√Ėkumenisch gelebtes Christsein – Friedrich W.J. Hasselhoff

Rz-HasselhoffFriedrich W.J.Hasselhoff: ¬ĽMitb√ľrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen¬ę
Gesammelte Aufsätze, Vorträge und Predigten. Hg.: Görge K. Hasselhoff.

W√ľrzburg: K√∂nigshausen & Neumann 2012, 362 S., Register — ISBN 978-3-8260-4995-8 —

Der vorliegende Band gibt einen anregenden Einblick in das jahrzehntelange theologisch-p√§dagogisch-dialogische Wirken des ehemaligen Hochschul-dozenten, Pfarrers und Schulreferenten Friedrich Hasselhoff (1928 ‚Äď 2012). Es handelt sich um ver√∂ffentlichte und unver√∂ffentlichte Aufs√§tze, Vortr√§ge, Predigten und religionsp√§dagogische Entw√ľrfe, die sein Sohn G√∂rge, Theologe und Hochschuldozent an der Ruhruniversit√§t Bochum und an der TU Dortmund, systematisierend zusammengestellt hat. Es erstaunt die Vielf√§ltigkeit der angesprochenen Themen, die sich im Band konkret auf folgende Bereiche beziehen: Biblische Exegese, Predigten und Ansprachen. Schwerpunkte sind Geschichtliches zum Judentum und √úberlegungen zum christlich-j√ľdischen Dialog, und zwar aus historischer und theologisch-systematischer Sicht, erg√§nzt durch das Beispiel der christlichen Siedlung Nes Ammim in Israel.

Es versteht sich von selbst, dass die in einem langen Zeitraum entstandenen Aufs√§tze und Vortr√§ge eine gewisse Zeitbedingtheit widerspiegeln. Zugleich aber ist hier eine Sammlung eines theologischen und religionsp√§dagogischen Weiter-Denkers entstanden. Er hat durch sein Engagement im christlich-j√ľdischen Dialog √ľber die √Ėkumene der Konfessionen hinausgedacht und damit auch der √Ėkumene der Religionen wichtige Impulse gegeben.

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Reinhard Kirste

Rz-Hasselhoff, 17.10.14   Creative Commons-Lizenz

 

Gewaltpotenziale im Islam und im Christentum

Rz-Mohagheghi-Stosch-GewaltHamideh Mohagheghi / Klaus von Stosch (Hg.):
Gewalt in den Heiligen Schriften von Islam und Christentum.
Beiträge zur Komparativen Theologie, Band 10.
Paderborn: Sch√∂ningh 2014, 186 S., Personenregister — ISBN 9783506772817 —

Angesichts der gegenw√§rtigen Weltkonflikte und einer zunehmenden Brutalit√§t gegen√ľber unschuldigen Menschen stellt sich automatisch die Frage, wie die Religionen hier mit Gewalt umgehen. Die Herausgeber des vorliegenden Bandes haben zusammen mit den Autoren Aggressionspotenziale innerhalb von Bibel und Koran untersucht, um den Spuren von religi√∂ser Gewaltrechtfertigung nachzugehen. Dabei entsteht jedoch keine gemeinsame Zielrichtung. Es geht auch weniger um eine an den Friedenstendenzen in den Religionen sich ausrichtende Hermeneutik. Die Beitragenden besch√§ftigen sich stattdessen st√§rker mit den verschiedenen Formen von Gewaltverst√§ndnissen und Gewalt√§u√üerungen in Bibel und Koran.¬† Diese zeigen sich extrem problematisch, wenn zeitlose und fundamentalistische Interpretationen daraus abgeleitet werden, die das eigene gewaltsame Verhalten legitimieren sollen.

Gegenw√§rtig-sachgem√§√üe Auslegung bietet dagegen die M√∂glichkeit, die Vers√∂hnungstendenzen in diesen Religionen¬† st√§rker zu betonen. Hier zeigen sich allerdings einige Autoren etwas zu vorsichtig in der Weiterf√ľhrung exegetisch-historischer Erkenntnisse. Insgesamt ist hier jedoch ein Fundament gelegt, dass die dialogoffene Auslegung j√ľdischer, christlicher und islamischer Texte im Sinne einer religi√∂s motivierten Friedensethik und Gewaltminderung vorantreiben kann.

