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Digitales Whiteboard: Was bringts? Tipps und Erfahrungen

Mit einem Mal stand es da, das Riesengerät. Und dann verpasste Ulrike Kramer auch noch Einführung und Erklärung … Lesen Sie hier, warum sie sich inzwischen trotzdem mit dem digitalen Whiteboard angefreundet hat – und welche Tipps sie für Kolleginnen und Kollegen hat!

 

  • Das digitale Whiteboard als All-in-One-Gerät
  • Darauf achte ich beim Einsatz
  • Hürden überwinden – einfach anfangen!
  • Ganz konkret – Beispiele
  • Mein Fazit: Lohnend! 

Das digitale Whiteboard als All-in-One-Gerät

Die digitale Tafel ist für mich inzwischen ein All-in-One-Gerät
geworden. Zuerst arbeitete ich an ihr wie an einer normalen Tafel. Nun
dient sie mir als Computer, CD- bzw. DVD-Player, ersetzt die
OH-Folien …

Heute trage ich eine deutlich leichtere Schultasche mit mir herum, und die Jagd nach
zusätzlichen elektronischen Geräten gehört der Vergangenheit an. Und ich spare mir nebenbei einiges an Ausgaben für Folien, Folienstifte, Papier und Kopien.

Denn schließlich ist das digitale Whiteboard einfach eine Kombination aus einer normalen Schultafel und einem Computer mit Internetzugang. Das Schöne: Es ist alles fertig installiert und gebrauchsbereit! 

  • Arbeiten wie an einer normalen Tafel:
    An der digitalen Tafel kann ich mit verschiedenen Farben schreiben, ich kann Geschriebenes wegwischen, Zeichnungen anfertigen, …
    Vieles geht einfacher: Zum Beispiel kann ich ohne Lineal gerade Linien zeichnen, ich kann mein vorbereitetes Koordinatensystem mit einem Klick auf die Tafel bringen. Ich kann das gespeicherte Tafelbild der letzten Stunde aufrufen und nahtlos daran weiterarbeiten.
  • Arbeit mit dem Computer und Internet:
    Im Internet werden viele interessante Videos und Audiodateien, sog.
    Podcasts, veröffentlicht. Mit der digitalen Tafel habe ich immer Internetzugang und kann diese leicht abspielen. 
    Zur Zeit
    hören wir zum Beispiel immer wieder in das Funkkolleg Religion hinein.
    Am Tag nach Frau Käßmanns Rücktritt sahen wir über die digitale Tafel das Online-Video der Pressekonferenz an, bei der Frau Käßmann ihren Rücktritt erklärte. Da der Link auf der Startseite von rpi-virtuell bereit gestellt war, so konnten wir die Pressekonferenz schnell finden.
    In einem anderen Fenster des Computers hatte ich die Software der Tafel geöffnet. Dort hielten wir die Ergebnisse unserer Diskussion fest: Was bedeutet "Übernahme von Verantwortung"? 

Darauf achte ich beim Einsatz

Ein paar Tipps helfen beim Einsatz in der Klasse.

  • Ich plane immer so, dass die ersten Minuten der Stunde ohne Tafel laufen können. Denn der Computer braucht etwas Zeit, bis er hochgefahren ist.
  • Falls die Tafel ausfallen sollte, habe ich zur Sicherheit ein Notfallprogramm dabei.
  • Wenn für eine Klasse die digitale Tafel neu ist, lasse ich erst einmal alle SchülerInnen herumspielen:
    Die einen verlieren so ihre Furcht vor der Technik. Die anderen haben Neues auszuprobieren – dabei entdecke ich auch immer wieder Neues. Und die dritten dürfen einfach einmal Blödsinn machen – und trainieren nebenher die Bedienung … Zum Beispiel kann man ganz leicht viele Smileys auf die Tafel zaubern, das macht am Anfang einfach Spaß.
  • In der Pause schalte ich den Computer entweder auf Standby und passe auf, dass die SchülerInnen keinen Unfug machen. In manchen Schulen werden solche Fachräume in der Pause auch abgeschlossen.
  • Und ich passe auf, dass ich nicht dem "Medienhype" verfalle. Einer der Vorbehalte gegen die digitale Tafel besteht darin, dass sie den Frontalunterricht fördere. Darauf lege ich mein besonderes Augenmerk. Die Vielfalt der Unterrichtsmethoden soll sich nicht auf eine Vielfalt
    unterschiedlicher Medien beschränken.

Hürden überwinden – einfach anfangen!

Der erste Schritt …
Das hört sich jetzt alles sehr einfach an. Aber der erste Schritt war auch für mich die größte Hürde.
Das Whiteboard wird mit eine speziellen Software getrieben. Viele meinen, dass sie diese Software erst beherrschen müssen, bevor sie im Unterricht damit arbeiten können. Mein Tipp: Einfach loslaufen!

Auf die Tafel übertragen heißt das:
Computer einschalten, Programm starten und die Tafel erst einmal wie eine normale Tafel nutzen. Zum Schreiben und Löschen braucht man nur die Stifte und den "Schwamm", das geht leicht. Die weiteren Funktionen kann man sich dann nach und nach erarbeiten.

Die SchülerInnen
Wie immer beim Computereinsatz: Die SchülerInnen können es viel besser als ich! Zumindest meinen sie das selbst. Sie haben keine Scheu vor dem Ausprobieren und klicken sich durch. 

