Buch des Monats Oktober 2015: Dialogische Begegnungen mit christlicher Kunst

Rz-Kermani-StaunenNavid Kermani: Ungläubiges Staunen. Über das Christentum.
M√ľnchen: C.H. Beck, bereits 2. Auflage 2015, 303 S., mit 49 farbigen Abbildungen
— ISBN¬†978-3-406-68337-4 —
Insgesamt l√§sst der Autor 40 Szenen-Erlebnisse des christlichen Glaubens in diesem neuen Buch Revue passieren. Malerei, Architektur und Begegnungen mit besonderen Christenmenschen lassen Religion und Ethik in unerwartetem Licht erscheinen und zeigen zugleich eine Leidensmystik, Sinnlichkeit und religi√∂ses Aufbegehren an, die bei einer mehr oberfl√§chlichen Betrachtung des Christentums leicht verloren gehen k√∂nnen. Der Begriff des ‚Äěungl√§ubigen Staunens‚Äú, wird nun fast zur Metapher √ľber die Ann√§herung an g√∂ttlich Geheimnisvolles.
Es ist nicht m√∂glich, die Vielfalt von Kermanis Betrachtungen hier zu w√ľrdigen. Aber sie zeigen alle eine Besonderheit: Wer das kindliche Staunen nicht verlernt hat, dem er√∂ffnet die Begegnung mit alter und moderner Kunst des Christentums neue Sichtweisen. Mit diesen meditativen Besinnungen zeigt der Verfasser zugleich an, wie sehr Kunst verschiedene Glaubensweisen vers√∂hnen kann. Es lohnt sich f√ľr Glaubende und Nicht-Glaubende, nach dem “Lesen” der Bilder, diese noch einmal ganz in Ruhe auf sich wirken zu lassen.¬† Hier ist ein Buch entstanden, das mit Hilfe der Kunst den interreligi√∂sen Dialog auf besondere Weise befl√ľgelt.

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Reinhard Kirste

Rz-Kermani-Staunen, 30.09.15  Creative Commons-Lizenz

 

 

Der säkulare Staat vor den Herausforderungen einer multireligiösen Gesellschaft

Rz-Schleifer-Staat+ReligionJoseph Marko / Wolfgang Schleifer (Hg.): Staat und Religion.
9. Fakultätstag der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz,
16. Mai 2014.
Graz: Leykam 2014, 305 S. — ISBN 978-3-7011-0308-9 —

Als kontinuierliche Herausforderung, Chance und Spannungsfeld erweist sich das Verh√§ltnis von Staat und Religion(en) in der modernen (s√§kularen) Gesellschaft. Mit der verst√§rkten Einwanderung von Muslimen in westliche Gesellschaften hat dieses Thema oft unerwartete, ungew√∂hnliche und f√ľr viele beunruhigende Perspektiven erfahren. Von daher war der interdisziplin√§r angelegte 9. Fakult√§tstag der Juristischen Fakult√§t der Universit√§t Graz der Versuch, Strukturlinien im komplexen Zusammenhang von Staat und Religionen aufzuzeichnen.¬† Das gilt besonders f√ľr Themen wie Religionsfreiheit, Blasphemie, Scharia, S√§kularismus und Demokratie.

Die Konferenz brachte die verschiedenen Entwicklungen des Religionsrechts zur Sprache. Durch die systematisierende Bearbeitung im Plenum und in den Arbeitsgruppen gerade im Blick auf den Islam konnte manches Vorurteil √ľber das islamische Recht und die Scharia in Frage gestellt werden. Insgesamt ist durch die Verbindung von Rechtstheorie und religi√∂ser Praxis bei der Darstellung durch die Mitwirkenden faktisch ein Orientierungsbuch entstanden. Von hier aus bietet es sich an, auch weiter anstehende Fragen im Sinne einer Werteordnung zu l√∂sen, die auf der Basis des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates steht und sich zugleich kompatibel mit religi√∂s gepr√§gten Rechtsvorstellungen zeigt. Insofern bietet dieses Buch wichtige Anreize f√ľr die weitere Ausgestaltung des Rechts in multikulturellen und multireligi√∂sen Gesellschaften.