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Reinhard Kirste

Rz-Mohagheghi-Stosch-Gewalt, 05.10.14     Creative Commons-Lizenz

 

Begegnungen mit der hebräischen Bibel, dem Alten Testament

Rz-Marböck-BibelJohannes Marböck: Faszination Bibel.
Hg.: Franz Kogler / Irmtraud Fischer / Franz Hubmann

Theologie im kulturellen Dialog, Bd.27.
Innsbruck-Wien: Tyrolia 2014, 288 S., Register, Lebenslauf, Literaturangaben
—ISBN 978-3-7022-3323-5 —

Die Herausgeber, alle mit der Bibel theologisch(-praktisch) befasst, pr√§sentieren Beitr√§ge zum Verst√§ndnis der Hebr√§ischen Bibel, des Alten Testaments. Der Autor, Johannes Marb√∂ck, katholischer Priester und inzwischen emeritierter Professor, lehrte Altes Testament in Linz und Graz. Bei ihm verbindet sich die spirituelle Freude an der biblischen Botschaft mit exegetischer Sorgfalt. Wichtig ist ihm neben der verst√§ndlichen Weitervermittlung der biblischen Sch√§tze, diese gerade f√ľr heutige Menschen zum Leuchten zu bringen. In diesem aktuellen Zusammenhang ist ihm auch der christlich-j√ľdische Dialog ein besonderes Anliegen.

Bei allen Unterschieden im Blick auf die Psalmen, die Weisheit, die Prophetie und die Apokalyptik scheinen in der Hebräischen Bibel immer wieder Visionen der Hoffnung auf, die das göttliche Heil auf alle Völker ausweiten. Die Erfahrungen Israels unter den verschiedenen politischen, historischen und gesellschaftlichen Bedingungen können die Heutigen ermutigen, den Spannungen der Gegenwart die Vision vom Gottesfrieden entgegenzusetzen.

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Reinhard Kirste,

Rz-Marböck-Bibel, 13.05.14    Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats M√§rz 2014: Leuchtpunkte j√ľdischer Philosophie

Rz-Starobinski-Jud-PhilEsther Starobinski-Safran: Essais de philosophie juive.
Paris: Albin Michel 2014, 256 S. — ISBN 978-2-226-25387-3 —

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Die j√ľdische Philosophie spielt seit der Antike eine wesentliche Vermittlungsrolle im Mittelmeerraum. Sie hat auch wichtige Impulse f√ľr die Geisteskultur Europas und Deutschlands gesetzt. Esther Strarobinski-Safran, Tochter des Hauptrabbiners Alexandre Safran von Genf (1910-1948),¬†¬† steckt mit den vorliegenden Essays entwicklungsgeschichtlich entscheidende Markierungspunkte der j√ľdischen Philosophie in 20 Jahrhunderten ab. Diese haben auch die politische Geschichte zum Teil nachhaltig beeinflusst.
Das Erstaunliche eines solchen Ganges am ‚ÄěGel√§nder‚Äú gro√üer j√ľdisch-philosophische Protagonisten sind die die Konvergenzen der hier vertretenen DenkerInnen ‚Äď und dies trotz gro√üer Zeitunterschiede. Diese Beziehungsn√§he bewegt sich im Spannungsfeld von Vernunft und Offenbarung unter den philosophisch-theologischen Voraussetzungen des Monotheismus und in Bezug auf Einheit und Einzig(artig)keit Gottes.

Sie stellt im Einzelnen vor:
Philo von Alexandrien (um 15 v. Chr. bis ca. um 40 n. Chr.), das Buch Keter Malkhut (= die Krone des K√∂nigtums) von Ibn Gabirol (1021/22‚Äď1057), Moses Maimonides (1135/1138 –¬† 1204 in Kairo), Benedikt (Baruch) Spinoza¬† (1632‚Äď1677), Hermann Cohen (1842‚Äď1918), Hannah Ahrendt (1906‚Äď1975), Moses Mendelssohn (1729-1786),¬† Franz Rosenzweig (1886‚Äď1929), Eugen Rosenstock-Huessy (1888‚Äď1973), Martin Buber (1878‚Äď1965 , Emmanuel Levinas (1906‚Äď1995),¬†¬† Alexandre Safran (1910‚Äď2006) und Abraham Joshua Heschel (1907‚Äď1972)

Dieses Buch ist keine systematische Philosophiegschichte; es sind bewusst Essays. Aber diese Auswahl wirkt wie eine historische Lichterkette, deren Leuchtpunkte j√ľdische Philosophinnen und Philosophen sind, die in der Spannung von Vernunft und Offenbarung ein Gottesbild zeichnen, in dem Grenzen √ľberschreitende Barmherzigkeit und Liebe im Zentrum des Denkens steht. Hier er√∂ffnen sich interreligi√∂se Horizonte, zu denen j√ľdische Denker seit der Antike Wesentliches beigetragen haben. Es w√§re sch√∂n, wenn es dieses Buch auch als deutsche √úbersetzung g√§be.

