Buch des Monats Januar 2015: Eine √Ąrztin in Pakistan

Rz-Pfau-LepraRuth Pfau: Leben ist anders. Lohnt es sich? Und wof√ľr?
Bilanz eines abenteuerlichen Lebens

Freiburg u.a.: Herder 2014, 256 S. — ISBN 978-3-451-33289-0 —

Pakistan wird immer wieder von Terrormeldungen und Selbstmordattentaten ersch√ľttert. In diesem Buch zieht die Ordensschwester und¬† √Ąrztin Ruth Pfau Bilanz, indem sie nach dem Sinn des eigenen Lebens und nach dem Sinn eines (christlichen) Engagements f√ľr den N√§chsten fragt. Die Begegnung mit Leprakranken in einem Elendsviertel in Karachi wurde f√ľr ihr Leben bestimmend. Die Gr√ľndung des Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) wurde schlie√ülich in Pakistan zu einer anerkannt herausragenden Gesundheitsinstitution. Hinzu kamen ein Kontrollprogramm zur Eind√§mmung der Tuberkulose und Gesundheitsinititiven gegen die in Pakistan verbreitete Blindheit.

Ihre ‚ÄěArbeit am Menschen‚Äú hat zugleich eine interreligi√∂se Komponente. Sie merkte gerade in dem von vielen religi√∂sen und ethnischen Spannungen gepr√§gten Pakistan, wie schnell Hass und Gewalt aufkommen.¬† Ruth Pfau hat immer gr√∂√üten Wert darauf gelegt, unbewaffnet zu sein, weil Waffen Konflikte nur versch√§rfen (S. 160). Ihr Vorbild ist Jesus. Wie er mit den Kranken und Ausgegrenzten umging, ist ihr immer wieder Mut machendes Vorbild. So erf√§hrt ihre Sicht des Glaubens eine konfessionelle Entgrenzung.¬†

Angesichts der brutalen Konflikte weltweit, aber auch im Zusammenhang mit den vielen furchtbaren Anschlägen in Pakistan selbst, wird ihr Buch zu einem ermutigenden Friedenszeugnis. Diese Lebensbilanz lädt zum helfenden Eingreifen ein, wo immer Menschen durch Krankheit, Armut oder Verfolgung bedroht sind.

Ausf√ľhrliche Beschreibung des Buches: hier

Reinhard Kirste

Rz-Pfau-Lepra, 31.12.14   Creative Commons-Lizenz

Christentum und Islam РTheologische Verständigungswege

Rz-Heine-christl-islamSusanne Heine / √Ėmer √Ėzsoy / Christoph Schw√∂bel / Abdullah Takim (Hg.):
Christen und Muslime im Gespräch.
Eine Verst√§ndigung √ľber Kernthemen der Theologie.

G√ľtersloh: G√ľtersloher Verlagshaus¬† (Random House) 2014, 384 S.,
Zeittafel, ausf√ľhrliches Register — ISBN 9783579081793 —

Das vorliegende umfangreiche Buch wurde in einem christlich-islamischen Gespr√§chsprozess von theologischen Fachleuten beider Religionen √ľber mehrere Jahre hin entwickelt.

Das Buch spiegelt die dialogische Zusammenarbeit mit dem Ziel, ein sachgem√§√ües Verstehen des Anderen anzubahnen sowie Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten im Blick auf Christentum und Islam zu verdeutlichen. Das Profil dieses Bandes zeichnet sich weiterhin dadurch aus, dass dieser Gespr√§chsprozess unabgeschlossen ist. Dadurch, dass man so intensiv nicht √ľbereinander, nicht nacheinander, sondern miteinander redete, ist m.E. jedoch mehr als eine dialog-theologische Zwischenbilanz zu den ‚ÄúKernthemen der Theologie‚Äú entstanden. Durch das ausf√ľhrliche Register gewinnt dieses Buch den Charakter einer Orientierungshilfe, die man/frau immer wieder zu bestimmten Themen und aktuellen Konflikten im Blick auf scheinbar oder anscheinend ‚Äětypische‚Äú christliche oder islamische Verhaltensweisen oder gesellschaftliche Konflikte gut heranziehen kann.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Reinhard Kirste,