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Reinhard Kirste

Rz-Schleifer-Staat+Religion, 26.04.15    Creative Commons-Lizenz

 

Ramadan im Kindergarten РBeispiel interreligiösen Lernens

Rz-Kammeyer-Kita-RamadanNaciye Kam√ßńĪlńĪ-YńĪldńĪz / Ňěenay Biricik / Katharina Kammeyer / Claudia Tombrink:
Kinder feiern Ramadan. Ein interreligi√∂ses Praxisbuch f√ľr den Kindergarten
.       

M√ľnchen: Don Bosco 2015, 96 S., farbig illustriert, inklusive einem Downloadcode f√ľr Zusatzmaterial wie Bastelvorlagen, bildhafte Erz√§hlvorlagen, Elternbriefe u.√§. — ISBN: 978-3-7698-2111-6 —

In einer multikulturellen Gesellschaft r√ľcken die Rituale und Feste anderer Religionen verst√§rkt in den Blickpunkt. Das gilt wohl am st√§rksten f√ľr den Islam mit seinen etwa 4 Millionen Anh√§ngern in Deutschland. Die √Ėffentlichkeit nimmt besonders zwei Festzeiten besonders wahr: den Fastenmonat Ramadan und das Opferfest mit der Wallfahrt nach Mekka.¬† Zum Verst√§ndnis des Ramadan mit seinem Fest des Fastenbrechens ist nun ein Praxisbuch f√ľr den Kindergarten herausgekommen. Gerade Kindergarten und Schule haben eine wichtige Vermittlungs- und Verstehensfunktion f√ľr die Heranwachsenden.
Die Autorinnen dieser interreligi√∂sen Orientierung kommen aus dem universit√§ren Bereich, aus der Schule und dem Kindergarten. Sie bringen sowohl in der Reflexion wie in der praktischen Situation vor Ort ‚Äěinter-religionsp√§dagogische‚Äú Kompetenzen mit. Au√üerdem wird nicht nur aus einer religi√∂sen Sicht berichtet, sondern die Autorinnen stellen bewusst ihren jeweils christlichen bzw. islamischen Hintergrund dar. Im Sinne einer Lern-Kooperation legen sie eine Handreichung vor, indem sie knapp und pr√§zise zuerst die Motivation und die Ziele interreligi√∂ser Erziehung beschreiben. Dann wird ausf√ľhrlicher √ľber die Bedeutung des Ramadan im islamischen Kontext geschrieben. Dies wird nun in Anregungen, (Rollen-)Spielen, Bastelanleitungen, Nacherz√§hlungen auf der Verstehens-Ebene der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren umgesetzt: Einen Mondkalender basteln, Ramadan aus M√§usesicht ‚Ķ, Einladungskarten zum Iftar-Essen, Spielzeug spenden usw. usf.

So finden Eltern und ErzieherInnen viele Ideen und praktische Vorschl√§ge, um neben christlichen und s√§kularen Auspr√§gungen auch die ‚Äěislamische‚Äú Seite eines Kindergartens interkulturell zu verst√§rken und entsprechend zur Geltung zu bringen.

Das vorliegende ‚ÄěKindergarten-Ramadan-Buch‚Äú f√ľllt damit eine L√ľcke, und man kann nur w√ľnschen, dass dieses hilfreiche Buch in vielen Kinderg√§rten bald zum Basismaterial wird.

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Reinhard Kirste

Rz-Kammeyer-Kita-Ramadan, 07.04.2015   Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats April 2015: Raum-Begegnungen der Religionen

Rz-Beinhauer-religiöser-RaumBärbel Beinhauer-Köhler, Mirko Roth, Bernadette Schwarz-Boenneke (Hg.):               
Viele Religionen ‚Äď ein Raum?! Analysen, Diskussionen und Konzepte.¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†
Berlin: Frank & Timme 2015, 240 S., zahlreiche Abb. —ISBN 978-3-7329-0065-7

Die kulturellen Ver√§nderungen in unserer Gesellschaft haben in den letzten Jahren nicht nur immer st√§rker werdende S√§kularisierungseffekte gebracht, sondern auch neue religi√∂se Sicht- und Zugangsweisen. Dazu geh√∂rt ganz konkret inzwischen eine beachtliche Zahl von R√§umen der Stille, des Gebets und der Andacht, die nicht nur f√ľr eine Kirche oder Konfession, sondern f√ľr alle Religionen offen sind. Die Gestaltungsformen sind vielf√§ltig und spiegeln wie in einem Brennglas multireligi√∂se Markierungspunkte unserer Gesellschaft. Das vorliegende Buch reflektiert eine Tagung vom Juli 2013 an der Universit√§t Marburg. Sie behandelte Fragen zu Chancen und Problemen (inter-)religi√∂ser R√§ume. Es werden folgende Themenbereiche angesprochen

