Buch des Monats September 2014: Martyrium und Selbstopferung (nicht nur) im Mittleren Osten

Rz-Dehghani-Horsch-MartyrdomSasha Dehghani / Silvia Horsch (eds.):
Martyrdom in the Modern Middle East.

Ex Oriente Lux, Band 14. W√ľrzburg: Ergon 2014, 225 S., Abb.
— ISBN 978-3-95650-030-5 —

Dieser Band pr√§sentiert die √ľberarbeiteten Beitr√§ge eines Workshops an der Freien Universit√§t Berlin aus dem Jahr 2011: ‚ÄúTraditions of Martyrdom in the Modern Middle East‚ÄĚ. Entstanden ist dadurch eine Vergleichsperspektive im Blick auf das M√§rtyrerverst√§ndnis in den monotheistischen Religionen, aber auch unter Ber√ľcksichtigung hinduistischer Traditionen am Beispiel von Mahatma Gandhi. Ein gewisser Schwerpunkt liegt dabei auf dem Baha‚Äôi-Glauben. Insgesamt werden von den einzelnen AutorInnen soziologische, philosophische und theologische Aspekte des M√§rtyrertums in Vergangenheit und Gegenwart wirkungsgeschichtlich untersucht. Die Konfliktsituationen in ihrer Unterschiedlichkeit bringen auch M√§rtyrerprofile in erstaunlicher Vielgestaltigkeit hervor. Dies schl√§gt sich in bestimmten Ritualen, aber auch in den k√ľnstlerischen Darstellungen nieder.

Das Buch bietet wichtige Einsichten in die religi√∂s-theologischen Grundmuster von(Selbst-)Opfer und Martyrium, haupts√§chlich in den monotheistischen Religionen und in gesellschaftlichen Zusammenh√§ngen.¬† Die ungewollten und gewollten Martyrien sind eine Herausforderung an Menschenw√ľrde und Menschenrechte. Die Wiederherstellung der Humanit√§t geh√∂rt zu den dringendsten globalen Aufgaben!

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

 Reinhard Kirste

Creative Commons-Lizenz

 Rz-Dehghani-Horsch-Martyrdom, 31.08.14

 

 

 

Weisheitslehren Chinas: Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus

Rz-Javary-China-RelDurch die Globalisierung und die schnelle Erreichbarkeit auch weit entfernter Ziele ist auch China inzwischen stark in den Fokus der √Ėffentlichkeit ger√ľckt. In der Begegnung zwischen dem Westen und dem Fernen Osten werden auch unterschiedliche Lebensstile und andere religi√∂se Denkweisen und Glaubensformen sichtbar. Darum ist es wichtig, die geistigen und spirituellen Hintergr√ľnde chinesischer Lebensart in Vergangenheit und Gegenwart genauer zu betrachten. Neben den religi√∂sen Entwicklungen von den archaischen Zeiten bis in die Gegenwart werden auch die wichtigen Pers√∂nlichkeiten (wie der legend√§re Laotse) und der politisch wirksame Konfuzius (Kungfutse) mit zentralen Werken der religi√∂sen Kultur vorgestellt, etwa das
Tao Te King (Dao De Dsching), das I Ging oder die Analekten (Gespräche) des Konfuzius.

Eine ausgezeichnete und gut lesbare Orientierung (leider bisher nur auf Franz√∂sisch) bietet darum das Buch des Sinologen und exzellenten China-Kenners Cyrille J.-D. Javary √ľber
die drei chinesischen Weisheiten: Taoismus, Konfuzianismus, Buddhismus.

