“konfi live” für Konservative mit Ambitionen

978-3-525-61508-9

Die VELKD hat einen neuen Konfirmandenkurs auf Grundlage des Kurses „kreuzundquer“ in Auftrag gegeben. Dieser Kurs „Konfi live“ liegt nun im Frühjahr 2014 vor. Der Kurs umfasst drei Bände. Alternativ steht ein einjähriger (8 Einheiten, 112 S.) oder zweijähriger Kurs (16 Einheiten, 222 S.) zur Verfügung. Hinzu kommt ein Begleitbuch in A6 für die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Über das Internet ist jeweils digitales Zusatzmaterial abrufbar. Der Kurs ist erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen und kostet 24,99 € für den zweijährigen Kurs, 14,99 € für den einjährigen Kurs und 9,99 € für das Konfirmandenbegleitbuch. Beide Kurse gehen davon aus, dass Teamer die Konfirmandenarbeit unterstützen und andere kirchliche Mitarbeitende gelegentlich zur Verfügung stehen. Die Kurse enthalten alle nötigen Arbeitsblätter, aber Spielanleitungen nur im zweijährigen Kurs. Im Begleitbuch finden sich auch einige Lieder.

Die beiden Kursbücher sehen fast identisch aus, so dass sich der Eindruck aufdrängt, der eine Kurs sei die Kurzform des anderen. Allerdings unterscheiden sich schon die Vorworte und auch die Einheiten gehen verschiedene Wege. Es handelt sich hier also um zwei verschiedene Kurse, die sich auf dasselbe Begleitbuch für die Konfirmandinnen und Konfirmanden beziehen.

Welche Ziele setzt sich der Kurs?

Beide Kursbücher setzen sich zum Ziel, die Erkenntnisse der Bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit aus dem Jahr 2009 und der aktuellen Fachdiskussion umzusetzen. Entsprechend findet man im Vorwort des zweijährigen Kurses den Anspruch die Konfis „Lernprozesse selbst gestalten“ zu lassen, Angebote für inklusive Gruppen anzubieten, und „performative Elemente, Begegnungslernen, Arbeitsformen der Jugendarbeit“ anzuwenden. Auch das Stichwort „Theologisieren mit Jugendlichen“ wird genannt. Unter der Überschrift „konfi live bleibt realistisch“, folgt auch das Ziel: „Die Jugendlichen erfahren, was sie wissen müssen, wenn sie selbstverantwortet ja zum christlichen Glauben sagen wollen.“

Im einjährigen Kurs klingt es ganz ähnlich, wenn wiederum von „inklusiven Konzepten“, „Beziehungslernen“, „Teamerinnen und Teamern“ sowie „Balance zwischen Besinnen und Handeln“ die Rede ist.

Beide Kurse verfolgen also das ehrgeizige Ziel, die neuesten Ergebnisse der Forschung aufzunehmen und zugleich den auf Wissensvermittlung angelegten klassischen Konfirmandenunterricht nicht zu vernachlässigen. Kann das gelingen?

Die Durchsicht der beiden Bände hat mich zu folgenden Bewertungen geführt:

Der einjährige Kurs

Der einjährige Kurs behandelt in acht Einheiten klassische Themen des KU wie Gott, Kirche, Jesus Christus, Abendmahl, etc.. Hinzu kommen zwei Exkurse zur Bibel und zu Martin Luther. Jede Einheit besteht aus einer Kurzversion, die zwischen drei und vier Stunden dauern soll. Am Ende stehen jeweils kurze Hinweise wie man die jeweilige Einheit auf ein Wochenende ausdehnen kann. Durchgehendes Element ist eine gemeinsame Mahlzeit zu Beginn, die an ein Agape-Mahl erinnert. Die Einheiten folgen der Grundstruktur Entdecken, Deuten und Gestalten. Damit knüpfen sie an die Vorgängerreihe „kreuzundquer“ an. Es gibt in jeder Einheit Hinweise zur Inklusion.

Ein Einblick: Die Einheit „Mit Jesus gehen“

  1. Den Konfis werden durch verschiedene Medien (Plakate, Kinderbibeln, Gemälde, etc.) im Eingangsraum Jesusbilder präsentiert.
  2. Gemeinsame Mahlzeit mit Tischgespräch über Jesus.
  3. Die Konfis versehen die Jesusbilder im Eingangsraum mit Sprechblasen.
  4. Die Konfis lesen die entsprechenden Seiten über Jesus aus dem Begleitbuch.
  5. Die Teamerinnen und Teamer führen die wichtigsten Stationen im Leben Jesu als Standbilder auf.
  6. Die Konfis durchlaufen Stationen, in denen sie die Jesusfeste des Kirchenjahres, den zweiten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und einige biblische Jesusgeschichten erarbeiten. Die Stationen werden von Teamerinnen und Teamern betreut.
  7. Der Stationenlauf wird ausgewertet.
  8. Die Einheit wird mit Gedanken zum Philipperhymnus abgeschlossen.

Was leistet der einjährige Kurs?