Rz-Heine-christl-islam, 15.12.14     Creative Commons-Lizenz

Erbarmen – ein Wort der Lebensorientierung

Rz-Praetorius-ErbarmenIna Praetorius: Erbarmen.
Unterwegs mit einem biblischen Wort
G√ľtersloh: G√ľtersloher Verlagshaus 2014, 128 S.
— ISBN: 978-3-579-08183-0

Dies ist ein meditatives Buch, das sich in großer interreligiöser Offenheit auf Erbarmen, Barmherzigkeit und Gnade einlässt. Es sind alte Worte, wie man sie in verschiedenen Variationen in der Hebräischen Bibel, im Neuen Testament und im Koran findet und die geradezu eine gemeinsame spirituelle Basis der drei monotheistischen Religionen bilden. Es ist diese Barmherzigkeit Gottes, die das eigene Handeln steuert.

Die Autorin, die Schweizer Theologin Ina Praetorius (geb. 1956) liebt diese altmodischen Wörter, weil sie einen achtungsvollen Bezug zu den Menschen vor uns herstellen. Zugleich bringen Worte etwas von dem Grund zum Klingen, auf dem menschliches Vertrauen und Hoffnung wächst.

Auf ihrer Homepage (http://www.inapraetorius.ch/d/ina-praetorius.php) beschreibt sie, dass ihr diese ‚Äěalten‚Äú W√∂rter zu einer Lebensbasis geworden sind:

Ich habe W√∂rter wie “Gott”, “Liebe” oder “Jesus Christus” geschenkt bekommen, um mich in der Welt orientieren und meinem Leben einen Sinn geben zu k√∂nnen.

Ina Praetorius hat bereits eine Reihe von B√ľchern eher essayistischen Charakters ver√∂ffentlicht ‚Äď zum Geb√§ren und Geborenwerden, zum Glaubensbekenntnis und zum Gottesverst√§ndnis. Mit anderen zusammen fragte sie nach dem ABC des guten Lebens. Die Frauenbewegung und die Genderproblematik liegen ihr besonders am Herzen, um daraus ethisch notwendige Ver√§nderungen (auch politisch) einzufordern. Ihre Dissertation (2003) betraf: Anthropologie und Frauenbild in der deutschsprachigen protestantischen Ethik seit 1949.

Bei den 11 Kapiteln ihres neuesten B√ľchleins handelt es sich um kleine Erlebnisse, Geschichten, kleine Schl√ľsselerfahrungen aus dem eigenen Leben. Sie werden unter dem Licht des g√∂ttlichen Erbarmens angesprochen und stehen jeweils unter einer biblische Leitlinie. Das sind kurze Texte, die dem Alten und Neuen Testament entnommen sind. So werden Erinnerungen aus dem unmittelbaren Lebensumfeld, aber auch nachdenklich machende (gro√üe) Reisen aufgearbeitet. Die Theologin stellt exegetische Einseitigkeiten in Frage und findet dadurch auch Durchbr√ľche, um biblische Verse f√ľr den Alltag pers√∂nlich und auch politisch relevant zu aktualisieren. So finden Abschiede von herk√∂mmlichen, besonders patriarchalisch gepr√§gten Gottesbildern statt, und gesellschaftliche Missst√§nde werden deutlich angesprochen. Ina Praetorius bietet keine fertigen Antworten, es sind vielmehr Suchbewegungen. Sie sind keineswegs ziellos, denn sie geschehen im Vertrauen auf die unbedingte g√∂ttliche Zuwendung.

Die Reflexionen von Fremdheit und N√§he im Hier und im ‚ÄěAnderswo‚Äú k√∂nnen zu Hoffnungsformulierungen auf eine(Geschlechter) gerechte und friedvolle Zukunft werden. Die Autorin ist der Wirkkraft des Erbarmens auf der Spur. Und offensichtlich gibt es immer wieder Zeichen, die diese ver√§ndernde Kraft des Erbarmens best√§tigen und eine neue Sicht auf das eigene ‚ÄěGef√ľhrtwerden‚Äú erm√∂glichen. Hier geht es aber nicht nur um die eigene seelische Stabilisierung, sondern auch um die Zuwendung zum N√§chsten. Diese ‚ÄěHerzensangelegenheit‚Äú der Autorin kann den Lesenden f√ľr die eigene Sinnorientierung als Hilfestellung dienen.