Cyrille J.-D. Javary: Les trois sagesses chinoises –
tao√Įsme – confucianisme – bouddhisme
Spiritualités vivantes 269. Paris: Albin Michel 2012
Rezension: hier

Creative Commons-Lizenz

Interreligiöse Beziehungen verstehen und vertiefen

Rz-Cheetham-InterrelDavid Cheetham / Douglas Pratt / David Thomas (eds.):
Understanding Interreligious Relations.
Oxford (UK) / New York (USA): Oxford University Press 2013, 464 p., ausf√ľhrlicher Index

— ISBN 978-0-19-964585-5 —

Drei im interreligiösen Dialog engagierte Wissenschaftler haben diesen Band herausgegeben: David Cheetham und David Thomas von der Universität Birmingham und der neuseeländische Religionswissenschaftler Douglas Pratt, zur Zeit an der Universität Bern. Sie verstehen ihre Zusammenarbeit mit den anderen Forschern als Orientierungsarbeit angesichts der Begegnung von Religionen auf unterschiedlichen Ebenen. Sie betonen,  dass es um die Interaktion von religiösen Gemeinschaften in Geschichte und Gegenwart, um interreligiöses Engagement und um die wissenschaftliche-interdisziplinäre Aufarbeitung der damit zusammenhängenden Phänomene und Probleme geht.Die Leitfrage ist im Grunde, wie Religionen sich selbst und im Kontext der anderen in einer globalisierten und religiös-pluralen Welt wahrnehmen.

Das Buch teilt sich in zwei Teile, einen ersten grunds√§tzlichen (7 Beitr√§ge), in dem von einer bzw. der (√ľberwiegend christlichen) eigenen Religion der Blick insgesamt geweitet wird. Dem folgen im zweiten Teil 11 Themen und Diskussionspunkte im Kontext interreligi√∂ser Beziehungen.

So entsteht ein differenzierter Einblick in die Vielf√§ltigkeit interreligi√∂lser Begegnungen mit teilweise sich schnell √§ndernden Kontexten, gesellschaftlichen Bedingungen und Trends. Hier kommt (inter-)religi√∂se Verantwortung nicht ohne eine ‚Äěconstructive theology‚Äú aus (S. 400). Eine solche Theologie muss sich jeglicher Pr√§dominanz enthalten, um den Dialog nicht zu gef√§hrden, denn eine Religion braucht gerade in ein r globalisierten Welt immer die “andere”.

Die hier zusammengetragenen Erkenntnisse machen dieses voluminöse Buch zu einem wichtigen Merkposten im weltweiten interreligiösen Dialog.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

                                                                                                                                                                                        Reinhard Kirste

Rz-Cheetham-Interrel, 20.01.14    Creative Commons-Lizenz

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Perry Schmidt-Leukel: Grundlegendes zum Buddhismus und zu religiöser Pluralität

Der interkulturelle Theologe und Religionswissenschaftler  

Perry Schmidt-Leukel (Universit√§t M√ľnster) hat sich  als Vertreter der religionspluralistischen Theologe international einen Namen gemacht.
Das folgende Buch steht daf√ľr als herausragendes Beispiel:
Gott ohne Grenzen.
Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen
.
G√ľtersloher Verlagshaus 2005
(Rezension von Gerd Neuhaus in “Stimmen der Zeit, Nr. 05/2006)
Schmidt-Leukel ist jedoch auch ein bekannter Buddhismusforscher. Das Ergebnis seiner intensiven jahrelangen Arbeit zusammen mit weltweit renommierten Forscherinnen und Forschern hat er jetzt als vierb√§ndiges Werk herausgegeben.  

Perry Schmidt-Leukel (ed.): Buddhism and Religious Diversity
Reihe: Critical Concepts in Religious Studies.
London: Routledge 2012, insgesamt 5112 S.!


Der Verlag stellt ausf√ľhrlich vor, wie die Autoren die “Buddhismen” im Kontext ihrer Geschichte, Gegenwart, geografischen Ausbreitung und gesellschaftlicher Stellung untersucht haben und dabei konsequent den die religi√∂se Vielfalt Asiens ber√ľcksichtigten (in englischer Sprache): 

Die Hinweise des Verlags lassen auf ein neues Standardwerk zum Buddhismus im (inter)religiösen Kontext (Asiens) schließen.

