“Meine digitale Fußspur” – Tipps für Lehrkräfte und Unterrichtsentwurf

Bettina SiedingDas Internet gehört heute zum Alltag der Heranwachsenden. Bisher sind die Jugendlichen auf individuelles und informelles Lernen angewiesen, um die nötigen Kompetenzen und Wertmaßstäbe zu entwickeln. Medienexpertin Bettina Sieding bietet hier Informationen und Unterrichtsvorschläge, wie Lehrkräfte Unterstützung leisten können.

 

 

 

Tipps für Lehrkräfte und Unterrichtsentwürfe

  • Zeigen wie’s geht – Tipps und Anregungen für den Unterricht
  • Unterrichtsvorschlag I:
    Meine digitale Fußspur
  • Unterrichtsentwurf II:
    Soziale Netzwerke verantwortungsbewusst nutzen – mehr

Beide Unterrichtsentwürfe als PDF-Datei: mehr

Zeigen wie’s geht – Tipps und Anregungen für den Unterricht

Soziale Netzwerke gehören zum Alltag der Heranwachsenden heute. Die Jugendlichen sollten damit nicht allein gelassen werden. Zu den Aufgaben von Schule als Brücke zwischen öffentlicher und privater Welt gehört es, grundlegende Medienkompetenz zu vermitteln, damit sich die Heranwachsenden in der virtuellen Welt sicher bewegen können. 

Kompetenter Umgang mit Medien beinhaltet folgende Themen:

  • Umgang mit thematisch heiklen Inhalten, Sensibilisierung für beleidigende und
    hassgeprägte Inhalte
  • Umgang mit sensiblen Daten
  • Datenschutz und die
    informationelle Selbstbestimmung eines Menschen
  • Präsentation der eigenen Person
  • Wirkung von Sprache und unterschiedliche Interpretation von Inhalten

Im Vordergrund: Werteerziehung
Wie man sieht, steht der Aufbau eines ethisch moralischen Wertesystems im Vordergrund. Diese Themen spielen eine wichtigere Rolle als die Technik.
Und diese Themen gehören zur Kernkompetenz von Unterrichtenden. Dank ihrer Erfahrungen und ihres Wissens können Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schüler diese Wertkonzepte nahe bringen und vermitteln.

Wie können Lehrkräfte unterstützen?

Alle Fächer bieten inhaltliche Anknüpfungspunkte zur Medienerziehung.

  • Politik, Ethik, Religion oder Sozialkunde:
    Soziale Netzwerke sind keine rechtsfreien und regellosen Räume. Welche Inhalte sind fragwürdig, warum? Wie gehen wir im virtuellen Raum respektvoll miteinander um? Welche Werte sind dabei leitend? 
  • Medienkunde oder Informatik:
    Hier können der Datenschutz, der Umgang mit sensiblen Daten, die kommerziellen Absichten der Betreiber und die technischen Aspekte aufgegriffen werden.
  • Wirtschaftskunde und Deutsch:
    Hier bietet es sich an, auf die Gestaltung von persönlichen Profilseiten einzugehen. Schüler  bei der Praktikums- oder Ausbildungsplatzsuche müssen wissen, dass die geschickte Präsentation der eigenen Person nach außen ein Beurteilungskriterium in einem Bewerbungsverfahren darstellt. Angaben zu besonderen Qualifikationen und gesellschaftlichem Engagement können sich förderlich auswirken.
  • Deutsch:
    Hier kann nachgedacht werden über die Wirkung von Sprache und die unterschiedliche Interpretation von Inhalten. Welche Eigenheiten hat computervermittelte Kommunikation? Welche Charakteristiken haben die synchronen und asynchronen Werkzeuge?
  • Fremdsprachenunterricht:
    Durch den Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern lassen sich die Sprachkenntnisse vertiefen und ein freundlicher Umgangston einüben. Anhand der Texte aus Chats oder Foren können Satzaufbau und Grammatik analysiert werden. Die Wirkung von Sprachinhalte und ihre unterschiedliche Interpretation in verschiedenen Kulturkreisen kann bearbeitet werden.
  • Online gestütztes Schulnetzwerk:
    Der Aufbau und die gemeinsame Nutzung eines Lehrer-Schüler-Netzwerks bietet eine ideale Grundlage. So findet Medienerziehung in einem verantworteten Rahmen statt. Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren und kooperieren in einer konkreten Situation. Das Agieren der Beteiligten kann gemeinsam reflektiert und nach gemeinsamen Regeln bewertet werden.

Zeigen wie’s geht – Tipps und Anregungen für den Unterricht
Medienkompetentes Handeln – nach Tulodziecki gehört dazu das Auswählen und Nutzen von Medienangeboten, das Erstellen und Verbreiten von Medienbeiträgen, das Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen, das Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen und das Durchschauen und Durchdringen von Bedingungen.

Möchte man Soziale Online-Netzwerke im Unterricht aufgreifen, zeichnet sich ein medienkompetentes Handeln eines Schülers dadurch aus, dass er

  • kommerzielle, zur Unterhaltung dienende  Online-Netzwerke wie schuelerVZ, wer-kennt-wen oder facebook, von nicht kommerziellen Angeboten für Lernzwecke wie rpi-virtuell, lo-net2, moodle unterscheiden kann.
  • eigene Profilseiten mit Bildern und Texten ästhetisch gelungen gestaltet und eigene Beiträge in Foren sprachlich einwandfrei formuliert und konstruktiv kund tut.
  • das Recht informationelle Selbstbestimmung und die Persönlichkeitsrechte kennt und respektiert – und zum Beispiel ungefragt keine Bilder von Freunden veröffentlicht.
  • die Inhalte, die andere Nutzer in einem Online-Netzwerk verbreiten, auf Glaubwürdigkeit, Seriosität und Richtigkeit überprüft.
  • über Kenntnisse der Entstehung, Strukturen und der Weiterentwicklung sozialer Netzwerke verfügt.
  • in der Lage ist, die kommerziellen Interessen und Verwertungsabsichten der Nutzerdaten der jeweiligen Anbieter zu erkennen.