Reinhard Kirste

Rz-Praetorius-Erbarmen, 28.10.14    Creative Commons-Lizenz

Die Frage nach Gott im Kinderbuch

Rz-Brenifier-GottOscar Brenifier und Jacques Després: Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?
Stuttgart: Gabriel-Verlag (Thienemann) 2013, 32 S., Abb., Jugendsachbuch, geeignet f√ľr Kinder ab 12 Jahren
— ISBN 978-3-522-30345-3 —
Das mit kurzen Texten untermalte Bilderbuch reflektiert bzw. erörtert auf kinderfreundliche Art und Weise die Frage nach Gottes Existenz. Es geht hierbei nicht darum, einen Gottesbeweis oder eine Gotteskritik zu formulieren, sondern vielmehr die sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen präsenten Fragen, wie beispielsweise ‚Ist Gott mächtig oder machtlos? Sind Gott und Allah identisch?’, offen zu legen und generell zum Diskutieren und Nachdenken anzuregen.
In zw√∂lf gegens√§tzlichen Illustrationen und Aussagen versucht Brenifier eine Aussage dar√ľber zu treffen, was wir glauben bzw. nicht glauben und besonders wozu wir glauben.

Das Buch ist weder katholisch, noch evangelisch, weder schiitisch, noch sunnitisch, auch nicht humanistisch oder buddhistisch, sondern pr√§sentiert sich als konfessions√ľbergreifendes religionsphilosophisches Kinderbuch.
Obwohl der Titel erst 2013 veröffentlicht wurde, hat Brenifiers “Bilderbuch“ bereits eine Vielzahl an Preisen gewonnen, so u.a. den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
Die Illustrationen √ľbertragen die sprachlich treffend formulierten Gegens√§tze in eine gleichsam treffende Bildsprache, indem die Bilder √§hnlich simpel und konkret wirken wie die Texte.
Die Aussagen dar√ľber, welche kontr√§ren Vorstellungen von Gott existieren, bestechen durch ihren einfachen und pr√§zisen Charakter. Die 12 formulierten Gegens√§tze begegnen sich mit einer Offenheit, die sich in allen Perspektiven gemeinsam finden: Sie wollen Antworten auf Fragen des menschlichen Lebens geben. Es ist die Suche nach diesen Antworten, die jeder Sichtweise bzw. Vorstellung ihre Berechtigung erteilt und die Sehnsucht des Menschen nach Erkl√§rungen seines Selbst in der Welt in den Mittelpunkt stellt.
Damit regen die Worte zum Nachdenken, Zweifeln und zu einer Auseinandersetzung mit religi√∂ser Vielfalt an. Richtig und falsch werden nicht gegeneinander gesetzt, sondern ein Diskurs, ein Nachdenken und ‚ÄěSich-Austauschen‚Äú wird angeregt. Gleichzeitig wird aber auch die Entfernung der einzelnen Positionen zum Ausdruck gebracht, die mitunter zu weit auseinander liegen, um sich in einer Art ‚ÄěKompromiss‚Äú treffen zu k√∂nnen.
Sowohl Text und Bild schaffen in ihrer Komposition einen sehr gelungenen, ansprechenden Zugang zu der Frage nach Gott, die eine Pluralität an Antworten eröffnet und diese gleichberechtigt nebeneinander stellt.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

 Rezension von Anna Cristina Paldino und Jost Benedikt Rudloff
im Rahmen des Seminars ‚ÄěInterreligi√∂se Horizonte‚Äú
TU Dortmund, Sommersemester 2014

 

Rz-Brenifier-Gott, 24.04.14    Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats M√§rz 2014: Leuchtpunkte j√ľdischer Philosophie

Rz-Starobinski-Jud-PhilEsther Starobinski-Safran: Essais de philosophie juive.
Paris: Albin Michel 2014, 256 S. — ISBN 978-2-226-25387-3 —

