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Mit dem Kompetenzraster selbstverantwortlich lernen und eigene Leistung wertschätzen

Wenn Lernende aktiv werden sollen, brauchen sie dafür einen guten Grund: Sie müssen wissen, wozu das gut ist, was sie tun und leisten sollen. Das ist die Stärke von Kompetenzrastern: Sie zeigen schlüssig und überzeugend, warum sich Lernen und Arbeiten lohnen!

 

Mit dem Kompetenzraster selbstverantwortlich lernen und eigene Leistung wertschätzen

  • Ausgangspunkt: Ein Seminarproblem …
  • … und die Lösung: Das Kompetenzraster
  • Die acht Vorteile des Kompetenzrasters
  • Trümpfe für Schule und Erwachsenenbildung

"Kompetenzraster beschreiben, was man in einem bestimmten Fachbereich können könnte. Oder anders gesagt: Sie bilden das Curriculum ab in Form einer Matrix. … Kompetenzraster stecken damit einen Entwicklungshorizont ab (Horizont-Didaktik), indem sie in differenzierter Weise den Weg beschreiben von einfachen Grundkenntnissen bis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen."
Andreas Müller, Institut Beatenberg – mehr

Weil Lesen keine Kompetenzen vermittelt
Ausgangspunkt: Ein Seminarproblem …

Im Sommer 2006 starteten wir mit unserem Grundkurs Online-Moderation (Modul B) als Pilotprojekt. Wir haben das Seminar seitdem regelmäßig durchgeführt und immer wieder überarbeitet und optimiert.
Geholfen haben uns dabei auftretende Probleme, für die wir Lösungen suchen mussten. Ein Problem hat uns besonders vorangebracht …

"Reicht es nicht, wenn ich alles gelesen habe?"
In unseren Seminaren gibt es regelmäßig Handouts zur Lektüre. Ein Teil der Seminarmitglieder lud sich diese wie vorgesehen herunter, las sie und war zufrieden. Das war’s dann auch.
Nicht zufrieden waren wir. Denn ohne Austausch und Zusammenarbeit wird man nun mal nicht vertraut mit Online-Kommunikation und Moderation. Diese Kompetenzen erwirbt man nur durch Handeln und Erproben.

Wir fragten uns: Wie konnten wir den Teilnehmenden deutlicher vermitteln, warum sie im virtuellen Raum aktiv werden sollten und dass die vorgeschlagenen Aktivitäten eine wichtige Funktion hatten?


… und die Lösung: Das Kompetenzraster

So entwickelten wir ein Kompetenzraster, das die Lernmöglichkeiten von Modul B beschreibt. Orientiert am Europäischen Qualifikationsrahmen gibt es drei Kategorien: Kenntnisse,
Fähigkeiten und Kompetenz.

  • Kompetenzraster für Modul B: mehr

So setzen wir das Kompetenzraster ein
Die Teilnehmenden erhalten das Raster zu Beginn.

  • Sie markieren, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen sie ggf. bereits mitbringen.
  • Sie markieren, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen sie im Laufe des Seminars erwerben wollen.

Zur Halbzeit wird das Raster wieder durchgesehen.

  • Sie markieren, was bereits erreicht wurde.
  • Sie überprüfen, ob sie auf dem Weg sind, ihre Zielsetzungen zu erreichen und ob sie ggf. nachjustieren wollen. Der persönliche Lerncoach, der jedes Seminarmitglied begleitet, steht für Fragen und zur Unterstützung zur Verfügung.

Am Ende des Seminars dient das Kompetenzraster der Feststellung des Erreichten und bietet die Grundlage für die Evaluation des Seminars.


Was das Kompetenzraster leistet

Nach dem Einsatz des Rasters beobachten wir deutliche Veränderungen:

  • Die große Mehrheit der Teilnehmenden beteiligt sich inzwischen aktiv an der Zusammenarbeit im Seminar.
  • Die Zahl der Teilnehmenden, die das Seminar mit dem Prädikat "mit Erfolg teilgenommen" verlassen, ist noch einmal gestiegen.

