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Sicher im Chat – Tipps fĂĽr Eltern, Schule und Kids

Schülerinnen und Schüler am PCNach den Ergebnissen von KIM- und JIM-Studie besucht etwa jeder dritte
Jugendliche regelmäßig einen Chatroom, vor allem die 14-15-Jährigen Jungen und Mädchen und Jungen. Sie sollten kompetent reagieren können, wenn es zu sexuell motivierten Versuchen der Kontaktaufnahme kommt. Eltern und Schule können dabei unterstützen.

 

Sicher im Chat

  • Die Situation: Zahlen und Gefährdung
  • Was können Eltern tun? Hilfreiche Tipps
  • Was kann die Schule tun? 
  • Hilfe für Kids

Die Situation: Zahlen und Gefährdung

Nach den Ergebnissen von KIM- und JIM-Studie besucht etwa jeder dritte Jugendliche regelmäßig einen Chatroom, vor allem die 14-15-Jährigen. Mädchen und Jungen sind dabei gleichmäßig vertreten.
Zum Vergleich: 50% der Jugendlichen geben an, nie zu chatten.

Rund die Hälfte der jugendlichen  Chatroom­nutzerinnen und Nutzer wurde schon einmal von Fremden nach persönlichen Informationen wie Adresse, Telefonnummer oder Namen befragt. Von diesen hat jeder siebte diese Angaben auch herausgegeben. Jeder vierte Jugendliche hat schon einmal mit einem Chatkontakt telefoniert, jeder fünfte sich getroffen. Und rund 13% berichten in Zusammenhang damit mit eher unangenehmen Erfahrungen.

Das kann passieren
Die Nutzung des Internet durch Jugendliche ist gut und sinnvoll. Doch sollten Jugendliche auch über die Gefahren informiert sein und Wege kennen, damit umzugehen.

Die Möglichkeit, spielerisch in eine andere Rolle zu schlüpfen, ist Teil der vom Chat ausgehenden Faszination. Rückschlüsse auf die tatsächliche Identität des Gegenübers sind deswegen jedoch kaum möglich. Hinzu kommt, dass Duzen und Kleinschreibung als gängige Sprachformen die Generationsgrenzen aufheben.
Dies führt dazu, dass man Chatfreunden sehr schnell mit einer (Pseudo)-Vertrautheit begegnet – diese Rahmenbedingungen sind natürlich auch Nutzern mit unlauteren Absichten bekannt.

Nach dem Herstellen eines Vertrauensverhältnisses werden die Reaktionen der Mädchen und Jungen auf sexuelle Themen getestet. Das Reden über Sexualität wird als Normalität vermittelt.
Die sexuell motivierte Kontaktaufnahme kann für betroffene Mädchen und Jungen – auch wenn es nicht zu einem realen Treffen kommt – eine massive Verletzung ihrer Intimsphäre bedeuten, die unter Umständen zu einer anhaltenden Traumatisierung führen kann.

Was können Eltern tun?

Eltern sollten grundlegende Kenntnisse über die Möglichkeiten und Gefahren des Internets erwerben und mit den eigenen Kindern über dieses Thema im Gespräch bleiben – das ist die zentrale Grundlage einer erfolgreichen Vorbeugung.

Hilfreiche Tipps:

  • Stellen Sie den PC zuhause an einen zentralen Ort, der einsehbar ist und von allen Familienmitgliedern genutzt wird.
  • Schließen Sie mit Ihrem Kind einen "Vertrag" über die tägliche Nutzung von Medien wie Fernsehen und Internet.
  • Begrenzen Sie die Chatzeiten Ihres Kindes.
  • Vermitteln Sie grundlegende Sicherheitsregeln.
  • Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern ins Internet. Lassen Sie sich ihre Cyberwelt zeigen.
  • Thematisieren Sie, wenn das Familienleben unter den virtuellen Vorlieben leidet.
  • Sprechen Sie Verhaltensveränderungen und andere Auffälligkeiten an.
  • Drohen Sie nicht mit Computerverbot. Ihr Kind wird aus Angst nicht über unangenehme Erfahrungen reden.

Was kann die Schule tun?

  • Die Schule sollte dazu beitragen, dass Heranwachsenden frühzeitig ein kompetenter, selbst bestimmter und verantwortungsbewusster Umgang mit dem Internet vermittelt wird.
    Jugendliche sollten wissen,
    – dass potenziell alle alles lesen können, was im Internet übermittelt wird.
    – dass ins Netz eingestellte Inhalte weder kontrollierbar sind noch von alleine wieder verschwinden.
    – dass jede Person das Recht auf Schutz und Achtung ihrer Privatsphäre besitzt
    – dass niemand der sein muss, der er zu sein vorgibt.
    Als Weiterführung können die Netzregeln (s.u.) erklärt und der Sinn dieser Regeln besprochen werden.
  • Hinweis: Lehrkräfte sollten darauf vorbereitet sein, dass sich betroffene Mädchen und Jungen in ihrer Klasse befinden könnten. Das heißt, sie sollten in der Lage sein, angemessen zu reagieren und Hilfe zu vermitteln. Bei einem tieferen Einstieg ins Thema ist eine Geschlechter getrennte Bearbeitung angeraten.
  • Zu empfehlen ist ein Elternabend zum Thema Medienkompetenz, bei dem ggf. ein Experte / eine Expertin vor Ort eingeladen werden.
    Dabei können die hier beschriebenen Tipps besprochen werden.