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Die j√ľdische Philosophie spielt seit der Antike eine wesentliche Vermittlungsrolle im Mittelmeerraum. Sie hat auch wichtige Impulse f√ľr die Geisteskultur Europas und Deutschlands gesetzt. Esther Strarobinski-Safran, Tochter des Hauptrabbiners Alexandre Safran von Genf (1910-1948),¬†¬† steckt mit den vorliegenden Essays entwicklungsgeschichtlich entscheidende Markierungspunkte der j√ľdischen Philosophie in 20 Jahrhunderten ab. Diese haben auch die politische Geschichte zum Teil nachhaltig beeinflusst.
Das Erstaunliche eines solchen Ganges am ‚ÄěGel√§nder‚Äú gro√üer j√ľdisch-philosophische Protagonisten sind die die Konvergenzen der hier vertretenen DenkerInnen ‚Äď und dies trotz gro√üer Zeitunterschiede. Diese Beziehungsn√§he bewegt sich im Spannungsfeld von Vernunft und Offenbarung unter den philosophisch-theologischen Voraussetzungen des Monotheismus und in Bezug auf Einheit und Einzig(artig)keit Gottes.

Sie stellt im Einzelnen vor:
Philo von Alexandrien (um 15 v. Chr. bis ca. um 40 n. Chr.), das Buch Keter Malkhut (= die Krone des K√∂nigtums) von Ibn Gabirol (1021/22‚Äď1057), Moses Maimonides (1135/1138 –¬† 1204 in Kairo), Benedikt (Baruch) Spinoza¬† (1632‚Äď1677), Hermann Cohen (1842‚Äď1918), Hannah Ahrendt (1906‚Äď1975), Moses Mendelssohn (1729-1786),¬† Franz Rosenzweig (1886‚Äď1929), Eugen Rosenstock-Huessy (1888‚Äď1973), Martin Buber (1878‚Äď1965 , Emmanuel Levinas (1906‚Äď1995),¬†¬† Alexandre Safran (1910‚Äď2006) und Abraham Joshua Heschel (1907‚Äď1972)

Dieses Buch ist keine systematische Philosophiegschichte; es sind bewusst Essays. Aber diese Auswahl wirkt wie eine historische Lichterkette, deren Leuchtpunkte j√ľdische Philosophinnen und Philosophen sind, die in der Spannung von Vernunft und Offenbarung ein Gottesbild zeichnen, in dem Grenzen √ľberschreitende Barmherzigkeit und Liebe im Zentrum des Denkens steht. Hier er√∂ffnen sich interreligi√∂se Horizonte, zu denen j√ľdische Denker seit der Antike Wesentliches beigetragen haben. Es w√§re sch√∂n, wenn es dieses Buch auch als deutsche √úbersetzung g√§be.

Reinhard Kirste


Rz-Starobinski-Jud-Phil, 28.02.14      Creative Commons-Lizenz

Die Trinitätslehre im christlich-islamischen Dialog

Rz-Tatari-Stosch-TrinitätMuna Tatari / Klaus von Stosch (Hg.):
Trinit√§t ‚Äď Ansto√ü f√ľr das christlich islamische Gespr√§ch
.
Beiträge zur Komparativen Theologie Band 7. Paderborn u.a.: Schöningh 2013, 268 S., Personenregister
— ISBN 978-3-506-77538-2 —

In der Begegnung zwischen Christentum und Islam scheint die christliche Trinit√§tslehre eine beachtliche Hemmschwelle f√ľr die islamische-christliche Ann√§herung zu sein. In der Dreieinigkeit/Dreifaltigkeit findet eine besondere Ausdifferenzierung des christlichen Gottesverst√§ndnisses statt, die es so im Neuen Testament noch nicht gab. Wenn nun verschiedene Religionen ins Gespr√§ch kommen, werden Anst√∂√üe und Ann√§herungen in den unterschiedlichen  Gottesverst√§ndnissen deutlich . Wenn man also die ‚ÄěAufgefaltetheit‚Äú des christlichen Gottesglaubens vergleichend in die Religionen √ľbergreifende Debatte einbringt, erhebt sich die Frage: Welchen Gewinn hat davon der christlich-islamische Dialog? Diesen Fragen und Schwierigkeiten gehen christliche udn islamsiceh Autoren Buch ausf√ľhrlich nach, ohne schon abgesicherte Antworten bereit zu haben.