Acht Vorteile machen das Kompetenzraster so wirksam:

  • Es öffnet einen Entwicklungshorizont
    Das Raster steckt, wie es Andreas Müller beschreibt(1), einen Entwicklungshorizont ab. Es beschreibt, was man in diesem Seminar lernen kann.
  • Es verdeutlicht den Unterschied zwischen Wissen und Können
    Es verdeutlicht, dass es einen klaren Unterschied gibt zwischen Wissen und Kompetenz. Gleichzeitig zeigt es die Zwischenstufen auf dem Weg dorthin, die im Seminar beschritten werden können.
  • Es dient der Bestandsaufnahme und der Zielbestimmung
    Das Kompetenzraster dient der Standortbestimmung, was man bereits kann. Es dient der Zielbestimmung, was man erreichen möchte. 
  • Es motiviert und holt in die Selbstverantwortung
    So unterstützt es die Verantwortung der Teilnehmenden für den eigenen Lernprozess und ermöglicht es, eigene Lernschwerpunkte zu setzen. Das eigene Lernen selbst steuern zu können, weckt Motivation und Lernfreude.
  • Es dient der begleitenden Evaluation und der Steuerung des Lernprozesses
    Das Kompetenzraster kann zur begleitenden Evaluation herangezogen werden und ermöglicht das Nachjustieren: Was habe ich bereits erreicht? Was nicht? Was kann ich tun, um meine Ziele zu erreichen? Welche Unterstützung kann ich mir dafür holen?
  • Es dient der Auswertung des Lernangebots
    Mit Hilfe des Kompetenzrasters können die Teilnehmenden am Ende der Lerneinheit ihren individuellen Lernerfolg beschreiben.
    Aus den Rückmeldungen können die Lehrenden wichtige Erkenntnisse gewinnen: Ist das Lernangebot erfolgreich? Sind Anpassungen des Konzepts nötig?
  • Es kann mit der Dokumentation von Leistungen verknüpft werden
    Es besteht die Möglichkeit, den einzelnen Stufen des Kompetenzrasters Nachweise oder Beispiele einzufügen, die die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen sichtbar machen.
  • Es weckt Stolz auf die eigene Leistung und stärkt die Selbstwirksamkeit
    Im Rückblick den eigenen Lernweg anzuschauen macht stolz und stärkt das Selbstvertrauen: Ich habe diesen Weg zurückgelegt – ich kann mir auch andere Dinge aneignen. Ich erreiche die Ziele, die ich mir vornehme!


Acht Trümpfe in Schule und Erwachsenenbildung

Diese acht Vorteile des Kompetenzrasters gelten für alle Lernangebote und Lernprozesse, vom Kind bis zum Erwachsenen. Unsere überzeugenden Erfahrungen bestärken uns darin, die Arbeit mit Kompetenzrastern auszuweiten.

Mit der Erstellung eines solchen Rasters ist ein gewisser Aufwand verbunden. Je durchdachter das Lernangebot und seine Zielsetzungen sind, umso leichter ist es, auf dieser Grundlage ein Raster zu erstellen.
Gleichzeitig hilft das Erstellen eines Kompetenzrasters bei der Reflexion und Optimierung von Lernangeboten, weil die Aktivitäten damit in einen sinnvollen Zusammenhang gestellt werden. Der Aufwand lohnt sich also auf jeden Fall.

Sehr förderlich kann es sein, die Lernenden bei der Erstellung eines Kompetenzrasters einzubeziehen. So berichtet eine Kollegin aus einer Grundschulklasse:
"Gemeinsam haben wir uns Gedanken gemacht, was wir alles bei der Kartoffelwerkstatt lernen können. Hier schicke ich dir unser Raster. Ich finde, es sind zu viele
Lernziele, aber die Kinder wollten dir zeigen, was sie alles lernen
können. Die Ideen sind alle von ihnen, nur die Formulierung ist
manchmal von mir. Jedes Kind hat jetzt so ein Raster und füllt es aus. Die Belege für ihr Können stellen sie ins Portfolio." – (mehr)

Weiterlesen

  • Ilse Brunner: Wo geht die Reise hin? Die Kartoffelwerkstatt
    Lernziele festlegen und Erreichtes bewerten
    Themenwochen Online-Lernen September 2008 – mehr
  • rpi-Wiki: Kompetenzraster in Schule und Erwachsenenbildung
    Informationen und Beispiele – mehr
  • Zukunftsweisend: Initiativen der EU
    "ePortfolio for all", Lebenslanges Lernen, Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) und Europass
    mehr
    Themenwochen Online-Lernen September 2008


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  1. Andreas Müller. Kompetenzraster. Institut Beatenberg [Stand: 14.01.2010] – mehr