Auf der INTR¬įA-Rezensionsseite “Ein-Sichten” wurden bereits vorgestellt:

Ein-Sichten – die INTR¬įA-Rezensionsseite mit weiterer Adresse

Die Rezensionsseite der Interreligi√∂sen Arbeitsstelle (INTR¬įA) hat eine weitere Adresse: Buchbesprechungen, Literaturhinweise, Filmkritiken usw. zu (inter-)religi√∂sen Themen  k√∂nnen jetzt hier ausf√ľhrlich abgerufen werden.

Rezensionsseite ‚ÄúEin-Sichten‚ÄĚ jetzt unter: http://buchvorstellungen.blogspot.de/

Alle bisherigen Eintragungen bis März 2012 sind weiter erreichbar und auch unter einer Adresse zusammengefasst,
und zwar als Archiv der Rezensionen:
http://buchvorstellungen.blogspot.de/2012/03/archiv-alterer-rezensionen.html

Das auf aktuelle religi√∂se Ereignisse eingehende INTR¬įA-Tagebuch hat ebenfalls eine
zweite Adresse: http://intra-tagebuch.blogspot.de/

Eine ausf√ľhrliche √úbersicht √ľber alle ver√∂ffentlichten Materialien im Zusammenhang mit der Interreligi√∂sen Arbeitsstelle (INTR¬įA) bietet die Seite: http://religiositaet.blogspot.de/

Weltreligionen entdecken – Arbeitsb√ľcher nicht nur f√ľr die Sekundarstufe II

Der Theologe und Didaktiker Werner Trutwin – mit langj√§hriger Schulerfahrung – hat die bisherige Reihe der Arbeitsb√ľcher “Die Weltreligionen” v√∂llig neu bearbeitet. Diese aktualisierte Fassung von Unterrichtsmaterialien erm√∂glicht Lehrenden eine gute Hinf√ľhrung zu den einzelnen Welteligionen und √§lteren Sch√ľlerInnen eine eigenst√§ndige Vorbereitung f√ľr den Unterricht. Die Hefte eignen sich nicht nur f√ľr den Religionsunterricht aller Konfessionen und Religionen, sondern auch f√ľr Ethik, Philosophie, Geographie und Kunst.

     Werner Trutwin:
Weltreligionen. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II:
Religion – Ethik – Philosophie

Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus
Berlin: bsv-Patmos 2011
— Rezension hier —

Weltreligionen erkl√§rt – Material nicht nur f√ľr die Sekundarstufe II

WELTRELIGIONEN.¬† RELIGION ‚Äď ETHIK ‚Äď PHILOSOPHIE
Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II
Berlin: bsv Patmos 2011, jeweils 144 S., Abb., Glossar

Der Verlag Oldenbourg/bsv (mit Patmos) als Teil der Cornelsen-Schulverlage sieht die Behandlung der Weltreligionen angesichts von Globalisierung und rasanter gesellschaftlicher Entwicklungen als dringende Notwendigkeit an, umfassende Kenntnisse und vertiefte Einsichten auch in der Schule zu erwerben.

Mit Werner Trutwin hat der Verlag dazu einen kompetenten Didaktiker gewonnen, der sich seit Jahrzehnten als (katholischer) Christ, Theologie und Religionsp√§dagoge f√ľr einen sachkompetenten, auf Dialog und kritischer Auseinandersetzung gegr√ľndeten Religionsunterreicht eingesetzt hat. (vgl. z.B. die Schulb√ľcher f√ľr katholische¬† Religionslehre Sekundarstufe I. D√ľsseldorf: Patmos 2000‚Äď2004 und das als Longseller thematisch aufgebaute und in vielen Heften erschienene ‚ÄěTheologische Forum‚Äú [seit 1970, ebenfalls bei Patmos].
Von Anfang an kam neben den christlichen Themen und ethischen Fragestellungen die Darstellung der Weltreligionen in den Blick ‚Äď mit den entsprechenden Unterrichtsmaterialien. ¬†¬†¬†
In der W√ľrdigung des Patmos-Verlages zum Lebenswerk von Werner Trutwin wird sein facettenreiches Engagement sehr sch√∂n deutlich.