Reinhard Kirste


Rz-Starobinski-Jud-Phil, 28.02.14      Creative Commons-Lizenz

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Der Moderator und der Tod

J√ľrgen Domian:¬† Interview mit dem Tod.
G√ľtersloh: G√ľtersloher Verlagshaus 2012, 4. Aufl., 174 S. — ISBN 978-3-579-06574-8

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

Der Journalist J√ľrgen Domian (geb. 1957) ist durch seine ‚ÄěTelefon-N√§chte‚Äú, die er im Studio mit Anrufern verbrachte, im Grunde zum Radio-Seelsorger geworden. Durch diese in die Tausende gehenden Gespr√§che seit 1995 ist er sehr bekannt geworden, besonders √ľber den WDR-H√∂rfunk 1 LIVE. Aber nun erfolgt eine Zwischenbilanz zu den oft noch als Tabu behandelten Themen – Krankheit, Schmerzen, Sterben, Tod, Sterbehilfe.

Beim Lesen er√∂ffnen sich auch die biografischen Schritte des Medienmannes. Sie f√ľhrten ihn aus einer konservativ christlichen Phase zur Ablehnung alles Religi√∂sen und in einen konsequenten Atheismus. Dieser trug allerdings wiederum Z√ľge von Glaubens√ľberzeugungen, die er in ihrer Problematik zuerst nicht wahrnahm. Auch die Auseiandersetzung mit philosophische Antworten blieben f√ľr ihn weitgehend unbefriedigend
Erst die bewusste Wahrnehmung der eigenen Sterblichkeit und die  existentiell nicht mehr abzuweisenden Fragen von Sterben, Tod und möglichen Jenseits zwangen ihn umzudenken.  Die Gesprächsprotokolle seines fiktiven Interviews mit dem Tod
sind in nachdenklich machende Anmerkungen eingebunden.

¬†Bei allen auch herausfordernden Formulierungen Domians erscheint der Tod keineswegs unmenschlich, dies zeigen seine respektvollen Beschreibungen zu Sterbehospizen und zur Palliativmedizin. Das Buch ist eine Einladung, die eigenen Sinne ‚Äěf√ľr die Mysterien der Welt [zu] sch√§rfen‚Äú (S. 152) ‚Äď Ewigkeit in der Zeit und jenseits der Bedingungen von Zeit. Es w√§re zu w√ľnschen, dass gerade junge Leute sich auf diese Existenzfragen¬† einlassen, um dadurch ihre Zukunft gl√ľcklicher zu leben.

Reinhard Kirste

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

Rz-Domian-Tod, 26.10.12

 

Weltreligion Christentum Рökumenisches Lernen in der Oberstufe

Werner Trutwin: Weltreligionen ‚Äď Christentum. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Ethik ‚Äď Philosophie.
M√ľnchen: Bayerischer Schulbuch Verlag (Patmos) 2012, 192 S. Abb. — ISBN 978-3-7627-0433-1
V√∂llige Neubearbeitung des bisherigen Heftes, das 1999 im Patmos-Verlag D√ľsseldorf erschien.

Mit diesem Band √ľber die Vielfalt des Christentums ist nun die neubearbeitete Reihe f√ľr die Sekundarstufe II ‚ÄěWeltreligionen‚Äú abgeschlossen.
Die bisherige B√§nde ‚Äď Judentum,Islam, Hinduismus und Buddhismus ‚Äď sind bereits unter ‚ÄěEin-Sichten‚Äú vorgestellt worden.

Der erfahrene Praktiker und Religionspädagoge Werner Trutwin behält auch bei diesem Arbeitsheft die gewählte Struktur zum Verständnis einer Religion bei, um damit zugleich eine gewisse Vergleichbarkeit im Blick auf die anderen Religionen zu ermöglichen.

Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit im Kontext des Religionsunterrichts erw√§hnt Trutwin die ‚Äědirekten‚Äú Bezugsf√§cher ‚ÄěEthik‚Äú bzw. ‚ÄěPraktische Philosophie‚Äú. Er stellt dann einen klar strukturierten Kursunterricht in Religion vor.

