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Mein Weg ins virtuelle Klassenzimmer – Tipps und Tricks für den Unterricht mit rpi-virtuell

Julia Rüttgers unterrichtet am Gymnasium und arbeitet seit drei Jahren mit rpi-virtuell. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen. Sie gibt Tipps, wie man seine Klasse am besten in den virtuelle Klassenraum lotst – und erzählt von den Vorteilen und Hürden, denen sie begegnet ist.

 

 

  • Mein Weg ins virtuelle
    Klassenzimmer: Wie alles anfing
  • Warum virtuelle Klassenzimmer?
    Schüleraktivierung!
  • Die ersten Schritte: So kommt Ihre Klasse in den virtuellen Seminarraum
  • Meine positiven Erfahrungen – und so
    gehe ich mit den Hürden um
  • Ganzer Beitrag als PDF-Datei –
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I Mein Weg ins virtuelle Klassenzimmer: Wie alles anfing

"Kann ich das Arbeitsblatt von der letzten Stunde noch einmal …"
Alles fing damit an, dass ich mich darüber geärgert habe,
wie wenig sorgfältig Schülerinnen und Schüler mit den
Arbeitsmaterialien umgehen. In jeder Klasse gab es regelmäßig solche,
die unbedingt Arbeitsblätter noch ein zweites Mal brauchten, weil der
Hund, oder irgendetwas anderes, sie gefressen hatte …

Internet wäre eine Lösung
Internet wäre die Lösung, dachte ich. Eine Homepage, auf die die Schülerinnen und Schüler Zugriff haben und sich alles selber herunterladen können.
Aber: Mein Material einfach offen ins Netz zu stellen, da hatte ich dann
doch Hemmungen. Deshalb blieb es bei dem Gedanken.

Dann hörte ich bei einer Fortbildung etwas von rpi-virtuell, einfach so, ohne
nähere Erklärung. Und dann bin ich irgendwann mal hingesurft.
Was mich sofort überzeugt hat, war die geringe Einarbeitungszeit:

Anmelden. Und dann konnte ich sofort ein Seminar aufmachen.

Warum ich lieber rpi-virtuell als moodle verwende
Die Einarbeitung ist leichter.
An unserer Schule steht uns auch die Plattform moodle zu Verfügung. Ich habe mich dafür registrieren lassen und auch einen
Seminarraum eingerichtet, aber ich hätte deutlich mehr Zeit für die
technische Seite einplanen müssen.

rpi-virtuell konnte ich nach sehr kurzer Zeit sinnvoll einsetzen und mich dann ganz auf die inhaltliche Seite meines Unterrichts
konzentrieren.

II Warum virtuelle Klassenzimmer? Schüleraktivierung!

Schüleraktivierung!!

Im rpi-Seminarraum arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig. Gleichzeitig kann ich mir jederzeit ihre Arbeitswege und ihren Fortschritt anschauen und ein detailliertes Feedback geben.

Besonders bewährt hat sich das bei schwierigen Gruppen zu
schwierigen Unterrichtszeiten:

  • Durch den Freiarbeitscharakter wird jeder Schüler und jede
    Schülerin einzeln angesprochen. Die Dokumentation im Seminarraum zeigt klar den Arbeitsfortschritt – und ermöglicht sofortige Rückmeldung, wenn
    jemand die Computerzeit anders nutzt als im Unterricht vorgesehen.
  • Das Diskussionsforum eröffnet auch schwierigen Gruppen die
    Möglichkeit, sich zu einem bestimmten Thema auszutauschen. Im Forum
    können sich alle beteiligen, nicht nur die Lebhaften.

Kurz: Der Seminarraum ist ein sehr gutes Mittel, Schüleraktivität
anzuregen und zu steuern.
Vor allem, weil DIE MEISTEN SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN AM COMPUTER eher
MOTIVIERT SIND! 

Meine Seminare haben zwei Funktionen:

  • Materialsammlung:
    Sie sind eine Materialsammlung für meine SchülerInnen, auf die sie
    auch außerhalb des Unterrichts Zugriff haben.
    Achtung: Die größte Gefahr dabei ist, dass die
    Materialfülle unübersichtlich wird und die SchülerInnen demotiviert.
    (Ich weiß, wovon ich rede :-))
  • Moderation des Unterrichtsverlaufs:
    Sie helfen mir, das Unterrichtsgeschehen im Computerraum zu
    moderieren.
    Dazu schreibe ich die Arbeitsanweisungen in die Startseite,
    speichere Links oder Arbeitsblätter. Auf diese Weise können die Jungen und Mächen
    selbstständig arbeiten, sobald sie in ihrem virtuellen Seminarraum sind.