Der bisherigen Reihe ‚ÄěDie Weltreligionen‚Äú (Patmos-Verlag 1998/1999) folgt nun eine unter dem Signet ‚Äěbsv/Patmos‚Äú die v√∂llig neubearbeitete ‚ÄěSerie‚Äú von f√ľnf wichtigen
Weltreligionen ‚Äď f√ľr die Sekundarstufe II:
Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und Christentum.
Alle Hefte erschienen 2011.

Das mehrfach √ľberarbeitete Sachbuch und nicht auf die Schule zugeschnittene Werk: ¬†
Werner Trutwin: Die Weltreligionen. Wege zum Licht. D√ľsseldorf: Patmos 1996, 464 S., Abb.,
Sonderausgabe 2002: “Die Welteligionen” [Albatros], ebenfalls im Patmos-Verlag, zuerst 1976 erschienen unter dem Titel “Licht vom Licht. Religionen in unserer Welt” (s. Bild), kann man fast als eine Art (unterst√ľtzendes) Grundwerk f√ľr die hier angezeigten Arbeitsb√ľcher bezeichnen.

Die neue Serie wird vermutlich wie die √§ltere Reihe √ľberwiegend dem Religionsunterricht beider Konfessionen dienen. Es sei angemerkt, dass ihr religi√∂ser Schwerpunkt den Einsatz nicht nur im Ethik-Unterricht, sondern auch in Philosophie, Geschichte, Geografie und sogar im Kunstunterricht nahelegt.

Zur Gliederung:
Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit folgen sog. Ann√§herungen, das hei√üt Besonderheiten der jeweiligen Religion ‚Äď gerade im Blick auf ihr Selbstverst√§ndnis. Dann geht es weiter in die Geschichte, die heiligen Schriften werden vorgestellt, Gottesbilder bzw. das Transzendenzverst√§ndnis kommt zur Sprache, anthropologische Pr√§zisierungen, Ethik und Moral, Br√§uche, Riten, und Feste. Es werden immer Glaubensschwerpunkte besonders herausgestellt. An wichtigen Pers√∂nlichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart kommen wirkungsgeschichtliche Weichenstellungen ins und religi√∂se Ver√§nderungen innerhalb der Religion ins Blickfeld. Die Verbindungen zu den kulturellen Vorgegebenheiten und Korrelationen im Blick auf Geografie, Architektur, Kunst, Poesie usw. zeigen die vielen Gesichter der jeweiligen Religion. Mystische Dimensionen und politische Realisierungen, gegenw√§rtige Probleme und die Begegnung mit anderen Religionen finden schlie√ülich im Heft auch noch Platz.
Trotz dieser eing√§ngigen Grundstruktur geht Trutwin auch christlich-vorurteilsbedingten Vereinfachungen aus dem Wege und er√∂ffnet ‚Äď verbunden mit zus√§tzlichen Hinweisen und Arbeitsaufgaben ‚Äď einen eigenst√§ndigen und differenzierten Zugang zu der behandelten Religion. Er verf√§llt dabei auch nicht einer religionskundlichen ‚ÄěObjektivit√§t‚Äú, sondern √ľbt eine von Sympathie f√ľr die anderen Religionen getragene Darstellung.

