Heilige Schriften der Abrahamsreligionen kennen lernen

Rz-Sajak-Hl_SchriftenClauß Peter Sajak (Hg.): Heilige Schriften.
Texte – Themen ‚Äď Traditionen. Sekundarstufe I und II.

Lernen im Trialog Heft 3. Ein Projekt der Herbert Quandt-Stiftung.
Paderborn: Schöningh 2015, 96 Seiten, Abb.
‚Äď mit Materialiensammlung und Glossar
— ISBN 978-3-14-053652-3 —

Im vorliegenden Heft  geht es darum, die Heiligen Schriften der abrahamischen Religionen im Sinne von kompetentem Basiswissen zu erschließen.  Es geht dann konkret exegetisch, rituell und didaktisch zuerst um die hebräische Bibel, TeNaK, christlich gesprochen um das Alte Testament mit: Tora = Gesetz, Nebi’im = Propheten, Ketubim = Schriften. Es folgen die christliche Bibel und der Koran Aufgrund der didaktischen Zielorientierung lassen sich von hier aus Themen entwickeln, die eine Auseinandersetzung mit zentralen Personen der drei monotheistischen Religionen ermöglichen.

Die thematischen Bausteine dazu sind:

  • Orientierungswissen erwerben
  • Vergleich von Tenach, Bibel und Koran
  • Begegnungen mit Personen aus den Heiligen Schriften erm√∂glichen (z.B. mit Ruth, Noah).

Die Arbeitsbl√§tter im Schlussteil zeigen sehr sch√∂n. wie bei aller auch immer vorhandenen Distanz zu den biblischen und koranischen Texten dennoch ein jugendgem√§√üer Zugang mit einer gezielten Sachorientierung m√∂glich ist. Damit wird interreligi√∂se Kompetenz nicht nur kognitiv erarbeitet, sondern auch affektiv und meditativ zug√§nglich gemacht und kann ‚Äěganzheitlich‚Äú verarbeitet werden.

Das vorliegende Trialogheft leistet f√ľr alle interreligi√∂s Interessierten einen hilfreichen und weiterf√ľhrenden Beitrag.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Rz-Sajak-Heilige Schriften, 06.06.2015    Creative Commons-Lizenz

Vertiefter Dialog – f√ľr (inter-)kulturelle Transformation

LeRz-Swidler-Dialogueonard Swidler: Dialogue for Interreligious Understanding.
Strategies for the Transformation of Culture-Shaping Institutions.
New York /London: Palgrave: Macmillan 2014, 212 S., Index — ISBN 978-1-137-47119-2 —

Mit diesem Band verdeutlicht Leonard Swidler (geb. 1929), welche Ziele er von Anfang an verfolgte, als er den interreligi√∂sen Dialog zu seinem Forschungs- und Lebensschwerpunkt machte. Der katholische Theologe lehrt seit 1966 an der Temple University in Philadelphia (USA) ‚ÄěCatholic Thought and Interreligious Dialogue). Er hat nicht nur die renommierte Zeitschrift Journal of Ecumenical Studies (zusammen mit seiner Frau Arlene) gegr√ľndet, sondern auch das Dialogue Institute, dessen Pr√§sident er seitdem ist, und das er derzeit in ein internationales Netzwerk von Dialog-Instituten einbindet. Len Swidler hat viele B√ľcher geschrieben bzw. mit anderen Theologen und Religionswissenschaftlern herausgegeben. Als Gastprofessor hat er an vielen Universit√§ten weltweit Vorlesungen gehalten und tut dies immer noch.

Dieses Buch verbindet vieles von dem Bisherigen im Sinne einer ‚Äěhilfreichen Kombination‚Äú von theoretischen Ideen und praktischen Projekten (S. 3). Es ist ein Dialog √ľber den Dialog. Das macht zugleich den Reiz der hier vorliegenden Texte aus. Einige hatte Swidler schon fr√ľher ver√∂ffentlicht. Sie sind nun teilweise √ľberarbeitet und sollten als Einladung f√ľr einen vertieften Dialog verstanden werden. Diesen beschreibt Swidler zugleich als einen Weg, in dem kritisches Denken, emotionale Intelligenz und sich gegenseitig anspornende Kooperation zusammenkommen. Die Texte aus diesem Buch spiegeln darum die verschiedenen Aspekte von ‚Äědeep dialogue‚Äú und k√∂nnen als dialogisch-biografische Bilanz verstanden werden, die sich aus 60 Jahren Arbeit interreligi√∂ser Begegnung ergeben haben. In seiner ‚ÄěConclusion‚Äú w√ľnscht sich Swidler, dass die von ihm hier bilanzierten Gedanken nicht nur vision√§r wirken m√∂gen, sondern dazu f√ľhren, dass viele Menschen diese miteinander im Sinne einer Global Business-Ethik teilen. Angesichts all der brutalen Konflikte und des uns√§glichen Leids vieler Menschen w√§re zu w√ľnschen, dass sich viele Einzelne, aber auch St√§dte und Staaten bewusst auf diesen “Deep Dialogue” einlie√üen. Von daher erscheint es geradezu dringend, dass dieses Buch auch in anderen Sprachen und bald in Deutsch erscheinen k√∂nnte.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Rz-Swidler-Dialogue, 30.12.14    Creative Commons-Lizenz