Trutwin setzt gerade f√ľr die Schuke auf die positiven konfessions√∂kumenischen Erfahrungen. Zugleich wird die Begegnung der Religionen ‚Äěauf Augenh√∂he‚Äú gerade f√ľr die Zukunft als eine unausweichliche Notwendigkeit postuliert. Damit ist hier ein religions√∂kumenisch offenes ‚ÄěLehrbuch‚Äú entstanden, das man als Christentum-Materialbasis mit seiner didaktischen und methodischen Vielfalt f√ľr den katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht nur w√§rmstens empfehlen kann.

                                                                                                                                                    Reinhard Kirste
Rz-Trutwin-Christentum, 03.08.12

Buch des Monats August: Abbé Pierre Рwahres Leben angesichts des Todes

Abb√© Pierre: Was ist das, der Tod? Ein Gespr√§ch √ľber den Sinn des Lebens.

Aus dem Französischen von Bruno Kern.

Innsbruck-Wien: Tyrolia 2012, 77 S.

— ISBN 978-3-7022-3200-9 —

Französisches Original: C’est quoi la mort? Livre didactique destiné aux enfants, utilisé aussi dans l’apprentissage de la langue française. Paris: Albin Michel 1999.

 Ausf√ľhrliche Besprechung: Hier

 Der 2007 verstorbene Abb√© Pierre h√§tte in diesem Jahr am 5. August seinen 100. Geburtstag gefeiert. Nicht nur in Frankreich, sondern weltweit ist er als ‚ÄěVater der Armen‚Äú zu einer Institution gelebter N√§chstenliebe geworden. In diesem kleinen B√ľchlein √§u√üert sich der 87J√§hrige im Gespr√§ch mit jungen Leuten √ľber den wahren Sinn des Lebens – und zwar im Spiegel von Sterben, Tod, Trauer und Hoffnung auf ein Leben jenseits. Dies alles ist mit vielen Beispielen aus seinem erf√ľllten Leben angereichert.

 Wof√ľr ist es nun gut, an Gott zu glauben? ‚ÄěMan muss √ľberzeugt sein, dass er [Gott] nichts als das Gute f√ľr die Menschen will, aber dass dieses Gl√ľck von uns abh√§ngt‚Äú (S. 75). Kein Wunder, dass aus solcher Glaubenskraft heraus immer wieder in diesen Antworten das praktische ‚ÄěHerzthema‚Äú des Abb√© Pierre durchschimmert: Die Bewegung Emmaus. So wird dieses B√ľchlein zur Anfrage an jeden Einzelnen, wof√ľr es sich lohnt, aktiv zu leben ‚Äď angesichts des unausweichlichen Todes. Abb√© Pierre hat so gehandelt, wie es das kreative Genie Steve Jobs auch ausdr√ľckte: ‚ÄěDer Tod ist ein Motor des Wandels‚Äú (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs).

Aus diesem Grunde ist dieses B√ľchlein so empfehlenswert!
                                                                                                                                                       Reinhard Kirste

31.07.2012

Gott im Film

Schramm, Michael: Der unterhaltsame Gott. Theologie populärer Filme
Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 2011,
2. erweiterte u. aktualisierte Auflage, 200 S. — ISBN 978-3-506-76444-7¬†
 Einleitung
Theologische Elemente sind aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Allerdings werden entsprechende Inhalte oftmals sehr gut in den einzelnen Unterhaltungsprodukten versteckt. Teilweise nehmen sie jedoch, gerade in Filmen, eine gewichtige Rolle ein. Michael Schramm, Professor f√ľr Katholische Theololgie und Wirtschaftsethik von der Universit√§t Stuttgart-Hohenheim
, stellt in seinem Buch ‚ÄěDer unterhaltsame Gott‚Äú sowohl implizite als auch explizite Beispiele f√ľr theologische Elemente in popul√§ren Filmen heraus und analysiert auf dieser Grundlage prominente theologische Fragestellungen und Probleme.¬†

