Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottesdienst feiern. Eine Orientierungshilfe

Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottesdienst feiern von
Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottesdienst feiern von

Gerade haben Marcell Saß und Karlo Meyer im Auftrag der Liturgischen Konferenz die Orientierungshilfe herausgegeben:

Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden Gottesdienst feiern

Das Buch ist im Gütersloher Verlag erschienen und kostet 12,99 €.

Um es wirklich ganz kurz zu machen: Bald ist Sommer. Wenn Sie dieses Buch mit in den Urlaub nehmen, bekommen Sie fundierte und religionspädagogisch begründete Ideen um Gottesdienste konfi- freundlicher und die Konfirmandenarbeit gottesdienstfreundlicher zu machen. Für die konkrete Umsetzung brauchen Sie aber noch  Arbeitshilfen, wie z.B. das KU Praxis- Heft Nr. 57, “Gottesdienst von, für und mit Konfis”.

Und jetzt etwas ausführlicher:

Kurzzusammenfassung

Diese Orientierungshilfe will Gemeinden bei der konzeptionellen Aufstellung ihrer Konfirmandenarbeit in Beziehung zum Gottesdienst helfen. Sie liefert auch konkrete Ideen und Bausteine für das Thema Konfis und Gottesdienst, aber hier liegt nicht der Schwerpunkt. Sie geht davon aus, dass drei verschiedene Dimensionen des Themas ihr Recht haben:  die individuelle spirituelle Entwicklung der Konfis, die Gottesdienstfähigkeit im Blick auf zukünftige lebensgeschichtliche Ereignisse und das Bedürfnis der Hochverbundenen nach Beheimatung der Konfis in der Kerngemeinde. Diese Dimensionen liefern die Perspektive für  grundsätzliche theologische und religionspädagogische Überlegungen, für konzeptionellen Vorschlägen und für praktische Anregungen.

Die Orientierungshilfe spannt einen Bezugsrahmen auf, der es Gemeinden ermöglicht, sich selbst sachgerecht zu positionieren. Die konkreten Vorschläge sind kurz und haben eher aufzählenden Charakter. Zur Vertiefung weist die Orientierungshilfe auf relevante Literatur hin.


Und jetzt  wirklich ausführlich

Inhaltlicher Überblick

Die Orientierungshilfe weiß um die beiden Pole in der Diskussion um Konfis und Gottesdienst: Einerseits gibt es den Wunsch, die Konfis an den agendarischen Sonntagsgottesdienst als Mitte der Gemeinde heranzuführen. Andererseits ist bekannt, dass Sonderformen des Gottesdienstes – besonders wenn sie biographisch verankert sind – bei Konfis erheblich besser ankommen. Die Orientierungshilfe will “Klärungsprozesse zwischen den geschilderten Spannungspolen initiieren.” (14).  Dazu erscheinen drei Dimensionen wichtig: Die je individuelle Spiritualität der Konfis, die lebensgeschichtliche orientierte Teilnahme und die Beheimatung in der Ortsgemeinde. Diese drei Dimensionen bilden die Perspektive für die drei Teilen des Buches: (1) Grundsätzliche Fragestellungen und Hintergründe, (2) Konzeptionen und Vorschläge zu Klärungsprozessen, (3) praktische Anregungen.

(1) Grundsätzliche Fragestellungen und Hintergründe

Zunächst geht es um eine theologische Einkreisung des Themas Gottesdienst: Hier machen die Autoren die Erkenntnis stark, dass Gottesdienst im evangelischen Sinne nicht nur die Veranstaltung am Sonntagvormittag meint. Gottesdienst ist zunächst jede Form, in der Gott durch die Hl. Schrift mit der Gemeinde kommuniziert und diese durch Lieder und Gebete antwortet.  Die gottesdienstliche Feier zielt dabei aus evangelischer Sicht immer auch auf Verstehen. Das beinhaltet nicht nur die intellektuelle Dimension, sondern auch die Möglichkeit, die Elemente emotional und körperlich mitvollziehen zu können.