 

Religionsp√§dagogische Grundlagen f√ľr einen Islamischen Religionsunterricht in der Grundschule

Rz-Solgun-Kaps-Islam-PRG√ľl Solgun-Kaps (Hg.): Islam. Didaktik f√ľr die Grundschule.
Berlin: Cornelsen 2014, 208 S.¬†¬† — ISBN 978-3-589-16395-3

Das hier vorgestellte Buch soll angehenden und bereits praktizierenden Lehrer/innen einen Einblick in die wichtigsten Themengebiete des Islamunterrichts in der Grundschule geben. Es wirbt damit, praxisorientiert und verständlich zu sein.

Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert und bestimmt nicht nur an werdende und bereits schon praktizierende Lehrer und Lehrerinnen gerichtet. Auch f√ľr Eltern und an dem Thema Interessierte ist es bestens geeignet, um sich einen √úberblick √ľber die aktuelle Situation des Islamischen Religionsunterrichts in Deutschland zu verschaffen. Wichtig hierbei ist aber, dass das Buch erst einmal nur einen √úberblick und Anregungen geben m√∂chte und nicht zur intensiven Vertiefung von Thematiken dient. Es will wohl in erster Linie informieren und Tipps zur Unterrichtsgestaltung geben und auf praxisbezogene Probleme hinweisen, was die Darstellung zugleich authentisch und erfahrungsnah erscheinen l√§sst.

Aufgrund des umfassenden √úberblicks √ľber den Islam und die Lehrerrolle ist das Buch letztlich nicht nur f√ľr Grundschullehrer/innen sinnvoll, sondern auch Lehrern und Lehrerinnen anderer Schultypen zu empfehlen.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Ann-Christin Bultmann

TU Dortmund, WiSe 2014/15, 24.11.2014   Creative Commons-Lizenz

 

Buch des Monats Mai 2014: Interkulturelle Theorie und Praxis Рeine dialogische Pädagogik

Rz-Yousefi-InterkultHamid Reza Yousefi: Interkulturelle Kommunikation.
Eine praxisorientierte Einf√ľhrung.

Darmstadt: WBG 2014, 204 S., Grafiken, Glossar
— ISBN 978-3-534-26260-1 — auch als E-Book erh√§ltlich —

In seinem neuesten Buch benennt, Hamid Reza Yousefi, Privatdozent f√ľr interkulturelle Philosophie, die Zielrichtung einer ‚Äětragf√§higen Kommunikation in interkultureller Absicht‚Äú¬† (S. 7).¬† Nur die dialogische Vermittlung erm√∂glicht √ľberhaupt den Erfolg f√ľr eine zuk√ľnftige auf Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit ausgerichtete Gesellschaft. Dazu bedarf es zum einen, die verschiedenen Kulturbegriffe auf eine solch tragf√§hige Br√ľckenfunktion zu untersuchen und daraus eine dialogische P√§dagogik der Interkulturalit√§t zu entwickeln. Dazu m√ľssen zum anderen aber auch die Konfliktpotentiale gezeigt sowie kulturelle Grenzziehungen hinterfragt und √ľberwunden werden.

Seinen Erfahrungshintergrund nimmt der Autor aus sog. deutsch-iranischen Tauschfamilien, also Familien und Gruppen, in denen zwei Kulturen in einer k√ľrzeren oder l√§ngeren Zeitphase aufeinandertreffen oder wo eine solche interkulturelle Partnerschaft mit ihren Chancen und Schwierigkeiten durchg√§ngig gelebt wird. Das k√∂nnen auch deutsch-t√ľrkische, deutsch-afrikanische, deutsch-arabische Familien sein.

Hier ist auch didaktisch aufgearbeitet ein Handbuch entstanden, das erlaubt, von erfahrener Praxis auf die Grundkonzepte menschlichen Miteinanders im Sinne interkultureller Kommunikation zur√ľckzuschlie√üen und Modelle der Verst√§ndigung bewusst weiter bis in den Alltag hinein zu realisieren.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Reinhard Kirste

 Rz-Yousefi-Interkult, 30.04.14   Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats Oktober 2013: Islamische Seelsorge in der multikulturellen Gesellschaft

BRz-Ucar-Seelsorge√ľlent Ucar / Martina Blasberg-Kuhnke, (Hg.):
Islamische Seelsorge zwischen Herkunft und Zukunft.
Von der theologischen Grundlegung zur Praxis in Deutschland.
Reihe Osnabr√ľcker Islamstudien Band 12.
Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang
2013, 192 S.
— ISBN 978-3-631-64063-0 geb. ‚Äď ISBN 978-3-653-02533-0 (eBook)¬†

