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Freiheit und Verantwortung im sozialen Netzwerk – Unterrichtsentwurf

Bettina SiedingSoziale
Netzwerke gehören zum Alltag der Heranwachsenden heute. Medienexpertin Bettina Sieding stellt hier einen Unterrichtsvorschlag
für Jugendliche ab der Sekundarstufe vor, der die Grenzen verdeutlicht, die auch für soziale Netzwerke gelten.

 

 

 

 

Schülerinnen und Schüler sind mitunter der Auffassung, dass sie im
Internet nichts falsch machen können und dass es sich um einen
rechtsfreien Raum handelt. Um ihnen zu verdeutlichen, dass es Grenzen
gibt, die auch für soziale Netzwerke gelten, wurde diese
Unterrichtseinheit entwickelt.

Freiheit und Verantwortung im sozialen Netzwerk – Unterrichtsentwurf

  1. Was sind soziale Netzwerke?
  2. Welche Rechte gelten in sozialen Netzwerken?
  3. Was heißt das konkret?
  4. Übung: "Toleranzabfrage"
  5. Soziale Netzwerke als Helfer
  6. Zusammengefasst: "Der verantwortungsvoll Nutzer …" Unterrichtsentwürfe von Bettina Sieding als PDF-Datei: mehr

Schritt 1: Was sind soziale Netzwerke?

Zunächst kann mit der Erarbeitung einer Definition begonnen werden: Was sind soziale Online-Netzwerke?

  • Bettina Sieding: Grundkurs soziale Netzwerke.
    Das sollten Sie über Community-Plattformen wissen – mehr

Schritt 2: Welche Rechte gelten in sozialen Netzwerken?

Anschließend werden die Schüler gebeten z.B. anhand zweier ausgewählter Netzwerke folgende Fragen zu beantworten.

  • Wo findet man Informationen?
    – Zum Betreiber einer Community?
    – Zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB)?
  • Was sind AGB? Wozu dienen sie – zum Datenschutz?
  • Welche Regeln gelten in Sozialen Online-Netzwerken

Es empfiehlt sich an dieser Stelle deutsche Netzwerke untersuchen zu
lassen (schuelerVZ, studiVZ, meinVZ, lokalisten, wer-kennt-wen, kwick!)
und auf die in Deutschland geltenden Regelungen einzugehen.
Mit Schülern der Sekundarstufe II kann auch auf internationale
Online-Netzwerke wie facebook,  bebo, orkut  oder myspace eingegangen
werden. Für Berufsschulen eignet sich für die Herangehensweise auch
eine Analyse der Netzwerke linkedIn, Xing, spoke oder ecademy,
insbesondere im Hinblick auf die Berufsorientierung und die sich
verändernde Arbeitswelt.

Kleiner Exkurs zur Rechtslage
Inwiefern sind Betreiber von Web 2.0-Services für die eingestellten
Inhalte der Nutzer rechtlich verantwortlich? Die Beurteilung befindet
sich noch in Diskussion und ist nicht abgeschlossen. Im Wesentlichen
gilt das "notice-and-take-down"-Prinzip. Es verpflichtet einen
Service-Anbieter dazu, unzulässige Inhalte nach einer Beschwerde zu
entfernen.
Die Betreiber sind also verantwortlich dafür, die unzulässigen Inhalte zu entfernen, doch auch ein Nutzer trägt Verantwortung.

Dafür benötigen Nutzer/innen ein Verständnis, was unzulässige Inhalte
sind und dass sie durch ihr  Handeln ebenfalls Verantwortung tragen.
Unabdingbar ist an dieser Stelle ein grundsätzliches Verständnis der
Grundrechte, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die
informationelle Selbstbestimmung. Der Jugendmedienschutzstaatsvertrag
gibt Auskunft, was unzulässige Inhalte sind und kann als
Diskussionsgrundlage im Unterricht dienen. 

Die Umsetzbarkeit der gesetzlichen Regelungen ist aufgrund der
dezentralen Struktur, der permanenten Änderung und Gestaltung von
Internetseiten, deren Nutzung und die Interaktionsmöglichkeiten
schwierig. Die Reglementierung endet an den nationalen Grenzen. Dennoch
muss den minderjährigen Nutzern klar sein, dass es sich beim Internet
und den sozialen Netzwerken nicht um einen regel- oder gar rechtsfreien
Raum handelt und sie sich in der Öffentlichkeit bewegen.

Schritt 3: Was heißt das konkret? – Beispiele

Jetzt kann in der Klasse über hassgeprägter Inhalte oder Beleidigungen
in Foren diskutiert werden. Die Schüler/innen können dafür selbst
Beispiele mitbringen.
Es versteht sich, dass auf eine Anonymisierung von Personenangaben zu achten ist.

Anhand dieser mit Problemen behafteten  Beiträge lassen sich wieder mögliche Fragestellungen formulieren:

  • In welchem Beitrag gehen die Meinungen auseinander?
  • An welchen Textstellen kommt es zu Missverständnissen? Warum?
  • In welcher Form und womit wird den Wörtern und Sätzen durch den jeweiligen Verfasser mehr Nachdruck verliehen?
  • An welchen Stellen könnten die Verfasser die Spannung aus dem Text nehmen? Wie?

