Der Messias zwischen Juden, Christen und Muslimen

Rz-Witte-MessiasMarkus Witte (Hg.): Der Messias im interreligiösen Dialog.
Christliche, j√ľdische und islamische Stimmen
aus Vergangenheit und Gegenwart.

Studien zu Kirche und Israel. Neue Folge (SKI.NF), 9
— Leipzig: EVA 2015, 159 S.,
Thematische Abbildungen von Mareike E. Kaiser, Register
— ISBN 978-3-374-04054-4 —

J√ľdische und christliche Sichtweisen und Auseiandersetzungen zum Messiasproblem bestimmen das vorliegende Buch ‚Äď und die Debatte wird zu recht auch noch auf den Islam ausgeweitet.
Hier werden wichtige Perspektiven zu interreligi√∂sen Chancen und Hinderungsgr√ľnden f√ľr die Diskussion um den Messias in den drei monotheistischen Religionen aufgezeigt. Christlicherseits muss aber wohl darauf geachtet werden, dass die gegenw√§rtige-dialogische Herausforderung nicht historisierend aus dem Blick ger√§t und dann doch christologisch orientierte Messiasverst√§ndnisse die Debatte dominieren. Interessant w√§re es gewesen, hier auch eine original islamisch-theologische Stimme zu h√∂ren.

Insgesamt eine lohnende Lekt√ľre!

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

 Reinhard Kirste

Rz-Witte-Messias, 18.08.2015   Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats M√§rz 2014: Leuchtpunkte j√ľdischer Philosophie

Rz-Starobinski-Jud-PhilEsther Starobinski-Safran: Essais de philosophie juive.
Paris: Albin Michel 2014, 256 S. — ISBN 978-2-226-25387-3 —

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Die j√ľdische Philosophie spielt seit der Antike eine wesentliche Vermittlungsrolle im Mittelmeerraum. Sie hat auch wichtige Impulse f√ľr die Geisteskultur Europas und Deutschlands gesetzt. Esther Strarobinski-Safran, Tochter des Hauptrabbiners Alexandre Safran von Genf (1910-1948),¬†¬† steckt mit den vorliegenden Essays entwicklungsgeschichtlich entscheidende Markierungspunkte der j√ľdischen Philosophie in 20 Jahrhunderten ab. Diese haben auch die politische Geschichte zum Teil nachhaltig beeinflusst.
Das Erstaunliche eines solchen Ganges am ‚ÄěGel√§nder‚Äú gro√üer j√ľdisch-philosophische Protagonisten sind die die Konvergenzen der hier vertretenen DenkerInnen ‚Äď und dies trotz gro√üer Zeitunterschiede. Diese Beziehungsn√§he bewegt sich im Spannungsfeld von Vernunft und Offenbarung unter den philosophisch-theologischen Voraussetzungen des Monotheismus und in Bezug auf Einheit und Einzig(artig)keit Gottes.

Sie stellt im Einzelnen vor:
Philo von Alexandrien (um 15 v. Chr. bis ca. um 40 n. Chr.), das Buch Keter Malkhut (= die Krone des K√∂nigtums) von Ibn Gabirol (1021/22‚Äď1057), Moses Maimonides (1135/1138 –¬† 1204 in Kairo), Benedikt (Baruch) Spinoza¬† (1632‚Äď1677), Hermann Cohen (1842‚Äď1918), Hannah Ahrendt (1906‚Äď1975), Moses Mendelssohn (1729-1786),¬† Franz Rosenzweig (1886‚Äď1929), Eugen Rosenstock-Huessy (1888‚Äď1973), Martin Buber (1878‚Äď1965 , Emmanuel Levinas (1906‚Äď1995),¬†¬† Alexandre Safran (1910‚Äď2006) und Abraham Joshua Heschel (1907‚Äď1972)

Dieses Buch ist keine systematische Philosophiegschichte; es sind bewusst Essays. Aber diese Auswahl wirkt wie eine historische Lichterkette, deren Leuchtpunkte j√ľdische Philosophinnen und Philosophen sind, die in der Spannung von Vernunft und Offenbarung ein Gottesbild zeichnen, in dem Grenzen √ľberschreitende Barmherzigkeit und Liebe im Zentrum des Denkens steht. Hier er√∂ffnen sich interreligi√∂se Horizonte, zu denen j√ľdische Denker seit der Antike Wesentliches beigetragen haben. Es w√§re sch√∂n, wenn es dieses Buch auch als deutsche √úbersetzung g√§be.