Nun wendet sich die Orientierungshilfe der Lebenswelt der Jugendlichen zu, die sie aufgrund soziologischer Erkenntnisse beschreibt. Typisch für gegenwärtige Konfis ist die Verschiedenheit der Milieus und die gemeinsame Wertschätzung der Familie. Abgerundet wird dieser Abschnitt die Beschreibung von Gottesdiensten, die de facto von Konfis positiv erlebt werden. Es sind solche Gottesdienste, in denen sie eine Stimmung und ein Gemeinschaftsgefühl erleben, das sie berührt. Das kann durch ganz unterschiedliche Formate und Methoden gelingen. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg dahin ist, wenn die Konfis durch eine gemeinsame Vorbereitung oder auf andere Weise eigene Ideen zum Gottesdienst beitragen können.

Der erste Teil der Orientierungshilfe schließt mit den drei Spannungsbögen, die jeder gelungene Gottesdienst für Konfis beachten muss: Der erste bewegt sich zwischen dem  Wunsch nach erlebter Gemeinschaft und den unterschiedlichen Lebenswelten der Jugendlichen. Der zweite umspannt die Bedeutung von Familie einerseits und dem Streben nach Unabhängigkeit andererseits. Der dritte Spannungsbogen verbindet die Erwartungen der Hochverbundenen und das tatsächliche volkskirchliche Teilnahmeverhalten.

(2) Würdigen – entwicklen – gestalten: ein Modell

Im Sinne der erwähnten Spannungsbögen muss es in der Konfizeit darum gehen, zum einen die Jugendlichen in ihrer spirituellen Individualität durch gottesdienstliche Wahlmöglichkeiten zu fördern. Zum zweiten geht es darum, ihnen im Blick auf zukünftige kasuale Begleitung von Lebensereignissen entsprechende Kompetenzen zu vermitteln. Drittens soll ihnen durch  Wiedererkennbarkeit des evangelischen Gottesdienstes ein verlässlicher Ankerpunkt gegeben werden.

(3) Praktische Anregungen

Hier bietet die Orientierungshilfe zunächst 12 Bausteine, die  den Gemeinden zur Auswahl vorgestellt werden. Sie berücksichtigen die erwähnten drei Dimensionen und kreisen inhaltlich um folgende Themen:

  1. Zum Umgang mit der Gottesdienstpflicht.
  2. Zum Umgang mit der Lebensphase der Konfis.
  3. Zur Vernetzung der Konfizeit mit den Gottesdiensten.
  4. Zum Ort und zur Zeit des Gottesdienstes.
  5. Zur Anzahl der Gottesdienstbesucher*innen.
  6. Zur Verschiedenheit der Gottesdienstgemeinde.
  7. Zur Platzwahl im Kirchraum.
  8. Zur Sprache des Gottesdienstes.
  9. Zum Gesang im Gottesdienst..
  10. Zur Beteiligung der Konfis im Gottesdienst.
  11. Zur Einbindung der Familie.
  12. Zur Gemeinschaft der Gottesdienstgemeinde.

Im Anschluss wird ein Durchgang durch gottesdienstliche Elemente unter dem Blickwinkel der drei Dimensionen geboten. Hier geht es erst um  “Die Chance der ´kleineren Formen´”, dann um die vier Bausteine des evangelischen Gottesdienstbuches, nämlich Eröffnung und Anrufung, Verkündigung und Bekenntnis, Abendmahl, sowie Sendung und Segen. Es werden jeweils Möglichkeiten genannt, den drei Dimensionen in den Bausteinen des Gottesdienstes Geltung zu verschaffen. So kommen die Autoren beispielsweise zu dem Vorschlag, ungetaufte Konfis schon kurz nach Beginn der Konfizeit zu taufen, damit die ganze Gruppe regelmäßig am Abendmahl teilnehmen kann.

Die Orientierungshilfe schließt mit einer Typologie zeitgenössischer Konfis und einer Liste relevanter Literatur und relevantem Materials.

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