III  Die ersten Schritte: So kommt Ihre Klasse in den virtuellen Seminarraum

Seminaranmeldung
Der erste Schritt ist die Anmeldung. Bei einer Klasse
von ca. 30 SchülerInnen rechne ich eine klassische Schulstunde, also 45 Minuten,
dafür.
Das hängt auch mit unserer Ausstattung zusammen: Uns steht nur ein Computer für zwei
Personen zur Verfügung. Hochfahren und im Netzwerk anmelden, dauert schon gut fünf
Minuten. Außerdem brauchen jüngere SchülerInnen noch relativ viel Unterstützung.

Für die Anmeldung habe ich inzwischen hilfreiche Routinen entwickelt.

1. Voraussetzung: Alle SchülerInnen brauchen eine eigene E-Mail-Adresse
Das kann man vorher als Hausaufgabe aufgeben. Dennoch wird es meiner Erfahrung nach immer einige SchülerInnen geben, die zuerst eine E-Mail-Adresse brauchen.
Ich weise z.B. auf GMX.de, WEB.de oder Google Mail hin, und die SchülerInnen legen sich dort ein Mailkonto an.

2. Bei reliweb registrieren
Anschließend registrieren sich die SchülerInnen bei www.reliweb.de. Das ist der Schülerzugang von rpi-virtuell. Mit einem Klick auf "Themen" finden die SchülerInnen dort übrigens auch hilfreiche Materialien für Referate. Denn hier sind schülergerechte Materialien aus dem rpi-Materialpool zugänglich.

3. Zur Sicherheit: Logbuch anlegen
Für jede Klasse habe ich entweder ein klassisches Schulheft oder A6-Zettel
vorbereitet (gelocht! später abheften…), auf denen die Schülerinnen und Schüler notieren:

  • die von ihnen benutzte E-Mail-Adresse mit dem Geheimwort
  • der von ihnen benutzte rpi-Namen (Benutzernamen) und ihr Passwort.

Dies Logbuch wird von mir sorgfältig verwahrt und erspart mir jede Menge Stress! Im Fall von "Habe mein Geheimwort vergessen", können wir gemeinsam schnell nachschauen.

4. Der Weg in den Seminarraum
Wenn die SchülerInnen ihre persönliche Registrierung vorgenommen haben, können sie sehr schnell den Weg zu ihrer Lerngruppe finden: Sie klicken einfach auf "Gruppen" und geben meinen Namen ein. Dann werden ihnen meine Seminarräume angezeigt, z.B. "Ev. Religion Klasse 7".

Nun benötigen sie das Passwort. Ich schreibe es groß an die Tafel.
Das Passwort wird nur für das erste Login gebraucht. Wenn alle im Raum sind, ändere ich das Passwort, dann ist der Raum sozusagen "abgesperrt".

5. Merkposten für die Anmeldung
Einige Merkposten habe ich inzwischen:

  • "Sammelanmeldungen" vermeiden
    In den unteren Klassen tun sich die SchülerInnen manchmal schwer, sich selbst anzumelden. Da habe ich früher die gemeinsame Nutzung
    des rpi-Platzes zugelassen. Das hat sich nicht bewährt, vor allem, wenn
    der Partner die nächste Stunde nicht da ist und die Mitbenutzerin das
    Passwort nicht kennt.
    Das Logbuch kann hier natürlich helfen. Aber: In solchen Fällen ist das
    Arbeiten von zu Hause aus oftmals nicht möglich.
  • Leerzeichen und Phantasienamen bei der Anmeldung vermeiden!
    Der Name, mit dem man sich anmeldet, sollte keine Leerzeichen
    enthalten, weil das späteres Einloggen schwierig macht.
    Phantasienamen machen das Leben schwer! Gerade bei mehreren
    Seminaren ist es wichtig, die SchülerInnen ohne langes Überlegen identifizieren
    zu können. Auch vergessen die Jungen und Mädchen leicht, welchen Spitznamen sie sich
    zugelegt haben.
  • Pop-Ups zulassen
    Im Internetprogramm unserer Schule werden Pop-Up-Fenster standardmäßig
    verweigert. Daher müssen die SchülerInnen erst an ihren Computer die Pop-Ups von rpi-virtuell zulassen. Ideal ist es, mit dem Beamer am Lehrerbildschirm Schritt für Schritt zu zeigen, wie man dafür vorgeht. Gerne übernimmt so etwas auch ein Schüler, der damit seine Computerkenntnisse zeigt

6. Schriftliche Anweisungen unnötig
Am Anfang hatte ich eine kleine Gebrauchsanleitung geschrieben und ausgeteilt: "so stelle
ich die Pop-Ups ein … so registriere ich mich …".
Aber das hilft den Schülerinnen und Schülern auch nicht mehr als der Bildschirm, denn eigentlich ist auf den Seiten ja alles beschrieben.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es SchülerInnen gibt, die alles sofort
kapieren – und die schicke ich dann als ExpertInnen herum. Das geht am
schnellsten. Und diese Experten stehen auch zur Verfügung, wenn ich einmal nicht da bin.