Weltreligionen: Judentum
— ISBN 978-3-7627-0432-4 —

Trutwin verweist gleich am Anfang darauf, dass das Judentum nicht nur in seiner Sonderstellung zum Christentum eine herausragende und pr√§gende Rolle spiele. Zugleich ist das Judentum die √§lteste lebende Religion neben dem Hinduismus. So muss also das Judesein besonders gekl√§rt werden und die wechselvolle Geschichte wenigstens in Umrissen nachgezeichnet werden. Die ‚ÄěSchriften der Heiligkeit‚Äú, das Gottes-Tetragramm JHWH, der Sch√∂pfungsgedanke und das Ethos werden immer auch unter den vergangenen und gegenw√§rtigen Bedingungen angesprochen.
Nach Alltag und Festen, Strukturierung des j√ľdischen Jahres, wird das Messias-Problem gerade in Abgrenzung und Gemeinsamkeit mit dem Christentum behandelt. Dass wichtige j√ľdische Pers√∂nlichkeiten den Sch√ľlern n√§her gebracht werden, macht die Vielf√§ltigkeit j√ľdischer Intellektueller konkret: Philo von Alexandrien, Maimonides, Baruch Spinoza, Moses Mendelssohn, Martin Buber, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Emmanuel L√©vinas. Die vielen Gesichter des Judentums kommen nicht nur in Architektur und Kunst, sondern auch in j√ľdischer Typik zwischen Rabbinen, Mystikern, Chassidim, Orthodoxen und Reformern zur Sprache.
Im Folgenden bezieht sich Trutwin auf den Juden Jesus und die Trennung von Juden und Christen. Dann kommt das heutige Israel und Pal√§stina sowie j√ľdisches Leben in Deutschland zur Sprache. Angesichts von Antisemitismus und Schoa ist dies ein hoffnungsvoller, aber zugleich belasteter ‚ÄěTrialog‚Äú von Juden, Christen und Muslimen, bespielhaft dokumentiert an Jerusalem.

Weltreligionen: Islam
ISBN 978-3-7627-0420-1

Dieses Unterrichtsmaterial wird sicher die gr√∂√üte Aufmerksamkeit in den Schulen finden, weil der Islam f√ľr die Menschen in Deutschland die n√§chste Religion neben dem traditionellen Christentum und dem Judentum ist. Es ist auch diejenige Religion, die mit den meisten Vorurteilen zu k√§mpfen hat. Trutwin sagt sehr klar, dass die mit dem Islam verbundenen bedrohlichen Elemente nicht ignoriert werden sollten. Das Bild des Islam l√§sst sich von daher nicht sinnvoll zeichnen: Der Islam ist eine ‚ÄěReligion, ‚Ķ die √ľber viele positive Ressourcen verf√ľgt, die f√ľr eine gute Zukunft der Menschheit n√ľtzlich sind‚Äú (S. 4). Von dieser Einstellung her konstruiert der Autor nun einen Islamkurs, dem einige wichtige Daten vorangestellt werden, um von daher den Blick auf die Geschichte von Abraham bis in die Gegenwart zu zeichnen. Im Sinne der Intentionen vers√§umt es der Autor nicht, auf den Islam in seiner vielf√§ltigen Sch√∂nheit in Kunst, Literatur und Architektur zu verweisen.
Die Basis des Heftes bilden die Ausf√ľhrungen √ľber den Propheten Mohammed, den Koran als Gottes Wort und den islamischen Glauben an den einen Gott. Von daher werden das Menschenbild im Islam und die ethischen Ableitungen (eben auch die 5 S√§ulen) thematisiert. Bei der Besprechung der ‚ÄěScharia‚Äú (S. 96ff) h√§tte man gew√ľnscht, dass dies weniger als ‚ÄěRecht des Islam‚Äú, sondern mehr als Rechtsrahmen dargestellt worden w√§re. Sehr sch√∂n ist dann die Auswahl wichtiger engagierter dialogoffener Pers√∂nlichkeiten von Mohammed Iqbal bis Fatima Mernissi.
Zu guter Letzt f√§chert Trutwin die Begegnung mit dem Islam ‚Äětrialogisch‚Äú auf und macht damit die inhaltliche N√§he und zugleich Problematik der theologischen und religionspolitischen Auseinandersetzung mit dem Islam deutlich.
Schon beim Blick auf die Geschichte fiel die Pluralit√§t des Islam auf, die im Kapitel ‚ÄěVielfalt statt Einheit‚Äú deutlich durch die Darstellung der Sunniten, Schiiten, Alewiten, Wahabiten und des Sufismus ausdifferenziert wird. Die Aktualit√§t fordert hier vermutlich bald eine Erg√§nzung durch die Bewegung der Salafiyya. Damit ist die Basis in der Spannung des heutigen Islamismus und der Rolle des Islam in der europ√§ischen und deutschen Politik gegeben.

