Online-Seminar in der Religionspädagogischen Ausbildung

Ruth Ziemer arbeitet an der Universität Erfurt und hält dort ein religionspädagogisches Einführungsseminar. Im laufenden Semester ist dies ein Online-Seminar in Kombination mit drei Präsenzveranstaltungen in der Uni.

Ruth, wie bist Du auf diese Idee gekommen?
rpi-virtuell und blended-learning setze ich ja bereits in der Schule ein und bin begeistert von dieser Art zu lernen. An der Uni ist Online-Lernen in Religion mein Forschungsschwerpunkt. Deswegen lag es nahe, das religionspädagogische Einführungsseminar als Online-Seminar zu gestalten. Außerdem ersparen sich alle Beteiligten auch einige Fahrtzeiten… 😉

Für wen ist das Seminar gedacht?
Das Seminar richtet sich überwiegend an Lehramtstudierende, gewinnt jedoch zunehmend auch Studentinnen und Studenten anderer Fachbereiche (z.B. Rechts-, Geschichts-, Kommunikationswissenschaften), die Ev. Theologie im Nebenfach studieren. Inhaltlich parallel zum Online-Seminar bieten zwei Kolleginnen ein Seminar mit denselben Inhalten als Präsenzveranstaltung an. Die Studierenden konnten also zwischen einem Präsenz- und einem Online-Seminar auswählen. Alle Teilnehmenden des Online-Seminars haben sich bewusst für diese Form entschieden. Daher gibt es eine hohe Motivation, sich im Online-Seminar zu beteiligen.

Wie arbeitest Du in deinem Seminar?

Gestaltungsaufgabe in der Checkliste der Seminareinheit „Religion als ordentliches Unterrichtsfach mit besonderem Anspruch“

Es gibt drei Präsenzveranstaltungen, die über das Semester verteilt sind. Am Anfang gab es ein Präsenzseminar zur Einführung in die Plattform rpi-virtuell und die Arbeit im Seminarraum. Die beiden noch anstehenden Präsenzveranstaltungen werde ich weitgehend frei von neuen Inhalten und technischen Übungen halten. Hier ist Platz, den intensiven Online-Prozess zu reflektieren und weiterzuführen. Vor allem ist es für die Beziehungsebene der Seminargruppe wichtig, sich als Personen live zu begegnen. In den Zeiten dazwischen arbeiten wir ausschließlich im virtuellen Seminarraum. Im Abstand von sieben bis zehn Tagen (je nachdem wie die Feiertage liegen) stelle ich neue Materialien in den Seminarraum ein. Die Teilnehmenden erhalten eine Checkliste für jede Einheit und im Forum eröffne ich dazu einen Diskussionsstrang. Während der ganzen Zeit arbeiten die Studierenden in Lern-Duos und führen ein persönliches Seminarportfolio. Dieses E-Tool hatte ich vorbereitet und die Studierenden konnten es einfach in den eigenen Bereich kopieren. Im Seminarportfolio werden die Inhalte und Lernprozesse reflektiert und bewertet.

Wie hältst du die Studienmotivation über mehrere Wochen aufrecht?
Zu drei religionspädagogischen Schwerpunkten habe ich Experten in unseren virtuellen Seminarraum eingeladen. Diese Experten begleiten jeweils eine Woche lang eine Forendiskussion mit den Studierenden. So ein Highlight setzt einen besonderen Akzent und hilft, die Spannung über einen langen Zeitraum aufrecht zu halten. Das ist doch toll, wenn ich den Autor eines Buches oder eine Doktorandin zum Thema im Forum treffen kann! Außerdem lebt ein Online-Seminar wie andere Bildungsangebote von einem Wechsel der Medien und Arbeitsimpulse.

In welcher Form wird das Engagement der Teilnehmenden anerkannt?

Ein Flyer als Ergebnis der Gestaltungsaufgabe

Die Teilnahme am Seminar wird uni-üblich bewertet. Weil es ja sehr verschiedene Möglichkeiten zur Aktivität in diesem Blended-Learning-Setting gibt gehen die öffentlichen Aktivitäten und das Seminarportfolio zu jeweils 50 % in die Bewertung ein. Zwischendurch gebe ich den Studierenden eine qualifizierte Rückmeldung per Mail. Anerkennung erhalten die Seminarteilnehmenden jedoch nicht nur von der Seminarleitung. Während des ganzen eLearning-Prozesses geben sich die Studierenden gegenseitig qualifizierte Rückmeldungen im Forum.

Welche Rückmeldungen hast Du bisher bekommen?
Die Präsenzveranstaltung zu Beginn des Seminars hat ein tolles Feedback erhalten und war ein guter Start in das gemeinsame Online-Arbeiten. Die Diskussionen im Forum sind sehr engagiert und die erste Expertin, Frau Prof. Dr. Schulte, war wirklich überrascht, wie tiefgründig im Forum diskutiert wird. Die sozialen Umgangsformen im Netz (Netikette) werden von den Studierenden sehr ernst genommen. In so einem Online-Seminar geht es in erster Linie darum, sich persönlich auf einen Lernprozess mit anderen einzulassen und nicht darum, die Seminarleitung mit Wissen zu beeindrucken. Mein Einblick in die Arbeit der Seminarteilnehmenden ist jedoch begrenzt. Schließlich nehme ich nur die öffentlichen Diskussionen im Forum wahr und werde erst am Ende des Semesters Einblick in die persönlichen Seminarportfolios der Studierenden bekommen.

Dein vorläufiges Resümee?
Für mich ist die Moderation eines solchen Online-Seminars zugleich kräftezehrend und von enormem Gewinn: Kräftezehrend ist der große Zeitaufwand. Jede Woche müssen Materialien und Aufgaben bereitgestellt werden, die eine eigenständige Erarbeitung und Reflexion der Studierenden ermöglichen. Parallel verfolge ich täglich die Diskussionen in den Foren und bin mit einzelnen Studierenden in persönlichem Kontakt. Manche Studierende bedürfen auch motivierender Unterstützung, weil Online-Lernen sehr viel Eigenaktivität verlangt. Es wäre entlastend und bereichernd, so ein Online-Seminar gemeinsam mit anderen Lernbegleitern zu betreuen. Vielleicht kann ich ja künftig Absolventen dieses Seminars für diese Aufgabe gewinnen. Zugleich erlebe ich das Seminar als enormen Gewinn. Ich freue ich mich über die Tiefe der Auseinandersetzungen und die kontinuierliche Beteiligung. Staunend nehme ich wahr, wie eine Gestaltungsaufgabe zu Metareflexionen im Forum führt:

Reflexion im Forum

Danke dir herzlich für das Interview und den Einblick in deine Arbeit!

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