Reinhard Kirste


Rz-Starobinski-Jud-Phil, 28.02.14      Creative Commons-Lizenz

Jesus, der Jude und die Chancen f√ľr den Trialog

Jesus-J√ľd-ChristlDer evangelische Pfarrer Rudolf Krause hat ein kleines Materialheft –  J√ľdische Jesusbilder – zusammengestellt.
Den gesamten Aufsatz als Download: hier

So beschreibt er √ľbersichtlich, was folgende j√ľdische Forscher √ľber Jesus denken:
Schalom Ben-Chorin, Geza Vermes, Jacob Neusner, Joseph Klausner, Martin Buber, Leo Baeck, Pinchas Lapide, David Flusser und Hans Joachim Schoeps.
Es entsteht ein facettenreiches, keineswegs einheitliches Bild auf den Juden Jesus. Das Christentum begann erst im 20. Jahrhundert, Jesus in seiner “J√ľdischkeit” zu akzeptieren. Zugleich zeitigt die “Heimholung Jesu ins Judentum” auf j√ľdischer Seite bemerkenswerte dialogische Ergebnisse.

 

Material zur Weiterarbeit:

Das “Auseinandergehen der Wege” von Christentum und Judentum (S. 22) und die Ausbildung einer durchaus auch antij√ľdisch gepr√§gten Theologie n√∂tigen dringend zur Revision. Dazu gibt es auf christlicher Seite eine Reihe von beachtlichen Ans√§tzen, der umfassendste wohl von Friedrich Wilhelm Marquardt (1928-2002), dem Sch√ľler von Helmut Gollwitzer.

Rudolf Krause macht ebenfalls eigene Vorschl√§ge zur bewussten Wahrnehmung des Juden Jesus im christlichen Glauben. Ob eine strengere monotheistische Neuformulierung der Trinit√§tslehre nach Paul Tillich und eine st√§rkere symbolische Auslegung der Inkarnation wirklich eine Br√ľcke bilden k√∂nnen, sei dahingestellt. Es m√ľsste sicher noch ausf√ľhrlicher nicht nur √ľber die “bleibende” Erw√§hlung Israels, sondern auch √ľber die Problematik des Erw√§hlungsbegriffs √ľberhaupt nachgedacht werden. Vergessen wir nicht: Der j√ľdische Erw√§hlungsgedanke ist systematisch von der christlichen Dogmatiken usurpiert worden.
Der Weg zu weiterer Ann√§herung an den j√ľdischen Jesus muss darum weiterhin konsequent beschritten werden. Rudolf Krause hat dazu thesenhaft nachdenkenswerte Vorschl√§ge gemacht, die sicher auch Widerspruch herausfordern. DieVielfalt der Religionen fordert dazu heraus, nicht nur √ľber die beiden Heilswege von Juden und Christen nachzudenken, sondern sich auf eine Pluralit√§t des Heils einzulassen.
Daf√ľr ist es sicher erweiternd sinnvoll, angesichts der zweiten monotheistischen Religion, dem Islam, die gewachsenen Differenzen und Verunglimpfungen der Glaubensbr√ľder und Glaubensschwestern noch genauer zu untersuchen und durch die vertiefende Arbeit an den un√ľbersehbaren Gemeinsamkeiten die friedvolle Dreierbegegnung, den “Trialog”, voranzubringen.

Vgl. dazu besonders den Beitrag des spanischen Religionswissenshaftlers
Míkel de Epalza: Jesus zwischen Juden, Christen und Muslimen (2002/2012):
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— Rezensionen zum Buch: hier