Wie reagiert man da als Lehrkraft? Entweder man leidet – was nichts bringt – oder man nutzt das aus:
Einige meiner SchülerInnen wurden zu Experten für die Tafelbenutzung. Manche konnten es wirklich besser als ich, andere haben es dadurch gelernt.

Für mich ist immer wichtig, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse. Selbst wenn von hinten dauernd kommt: "Das geht doch ganz einfach, Sie müssen nur …" Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche. Es ist auch ganz in Ordnung und menschlich, mal nicht die "Allwissende" zu sein.

Ganz konkret – Beispiele

Stundeneinstieg

  • Zum Einstieg in Religionsstunden nutze ich gerne Bilder. Eine Stunde zu unterschiedlichen Auslegungen zum brennenden Dornbusch (Gen 3) in der 13. Jahrgangsstufe begann ich mit dem Bild "Der Baum des Lebens und des Todes" von Bertold Furtmayr. Ich wählte als Hintergrundfarbe weiß, so dass wir Assoziationen zum Bild gleich rechts und links daneben auf die Tafel schreiben konnten.
  • Eine Stunde in der Unterrichtseinheit "Glück" in der 10. Klasse begann ich mit dem Video "Der Weg" von Herbert Grönemeyer, das bei YouTube zu finden ist.

Erarbeitungsphase

  • Falls eine Erarbeitungsphase im Klassengespräch stattfindet, nutze ich das Whiteboard sehr oft wie eine normale Tafel und entwerfe Tafelbilder mit dem Stift so wie früher mit der Kreide.
  • Um Zeit zu sparen, habe ich auch schon das Grundgerüst eines Tafelbildes zu Hause vorbereitet. Zum Beispiel kann man die Ergebnisse eines synoptischen Vergleichs direkt in eine vorbereitete Tabelle eintragen.
    Die Software für das Whiteboard habe ich auf meinem Computer zu Hause  installiert. Sie ist sehr einfach zu bedienen. Die vorbereiteten Seiten speichere ich auf einem Stick und verwende sie dann im Unterricht.

Ergebnissicherung

  • Vorstellen der Gruppenarbeitsergebnisse durch die SchülerInnen:
    Viele meiner SchülerInnen erstellen gerne eine Powerpointpräsentation, weil das "einfach toll aussieht". Mit Hilfe einem Stick kann die Präsentation leicht vom SchülerPC auf die Tafel übertragen werden. Alternativ kann sie auch in den virtuellen Klassenraum bei rpi-virtuell geladen und von dort aufgerufen werden.
    Übrigens: Immer lohnend ist ein Gespräch, wie man am zuhörerfreundlich Inhalte präsentiert. Wenn andere Gruppen Plakate erstellt haben, kann sich eine Debatte über den Einsatz unterschiedlicher Präsentationsmethoden anschließen.
  • Eine Schülerin, die schnell tippen kann, erhält den Auftrag gleich während der Stunde ein Kurzprotokoll ins Seminarwiki zu tippen.
    Das führt meist dazu, dass die Klasse während der Erarbeitung im Klassengespräch sehr aufmerksam ist. Denn einerseits wollen sie tolle Beiträge fürs Wiki liefern, und andererseits passen sie genau auf, dass ihre Beiträge auch korrekt übernommen werden.
  • Wir speichern nach allen Stunden unsere Tafelbilder und laden sie in unseren Seminarraum hoch. Die SchülerInnen genießen das vor allem beim Lernen für Klausuren. Interessanterweise hat dieses Verfahren nicht dazu geführt, dass sie ihre Hefte mit weniger Sorgfalt führen.

Mein Fazit: Lohnend!

Ich bin froh und empfinde es inzwischen als Bereicherung, dass an meiner Schule für einen Teil der Klassenzimmer eine elektronische Tafel angeschafft wurde. Im nächsten Jahr sollen weitere Klassenzimmer damit ausgestattet werden.

Die Lehrerinnen und Lehrer möchte ich ermutigen, sich gegenseitig zu
helfen und Mut und Spaß am Ausprobieren zu finden. Denn, wie man sieht, lohnt es sich.

Rat an die Schulleitungen
Den Schulleitungen möchte ich auf Grundlage meiner Erfahrungen folgende Bitte mitgeben: Auf jeden Fall für kurze, aber wiederholte Fortbildungen sorgen. Zum Beispiel in der Anfangsphase jede Woche eine halbe Stunde, in der immer unterschiedliche Features vorgeführt und ausprobiert werden. Dafür sollten auch Zeiten zur Verfügung gestellt werden.
Denn wenn die erste Hürde nicht überwunden wird, dann ist die Investition
vergeblich.

Ulrike Kramer

Weiterlesen

  • Wikipedia: Digitales Whiteboardmehr
  • Lehrerfreund: Worauf Sie beim Kauf achten sollten
    Und weitere Beiträge zum Thema interaktives Whiteboard – mehr
  • Zaubertafel.net: Blogbeiträge eines Grundschullehrers
    Tipps und Ideen – mit gewisser Nähe zum Hersteller – mehr

 

Ulrike Kramer unterrichtet Mathematik und Religion in einem hessischen Gymnasium und Internat. Sie interessiert sich für neue Lernmethoden und online unterstütztes Lernen und freut sich, wenn es ihr gelingt, ihre Schülerinnen und Schüler zu motivieren und zu guten Leistungen anzuregen.

 

Das Foto oben zeigt das Gerät mit zwei Schülern, die Spaß haben am Ausprobieren. 


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