Aufbau
In insgesamt sieben Kapiteln eruiert Schramm einige der zentralen Themen des christlichen Glaubens. Unter anderem werden die Person Jesus Christus, Jenseitsvorstellungen oder auch die Frage nach der Theodizee behandelt. Der Autor zieht dazu diverse filmische Zitate und Sachverhalte heran, welche die zu behandelnden Themen ansprechen. Am Beispiel der unterschiedlichen ‚ÄěStar Trek‚Äú-Serien wird etwa der Umgang mit religi√∂ser Pluralit√§t aufgearbeitet. Die ‚ÄěStar Wars‚Äú-Filme hingegen stellen in Ihrem Zentrum die Frage nach einer unsichtbaren Macht, welche jedoch ganz reale Wirksamkeiten entfalten kann. Schramm beginnt in der Regel mit einer kurzen Einleitung in Form einer Darlegung des zu erl√§uternden Sachverhaltes. Danach f√ľhrt f√ľhrt er das passende Filmbeispiel an. Im Anschluss daran wird ein Zitat respektive ein Dialog zitiert, in welchem die er√∂rternde Thematik plastisch wird. Danach erfolgt eine Analyse dieser Sequenz oder Passage, welche schlussendlich in den theologischen Kontext eingeordnet wird.
Kritik
Michael Schramm gelingt es, eine Br√ľcke zwischen zwei vermeintlich grundverschiedenen Welten zu schlagen. Die Filmbeispiele sind dabei gut gew√§hlt und machen die entsprechende Thematik sehr anschaulich. Die anschlie√üende Erl√§uterung der zitierten Passagen ist klar und sprachlich gut verst√§ndlich.

Jedoch gerät die darauffolgende Diskussion in einigen Fällen sehr komplex. Ohne Vorkenntnisse auf dem entsprechenden theologischen Gebiet wird das Verständnis stark erschwert. Die vielen begleitenden Zitate aus der theologischen Sekundärliteratur bzw. aus der Philosophie bringen oftmals eine zusätzliche Dimension in das Thema ein und verkomplizieren es damit zusätzlich.
Fazit
Der Titel ‚ÄěDer unterhaltsame Gott‚Äú kann ein wenig irref√ľhrend sein. Wer hinter diesem Namen leicht bek√∂mmliche theologische Kost vermutet, wird vermutlich schon nach wenigen Seiten das Buch aus der Hand legen. Die Filme, welche den Zugang zu den zu behandelnden Themen legen, sind zielf√ľhrend gew√§hlt und √∂ffnen die zu er√∂rternden Schwerpunkte sehr gut. Allerdings wird sp√§testens bei der Analyse des Filmmaterials sozusagen ein Anstieg der Komplexit√§t deutlich. Daher richtet sich ‚ÄěDer unterhaltsame Gott‚Äú vorrangig an Leser/innen, die bereits Vorerfahrungen mit zentralen christlichen Glaubensaspekten besitzen und diese erweitern beziehungsweise aus einer anderen Perspektive betrachten m√∂chten. Unter diesen Gesichtspunkten darf das Werk aber durchaus als gelungen und lesenswert eingestuft werden.
Titel und Erscheinungsjahr der besprochenen Filme
Star Trek (USA 1966 ff.)
Star Wars I ‚Äď VI (USA 1977 ‚Äď 2005)
Avatar (USA 2009)
The Lord of the Rings I ‚Äď III (Neuseeland / USA 2001 – 2003)
Titanic (USA 1997)
The Terminator und Terminator 2: Judgment Day  (USA 1984 & 1991)
Signs (USA 2002)
Contact (USA 1997)
Das Jesus Video (Deutschland 2002)
Stigmata (USA 1999)
The Green Mile (USA 1999)
The Third Miracle (USA 1999)
The Da Vinci Code (USA 2006)
The Body (USA 2001)
The Matrix & Matrix Reloaded & Matrix Revolutions (USA 1999 – 2003)
Angels and Demons (USA 2009)
Dragonfly (USA 2002)
Enemy Mine (Deutschland/USA 1985)

Sascha Göddenhoff, Herne
Rz-Schramm-Film, 13.03.12

Innerislamische Kontroversen um Koexistenz und Gewalt

Zusammenfassende Rezension   
Ausf√ľhrliche Besprechung:
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Tilman Seidensticker (Hg.): Zeitgenössische islamische Positionen zu Koexistenz und Gewalt.
Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2011; VIII, 184 S., Index der modernen muslimischen Denker
ISBN 978-3-447-06534-4

Das Wort ‚ÄěIslam‚Äú verbindet sich f√ľr viele mit ‚ÄěGewalt‚Äú. Sich auf den Islam berufende Terroristen rechtfertigen ihr Tun damit, dass sie behaupten, diese Gewaltt√§tigkeiten seien von der islamischen Tradition her gerechtfertigt. Allerdings richtet sich die Gewalt nicht nur gegen ‚ÄěUngl√§ubige‚Äú, sondern vielfach auch gegen Muslime selbst. Nun gibt es durchaus Gewalt bef√ľrwortende und Gewalt ablehnende Richtungen innerhalb der islamischen Welt. Der Jenaer Arabist und Islamwissenschaftler Tilman Seidensticker hat nun mit einer Reihe von Fachleuten (√ľberwiegend der j√ľngeren Wissenschaftler-Generation) diese ‚ÄěIslamischen Kontroversen √ľber Berechtigung von Gewalt‚Äú genauer untersucht.