Weiter zur ausf√ľhrlichen Beschreibung: hier

                                                                                                                                                                                       Reinhard Kirste

                                                                                                                         Rz-Tatari-Stosch-Trinit√§t, 16.12.13  Creative Commons-Lizenz

Islam und interreligiöses Lernen

Rz-Islam-bpbBundeszentrale f√ľr politische Bildung (Hg.): Islam. Politische Bildung und Interreligi√∂ses Lernen.
Arbeitshilfen f√ľr die politische Bildung.
Bonn 2002-2006, 8 Module (in 5 Material-Lieferungen), mit dem vollständigen Bild- und Textmaterial auf CDs.
Wissenschaftliches Autorenteam
‚Äď Projektleitung: Wolfgang B√∂ge, J√∂rg Bohne;
f√ľr die bpb: Franz Kiefer (verantwortlich)

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Seit mehr als sechzig Jahren hat die Bundeszentrale f√ľr politische Bildung das Anliegen, den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen zu erm√∂glichen. Dabei dient die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen vor allem dazu, um Vorurteile abzubauen, damit Verst√§ndigung und ein interreligi√∂ser Dialog √ľberhaupt stattfinden kann. Das gestellte Material zum Islam von der bpb ist √ľbersichtlich und strukturiert aufgebaut. Durch einleitende Kommentare oder orientierende Briefe wird der Leser mit den Intentionen der Autoren vertraut gemacht, so dass ein Einstieg in die Thematik leichter gelingt. Die Inhalte √ľberzeugen durch Vollst√§ndigkeit und umfangreiche Zusatzinformationen, sowie detaillierte Definitionen von eher unbekannten Begriffen aus dem Islam. Neben diesen Definitionen werden auch Karikaturen und Bilder abgedruckt, so dass man zwischen verschiedenen Zug√§ngen zur Thematik w√§hlen kann. Besonders gut eignen sich die Materialhefte und die CDs als Nachschlagewerk f√ľr Lehrer- und Lehrerinnen sowie an Religion interessierte Menschen.

Die Materialien sind nach Jahrgangsstufen sortiert und erm√∂glichen so eine unkomplizierte Art der Unterrichtsvorbereitung. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die reichhaltigen Materialhefte und CDs zum Islam eine wirklich gelungene Informationsquelle sowie ein Nachschlagewerk f√ľr (angehende) Lehrer/innen ist. Neben den f√§cher√ľbergreifenden Themen √ľberzeugen die Inhalte zudem mit ziemlicher Vollst√§ndigkeit und √ľbersichtlicher Klarheit.

Katja Niederbiermann
im Rahmen des Seminars Vielfalt des Islam
im Wintersemester 2013/2014 an der TU Dortmund

TU-DO/WiSe 2013/2014/Rz-Islam-bpb, 03.12.13    Creative Commons-Lizenz

 

 

 

 

 

 


[1]    Im Folgenden bpb genannt.

[2]¬†¬† Thomas Kr√ľger,CD 1, Vorwort S.3

[3]   CD 1, S. 12

[4]   CD 1, S. 14

[5]   CD 1, S. 52

[6]   CD 2, Vorwort an die Kollegen und Kolleginnen, S. 88

[7]   Materialien zu finden unter http://www.bpb.de/shop/

Im √úberschneidungsfeld von Theologie und Literatur: Die Bachl-Lectures

Gregor Rz-Hoff-Winkler_PoesieMaria Hoff / Ulrich Winkler (Hg.):
Poesie der Theologie:
Versuchsanordnungen zwischen Literatur und Theologie.
Bachl-Lectures 2007-2011 

Salzburger Theologische Studien Bd. 45. Innsbruck-Wien: Tyrolia 2012. 179 S.
— ISBN 978-3-7022-3192-7—

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Der katholische Dogmatiker und √Ėkumeniker Gottfried Bachl (geb. 1932 in Linz) geh√∂rt zu den weniger bekannten, aber doch wichtigen Theologen im deutschsprachigen Raum, weil er praktische Erfahrung und wissenschaftliche Theologie in vielf√§ltiger Weise miteinander verbindet. So hat er sich nicht nur mit seinen theologiegeschichtlichen Ver√∂ffentlichungen einen Namen gemacht, sondern auch mit seinem engen Bezug zur Literatur. Die Salzburger Universit√§t hat es unternommen, die Mehrzahl der sog. Bachl-Lectures zum 80. Geburtstag von Gottfried Bachl zu dokumentieren. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop zwischen Theologie, Liturgie und Poesie. Damit wird zugleich ein Signal gesetzt, dass der religi√∂se Bereich st√§ndige Ver√§nderungen braucht, um durch unterschiedliche Sichtweisen, auch bewusste Irritationen, Glauben heute √ľberzeugend zu leben.

