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Lernen mit Videos – YouTube & Co

Andreas Mertin, aus Vortrag Teacher's Cut an Public Viewing, YouTube & Co im Unterricht, rpi-Fachtagung, Bad Berka 2009In guten wie in schlechten Zeiten und mit guten wie mit schlechten
Zeichen präsentieren sich Menschen heute auf Videoplattformen wie
Youtube oder MyVideo und in sozialen Netzwerken wie MySpace oder
Facebook. Sie kommunizieren per ICQ oder Twitter und tauschen sich in
Foren aus, sie bloggen ihre Meinung in die Welt.

 

 YouTube & Co im Unterricht

  • Stilbildung & Zeichensetzung, Präsenz & Akzeptanz
  • YouTube verändert das Leben Jugendlicher
  • Die Gender-Frage
  • Lehrer sollen wissen was Schüler anschauen
  • Tipps, wie YouTube & Co im Unterricht einsetzen

Amertin, Teacher's Cut, Bad Berka 2009Es geht um Zeichensetzung, Präsenz und Akzeptanz

Genutzt wird das alles nicht zuletzt zur Selbstdarstellung und
natürlich zur Unterhaltung bis hin zur Organisation eines
Volksaufstandes. 

  • Zeig mir deine öffentliche Seite und ich sage dir, ob es dich gibt und wer du bist.
    Die
    zentrale Bedeutung von Youtube ist nicht der uneingeschränkte Konsum
    von irgendwelchen bewegten Bildern, sondern die Möglichkeit, selbst
    aktiv zu werden und eigene Bilder und Filme zu produzieren. Es geht
    darum, selbst jene Bilder zu produzieren, die in Zeiten knapper
    Aufmerksamkeit auch wahrgenommen werden. Es ist ein globales und
    mediales Spiel. Noch nie waren wir so öffentlich wie heutzutage! Jeder
    kann tatsächlich, nach einem Wort von Andy Warhol, wenigstens für 15 Minuten
    ein Star sein.
  • Was nicht medial kommuniziert wird, existiert nicht.
    Neben dem Online-Lexikon Wikipedia gehört YouTube zu den am stärksten
    wahrgenommenen und aktiv wie passiv genutzten Web 2.0-Angeboten bei
    jugendlichen Konsumenten.
    Das alles gehört zur Realität des Internets als sozialem Netzwerk, in
    dem nicht mehr wenige für viele produzieren, sondern viele
    untereinander kommunizieren. Aufmerksamkeit ist dabei zu einer knappen
    Ressource geworden. Was nicht medial kommuniziert wird, existiert nicht.

Amertin, Teacher's Cut, Bad Berka 2009Wie YouTube seit Februar 2005 das Leben der Jugendlichen verändert

In
der Zeit vor YouTube haben die Jugendlichen, seit Anfang der 80er
Jahre, im ganz normalen Fernsehprogramm die Musikvideoclipsender
gesehen, MTV oder Viva. Sie waren daran gewöhnt, dass Musikvideos ihr
Leben begleiten. Aber sie waren abhängig davon, was das Fernsehen
anbot.

YouTube, das heißt ja "du sendest", bietet ihnen die
Möglichkeit, selber ihr Programm zusammenzustellen, sich Clips
auszusuchen und auf das zuzugreifen, was sie gerne möchten. In den letzten Jahren ist der Videoclip, den es seit 20, 30 Jahren gibt,
wieder zu einer neuen Bedeutung gekommen, weil die Jugendlichen jetzt
sagen können: Das schätze ich, das schätze ich nicht, weil sie
ihr eigener Fernsehproduzent werden können.

Amertin, Teacher's Cut, Bad Berka 2009Zur Gender-Frage: Mädchen und Jungen nutzen YouTube unterschiedlich

Das allgemeinen Medienverhalten von Jungen und
Mädchen, wie es die JIM-Studie beschreibt, spiegelt sich auch in YouTube abbildet.

  • Jungen nutzen die Videoplattform stark zur Selbstdarstellung. Es interessiert sie, was es an gewagten oder lustigen Dingen gibt.
  • Bei
    Mädchen treten sehr stark kommunikative Aspekte in den Vordergrund,
    und die Erfahrungen, die sie gemacht haben.
    Diese wollen sie über das Medium teilen.
  • Gemeinsam ist beiden, dass sie das Internet einfach als eine Verlängerung des MP3-Players nutzen, um sich also Videos anzuschauen.

Amertin, Teacher's Cut, Bad Berka 2009Warum Lehrer sollen wissen, was ihre Schüler sich bei YouTube anschauen.

YouTube
ist ein Seismograph, fast ein Fieberthermometer von Kultur. Man weiß nicht, was Jugendliche bei MTV oder im Fernsehen anschauen. Aber man kann
sehen und nachprüfen, was sie auf YouTube betrachten. Hier können
Unterrichtende aktuelle Sehgewohnheiten der Lernenden kennen lernen.

Das hilft Jugendliche zu
verstehen und Fragen zu beantworten wie: Was macht die Lebenswelt der Jugendlichen heute aus, in
welchen Bildern äußern sie sich? Um welche Werte wird gerungen?
Ganz
besonders ReligionslehrerInnen sollten sich damit auseinandersetzen.

Amertin, Teacher's Cut, Bad Berka 2009Wie Lehrer im Unterricht damit umgehen können.

Zwei einfache Tipps vorweg:

  • Lehrer können einfach sagen: Liebe Schülerinnen, liebe Schüler, bringt
    doch mal einen guten Clip mit oder zeigt mir einen guten
    Clip auf YouTube, über den wir zu einem bestimmten Thema reden können.
    Da muss man selber nicht suchen.
  • Oder die Lehrkräfte sagen: Diesen
    Clip habe ich auf YouTube zu einem bestimmten Thema gefunden. Den
    schauen wir gemeinsam an und schauen mal ganz genau, was dort
    ausgedrückt wird.
    Dies Vorgehen hat den Vorteil, dass Unterrichtende damit auch Hilfestellung
    geben können zur besseren Wahrnehmung dieser Videos.

Weitere Tipps für Unterrichtende:

  • Suchen
    Sie nicht bloß die Ihnen vertrauten (religions-)pädagogischen Clips
    auf YouTube. So erreichen Sie nicht die Lebenswelten der Jugendlichen.
    Dann können Sie gleich die Multimedia-DVD der kirchlichen Bildstelle
    einsetzen!
  • Sehen Sie YouTube mit den Augen Ihrer Schülerinnen und Schüler!
  • Lassen Sie sich vom gefundenen Material auch selbst zu Deutungen und (alternativen) Lösungen herausfordern.
  • Tragen
    Sie zur Steigerung der Deutungskompetenz der Jugendlichen bei, indem
    Sie zeigen, dass es Spaß machen kann, Clips intensiver zu bearbeiten
    und die Lösungsansätze der Clips mit eigenen Lösungen zu vergleichen.
  • Bleiben
    Sie nicht beim Konsum von Clips, sondern gestalten Sie selbst,
    formulieren Sie Video-Responses, nehmen Sie auch visuell Stellung!
  • Legen Sie sich einen eigenen "Vorrat" interessanter Clips zu Themen des Religionsunterrichts an.
Andreas Mertin, 15.11.2009
Weiterlesen
  • rpi-Wiki: Werkstattarbeit – Online-Videos im Unterricht: mehr
  • YouTube-Videos auch ohne Internetverbindung – mehr
 

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