Weltreligionen: Hinduismus
ISBN 978-3-7627-0434-8

Beim Hinduismus betont Trutwin zum einen den religi√∂sen Pluralismus der indischen Religionen und die Bedeutung der heiligen Schriften mit ihrer zum Teil ausgefeilten Philosophie eine wesentliche Rolle. Zum andern geht es nat√ľrlich um die (reinkarnatorischen) Erl√∂sungswege hin zur Befreiung (Moksha). Die Vielfalt der G√∂tter wird sorgf√§ltig auf die Grundstrukturen vom fr√ľhen Indra bis zu den wirkm√§chtigen ‚ÄěHaupt‚Äúg√∂ttinnen zur√ľckgef√ľhrt. Nat√ľrlich kommt auch der g√∂ttlichen Dreigestalt die n√∂tige Beachtung zu.

In der Folge wird die den Alltag durchdringende Spiritualität angesprochen: Heilige Kuh, Tantrismus, moralische Lebensordnung, Dharma-Struktur der Kasten. Aus der lebendigen Spiritualität erwuchsen und erwachsen Reformversuche bis hin zu eigenen Religionen: Buddhismus, Jainismus und Sikhismus.
Es sei auch erwähnt, dass Trutwin große indische Reform-Denker unter bestimmten Gesichtspunkten darstellt: Shankara als Lehrer der Einheit, Ranamuja als dualistischen Philosophen, Tagore als Dichter in neuer Zeit, Ramakrishna als Mystiker der Gottesliebe, Vivekananda als religiöser Reformator, Gandhi als Politiker der Gewaltlosigkeit.

Angesichts des dialogischen Ansatzes der Weltreligionen-Hefte setzt sich der Theologe am Schluss auch mit den Schwierigkeiten und Chancen interreligi√∂ser Begegnung auseinander, und zwar sowohl im Blick auf den Islam in der indischen Geschichte und in der Gegenwart, auf das Christentum und auf die M√∂glichkeiten hin zu einem Religionen √ľbergreifenden Weltethos.

Weltreligionen: Buddhismus
ISBN 978-3-7627-0435-5

Neben den Anregungen f√ľr die Arbeit erlaubt der ‚Äěerste Blick‚Äú einen Zugang, √ľber den sich die Grundlagen und weiteren Besonderheiten des Buddhismus in seiner Vielfalt aufschl√ľsseln lassen. Diese nicht-theistische Glaubenstradition gilt als die erste ‚Äěuniversale Religion‚Äú. In klarer Aufgliederung werden zuerst die buddhistischen Anf√§nge im Sinne eines Reform-Hinduismus auf dem indischen Subkontinent dargestellt. Es folgen das Leben des historischen Buddha mit den legendarischen √úberh√∂hungen. Trutwin zeigt in der buddhistischen Lehre, dem Dharma, sowohl die literarisch-typischen Elemente wie die inhaltlichen Fundamente. Er elementarisiert dies auf die 4 Edlen Wahrheiten und den achtfachen Pfad, das Ich-Verst√§ndnis, die Anhaftungsproblematik, den Weg zum Verl√∂schen, zum Nirwana, ohne dass dazu eine personale Gottes- oder G√∂ttervorstellung notwendig ist.
Die Ausformung der Lehre in der Theravada- und Mahayana-Richtung (kleines und großes Fahrzeug) verbindet er mit dem von Zen und dem Amida-Buddhismus. Das Diamantfahrzeug, die Vajrajana-Ausprägung, zeigt sich im tibetischen Buddhismus. Sie werden die Unterschiedlichkeit buddhistischer Entwicklungen und Rituale deutlich. Es entwickelt sich auch eine Spiritualität der Frömmigkeitspraxis in Festritualen, Kontemplation und ethisch-praktischer, Gewaltlosigkeit.
Dass die Wanderung des Buddhismus nach Westen diesen nicht nur selbst ver√§ndert hat, sondern auch eine gro√üe Herausforderung f√ľr die westliche Moderne geworden ist, zeigt sich nicht nur an Ver√§nderungen der Fr√∂mmigkeitspraxis in den asiatischen L√§ndern, sondern in der Begegnung und Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Einfl√ľssen und zunehmender Globalisierung. So werden buddhistische gewaltlose Aktionen und soziales Engagement mehr und mehr kennzeichnend. Dies wird an einigen Beispielen wie Ambedkar in Indien und Aung San Suu Kyi in Burma verdeutlicht. ¬†¬†¬†
Dass es auch im Westen einen ‚ÄěBuddhismus light‚Äú gibt, unterscheidet sich dann allerdings wesentlich von den asiatischen Aufbr√ľchen.
Der interreligiöse Aspekt des vorgestellten Heftes kommt ähnlich wie in den anderen Heften dadurch zum Ausdruck, dass neben dem Vergleich von Buddha und Jesus die unterschiedlichen Lebensziele thematisiert werden. Sie lassen allerdings die Frage offen, ob man als Christ zugleich Buddhist sein kann.   