7. Sie sind drin – und jetzt?
Erfahrungsgemäß brauchen die Schülerinnen und Schüler nun etwas Zeit, um sich im Seminarraum zu
orientieren und die verschiedenen Ebenen wie Seminar finden. Dokumente usw. zu durchschauen.
Auch hier hilft ein Beamer oder die Experten.
Normalerweise lasse ich die Klassen sofort konkret arbeiten – und alles Weitere lernt man beim Tun!

IV Meine positive Erfahrungen – und so gehe ich mit den Hürden um

Das gefällt mir besonders am online unterstützten Arbeiten
Mit rpi-virtuell zu arbeiten, gefällt mir:

  • Die beste Erfahrung war das Diskussionsforum in einer 7. Klasse.
    Endlich kamen alle zu Wort!
  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstständig und kommen
    oft zu prima Ergebnissen!
  • Ich kann die Arbeitsprozesse meiner SchülerInnen verfolgen und verstehen,
    wie sie vorgehen, wo es hakt, wo es schwer und leicht fällt.
    Das hilft mir, Themen, Anforderungen und Erwartungen besser an ihre
    tatsächlichen Fertigkeiten anzupassen.

Auf diese Hürden bin ich gestoßen
Obwohl die meisten Klassen sehr gerne im rpi-Seminarraum arbeiten, gibt
es auf Schülerseite einige Vorbehalte.

  • rpi-virtuell hat ja was mit Religion zu tun …
    Besonders im Englischunterricht sind einige SchülerInnen misstrauisch,
    ob ich sie nicht heimlich "missionieren" will.
  • rpi-virtuell ist anstrengend!
    Ein Seminarraum mit Material zum Herunterladen stellt die SchülerInnen
    vor ein höheres Eigenengagement als gewöhnlich. Manche SchülerInnen haben das
    überhaupt nicht gern und möchten lieber fertige Kopien ausgeteilt
    bekommen …
  • Und natürlich lassen sich auch nicht alle von der Möglichkeit locken, Zusatzmaterial zu einem Thema im Seminarraum anzugucken. Das heißt: Im
    Unterricht ist es o.k. im rpi-Seminarraum zu arbeiten. Zusätzlich zu Hause ist
    es eigentlich zu viel verlangt.
  • rpi-virtuell ist uncool
    Vor allem Mittelstufenschüler nehmen Anstoß am eher schlichten,
    auf Arbeit ausgerichteten Charakter von rpi-virtuell. Für sie ist Computerzeit
    normalerweise mit "chillen" und "fun" verbunden. Ihre Foren sind optisch
    oft ganz anders aufbereitet.

An den Reaktionen meiner Schülerinnen und Schüler zeigt sich mir
deutlich, dass die Computernutzung alleine nicht mehr die hohe
Motivation erzeugt, die sie noch vor zehn Jahren hatte; wobei jüngere SchülerInnen
deutlich motivierter sind als ältere.

… und so gehe ich mit diesen Hürden um
Die Angst, heimlich missioniert zu werden, lässt sich nur mit der
Zeit ausräumen, durch die Erfahrung, dass es einfach nicht passiert!

Anstrengung und das Gefühl, auf einer uncoolen Seite gelandet zu
sein – das spiegelt ja die schulische Realität wieder.
Die Jungen und Mädchen haben mich hier durchschaut:
Sie sollen in den rpi-Seminarraum, weil
sie sich dort mehr anstrengen und mehr Eigenaktivität zeigen
müssen als z.B. beim Frontalunterricht, wo ja Stillhalten schon oft als
Mitarbeit gilt.
Bequemlichkeit ist menschlich, aber wenn man aktiv wird, lernt man auch
mehr. Und natürlich sollen sie dort nicht chatten, um zu chillen, sondern
Unterrichtsinhalte umwälzen.

Aber natürlich darf das auch Spaß machen!
Der Spaß kommt:

  • durch die Themenwahl und Aufgabenstellung, bei der die eigenen Interessen und Stärken ins Spiel kommen
  • durch das persönliche Feedback, dass die Schülerinnen und Schüler von mir im Seminarraum erhalten.

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    Das sagen die Schülerinnen und Schüler von Julia Rüttgers: mehr

 

Julia Rüttgers unterrichtet Religion, Englisch und Psychologie an einem Gymnasium in Karlsruhe. Ein Schwerpunkt ihrer Unterrichtspraxis liegt auf Freiarbeit. Sie nutzt seit etwa drei Jahren rpi-virtuell im Unterricht, weil sie es bereichernd findet, individuell auf die Interessen und Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können.
Das Porträt stammt von ihrem kleinen Sohn.


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