Hilfe für Kids

Netzregeln

  • Schütz deine Identität!
    Gib niemals deine persönlichen Daten (Telefonnummern, Anschrift, Fotos) sorglos weiter!
    Leg dir einen Nicknamen und eine zweite E-Mail-Adresse zu, die keine Rückschlüsse auf dich zulassen.
  • Sei
    misstrauisch! Vertrau nicht auf die Identität, die dein Chat-Partner
    von sich preisgibt. Lass dich nicht durch Komplimente oder Geschenke
    verführen!
    Such dir Chats, die einen Moderator haben – diesen kannst du in problematischen Situationen ansprechen.
  • Triff
    dich nicht mit einem Chatter! Falls doch, nimm auf jeden Fall eine
    erwachsene Begleitung mit und verabrede dich an sicheren Orten, z.B. 
    deinem Jugendclub. Informiere eine Person deines Vertrauens über den
    Treffpunkt und die persönlichen Daten desjenigen, mit dem du dich
    triffst.
  • Hör auf deinen Bauch! Flirten ist ok. Hast du
    ein "komisches Gefühl", beende den Chat. Informiere sofort einen
    Chatmoderator, deine Eltern oder eine andere Vertrauensperson, wenn …
    – du sexistisch "angemacht" wirst,
    – du pornografsche Bilder oder Texte zugeschickt bekommst oder
    – dir Fragen zu sexuellen Erfahrungen gestellt werden.

Soforthilfe
Du bist in
erniedrigender Art und Weise sexuell "angemacht" worden oder dir wurden
Bilder mit pornografischen oder menschenverachtenden Inhalten
zugeschickt?
Dann ist schnelles Handeln angesagt!

  1. Notiere dir alle wichtigen Informationen:
    – Wann (Datum und Uhrzeit) war der Vorfall?
    – Wie nannte sich dein Chatpartner?
    – Wie ist seine E-Mail- oder MSN/ICQ-Adresse?
    – In welchem Chat wurdest du angemacht?

    Achtung:
    Die nachfolgenden Tipps 1. und 2. gelten nicht für kinder- bzw.
    jugendpornografische Inhalte. Hier wäre schon das Speichern eine
    strafbare Handlung. In diesen Fällen bitte den Rechner unverändert
    lassen und sofort die Polizei verständigen

  2. Mach von
    Bildschirminhalten, die du nicht direkt kopieren oder als Datei
    speichern kannst, über die <Druck>-Taste einen so genannten
    Screenshot. Dieses Bild kannst du über die Einfügen-Funktion z.B. in
    ein Worddokument übertragen und so speichern.
     
  3. Speichere
    Bilder und andere Dateianhänge auf dem Rechner! Mit diesen
    Informationen (und am besten mit deinen Eltern) gehst Du auf
    schnellstem Weg zur Polizei um Strafanzeige zu erstatten!

Gut zu wissen
Was kannst du tun, wenn du beim Chatten ein unangenehmes Gefühl hattest, dich jetzt belästigt oder verängstigt fühlst? Vielleicht möchtest du deinen Rechner gar nicht mehr anmachen? Schrickst zusammen, wenn dein Handy klingelt?
Vielleicht fandest du die Person nett. Du hast ihr persönliche Dinge von dir erzählt, obgleich du davor gewarnt wurdest. Oder wurde dir vielleicht sogar gedroht?
Nun glaubst du, für die Situation verantwortlich zu sein, fühlst dich schuldig, schämst dich? So geht es vielen Mädchen und Jungen, wenn sie sexuell belästigt worden sind. Sie haben Angst davor, dass Eltern und andere ihnen die Schuld geben. Aber: Allein derjenige, der dich belästigt hat, trägt die Verantwortung. Du bist nicht schuld!

Für dich ist jetzt ganz wichtig:

  • Bleib nicht allein – Sprich drüber! Such dir eine Person, mit der du reden kannst. Vielleicht traust du dich nicht mit deinen Eltern zu sprechen – dann sprich mit Freundinnen oder Freunden.
  • Hol dir Hilfe! Es ist gut und wichtig, anderen deine Erlebnisse mitzuteilen. Hast du das Gefühl, dass du mehr Unterstützung brauchst, kannst du im Internet unter den Stichworten "Beratung + sexueller Missbrauch" Beratungsstellen finden, die für dich da sind. Du kannst dich auch per E-Mail an Dunkelziffer wenden (info@dunkelziffer.de) – wir werden dir weiterhelfen!
  • Trau dich, damit es dir besser geht!
 
Quelle: Blind Date. Gefahren des Internet.
Prävention von Chatroom-Risiken 
Autoren: Polizei Hamburg. Dunkelziffer e.V. Hamburg
Mit freundlicher Genehmigung der Polizeilichen Kriminalprävention Hamburg
  • Ausführliche Infobroschüre (PDF-Datei): mehr 
  • Medienpaket – Projektbeschreibung (PDF-Datei): mehr
  • Mehr Information:
    Polizei Hamburg: Blind Date – mehr


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