Starten Sie ins Online-Lernen

Online in der Lehrerfortbildung: Blended Learning Schritt fĂĽr Schritt

"CU online" – "see you online" – könnte das Motto für Ihre nächste Fortbildungsveranstaltung sein. Studienleiter Michael Beisel gibt hier sechs erprobte Tipps für Fortbildungsveranstaltungen: Wie Sie sich als Kursleitung die Arbeit leichter machen und gleichzeitig für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Auf Screenshots, also Fotos von der Bildschirmansicht, kann man sich anschauen, wie es funktioniert.

Fortbildungen durch
Online-Angebote ergänzen und anreichern

  • Wie Sie sich durch
    einen virtuellen Kursraum die Arbeit vereinfachen
  • Wie Sie Probleme mit dem Urheberrecht gefahrlos umgehen
  • Wie Sie Teilnehmende zur Kommunikation anregen und Zusammenarbeit anbahnen
  • Wie Sie das Commitment steigern und dauerhaft einen Kreis von Interessierten für Ihr Thema bilden
  • Wie Sie einen Beitrag zu mehr Medienkompetenz Ihrer Teilnehmenden
    leisten
  • Wie Sie dafür sorgen können, dass die Fortbildungsveranstaltung nicht folgenlos bleibt

Präsenzzeit ist kostbar:
Fortbildungen durch Online-Angebote ergänzen und anreichern!

Termine in Tagungshäusern zu buchen wird immer schwieriger: Schulverwaltungen stellen aus Kostengründen kaum noch Geld zur Verfügung oder stellen Lehrkräfte ungern vom Unterricht frei. Umso kostbarer werden die noch zur Verfügung stehenden Fortbildungs(halb)tage. Da kann es sich lohnen, solche Treffen durch ein Online-Angebot zu flankieren.

Ersinnen Sie rechtzeitig Strategien, wie Sie dadurch die Zusammenkunft entlasten und anreichern können! Gestalten Sie vor und nach dem Fortbildungstag eine Online-Phase. Gründen Sie einen virtuellen Kursraum. Die folgenden eprobten Tipps aus meiner Fortbildungspraxis können Ihnen dabei helfen.
Hinweis: Bilder anklicken zum Vergrößern!

1. Wie Sie sich durch einen virtuellen Kursraum die Arbeit vereinfachen

Säumige Zahler nerven? Schaffen Sie einen zusätzlichen Anreiz zu rechtzeitiger Überweisung der Teilnahmegebühr, indem Sie das Seminarpasswort erst nach Zahlungseingang freigeben.

Kommentierter OrdnerPortokosten für schwergewichtige Papier-Reader zur Vorbereitung gehen ins Geld, und wer weiss, ob sich jeder Ihrer Teilnehmer für das alles interessiert. Stellen Sie Ihre Materialien vorab im "Dokumente"-Ordner des virtuellen Kursraums bereit, kommentieren Sie sie nach Art einer Gebrauchsanweisung.
Die Teilnehmenden suchen sich die Informationen nach Interessenlage aus und kommen bereits wesentlich informierter zur Zusammenkunft. Das können Sie ruhig auch verbindlich einfordern.

Es gibt plötzlich Probleme mit dem Termin? Sie können auf der Startseite des Kursraumes unter "Neuigkeiten" sofort und bequem mit einer Massenmail informieren, wenn Sie krank geworden sind, oder ein Ausweichort für die Fortbildung nötig ist.

 

 

2. Wie Sie Probleme mit dem Urheberrecht gefahrlos umgehen können

Schlechtes Gewissen ade: Ihr virtueller Kursraum ist passwortgeschützt. Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe von Teilnehmenden, d.h. Sie und die Teilnehmenden dürfen nicht nur Schriftstücke, sondern auch Audio- und Bilddateien fremder Urheber dort weitergeben.

  • Zum Nachlesen:
    Bundesministerium der Justiz: § 52a Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung – mehr

Nur Vorsicht: Die Weiterverwendung derselben außerhalb ist ein extra Thema, z.B. wenn die Teilnehmenden es in der Schule öffentlich vorführen!

Ihre Teilnehmenden können sich gegenseitig durch Links, Materialien etc. anregen, wenn Sie Ihnen die so genannten "Schreibrechte" in den Ordnern des virtuellen Seminarraums zuweisen.

 

 

3. Wie Sie Teilnehmende zur Kommunikation anregen und Zusammenarbeit anbahnen

Benzinkosten sparen und Fahrgemeinschaften bilden – die Teilnehmenden können im Kursraum kommunizieren, ohne dass Sie wegen Verletzung des Datenschutzes Schwierigkeiten bekommen.

Eine Nachricht an eine/n Mitteilnehmenden senden oder über die Neuigkeiten-Pinwand Sitzplätze anbieten, funktioniert nämlich, ohne dass deshalb irgendwer Telefonnummer oder Adresse von irgendwem unfreiwillig in die Hand bekommt. Nicht einmal die E-Mailadresse wird bekannt, sie ist nur Ihnen als Seminarleitung zugänglich.

Vielleicht sind Sie daran interessiert, dass Ihre zahlenden (Fortbildungs-)Kunden Programmwünsche für das Treffen anmelden? Ein idealer Impuls, wie Sie Ihre Teilnehmenden auch miteinander ins Gespräch bringen können.
Starten Sie ein Forum oder eine Umfrage im Kursraum zum geplanten Tagesprogramm.

Denken Sie dabei auch ein bisschen an sich: Setzen Sie für Wünsche gleich eine Frist, damit Sie noch Zeit zum Reagieren haben.