Zehn Jahre nach den Anschl√§gen vom 11. September in den USA und am Beginn des ‚Äěarabischen Fr√ľhlings‚Äú stellt sich die Frage nach der m√∂glichen Zwangsmentalit√§t einer Religion besonders intensiv. Es l√§sst sich ja kaum vorhersagen, welche Entwicklungen in der islamischen Welt insgesamt dominieren werden. Die dogmatisch auftretenden Fundamentalisten fordern eine R√ľckkehr zu den Regeln und Statuten der Urgemeinde, wohlgemerkt, wie sie diese verstehen. Die Konsequenz ist oft genug, dass sie ihr Verst√§ndnis auf konfliktreiche Art und gegen alles ‚ÄěWestliche‚Äú in die Gegenwart zu √ľbertragen versuchen. Andersdenkende werden als H√§retiker oder Ungl√§ubige diffamiert. Aber das ist nur die eine Seite, wenn man einmal genauer die innerislamischen Kontroversen betrachtet.
Es geht grunds√§tzlich um die Spannung zwischen Toleranz und Gewalt, zwischen Verteidigung von islamischen Errungenschaften und Kampfansage an die Ungl√§ubigen, die in den unterschiedlichen Auslegungen von djihadzum Ausdruck kommen, n√§mlich (Mariella Ourghi, Freiburg). Das Absolutheitsdenken scheint in diesem Zusammenhang eine wesentliche Positionsversch√§rfung mitzubringen: Monopolanspruch auf das Paradies (so Johanna Pink, Berlin). Dagegen stehen flexiblere und Dialog offene Haltungen wie die von Said Nursi (1876 [?]‚Äď1960, kurdischer Herkunft, T√ľrkei) und Mahmud Taha (1909 /1911‚Äď1985, Sudan), bis hin zur sog. Mardin-Intiative muslimischer Intellektueller von 2010. Die Djihad-Doktrin zwischen gewaltsamem Vorgehen gegen Ungl√§ubige und Verteidigung des (wahren) Glaubens braucht also eine dringende Neubesinnung, um den Terrorismus gegen sog. falsche Muslime und ‚Äěwestliche Ungl√§ubige‚Äú auszubremsen. Hermeneutischen Monopolanspr√ľchen bei der aktualisierenden Auslegung der Prophetentradition, der Hadithe, muss darum ein Riegel vorgeschoben werden. Selbst innerhalb des islamistischen Spektrums gibt es inzwischen eine wachsende Ablehnungsfront gegen extreme, sich auf den Koran und die Prophetentradition berufende Gewaltbereitschaft (Rotraud Wielandt, Bamberg). Die Frage bleibt allerdings, ob es eine neue Hermeneutik gegen islamistische Gewalt aus der derzeitigen religi√∂sen Gemengelage heraus geben wird. Die extreme Spannbreite der Djihad-Verst√§ndnisse zwischen r√ľckw√§rts gewandter Ver√§nderung und liberaler Reform hat bekannte Namen an den jeweiligen ‚ÄěEckpunkten‚Äú. Sie reichen von al-Maududi √ľber Sayyid Qutb bis zu Fazlur Rahman und Mahmoud Taha.
Dieser Sammelband gibt differenzierende Einf√ľhrungen in zeitgen√∂ssische Kontroversen zum Thema ‚ÄěGewalt‚Äú. Er ist f√ľr alle empfehlenswert, die als aufmerksame Zeitgenossen die innerislamisch-theologischen, islamistischen und gesellschaftspolitischen Bewegungen besser verstehen wollen. Da das Spektrum dieser Debatte noch wesentlich gr√∂√üer ist, als in dieser Zusammenstellung angezeigt werden konnte, w√§re sicher ein Fortsetzungsband sinnvoll.
Reinhard Kirste