ZWISCHENBILANZ

Didaktischer Gewinn: Werner Trutwin ist es aus seiner christlichen Sicht heraus gelungen ‚Äď unabh√§ngig von der Konfession oder Religion ‚Äď den Sch√ľlerInnen einf√ľhrendes und vertiefendes Material zu wichtigen gro√üen Religionen vorzulegen. Dies tut der ehemalige Lehrer ohne vorurteilsbehaftete Einf√ľhrungen. Die Sch√ľler haben so die Chance, mit diesem Material selbst√§ndig zu arbeiten. Die klare Struktur erm√∂glicht es, sich leicht zurecht zu finden. Die Glossare erlauben ein schnelles Nachschlagen wichtiger und oft fremder Begrifflichkeit. Dies gilt √ľbrigens nicht nur f√ľr die asiatischen Religionen, sondern auch f√ľr die drei monotheistischen Glaubenstraditionen, wohlgemerkt auch f√ľr das Christentum; denn auch hier kann man von einer allgemeinen Grundbildung aller Sch√ľlerInnen nicht mehr ausgehen. Die dem Text schon beigegebenen Erl√§uterungen helfen, Sachverhalte umfassender zu verstehen. Das reiche Bildmaterial hat keineswegs illustrierenden Charakter, sondern ist Teil des Lernprozesses. Dieser st√ľtzt sich nicht nur auf Texte und Bilder, sondern auf die unmittelbar damit zusammenh√§ngenden didaktischen Hinweise und Aufgabenstellungen.

Kontinut√§t der Lernwege im Blick auf andere Religionen: Diese ansprechend aufgemachte Reihe ist ‚Äď wie schon erw√§hnt ‚Äď eine Fortsetzung der im Patmos-Verlag 1998/1999 herausgekommenen Unterrichtsmaterialien. Werner Trutwin hat im Prinzip die damalige Grundstruktur beibehalten, hat jedoch Pr√§zisierungen, neuere Forschungsergebnisse eingearbeitet und Aktualisierungen vorgenommen. Die ‚Äěalte‚Äú Reihe muss deshalb keineswegs ad acta gelegt werden, sondern kann als Hintergrundmaterial herangezogen werden. Dabei lohnt sich an manchen Stellen, besonders im Islam und im Christentum ein Vergleich der Fassungen. Dieser macht deutlich, dass unsere Kenntnis von den Weltreligionen immer wieder einer Revision bedarf. Es geht darum, mit empathischer Sichtweise auf die anderen Erl√∂sungswege zuzugehen.
Hinzu kommt nat√ľrlich, dass alle religi√∂sen Traditionen derzeit gro√üe Ver√§nderungen durchmachen sowohl was den Umgang mit den Inhalten, der Interpretation der Glaubensgrundlagen als auch den Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen betrifft. Diese haben f√ľr die dargestellten Religionen im Westen oft eine andere Bedeutung als in den Herkunftsl√§ndern. Eine Printausgabe schreibt immer einen bestimmten Zeitpunkt fest. Man wird gespannt sein d√ľrfen, wann Neuauflagen die aktuellen religi√∂sen und politischen Ver√§nderungen aufnehmen. Eine kompetente Basis-Arbeit zum Religionen-Lernen in der Sekundarstufe II ist hiermit jedoch gelegt.