Unterrichtsvorschlag I: Meine digitale Fußspur

Schritt 1: Einstieg
Um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, können  die Schülerinnen und Schüler zunächst gebeten werden, sich zu drei Aussagen Gedanken zu machen und diese in Stichwörtern schriftlich festzuhalten.
Aussage 1: Das habe ich gestern im Internet gemacht …
Aussage 2: Diese Angebote nutze ich im Web 2.0 …
Aussage 3: Im Internet habe ich meine Daten hinterlassen bei …

Anhand der ersten Aussage hat die Lehrkraft einen guten Überblick über die von den Schülern im Internet genutzten Angebote.
Bei der zweiten Aussage lässt sich eine Definition zum Web 2.0 erarbeiten. Den Schülerinnen und Schülern ist mitunter dieser Begriff selbst nicht klar und sie können ihn nicht erklären oder gar die von ihnen genutzten Angebote den jeweiligen Web 2.0 Services zuordnen.
Die dritte Aussage lässt bei den Schülerinnen und Schüler einen Blick darauf zu, dass sie selbst bereits keine Übersicht mehr haben wo sie sich bereits überall angemeldet und ihre Daten hinterlassen haben.

Schritt2: Rückblick aus dem Jahr 2025
Damit ist bereits eine Überleitung zu den Spuren in sozialen Netzwerken gegeben. Es kann darüber nachgedacht werden, dass diese Spuren von der ganzen Welt gesehen werden können.
An dieser Stelle kann der Videoclip "In the year 2525" von Zager und Evans (YouTube: mehr) gezeigt werden.

Nach einer kurzen Analyse des Videos werden die Schüler gebeten, sich nicht das Jahr 2525 vorzustellen, sondern das Jahr 2025 oder 2030. Mit der einleitenden Frage, wie alt sie dann wären, werden sie gebeten sich in dieses Alter zu versetzen und  auf das Jahr 2009 zurück zu blicken, in dem sie einer Social Community angehörten.

Aus der "Ich Perspektive" beginnt die Lehrkraft zu erzählen, zum Beispiel mit einer vorbereiteten PowerPoint-Folie:

Damals als ich jung war habe ich in einer Social Community geschrieben, dass ich
– Maren Liebig heiße
– in Bad Berka wohne
– am 01.01.1995 geboren bin
– gerne die Goldbären von Haribo esse
– die Toten Hosen mag
– gerne Harry Potter lese
– mein Lieblingsfilm Ice Age ist
– mein Lieblingsgetränk Wodka Cola ist
– ich eine Party-Queen bin
– ich Mathe blöd finde und die Schule sowieso
– viele Freunde suche


Damals als ich jung war habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, dass diese Angaben
– ein individuelles Persönlichkeitsbild von mir ergeben
– für Werbezwecke verwendet werden können
– zur Erstellung falscher Profile verwendet werden können
– in einem Sozialen Netzwerk nicht sicher sein könnten
– Firmen dazu dienen können gezielt nach geeigneten Arbeitskräften zu suchen
– Universitäten dazu dienen können gezielt nach motivierten Studenten Ausschau zu halten
– in der digitalen Welt von Morgen noch vorhanden sein könnten

Anhand eines Schaubildes kann verdeutlicht werden, dass es Personen-Suchmaschinen wie Yasni, 123.people.com, Google, Semager, Kartoo gibt, die Daten  aus den verschiedenen Quellen miteinander verbinden.

Zwar haben die Crawler der Suchmaschinen auf einige Netzwerke keinen Zugriff.  Ein Nutzer, der Mitglied eines Sozialen Online-Netzwerkes ist, sollte jedoch auch immer damit rechnen, dass bei einer fehlerhaften Programmierung seitens der jeweiligen Service-Anbieter, auch kurzfristig einmal Daten aus dem Netzwerk in das Internet eingespeist werden können, obwohl der Nutzer seine Daten mit den ihm zur Verfügung gestellten betreiberseitigen Vorgaben geschützt hat.

Kein Online-Netzwerk ist sicher, wie das Fraunhofer-Institut in seiner Untersuchung zum Privatsphärenschutz in Sozialen-Netzwerk-Plattformen festgestellt hat (2008. PDF-Datei – mehr).

Schritt 3: Die digitale Fußspur
Nach dieser Denkphase werden die Schüler/innen gebeten, sich wieder in das Jahr 2009 zu versetzen und sich nun nochmals ihre Notizen zu betrachten.

An dieser Stelle bietet sich die Möglichkeit an, dass die Lernenden in Form eines Fußes oder eines Kreises eine grafische Darstellung ihrer hinterlassener Daten anfertigen.

Unterstützende Fragestellungen können sein:
• Wie sieht deine Fußspur aus?
• Welche Daten werden über dich gefunden?
• Wer sammelt diese Daten?
• Warum werden diese Daten gefunden?
• Welche Zusammenhänge kannst du erkennen?

Dabei kann auch ein humorvoller Filmbeitrag aus Norwegen eingesetzt werden, der inzwischen mit deutschen Untertiteln versehen auf der Internetseite von klicksafe.de zu finden ist: mehr
(Klicksafe bietet übrigens auch weitere gelungene Clips: mehr)

 
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  • Bettina Sieding: Grundkurs soziale Netzwerke.
    Das sollten Sie über Community-Plattformen wissen – mehr
 


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