Dieses Buch macht √ľberzeugend deutlich, wie notwendig das Gespr√§ch zwischen Theologe und Literatur ist und unbedingt bleiben muss. Theologie lebt von der Sprache, darum braucht sie die Literatur. Dorothee S√∂lle h√§tte sicher ‚Äď wie immer eigenst√§ndig ‚Äď mit eingestimmt.

Reinhard Kirste

 

                                                                                                                       Rz-Hoff-Winkler_Poesie, 06.10.13    Creative Commons-Lizenz

 

Buch des Monats Februar 2013: Islam ist Barmherzigkeit

Rz-Khorchide-islamMouhanad Khorchide: Islam ist Barmherzigkeit.
Grundz√ľge einer modernen Religion.

Freiburg u.a.: Herder 2012, 220 S. — ISBN 978-3451305726 —

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

 

Der Autor, Professor f√ľr Islamische Religionsp√§dagogik und Leiter des Zentrums f√ľr Islamische Theologie an der Universit√§t M√ľnster, versucht mit diesem Buch, einen positiven Akzent in die oft von Vorurteilen und Verd√§chtigungen gepr√§gte Islam-Debatte zu bringen.
So  unterscheidet der Theologe sehr genau, was viele Muslime als Glaubenspraxis verinnerlicht haben und was der Koran wirklich intendiert.

Zum einen ist der Koran unter bestimmten zeitlichen Bedingungen entstanden, die man nicht einfach negieren kann. Zum Andern muss heute Auslegung den jeweiligen Kontext ber√ľcksichtigen. Zum Dritten muss nach dem hermeneutischen Leitmotiv f√ľr die Koran-Interpretation gefragt werden. Sorgsame Exegese belegt, dass dies offensichtlich die Barmherzigkeit ist. Positiv formuliert hei√üt das, dass der Islam eine Religion ist, die den Menschen nicht in ein enges Regel-Joch spannt, sondern ihn befreit, als vor und f√ľr Gott Verantwortlicher in dieser Welt zu leben.

Angesichts der immer noch g√§ngigen dogmatisch engen Auslegung des Korans wagt Khorchide den Durchbruch zu einer menschenfreundlichen Koran-Hermeneutik. Dies ist ein ermutigendes Hoffnungszeichen im oft polemisch belasteten christlich-islamischen Dialog. Dieses Buch empfiehlt sich darum nicht nur f√ľr alle am Dialog Interessierten, sondern auch gerade den Islamkritikern als nicht zu negierende Diskussionsbasis.

Vgl. das vom Autor herauagegebene islamische Religionsbuch f√ľr die Grundschule: Miteinander 1/2

Reinhard Kirste
Rz-Khorchide-Islam, 31.01.13

Creative Commons-Lizenz

 

Johannes Paul I. РLächelnder Glaube

Johannes Paul I.: Ein L√§cheln f√ľr jeden Tag. 365 Gedanken.
Herausgegeben von Francesco Taffarel. Aus dem Italienischen von Regina Kummer.Innsbruck-Wien: Tyrolia 2012, 127 S. mit Quellenachweisen

— ISBN 978-3-7022-3189-7

Obwohl das Pontifikat von Johannes Paul I. nur 33 Tage dauerte, hat sich das Gedächtnis an ihn bei vielen Menschen Рauch Nicht-Katholiken Рtief eingeprägt.

Er wurde vor 100 Jahren (1912) als Albino Luciani in der N√§he von Belluno in Norditalien geboren. Sein Weg zum Priester und Bischof f√ľhrte zur Weihe 1935 und 1958 unter Johannes XXIII. zur Einsetzung als Bischof von Vittorio Veneto. 1969 wurde er unter Paul VI. Patriarch von Venedig, schlie√ülich erhielt er 1973 die Kardinalsw√ľrde. 1978 erfolgte seine Papstwahl. Da er als Theologe und Seelsorger immer wieder offene und deutliche Worte fand und sich auch in der Region Venedig sehr mit den sozialen Problemen auseinandersetzte, gab es viele Spekulationen auf eine weitere Liberalisierung im Sinne des 2. Vatikanischen Konzils. √úber seinen Tod nach so kurzer Zeit gibt es bis heute keine v√∂llige Klarheit.