                                                                                                                   Reinhard Kirste
Die Vorgängerausgabe:

Werner Trutwin:
Die Weltreligionen.

Arbeitsb√ľcher
f√ľr die Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Philosophie ‚Äď Ethik:¬†

JUDENTUM, CHRISTENTUM,
HINDUISMUS, BUDDHISMUS, ISLAM
D√ľsseldorf: Patmos 1998/1999¬†
mit weiteren Auflagen in den folgenden Jahren.

Buch des Monats Dezember 2011: Spiritualität und Engagement

Durch eine geschickte Vermittlung kamen der Liedermacher und Poet, Konstantin Wecker, und der Zen-Meister und Mitgr√ľnder der Peacemaker, Bernard Glassmann, zu einem ausf√ľhrlichen Gespr√§ch in Berlin zusammen . Ihr Engagement zwischen Entschlossenheit, Handeln, Sensibilit√§t, Achtsamkeit und Stille findet zum einen seinen Ausdruck in den jeweiligen Biografien der beiden und ihren unterschiedlichen Erfahrungen. Diese laufen aber auf ein gemeinsames “Hier und Jetzt” hin, wie es auch der Buchtitel aussagt: “Es geht ums Tun und nicht ums Siegen”

Konstantin Wecker / Bernard Glassmann
– Christa Spannbauer (Hg.):
Es geht ums Tun und nicht ums Siegen.
Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit
M√ľnchen: K√∂sel 2011
— Rezension hier —

 

Das Lotos-Sutra, die “Bibel Ostasiens”

F√ľr den Mahayana-Buddhismus spielt das Lotos-Sutra eine herausragende Rolle im Sinnevon Lebensorientierung, Sinnstiftung und Wertekanon. Man kann darum fast sagen, sie sei die “Bibel Ostasiens”.

Es gibt im deutschen Sprachraum mehrere √úbersetzungen. Hier seien zwei vorgestellt, die beide von international renommierten Fachleuten herausgegeben wurden.
Das eine stammt von der Sinologin

Margareta von Borsig: Lotos-Sutra.
Das Große Erleuchtungsbuch des Buddhismus.
Vollständige Übersetzung von Margareta von Borsig.
Mit einem Geleitwort von Heinrich Dumoulin SJ
Stuttgart: Theseus (bei Herder) 2009

Die andere Ausgabe stammt von dem Buddhologen Max Deeg (Universität Cardiff/Wales).
Das Lotos-Sutra. √úbersetzt von Max Deeg.
Mit einer Einleitung von Max Deeg
und Helwig Schmidt-Glintzer
Darmstadt: WBG 2007

Die ausf√ľhrliche Rezension beider Ausgaben ber√ľcksichtigt nicht nur deren Besonderheiten , sondern gibt auch noch weitere Hinweise auf Kommentierungen des Lotos-Sutra.
Gerade f√ľr das interreligi√∂se Lernen ist der √ľbersetzte Originaltext eine wichtige Basis-Lekt√ľre.

Das Lotos-Sutra in den hier vorgestellten Ausgaben wurde von der Bibliothek der Interreligi√∂sen Arbeitsstelle (INTR¬įA) zum Buch des Monats April 2009 gew√§hlt.