Mit dem Wiki Lerninhalte wiederholen, strukturieren, vernetzen

In ihrer Oberstufenklasse hat Hiltrud Stärk-Lemaire mit dem Seminarwiki gearbeitet. Begleitend zum Unterricht haben ihre Schülerinnen und Schüler Wiki-Artikel zu Unterrichtsthemen erstellt, die wie eine kognitive Landkarte verschiedene Themenbereiche miteinander vernetzt haben. Eine ideale Grundlage für die Abiturvorbereitung!

 

 

  • Gelerntes wiederholen
    und vernetzen
  • Vorgehen und Unterrichtsplanung
  • Chancen der längerfristigen Arbeit mit Wiki 

Mit dem Wiki Gelerntes wiederholen und vernetzen

Vor dem Abitur heißt es Lernen und Wiederholen
Wenn es auf das Abitur zugeht, liegen in der Schulbibliothek die Lernhilfen der verschiedenen Verlage bereit, und in vielen Kursen wiederholen die Schülerinnen und Schüler wichtige Themen der Qualifikationsphase in Referaten. Für die Lehrkraft ist das – idealerweise – so etwas wie ein "Erntedankfest", bei dem das Gelernte noch einmal vernetzt wird.

Auf der Suche nach Formen und Methoden für die kognitive Strukturierung des Gelernten habe ich die Möglichkeiten von Wiki erprobt und Schülerinnen und Schüler selber Wiki-Artikel verfassen lassen.

Lernen, wie Wikis funktionieren
Sehr schnell – "wikiwiki" – und kinderleicht lernen Heranwachsende, denen das größte öffentliche Wiki, also Wikipedia, vertraut ist, mit Hilfe eines Wiki-Spickzettels (s.u.) selbst Artikel im Wiki-Format zu erstellen. Die Regeln kann man zudem mit Hilfe von Wikipedia auch selber erarbeiten lassen (Registerkarte "Quelltext betrachten").

Ich entschied mich für ein geschlossenes Wiki im passwortgeschützten Arbeitsraum bei rpi-virtuell:
Das ermöglicht den SchülerInnen jederzeit, auch von zu Hause, auf die Artikel zuzugreifen und gemeinsam an einem Wiki-Artikel zu arbeiten. Gleichzeitig sind die Beiträge vor Einsicht und Eingriffen von außen geschützt.

Vorgehen und Unterrichtsplanung

Nach jeder größeren Unterrichtseinheit können die wichtigsten Inhalte und Fragestellungen im Wiki wiederholt, zusammengefasst und in einen größeren Kontext gestellt werden.

Entwickeln einer Gliederung

In meinem Oberstufenkurs sind wir ganz pragmatisch vorgegangen. Nach größeren Unterrichtssequenzen haben wir gemeinsam überlegt:

  • Welche Stichworte, Fachbegriffe usw. sind wichtig?
    Das half uns bei der Gliederung des Artikels und dem Finden von Haupt- und Zwischenüberschriften. Die sind erforderlich, um zeitgleich an einem Artikel zu arbeiten.
  • Wie stehen die verschiedenen Themenbereiche zueinander in Beziehung? Wie lassen sich die Artikel vernetzen?

Das war der Ausgangspunkt für die im Lauf des Schuljahres entstehenden kognitiven Landkarten, die Stichworte und Informationen miteinander vernetzt darstellen.
Das Ergebnis ist eine Art Advance Organizer (s.u.) des Kurses. Dieser
bietet einen Überblick über die Lerninhalte und komprimierte
Information. Denn es steigert den Lernerfolg, wenn die Lernenden die
thematischen Zusammenhänge sehen. Sie können den Lernstoff
dann besser verankern und verknüpfen.

Vorüberlegungen
Vor dem Ausfüllen des Stichwortgerüstes musste überlegt werden:

  • Welche Informationen sind für die Darstellung geeignet und wie können sie leserfreundlich dargestellt werden?
  • Auf welche seriösen Seiten und Artikel können wir beim Erstellen der Artikel zurückgreifen? So wurden die Artikel auch nach außen vernetzt.
  • Welche Qualitätskriterien sollen für das Wiki gelten?
  • Welche Überarbeitungstipps können andere SchülerInnen des Kurses geben? Zum Beispiel wurde schnell deutlich, dass die Geduld, lange Fließtexte in einem Wiki zu lesen, recht gering ist und daher viele Zwischenüberschriften notwendig sind. Prägnanz hat also Vorrang vor Fließtext.