Legen Sie bei den Dokumenten gleich Ordner mit den Namen der Teilnehmenden an: Das steigert die Bereitschaft zu verbindlichen Ergebnissen und weckt die Neugier auf die Beiträge der anderen.

Feedback nicht vergessen, das ist wichtig für Ihre zukünftigen Angebote.
Geben Sie den Teilnehmenden als "Hausaufgabe", einen kurzen Beitrag in einem Seminarforum
"Feedback: Das war gut / schlecht"
zu schreiben. Sie können später auch sehen, wie die anderen es fanden.

 

 

 

4. Wie Sie das Commitment steigern und dauerhaft einen Kreis von Interessierten für Ihr Thema bilden

Wenn Sie selbst Links zu interessanten Internetseiten, Bilder, Aufsätze usw. etwa einen Monat vor dem Zusammentreffen in den virtuellen Seminarraum einstellen, ist es für die Teilnehmenden hilfreich, zu wissen, was sie damit anfangen sollen. Geben Sie also – wie unter 1. beschrieben – gleich Erarbeitungsanregungen dazu, z.B. Erschließungsfragen, weitere Arbeitsanregungen zur Vertiefung.

Bieten Sie eine Bildergalerie nach Art eine Vorstellungsrunde, da lässt sich schnell herausfinden, welche Kompetenzen Ihre Teilnehmenden mitbringen, und das können Sie ganz gut zur Motivation nutzen:
Schreiben Sie diese Teilnehmenden gezielt per E-Mail an und fragen Sie, ob sie Lust haben, den einen oder anderen Auftrag für die Gruppe beizutragen, z.B. zu einem speziellen Aspekt des Themas zu recherchieren.

5. Wie Sie einen Beitrag zu mehr Medienkompetenz Ihrer Teilnehmenden leisten

Screenshot ILIASDie Schülerinnen und Schüler Ihrer Teilnehmenden sind derzeit kräftig in SchuelerVZ und facebook unterwegs. Das sind im Prinzip auch nichts anderes als die Lernplattform wie rpi-virtuell, nur nicht so "arbeitsmäßig".

Später als Studierende werden sie sowieso in virtuellen Seminarräumen an der Uni arbeiten oder in der Arbeitswelt damit umgehen müssen. Die beiden Fotos rechts zeigen beispielsweise die bekannten Plattformen ILIAS und STUD.IP.

Es schadet also nichts, wenn Lehrkräfte sich auch ein wenig mit solchen Plattformen auskennen. Mit Ihrem virtuellen Seminarraum legen Sie damit einen wichtigen Grundstein.

6. Wie Sie dafür sorgen können, dass die Fortbildungsveranstaltung nicht folgenlos bleibt

Anwendung anbahnen


Zum vollständigen Lernprozess gehört die Praxis, das Ausprobieren. Darauf zielt ja im Regelfall Ihre Fortbildung.
Verabreden Sie bei Ihrem Zusammentreffen, wie aus der Fortbildung gewonnene Erkenntnisse nicht nur umgesetzt, sondern auch den anderen online im gemeinsamen Kursraum mitgeteilt werden können.

Das funktioniert nur, wenn wirklich jede/r Teilnehmende etwas beiträgt. Wenn Sie die Teilnehmenden darauf verpflichten, dürfen Sie die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Der Schulalltag holt einen bekanntlich schneller ein, als einem lieb ist, und dann fehlt schlicht die Zeit. Fordern Sie nur das Minimum, ein paar Zeilen als Beitrag zu einem Forum zu schreiben, das Sie in den Seminarraum einstellen: "So ging das dann bei mir in der Praxis".
Mehrleistungen wie Unterrichtsentwürfe als WORD-Datei, im Unterricht verwendete selbsterzeugte Grafiken, Bilder oder Schnappschüsse von der Klasse beim Arbeiten mit den neuen Impulsen Ihrer Fortbildung sind natürlich auch nicht ausgeschlossen.

Vielleicht instruieren Sie Ihre Teilnehmenden kurz, wie das mit dem "Upload" geht oder weisen auf die umfassenden Anleitungen bei rpi-virtuell unter dem Menüpunkt "Info & Hilfe" hin. Nicht vergessen, ihnen Schreibrechte im betreffenden Ordner einzuräumen …

… und selbst am Ball bleiben

Schauen Sie regelmäßig in dem Kursraum vorbei: Wählen Sie dort in den von Ihnen eingerichteten Foren über dem jeweiligen Themenstrang die Option "Thema beobachten", dann werden Sie benachrichtigt, wenn ein neuer Beitrag geschrieben wurde. 

Sollten Sie weitere Fortbildungen zu ähnlichen Themen haben, lohnt sich das Recycling: Löschen Sie den Kursraum nicht. Setzen Sie eine Frist von zwei bis drei Monaten, dann entfernen Sie nur die bisherigen Teilnehmenden, lassen aber außer ein paar Aktualisierungen alles, wie es ist.
Sie geben dem Raum ein neues Seminarpasswort und laden die neuen Teilnehmenden ein.

Eben: "wie Sie sich die Arbeit vereinfachen", siehe oben …;-)

 

 Michael Beisel

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  • September 2009:
    "Eine neue Dimension!"

    Online unterstütztes Lernen in
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Michael Beisel

 

Michael Beisel ist Studienleiter für Medienpädagogik und
-didaktik am Religionspädagogischen Institut der evang. Landeskirche
in Baden. Seine Schwerpunkte sind eLearning und online unterstütztes Lernen, Medienbegutachtung und Fortbildung für Religionslehrkräfte.

 


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