Spaß kann ein Rollenspiel machen, bei dem die Texte nachgesprochen
werden und Stimmlage, Gestik und Mimik wahrnehmbar sind. So lassen sich
schriftliche und mündliche Botschaft vergleichen, und man kann auf die
Unterschiedlichkeit der beiden Kommunikationsarten eingehen.

Schritt 4: Übung "Toleranzabfrage"

Eine Toleranzabfrage mit mehreren Impulsbegriffen kann lehrreich sein
und Verständnis dafür wecken, wie unterschiedlich Äußerungen bewertet
werden. Dafür kann beispielsweise ein anonymisierter Ausdruck einer
Pinn-Wand oder eines Gästebuches eines sozialen Netzwerkes genutzt
werden.

6 bis 8 beleidigende Äußerungen werden von der Lehrkraft aufgeschrieben.
Die Schüler/innen erhalten eine Tabelle mit einer Skala von 1 ("macht
mir nichts aus") bis 10 ("macht mir viel aus"). Sie tragen dort ein,
wie sie sich fühlen, wenn sie von einer anderen Person auf einer
Pinn-Wand, in einem Forum oder per E-Mail  so bezeichnet werden.
Die Schüler/innen sitzen dabei so, dass sie nicht sehen, was der
Nachbar in die Tabelle einträgt. Anschließend wird eine Auswertung an
der Tafel vorgenommen. Nun kann man in der Gruppe oder im
Klassenverband über die unterschiedlichen Wahrnehmungen diskutieren.

Schritt 5: Soziale Netzwerke als Helfer

Um soziale Netzwerke als Helfer erkennen zu können, sollten die
Schüler/innen über die bestehenden Kooperation von studiVZ mit
Online-Stellenbörsen wie stepstone oder stellenanzeigen.de informiert
werden. Damit lässt sich der wirtschaftliche Stellenwert von
Online-Netzwerken bei der Personalrekrutierung verdeutlichen. 

Die Unternehmen platzieren dort nicht nur ihre Praktikums- oder
Stellengesuche, sondern suchen auch gezielt nach geeignetem Personal.
Das sollten sich Lehrkräfte bewusst machen und Schüler/innen bei der
Erstellung ihrer Profile unterstützen.

Hilfreiche Fragestellungen:

  • Welche Möglichkeiten bieten soziale Netzwerke für die Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche?
  • Welche Kenntnisse und Fähigkeiten benötigen SchülerInnen um Netzwerke als Zukunftschance zu begreifen?
  • Was muss ein Profil zwingend enthalten, wenn es seriös wirken soll?
  • Welche Angaben sollten vermieden werden?
  • Wem erzähle ich was und in welcher Form schreibe ich etwas auf die Pinnwand und Gästebücher?
  • Welche Unterschiede bestehen zwischen einer Pinnwand/Gästebuch und dem internen Mail- oder Chatsystem?
  • Welches Netzwerk nutze ich wofür? 
  • Welche Möglichkeiten eines Identitätsmanagements bieten die verschiedenen Service-Anbieter inzwischen?

Dies alles ist nicht in einem informellen Rahmen erlernbar, sondern benötigt Unterstützung in der schulischen Umgebung.

6. Zusammengefasst:
"So verhalten sich verantwortungsvolle Nutzer"

Ein verantwortungsvoller und aufgeklärter Nutzer bewegt sich sicherer im Internet als der naive Nutzer:

  • Er kann Öffentlichkeit und Privatheit unterscheiden und erkennt die kommerziellen Absichten der Anbieter.
  • Er
    erkennt die mit einer bewussten Nutzung verbundenen Chancen, indem er
    nicht nur konsumiert, sonder aktiv wird. Dies kann beispielsweise durch
    die Übernahme von Verantwortung als Gruppenmoderator in einer Social
    Community geschehen.
  • Das Umsetzen eigener Ideen fördert
    die eigene Kreativität, die Diskussion mit Gleichgesinnten erweitert
    den eigenen Horizont, regt zur Selbstreflexion an und fördert
    Kritikfähigkeit.
  • Der verantwortungsvolle Nutzer weiß, dass
    die eigene Außendarstellung ein Beurteilungskriterium durch andere
    darstellt, dass die richtigen Angaben zu Qualifikationen eine Aussage
    über die fachlichen Kompetenzen liefern und dass das
    Kommunikationsverhalten Anhaltspunkte für eine entsprechend
    ausgebildete soziale Kompetenz darstellt.
  • Der
    verantwortungsvolle Nutzer achtet die informationelle Selbstbestimmung
    einer anderen Person, veröffentlicht nicht ohne deren Erlaubnis Fotos
    und andere private Daten oder drängt einen anderen Menschen gar dazu,
    gegen seinen Willen Forenbeiträge zu formulieren.
 
Weiterlesen
  • Unterrichtsentwurf I: Meine digitale Fußspur
    Tipps und Anregungen für Lehrkräfte
    mehr
  • Beide Unterrichtsentwürfe als PDF-Datei: mehr
  • Bettina Sieding: Grundkurs soziale Netzwerke.
    Das sollten Sie über Community-Plattformen wissen – mehr


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