Offene Kirche …

… der Evangelischen Kirchengemeinden Erkelenz, Heinsberg, Hückelhoven, Lövenich, Ratheim-Gerderath, Schwanenberg, Wassenberg-Dalheim und Wegberg

Offene Kirche … Allgemein “Denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich.”

“Denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich.”

Gedanken (nicht nur) zum Gründonnerstag

1. April 2021

Olivenbäume am Ölberg in Jerusalem

Olivenbäume am Ölberg in Jerusalem; Foto: U. Wagner

Gerade haben sie gefeiert, dass Gott das versklavte Volk Israel aus Ägypten befreit hat.
Jesus versprach, immer bei ihnen zu sein in Brot und Wein.
Sie haben den Lobgesang gesungen.
Für die Nacht sind sie draußen, unter Olivenbäumen.
Jesus bittet seine Freunde, wach zu bleiben und mit ihm zu beten.

Lied: EG 97

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn …

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn …

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte,gnädig sein Gericht.

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn …

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn …

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Refr.: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn …

Text: Jürgen Henkys (1975) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963; Melodie: Ignace de Sutter 1964

Gebet:

Sei du da, Gott,
wenn die Angst nach mir greift.

Sei mir nah,
wenn ich nicht mehr ein noch aus weiß.
Wenn ich ‚von allen guten Geistern verlassen‘ bin.
Wenn Freunde und Familie mich nicht mehr erreichen
und meine eigenen Gedanken sich im Kreis drehen, ohne Ende.

Lass mich spüren: Ich bin dennoch nicht allein.
Denn du bist da. Bleibst da.

Halte meine Angst in Schach
durch deine Liebe.
Hilf mir hindurch.
Zeige mir deinen Weg für mich.
Amen.

Evangelium: Lukas 22,39-46 (Neue Genfer Übersetzung)

39Dann verließ Jesus die Stadt und ging wie gewohnt zum Ölberg; seine Jünger begleiteten ihn. 40Als er dort angekommen war, sagte er zu ihnen: »Betet darum, dass ihr nicht in Versuchung geratet!« 41Hierauf trennte er sich von ihnen. Etwa einen Steinwurf weit entfernt kniete er nieder und betete: 42»Vater, wenn du willst, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.« 43Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44Der Kampf wurde so heftig, und Jesus betete mit solcher Anspannung, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. 45Als er vom Gebet aufstand und zu den Jüngern zurückkam, waren sie vor Kummer eingeschlafen. 46»Wie könnt ihr nur schlafen?«, sagte er zu ihnen. »Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!«

Nie braucht Jesus seine Freunde dringender als jetzt.
Er weiß: Seine Verhaftung steht kurz bevor.
Was soll er tun? Bleiben oder fliehen?
Seine Botschaft verleugnen oder dem Tod ins Auge sehen?

„Betet“, sagt er zu seinen Freunden, „dass ihr nicht in Anfechtung fallt.“ Dass ihr euer Handeln nicht von der Angst diktieren lasst.
Nicht den bequemen Ausweg sucht, sondern den richtigen Weg.
Den Weg der Liebe. Auch wenn er ins Leiden führt.
Betet um Kraft und Mut. Um Klugheit, Aufrichtigkeit, Tapferkeit.
Betet, damit ihr mit Gott verbunden bleibt, der Quelle der Liebe.

Doch sie schlafen ein. Vor Kummer. Vor Traurigkeit. Ganz allein bleibt Jesus wach. Wie so viele, die dem Tod entgegensehen.

Und es sind viele in diesen Tagen. Anders als Jesus entscheiden sie sich nicht bewusst für den Weg in den Tod. 240 Menschen sind am 30.3.2021 in Deutschland an SARS-CoV-2 gestorben. 3595 lagen auf der Intensivstation. 2.803.927 starben an diesem Tag weltweit am COVID-19-Virus. Und das sind nur die Corona-Toten. So viel mehr sterben aus anderen Gründen.

Schaffen wir es hinzusehen?

Jesu Freunde schlafen ein. Der Kummer ist zu groß.
Es ist nicht auszuhalten. Sie verschließen die Augen.
Wer wacht mit denen, die dem Tod entgegengehen?
So wären wir an Jesu Seite.

 „Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.

Paul Gerhard, EG 85,6

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Jesus jedoch findet Worte für seine Angst. Er betet.

Von der Todesangst zum Vertrauen.
Das muss wohl ein Engel gewesen sein.

In den ältesten Handschriften steht von ihm nichts im Text.
Erst spätere Abschreiber haben ihn ergänzt.
Denn wo soll die neue Kraft sonst herkommen?

Er will nicht sterben. Und kann doch nicht schweigen. Sich nicht einfach davonstehlen. Er bleibt und lässt sich verhaften, ein letztes Zeugnis für das Leben, das Gott für uns Menschen will. Mit guten Lebensbedingungen für alle. In Freiheit und Würde.

Dieser Botschaft bleibt Jesus treu, auch wenn sie kein Gehör findet. Er stellt sich dem Tod. Und findet neues Leben.

Das ist Geschenk.

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Vielleicht waren es die alten Vertrauensworte aus den Psalmen,
die Jesus an diesem Abend aufgerichtet haben.

„Der Herr ist mein Hirte.“ Hier steht kein Wort für Herrscher.
Hier steht Gottes Name. Aus Respekt wird er nicht ausgesprochen. Und ist doch mitzudenken. Nicht ‚der über mich bestimmende Gott‘ ist ‚mein Hirte‘, sondern der ‚Ich-bin da‘. Der Tröster. Der Befreier. Der, der mitgeht durchs finstere Tal, durchs ‚Tal des Todesschattens‘, wie es wörtlich heißt.

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führt mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele.
Er führt mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir.
Dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl
und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23

Erinnern wir uns: Gott ist da. Gerade heute. Gerade jetzt.
Für alle, die Angst haben. Für alle, die leiden.

„Du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“ Amen.

Gebet:

Schick uns einen Engel, Gott – und lass uns einander Engel sein.

Hilf uns, aufmerksam zu sein und menschlich zu bleiben.
Sei uns nah, wenn Kummer uns müde macht.

Verwandle Zweifel in Gewissheit. Sorge in Zuversicht.
Unsicherheit in Entschiedenheit. Egoismus in Solidarität.
Furcht in Tapferkeit. Todesangst in Auferstehungshoffnung.

Schick uns einen Engel, Gott – und lass uns einander Engel sein.
Amen.

Vaterunser

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Lied: EG 98

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt –
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Text: Jürgen Henkys (1976) 1978; Melodie: »Noël nouvelet« Frankreich 15. Jh.

Gesegnete Ostern wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Jutta Wagner

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