1. Reflexionen: Machtstrukturen, Konfliktfelder, Nutzungskonzepte

2. Raumtypen: Institutionen auf der Suche nach religiösen Gemeinschaftsräumen

3. Einblicke: Räume zwischen den Religionen in Deutschland und der Schweiz

4. Ausblick: Weg-Orientierungen f√ľr religi√∂s plurale R√§ume

Die Tagung in Marburg selbst brachte durch die Darstellung und Diskussion vieler (inter-)religi√∂ser Initiativen und Besinnungsorte in den Workshops neben den zentralen Veranstaltungen noch ein weit umfassenderes Bild ein, wie der Rezensent selbst erleben konnte. Die Fragestellung ‚ÄěViele Religionen ‚Äď ein Raum?! wird also weiterhin zu intensiver Besch√§ftigung anregen und n√∂tigen.

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Reinhard Kirste

Creative Commons-LizenzRz-Beinhauer-religiöser-Raum, 31.03.15

Spektrum Iran РInterkulturelle und interreligiöse Begegnungen zwischen Orient und Okzident

Rz-Spektrum-IranSPEKTRUM IRAN. Zeitschrift f√ľr islamisch-iranische Kultur (viertelj√§hrlich).
27. Jahrgang 2014, etwa 100 Seiten pro Heft, hrsg. v. der Kulturabteilung der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Berlin, erscheint im Verlag Traugott Bautz Nordhausen, ISSN 0934-358X.

Trotz vieler Informationen, die √ľber den Iran inzwischen in den deutschen Medien erscheinen, sind doch kulturelle und religi√∂se Hintergrundinformationen √ľber die Tagesaktualit√§t hinaus keineswegs selbstverst√§ndlich geworden. So herrscht immer noch ein Persienbild vor, das durch die Spannung von Orient-Mythos und Post-Khomeini-Revolution gepr√§gt ist. Hier ein St√ľck Differenzierung hineinzubringen, bem√ľht sich die Islamische Republik Iran mit ihrer Kulturabteilung seit 27 Jahren.

Die in ‚ÄļSpektrum Iran‚ÄĻ ver√∂ffentlichten Beitr√§ge kommen aus den Bereichen Iranistik, Orientalistik, Islamwissenschaft, Arch√§ologie, Ethnologie, Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst, Soziologie sowie Religion und Theologie. Ber√ľhmte IslamwissenschaftlerInnen wie z.B. Annemarie Schimmel haben hier geschrieben. In fr√ľheren Jahren driftete die Zeitschrift jedoch manchmal in sehr spezielle Themen ab, die h√∂chstens Iranistik-Spezialisten interessieren konnten.

Seit dem Jahr 2014 hat die Zeitschrift nun einen neuen Schriftleiter, den Privatdozenten Hamid Reza Yousefi von der Universit√§t Koblenz-Landau. Er hat sich als Religionswissenschaftler und Philosoph im Bereich der interkulturellen Philosophie .Er hat bereits die bisherige Themenvielfalt und manchmal auch redaktionelle Beliebigkeit zugunsten einer strengeren Thematisierung und inhaltlichen Neuausrichtung verdeutlicht. Das zeigen bereits die nun vier vorliegenden Hefte des Jahres 2014. Die vier Hauptthemen des letzten Jahrgangs werden unter west-√∂stlichen bzw. √∂stlich-westlichen Fragerichtungen aufgenommen: Was ist Kultur? Was ist Philosophie? Was ist Religion? Was ist Tradition? Hinzu kommen jeweils erg√§nzend und weiterf√ľhrend einige Buchbesprechungen. Die Webseite: ‚Äļwww.spektrum-iran.de‚ÄĻ bietet eine erste Orientierung.