Was aber macht diesen l√§chelnden Papst bis heute so faszinierend? Wer nun das hier vorzustellende B√ľchlein mit 365 nachdenklich machenden Texten zur Hand nimmt, wird es schnell feststellen: Es ist die Kraft, die aus dem√ľtiger Bescheidenheit strahlt, so wie man es am 5. M√§rz (S. 27) und 9. April (S. 37f) lesen kann:

Demut f√ľhrt nicht zu Verzagtheit,  sondern zu Mut und Unternehmungslust,
zu einem hoffnungsvollen Vertrauen auf Gott.

Ohne die Demut sind die andern Tugenden so etwas wie Staub in der hohlen Hand.
Der erste Windhauch verweht sie.

Luciano war ein durchaus belesener und originell schreibender Theologe, wie seine Briefe an gro√üe Pers√∂nlichkeiten der Weltgeschichte von Hippokrates √ľber Maria Theresia bis Carlo Goldoni und seine ‚ÄěAnmerkungen‚Äú √ľber Ehe und Familie beweisen. Aber immer geschah dies in leicht lesbarem, heiterem Stil:

  •  Ihr ergebener Albino Luciani. Briefe an Pers√∂nlichkeiten. M√ľnchen: dtv TB 1594, 1980
  •  Vom Wert der Familie. Graz: Styria 1999Beide B√ľcher sind  nur noch antiquarisch erh√§ltlich.

In der vorliegenden Textzusammenstellung f√ľr jeden Tag des Jahres geht es jedoch weder um geschliffene Worte, √∂ffentlichkeitswirksame Anekdoten oder herausragende Manifeste. Es sind vielmehr Notizen eines Pilgers, die als ‚ÄěBrosamen‚Äú St√§rkung f√ľr den t√§glichen Weg bedeuten. Es sind aber zugleich auch Signale eines Glaubens, ein Hauch g√∂ttlicher Liebeserfahrung und Barmherzigkeit f√ľr alle Menschen. Da werden auch hierarchische Schranken nicht aufbrausend, vielmehr mit zur√ľckhaltend-nachdr√ľcklicher Weisheit in Frage gestellt. Wie sich dies im Einzelnen auswirkt, hat der Herausgeber, pers√∂nlicher Sekret√§r von Albino Luciani w√§hrend seiner Zeit als Bischof von Vittorio Veneto, gewisserma√üen als duftenden Blumenstrau√ü (S. 5) arrangiert. Hier einige Beispiele:

Die Taufe macht lebendig: Die Taufe ist wie das Grab des Herrn: Man ist tot, wenn man hineinkommt, und wenn man es verlässt, ist man mit Christus auferstanden (20. Mai, S. 50).

Das wahrhaft einfache Gottesbild im Menschen gespiegelt: Die Dinge, die wir hier auf Erden lieben, sind etwas Gutes. Aber sie sind nur Tropfen, Brosamen, Bruchst√ľcke des Guten. Gott hingegen ist das Gute! 
(20. September, S. 91)

Ganz reformatorisch ‚Äď Das allgemeine Priestertum der Gl√§ubigen: Auch die einfachen Gl√§ubigen sind Priester. Ihr Priestertum dient nicht dazu, Brot und Wein zu wandeln, sondern den f√ľr uns gestorbenen und auferstandenen Christus darzubringen. 
(5. Oktober, S. 97)

Den Glauben heutig verk√ľnden: Wir d√ľrfen uns nicht an unsere gewohnten Methoden der Glaubensverk√ľndigung klammern. Wenn sie den Glauben als altes Ger√ľmpel erscheinen lassen, dann muss man sie √§ndern
(20. Dezember, S. 122)

Man kann das zum L√§cheln ermunternde B√ľchlein durchaus als einen Pilgerf√ľhrer f√ľr jeden Tag nehmen: Es ist sind ‚Äěnur‚Äú Brosamen, aber mit nachhaltiger Wirkung f√ľr ein glaubw√ľrdiges Christsein!

Reinhard Kirste