Es geht in allen Einheiten vor allem darum, den Konfirmandinnen und Konfirmanden Wissen zu vermitteln. Die Methoden variieren dabei, indem zum Beispiel Teamerinnen und Teamer kleine Anspiele vorführen, Parcours begangen werden können oder ein Kurzfilm gemeinsam geschaut wird. Oft erschöpft sich die Unterrichtsmethode aber auch im Gespräch oder im Lesen entsprechender Seiten aus dem Konfirmandenbegleitbuch. Die relevanten Antworten gibt in diesem Kurs das Begleitbuch oder die Pfarrerin bzw. der Pfarrer. Die Erfahrungen der Konfirmandinnen und Konfirmanden werden nur sehr begrenzt abgerufen und in die Gestaltung des Unterrichts einbezogen. Dieser Kurs erscheint oberflächlich modern, bleibt aber didaktisch stark dem klassischen Schema des Katechismusunterrichts verhaftet.

Der zweijährige Kurs

Der zweijährige Kurs durchläuft – ganz ähnlich wie der einjährige Kurs – in sechzehn Einheiten klassische Themen des Konfirmandenunterrichts. Hinzu kommen drei Exkurse zur Bibel, zu Jesus Christus und zu Martin Luther. Auch dieser Kurs folgt dem Dreischritt aus Entdecken, Deuten und Gestalten. Dieser Kurs verzichtet auf minutengenaue Zeitangaben, da er sich eher als Fundgrube für die eigene Konfirmandenarbeit versteht. Entsprechend gibt es auch keine Hinweise auf eine Langversion am Ende jeder Einheit, sondern Ideen zu Alternativen und Ergänzungen. In der ersten Einheit werden die Antworten der Konfis zu einigen Glaubensfragen festgehalten. Als durchgehendes Element werden diese Antworten in jeder folgenden Einheit wieder aufgenommen und bearbeitet. Auch hier finden sich Hinweise zur Inklusion.

Ein Einblick: Einheit „Das Zeichen des Kreuzes“

  1. Die Konfis nehmen an einer Passionsandacht ihrer Gemeinde teil. Anschließend werden die sechs Stationen des Leidensweges von Konfigruppen bearbeitet und auf die Gegenwart bezogen. Die Kleingruppen präsentieren ihre neu bearbeiteten Stationen und verbinden diese durch eine kleine Liturgie.
  2. Die Konfis erarbeiten sich verschiedene Kreuzesdarstellungen. Die Konfis präsentieren ihre Kreuzesdarstellungen. Die Antworten der Konfis aus Einheit 1 zu diesem Thema werden ausgestellt. Eine Kreuzesdarstellung wird in Kleingruppen mit Hilfe von Teamern vertieft. In den Kleingruppen wird auf Grundlage des Gesprächs eine eigene Kreuzesdarstellung erarbeitet. Anschließend werden diese präsentiert.
  3. Die Konfis schauen drei Filme über jeweils einen Jugendlichen, der/die ein bestimmtes Leid zu tragen hat. In Kleingruppen wird jeweils das Leben eines vorgestellten Jugendlichen im Gespräch vertieft. Leitfrage: Welches Kreuz trägt dieser Mensch? Die Konfis verfassen E-Mails/ SMS an diese Person. Diese werden präsentiert und an die Regisseurin des Films weitergeleitet.
  4. Die Konfis werden an die Frage herangeführt, wie sie damit umgehen würden, würde einer oder eine aus ihren Reihen plötzlich versterben. Die Konfis betrachten den Fall aus der Sicht eines Seelsorgers/ einer Seelsorgerin. Die Konfis versetzen sich durch ein Rollenspiel in die an dem Trauerfall beteiligten Personen. Sie entwerfen probeweise eine Todesanzeige oder sie statten einen Trauerraum aus. Schließlich werden die Ergebnisse präsentiert.

Was leistet der zweijährige Kurs?

Dieser Kurs unterscheidet sich deutlich vom einjährigen. Zwar orientiert sich auch der zweijährige Kurs an Katechismusthemen, aber dabei bezieht er sich konsequent auf die Antworten der Konfirmandinnen und Konfirmanden, die diese in der ersten Einheit gegeben haben. Darüber hinaus bekommen die Konfis in jeder Einheit Gelegenheit ihre eigenen Ansichten zu entwickeln und teils verbal teils durch verschiedene künstlerische Ausdrucksformen in den Lernprozess einzubringen. Außerdem zielt dieser Kurs immer wieder auf Begegnung mit Menschen außerhalb des unmittelbaren Lernsettings. Dieser Kurs hat seine Wurzeln im klassischen Katechismusunterricht, bricht diesen aber subjekt-, handlungs- und beziehungsorientiert auf.

Für wen ist der Kurs „konfi live“ geeignet?

Der einjährige Kurs eignet sich für Unterrichtende, die am klassischen Konzept des auf Wissensvermittlung angelegten Konfirmandenunterrichts festhalten wollen und dabei eine aktuelle Oberfläche suchen. Der zweijährige Kurs eignet sich als Brücke zwischen einer klassischen und einer eher subjekt- orientierten, handlungs- orientierten und beziehungsorientierten Konfirmandenarbeit. Diesen Kurs experimentell mit einigen noch klarer subjektorientierten und lebensweltlich orientierten Einheiten zu ergänzen, wäre ideal.

Rezensent:

Pfr. Steffen Weusten
Dozent für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden
PTI der EKM und der Ev. Landeskirche Anhalts
Klostergarten 6
38871 Drübeck

 

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