Diese vier geschichtlichen, systematischen und aktualisierenden Anfragen an Kultur, Philosophie, Religion und Tradition in dieser Heftreihe setzen zwar keine endg√ľltigen Antworten frei, aber immerhin er√∂ffnet sich ein ‚Äļweites Feld‚ÄĻ, auf dem die verschiedenen Ans√§tze gerade zwischen Orient und Okzident eine pluralit√§tsf√§hige ‚ÄļBebauung‚ÄĻ erm√∂glichen. Damit fallen scheinbar un√ľberbr√ľck¬≠bare Gegens√§tze in sich zusammen und er√∂ffnen gemeinsam erweiterbare ‚ÄļGehwege‚ÄĻ. Denn alle verengenden Beschreibungen von Kultur, Philosophie, Religion und Tradition vergessen die universale und zugleich relativierbare Ausrichtung aller Kommunikationsmuster in Geschichte und Gegenwart. ‚ÄļSpektrum Iran‚ÄĻ kann dazu sicher noch weitere wichtige interkulturelle und interreligi√∂se Beitr√§ge leisten.

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Reinhard Kirste

Rz-Spektrum-Iran1, 20.02.15  Creative Commons-Lizenz

Vertiefter Dialog – f√ľr (inter-)kulturelle Transformation

LeRz-Swidler-Dialogueonard Swidler: Dialogue for Interreligious Understanding.
Strategies for the Transformation of Culture-Shaping Institutions.
New York /London: Palgrave: Macmillan 2014, 212 S., Index — ISBN 978-1-137-47119-2 —

Mit diesem Band verdeutlicht Leonard Swidler (geb. 1929), welche Ziele er von Anfang an verfolgte, als er den interreligi√∂sen Dialog zu seinem Forschungs- und Lebensschwerpunkt machte. Der katholische Theologe lehrt seit 1966 an der Temple University in Philadelphia (USA) ‚ÄěCatholic Thought and Interreligious Dialogue). Er hat nicht nur die renommierte Zeitschrift Journal of Ecumenical Studies (zusammen mit seiner Frau Arlene) gegr√ľndet, sondern auch das Dialogue Institute, dessen Pr√§sident er seitdem ist, und das er derzeit in ein internationales Netzwerk von Dialog-Instituten einbindet. Len Swidler hat viele B√ľcher geschrieben bzw. mit anderen Theologen und Religionswissenschaftlern herausgegeben. Als Gastprofessor hat er an vielen Universit√§ten weltweit Vorlesungen gehalten und tut dies immer noch.

Dieses Buch verbindet vieles von dem Bisherigen im Sinne einer ‚Äěhilfreichen Kombination‚Äú von theoretischen Ideen und praktischen Projekten (S. 3). Es ist ein Dialog √ľber den Dialog. Das macht zugleich den Reiz der hier vorliegenden Texte aus. Einige hatte Swidler schon fr√ľher ver√∂ffentlicht. Sie sind nun teilweise √ľberarbeitet und sollten als Einladung f√ľr einen vertieften Dialog verstanden werden. Diesen beschreibt Swidler zugleich als einen Weg, in dem kritisches Denken, emotionale Intelligenz und sich gegenseitig anspornende Kooperation zusammenkommen. Die Texte aus diesem Buch spiegeln darum die verschiedenen Aspekte von ‚Äědeep dialogue‚Äú und k√∂nnen als dialogisch-biografische Bilanz verstanden werden, die sich aus 60 Jahren Arbeit interreligi√∂ser Begegnung ergeben haben. In seiner ‚ÄěConclusion‚Äú w√ľnscht sich Swidler, dass die von ihm hier bilanzierten Gedanken nicht nur vision√§r wirken m√∂gen, sondern dazu f√ľhren, dass viele Menschen diese miteinander im Sinne einer Global Business-Ethik teilen. Angesichts all der brutalen Konflikte und des uns√§glichen Leids vieler Menschen w√§re zu w√ľnschen, dass sich viele Einzelne, aber auch St√§dte und Staaten bewusst auf diesen “Deep Dialogue” einlie√üen. Von daher erscheint es geradezu dringend, dass dieses Buch auch in anderen Sprachen und bald in Deutsch erscheinen k√∂nnte.

