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Zehn GrundsĂ€tze für inklusiven Religionsunterricht

Inklusion ist eine zentrale bildungspolitische Herausforderung, vor die auch der Religionsunterricht gestellt ist. Die fachwissenschaftliche Diskussion wie die didaktisch-methodische Praxisentwicklung haben begonnen und bedürfen einer breiten UnterstĂŒtzung.

Das Comenius-Institut hat eine Projektgruppe „Inklusive Religionslehrerbildung (inreb)“ gebildet, die an Modulen für eine inklusive Religionslehrerbildung arbeitet. Ein Ergebnis des intensiven Verständigungs- und Diskussionsprozesses innerhalb der Projektgruppe sind die folgenden GrundsĂ€tze, die auch für die Erarbeitung der Module eine wichtige Orientierung und Leitlinie sind. Wir stellen die Grundsätze hiermit der interessierten Fachöffentlichkeit zur VerfĂŒgung.
Die GrundsĂ€tze beschreiben didaktische und methodische Aspekte eines inklusiven Religionsunterrichts. Damit kommt ihnen eine Scharnierfunktion zu: Sie wollen Inklusion in Schule und Unterricht als realisierbare Praxis etablieren, indem konzeptionelle Ansprüche auf einer mittleren Ebene als methodisch-didaktische Merkmale und Indikatoren eines inklusiven Religionsunterrichts operationalisiert werden.
Die Grundsätze orientieren sich bewusst am „Index für Inklusion (PDF)“. Dieser hat sich allgemein als Instrument inklusiver Schul- und Unterrichtsentwicklung bewährt. In Aufnahme seines Ansatzes kann sich der Religionsunterricht als anschlussfĂ€hig an die allgemeine pĂ€dagogische Diskussion erweisen. Der Index für Inklusion beschreibt drei grundlegende Dimensionen für eine inklusive Schulentwicklung: a) Inklusive Kulturen schaffen, b) Inklusive Strukturen etablieren, c) Inklusive Praktiken entwickeln. Diese drei Dimensionen werden in den Grundsätzen speziell auf den inklusiven Religionsunterricht bezogen.
Jeder Grundsatz wird jeweils durch didaktisch-methodische Merkmale („Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass …“) sowie Indikatoren („Das erkennt man daran, dass …“) erläutert bzw. operationalisiert.
Den Grundsätzen liegt ein erweitertes VerstĂ€ndnis von Inklusion zugrunde. Sie gehen davon aus, dass jedes Kind sowie jede/r Jugendliche/r besonders sind und über individuelle Fähigkeiten, Kenntnisse, Lernmöglichkeiten, biografische Hintergründe, BedĂŒrfnisse verfügen und zu respektierende Grenzen haben. HeterogenitĂ€t ist in Lerngruppen immer schon gegeben. Die bildungspolitisch aktuelle Kategorie „Behinderung“ ist eine von mehreren Differenzkategorien. Im Rahmen dieser Grundsätze und des Projekts „Inklusive Religionslehrerbildung“ sind vor allem die Kategorien „Dis/ Ability“, sozialer Status, Kultur/ Religion und Gender im Blick.
Wir veröffentlichen hier ein Dokument aus einem laufenden Arbeitsprozess und verbinden damit die Hoffnung, dass sie die Diskussion beleben und die Praxis des inklusiven Religionsunterrichts weiterentwickeln helfen. Entsprechend können die GrundsĂ€tze gerne an interessierte Lehrkräfte, Akteur_innen in der religionspädagogischen Aus- und Fortbildung sowie an bildungspolitisch Verantwortliche weitergegeben und an geeigneter Stelle veröffentlicht oder verlinkt werden. Wir wünschen uns eine kritische Diskussion und sind gespannt auf weitere Beiträge und Anregungen. Eine Diskussion der Grundsätze und der bis dahin eingegangenen Rückmeldungen findet im Rahmen der bundesweiten Fachtagung für Fortbildner_innen „Auf dem Weg zu einem inklusiven Religionsunterricht“ vom 20.–21. Oktober 2014 in Münster statt.

Rückmeldungen bitte an:

Dr. Annebelle Pithan, Pithan@comenius.de

Dr. Rainer Möller, Moeller@comenius.de

“Zehn GrundsĂ€tze fĂŒr inklusiven Religionsunterricht” (PDF)
www.cimuenster.de

3. Im inklusiven Religionsunterricht werden Barrieren für das Lernen und die Teilhabe aller am Unterricht Beteiligten erkannt und verringert.

3. Im inklusiven Religionsunterricht werden Barrieren für das Lernen und die Teilhabe aller am Unterricht Beteiligten erkannt und verringert.

Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass


  • religiöses Lernen für alle ermöglicht wird und unterschiedliche Zugangsweisen angeboten werden.
  • die unterschiedlichen Erfahrungen und sozial-biografischen HintergrĂŒnde aller Schüler_innen in den Unterrichtsmedien widergespiegelt werden.
  • notwendige Hilfsmittel und Assistenz bereitgestellt werden, z.B. Texte in leichter Sprache , Anybookreader, Talker, Sehhilfen.
  • ein konstruktiver Umgang mit subjektiven Blockaden
    gesucht wird.
  • der Aufbau von Beziehungen ermöglicht und gefördert wird.

Das erkennt man z.B. daran, dass im Unterricht 


  • alle am Unterrichtsgeschehen
    beteiligt sind.
  • alle Möglichkeiten erhalten und praktizieren, diskriminierende und ausgrenzende Erlebnisse zu kommunizieren.
  • alle sich mit ihren unterschiedlichen religiösen Lern- voraussetzungen konstruktiv in den Unterricht einbringen.