Als Lehrkraft sollte man einplanen, dass die Vorüberlegungen, die Reflexion der ersten Einträge und das Kennenlernen der Technik am Anfang mehr Zeit kostet. Im Lauf des Schuljahres wird die Arbeit an den Wikiseiten dann zum Selbstläufer.

Ausfüllen des Stichwortgerüstes
Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten in kleinen Gruppen gleichzeitig an verschiedenen Artikeln oder gemeinsam an einem Artikel. Zum Beispiel stellte eine Schülerin einen Entwurf ein, ein anderer füllte die Lücken und setzte das Geschriebene fort. Der nächste sah wiederum das vorläufige Ergebnis kritisch durch und regte auf der Diskussionsseite (Registerkarte "Diskussion") zur gemeinsamen Diskussion an.

An den Wiki-Artikeln kann also begleitend immer wieder zur
Ergebnissicherung am Ende von Unterrichtssequenzen gearbeitet werden.
Zum Abitur sind dann die erarbeiteten und miteinander vernetzten Themen
in strukturierter Form abgebildet.
Die Diskussionsseite ermöglicht zudem, zumindest ansatzweise, auch Prozesse der Aneignung zu dokumentieren.

Ideen für die Weiterentwicklung

  • Wenn ich noch einmal mit Schülern Wikis erstellen würde, würde ich schon zu Beginn der 11. Jahrgangsstufe damit beginnen. Ich würde regelmäßig Zeit zur Arbeit an den Wikis einplanen und die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause daran weiterarbeiten lassen.
  • Um die Qualität der Beiträge zu steigern, könnte man Verantwortlichkeiten für Teilaspekte wie sachliche Richtigkeit, Verständlichkeit, Ausdruck, Rechtschreibung festlegen und dafür noch gezielter Feedback durch andere Schülerinnen und Schüler geben lassen.

Chancen der längerfristigen Arbeit mit Wiki

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Arbeit mit dem Seminarwiki viele Vorteile hat.

  • Wikis eignen sich gut, um das kursinterne Wissen zusammenzutragen und zu vernetzen. Die Wiki-Artikel können auch nach außen verlinkt werden und ermöglichen so eine Vernetzung über die schulische Lernumgebung hinaus, z.B. zu kirchlichen Originaldokumenten, zu Selbstdarstellungen von Organisationen usw.
  • Die gemeinsame Arbeit an Wikis erfordert und fördert kooperatives Arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich über die Gliederung der Artikel bzw. die Strukturierung der Informationen einigen. Auch die Auswahl geeigneter Links nach außen muss diskutiert werden, wobei die Diskussionsseite als Protokoll dienen kann.
  • Darüber hinaus fordert die gemeinsame Arbeit an Wikis in vielfältiger Weise zum Feedback heraus, da die Textüberarbeitung einen zentralen Arbeitsschritt darstellt.
  • Nebeneffekt: Die Schülerinnen und Schüler gewinnen einen Einblick in die Möglichkeiten, aber auch die Risiken von Wikis ("Da kann ja jeder einfach was reinschreiben!"). Als Weiterführung kann es lohnend sein, sich mit der Qualitätssicherung von Wikipedia auseinanderzusetzen.

Weiterlesen

  • Wikipedia:
    – Spickzettel zum Ausdrucken: PDF-Datei! – mehr
    – Interne Qualitätssicherung bei Wikipedia – mehr
  • Kersten Reich: Konstruktiver Methodenpool
    Advance Organizer – mehr
  • rpi-Wiki: Wiki
    Lesetipps und Links – mehr

 

Hiltrud Stärk-Lemaire ist Studienrätin für die Fächer Deutsch und Ev. Religionslehre. Nach einigen Jahren an verschiedenen Kölner Gymnasien arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ev.-Theologischen Fakultät Bonn, am Institut für Religionspädagogik.


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