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Reinhard Kirste

Rz-Swidler-Dialogue, 30.12.14    Creative Commons-Lizenz

 

Buch des Monats Dezember 2014: Wie Göttinnen sich wandeln

David T. Sugimoto (ed.): Transformation of a Goddess. Ishtar ‚Äď Astarte ‚Äď Aphrodite.
Orbis Biblicus et Orientalis 263. Fribourg (CH): Academic Press / Göttingen: V & R 2014, XIII, 234 S., Abb, Indices
—ISBN: 978-3-7278-1748-9 (Academic Press Fribourg) und 978-3-525-54388-7 (V & R)

Rz-Sugimoto-GoddessDer Arch√§ologe und Ethnologe D.T. Sugimoto von der Keio-Universit√§t in Tokyo geh√∂rt zu den f√ľhrenden Spezialisten mittel√∂stlicher antiker Arch√§ologie. Er hat intensiv √ľber die herrschenden Mutterkulte und √ľber den sich ausbildenden Monotheismus im √∂stlichen Mittelmeerraum geforscht.¬† Man kann √ľbrigens dar√ľber diskutieren, ob es sich bei den im Buch angesprochenen Transformationen wirklich nur um eine G√∂ttin handelt oder angesichts der verschiedenen Kulturr√§ume und Epochen um mehrere G√∂ttinnen. Die unter demselben Thema wie das Buch firmierende Konferenz aus dem Jahre 2011 an der Keio-Universit√§t Tokyo hatte die Frage offen gelassen. Die vier Teile des Buches heben nun bestimmte Schwerpunkte hervor:

  1. Die Natur der Ishtar/Ischtar  (Innana) in Mesopatomien während der(post-)sumerischen Zeit (2. Jts v. Chr.)
  2. Astarte im östlichen Mittelmeerraum während der 2. Hälfte des 2. Jts v. Chr.
  3. Astarte/Aschera in der Bibel (zwischen 1000 und 800): Archäologische Entdeckungen
    und erg√§nzende Funde in der s√ľdlichen Levante.
  4. Astarte-Tempel der Ph√∂nizier bis hin zur Geburt der Aphrodite auf Zypern ‚Äď
    Erkenntnisse aus archäologischen Fundstätten vom 3. Jahrtausend bis in die vorchristlich-hellenistische Zeit.

Das hier ausgebreitete Material ist sicher Fachleute aus dem Forschungsgebiet des Alten Orients im Bloick. Dennoch ist die Lekt√ľre deshalb teilweise Atem beraubend, weil hier gewisserma√üen die ‚ÄěBiografie‚Äú der G√∂ttin Astarte vom 3. Jahrtausend bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. nachvollzogen wird. Es ist zugleich f√ľr alle Bibel-Interessierten ein faszinierender Einblick in die Entwicklung einer G√∂ttin bzw. die Zusammenf√ľhrung mehrere G√∂ttinnen zu einer. Nah- und mittel√∂stliche G√∂ttinnen-Attribute werden teilweise von den Israeliten √ľbernommen und in die Jahwe-Religion integriert. Angesichts der G√∂tter/G√∂ttinnen-Transformation spiegelt sich auch der sp√§tere j√ľdische Monotheismus in religi√∂s-polytheistischer Vielfalt.

Das Buch wurde von der Interreligiösen Bibliothek zum Buch des Monats Dezember 2014 ausgewählt.

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Reinhard Kirste

Rz-Sugimoto-Goddess, 30.11.14  Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats Mai 2014: Interkulturelle Theorie und Praxis Рeine dialogische Pädagogik

Rz-Yousefi-InterkultHamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation.
Eine praxisorientierte Einf√ľhrung.

Darmstadt: WBG 2014, 204 S., Grafiken, Glossar
— ISBN 978-3-534-26260-1 — auch als E-Book erh√§ltlich —

In seinem neuesten Buch benennt, Hamid Reza Yousefi, Privatdozent f√ľr interkulturelle Philosophie, die Zielrichtung einer ‚Äětragf√§higen Kommunikation in interkultureller Absicht‚Äú¬† (S. 7).¬† Nur die dialogische Vermittlung erm√∂glicht √ľberhaupt den Erfolg f√ľr eine zuk√ľnftige auf Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit ausgerichtete Gesellschaft. Dazu bedarf es zum einen, die verschiedenen Kulturbegriffe auf eine solch tragf√§hige Br√ľckenfunktion zu untersuchen und daraus eine dialogische P√§dagogik der Interkulturalit√§t zu entwickeln. Dazu m√ľssen zum anderen aber auch die Konfliktpotentiale gezeigt sowie kulturelle Grenzziehungen hinterfragt und √ľberwunden werden.

