Viertel der Computerspieler (hat) mit den Eltern Vereinbarungen bezüglich der Inhalte von Computerspielen getroffen, knapp ein Drittel berichtet von Absprachen hinsichtlich der Spieldauer…. 
Insgesamt betrachtet hat aber die Mehrheit der Spieler freie Hand und entscheidet weitgehend selbst über Auswahl der Spiele und die Spieldauer. Hier zeigt sich ein deutliches Defizit in der Medienbildung der Eltern." (S. 22)

5. Wertedebatte bei der Internetnutzung überfällig

Erziehungsbedarf besteht auch, was den Umgang mit einander im Internet und die Nutzung der technischnen Möglichkeiten betrifft.
So sind zwar 96 Prozent der Befragten der Ansicht "Auch im Internet sollte man sich an gewisse Regeln halten". 

Doch mehr als ein Drittel stimmt voll und ganz oder weitgehend folgenden Sätzen zu:
– "Fotos kann man einfach so ins Internet stellen, ohne denjenigen, der dort gezeigt wird, zu fragen"
– "Das Gerede über die Gefahren des Internet finde ich  total übertrieben" (JIMplus 2008, S.27)

Erzieherische Initiative von Eltern und Schule gefordert
Sowohl was Spieleinhalte als auch Internetnutzung betrifft, sollten sich also Eltern und Schule sehr viel intensiver mit den Aktivitäten der Heranwachsenden auseinandersetzen und mit ihnen über negative und positive Verhaltensweisen sprechen.

Die Studie sieht einen "deutlichen Informationsbedarf
für Eltern" und spricht einer "Wertedebatte in der Familie, in der Schule und im Freundeskreis" hohe Bedeutung zu(S.33). Eine Aufgabe damit auch für den Religionsunterricht. 

Über die JIM- und KIM-Studie

Seit 1998 wird in jährlichem Turnus die JIM-Studie zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und
Information durchgeführt. Dafür werden jährlich gut 1.000 Jugendliche telefonisch befragt.
Die KIM-Studie erforscht seit 1999 das Medienverhalten von
Kindern zwischen 6 und 13 Jahren. Beide Studien ermöglichen damit, den
Wandel der Mediennutzung wahrzunehmen.
Verantwortlich für die Studien ist der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest. Dort können die Ergebnisse auch heruntergeladen werden – mehr

 

Weiterlesen

  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest:
    Computer- & Konsolenspiele.

    Ausgewählte Ergebnisse der Studienreihen JIM 2008 (Jugend, Information, (Mulit-)Media) und KIM 2008 (Kinder und Medien).
    Stuttgart, September 2009. PDF-Datei – mehr
  • Soziale Netzwerke – Chancen und Risiken für Jugendliche
    Zu einem Vortrag von Prof. Nicola Döring, TU Ilmenau – mehr
  • rpi-virtuell: "Soziale Netzwerke faszinierend für Heranwachsende"
    Zur Studie "Heranwachsen mit dem Social Web" der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen – mehr


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  • November 2009: Total digital
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