Seinen Erfahrungshintergrund nimmt der Autor aus sog. deutsch-iranischen Tauschfamilien, also Familien und Gruppen, in denen zwei Kulturen in einer k√ľrzeren oder l√§ngeren Zeitphase aufeinandertreffen oder wo eine solche interkulturelle Partnerschaft mit ihren Chancen und Schwierigkeiten durchg√§ngig gelebt wird. Das k√∂nnen auch deutsch-t√ľrkische, deutsch-afrikanische, deutsch-arabische Familien sein.

Hier ist auch didaktisch aufgearbeitet ein Handbuch entstanden, das erlaubt, von erfahrener Praxis auf die Grundkonzepte menschlichen Miteinanders im Sinne interkultureller Kommunikation zur√ľckzuschlie√üen und Modelle der Verst√§ndigung bewusst weiter bis in den Alltag hinein zu realisieren.

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Reinhard Kirste

 Rz-Yousefi-Interkult, 30.04.14   Creative Commons-Lizenz

Weisheitslehren Chinas: Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus

Rz-Javary-China-RelDurch die Globalisierung und die schnelle Erreichbarkeit auch weit entfernter Ziele ist auch China inzwischen stark in den Fokus der √Ėffentlichkeit ger√ľckt. In der Begegnung zwischen dem Westen und dem Fernen Osten werden auch unterschiedliche Lebensstile und andere religi√∂se Denkweisen und Glaubensformen sichtbar. Darum ist es wichtig, die geistigen und spirituellen Hintergr√ľnde chinesischer Lebensart in Vergangenheit und Gegenwart genauer zu betrachten. Neben den religi√∂sen Entwicklungen von den archaischen Zeiten bis in die Gegenwart werden auch die wichtigen Pers√∂nlichkeiten (wie der legend√§re Laotse) und der politisch wirksame Konfuzius (Kungfutse) mit zentralen Werken der religi√∂sen Kultur vorgestellt, etwa das
Tao Te King (Dao De Dsching), das I Ging oder die Analekten (Gespräche) des Konfuzius.

Eine ausgezeichnete und gut lesbare Orientierung (leider bisher nur auf Franz√∂sisch) bietet darum das Buch des Sinologen und exzellenten China-Kenners Cyrille J.-D. Javary √ľber
die drei chinesischen Weisheiten: Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus.

Cyrille J.-D. Javary: Les trois sagesses chinoises –
tao√Įsme – confucianisme – bouddhisme
Spiritualités vivantes 269. Paris: Albin Michel 2012
Rezension: hier

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Buch des Monats Januar 2014:

Rz-Bernhardt_Perry-Interrel-TheolReinhold Bernhardt / Perry Schmidt-Leukel (Hg.):
Interreligiöse Theologie. Chancen und Probleme.
Beiträge zu einer Theologie der Religionen (BThR), Band 11.
Z√ľrich: TVZ 2013, 296 S., Personenregister
— ISBN 978-3-290-17718-8 —

Die beiden Herausgeber Reinhold Bernhardt, Professor f√ľr Systematische Theologie an der Universit√§t Basel und Perry Schmidt-Leukel, Professor f√ľr Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Universit√§t M√ľnster, haben sich als kompetente und engagierte Promotoren des interreligi√∂sen-theologischen Dialogs schon seit langem einen Namen gemacht.

Der neueste Band aus der Reihe “Beitr√§ge zu einer Theologie der Religionen” bezieht sich auf eine Fachtagung im November 2012 in der N√§he von Basel. Die hier versammelten z.T. international renommierten Fachleute deckten in ihren Beitr√§gen Problemfelder und Chancen eines interreligi√∂s theologischen Ansatzes aus verschiedenen Perspektiven auf.

Interkulturelle, kontextuelle, Komparative und interreligi√∂se Theologie sind Begriffe, die zunehmend und nicht immer eindeutig gebraucht werden. Die Autoren haben hier methodologische und systematisierenden Kl√§rungsschritte vorgenommen und auch ungew√∂hnliche Ans√§tze gewagt. Die hier vorgestellten Ans√§tze bieten M√∂glichkeiten, interreligi√∂se Theologie als Herausforderung durch andere religi√∂sen Traditionen, aber zugleich konsequent dialogisch ‚Äď und nicht nur religionswissenschaftlich vergleichend ‚Äď voranzutreiben.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Interrel-Theol, 31.12.13     Creative Commons-Lizenz