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

¬†Die Universit√§t Osnabr√ľck hat mit ihrem Zentrum f√ľr Islamstudien seit 2008 einen wesentlichen Beitrag f√ľr die Etablierung der islamischen Theologie und der mit ihr verbundenen Religionsp√§dagogik geleistet. B√ľlent Ucar als Direktor des Instituts f√ľr Islamische Theologie und das Team des Instituts haben beachtliche Fortschritte im Blick auf den islamischen Religionsunterricht erzielt. Denn ihre theologischen Forschungsarbeiten stehen im Kontext der universit√§ren Nachbardisziplinen, besonders der christlichen Theologie. Als Zwischenergebnisse dieser Arbeit sind inzwischen 15 B√§nde der Reihe ‚ÄěOsnabr√ľcker Islamstudien‚Äú erschienen. Im hier vorliegenden 12. Band verweisen bereits die Herausgeber, der islamische Theologe¬† B√ľlent Ucar und die katholischen Religionsp√§dagogin Martina Blasberg-Kuhnke, auf die fast selbstverst√§ndliche Kooperation zwischen islamischer und christlicher Theologie auf der Schwelle von Theorie und Praxis in der Seelsorge.

Verstärkt durch die Migrationssituation ist in Europa und gerade auch in Deutschland nämlich der Islam besonders herausgefordert. Insofern wird neben bereits existierenden interreligiösen Seelsorgekonzepten in diesem Band ein systematisierender Weg eines neuen Verständnisses beschritten, und zwar in drei Abschnitten:

  • 1. Teil: Grundlagen und Entwicklung der Seelsorge

  • 2. Teil : Seelsorgekonzepte

  • 3. Teil:¬† Seelsorge in der Praxis: Erfahrungsberichte

Dieses Buch mit seinen unterschiedlichen seelsorgerlichen Zug√§ngen aus weitgehend islamischer Perspektive zeigt √ľberzeugend die Notwendigkeit auf, dass Religionen angesichts allt√§glicher und lebensbedrohlicher sowie t√∂dlicher Lebenserfahrungen Grund legen m√ľssen, um Menschen konkret Halt und Trost zu geben. Besonders zu w√ľrdigen ist, dass islamische Seelsorge offensichtlich von Anfang an in ein interreligi√∂s offenes Seelsorgekonzept. Muslimische und christliche Seelsorger pl√§dieren gleicherma√üen f√ľr eine glaubw√ľrdige und weiterhelfende Seelsorge f√ľr die betroffenen Menschen mit ihren N√∂ten, √Ąngsten, Verzweiflung und Schmerzen.

Reinhard Kirste

Rz-Ucar-Seelsorge, 30.09.2013     Creative Commons-Lizenz

Buch des Monats September 2013: Interkulturelle Philosophie – grenz√ľberschreitende Sichtweisen

Rz-Yousefi-B√ľhne-PhilHamid Reza Yousefi: Die B√ľhnen des Denkens.
Neue Horizonte des Philosophierens
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M√ľnster u.a.:¬† Waxmann 2013, 259 S. — ¬†ISBN 978-3-8309-2821-8 —

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Der Autor geh√∂rt zu den j√ľngeren Philosophen, denen die Interkulturalit√§t der Philosophie besonders am Herzen liegt. Er lehrt interkulturelle Philosophie und Philosophiegeschichte an der Universit√§t Koblenz-Landau, Campus Koblenz. In Trier hat er das Institut zur F√∂rderung der Interkulturalit√§t (IFI) gegr√ľndet, dessen Leiter er auch ist. Eine beachtliche Zahl von B√ľchern mit seinen Forschungsschwerpunkten hat er bereits ver√∂ffentlicht bzw. herausgegeben. Sie beziehen sich besonders auf moderne Theorien der Toleranz, Kommunikation sowie ethische und hermeneutischen Entwicklungen ¬†in der Philosophie und Religionswissenschaft.

Mit dem vorliegenden Buch baut er eine didaktische Br√ľcke zum Verstehen verschiedener Kulturtheorien und der vielf√§ltigen Tendenzen interkultureller Philosophie in Vergangenheit und Gegenwart. Darum kommen hier ber√ľhmte islamische Philosophen des Mittelalters, der beginnenden Neuzeit und der Gegenwartsphilosophie zur Sprache, aber ebenso heutige Ans√§tze interkultureller Philosophie im deutschsprachigen Raum.

Bilanz
Hier d√ľrfte darum das erste didaktisch ausgerichtete Buch der Interkulturellen Philosophie im deutschsprachigen Raum vorliegen.¬† Die LeserInnen m√ľssen keine speziellen philosophischen Vorkenntnisse mitbringen, weil methodische Klarheit das Buch durchzieht.¬† So findet man/frau leicht die zugeh√∂rigen Schaubilder, die zusammenfassenden Merks√§tze und orientierende Fragestellungen sowie praktische √úbungsaufgaben f√ľr jeden Abschnitt.¬† Damit ist zugleich ein Lehrbuch entstanden, das nicht nur f√ľr Studierende der Philosophie, Theologie und Kulturwissenschaften weiterf√ľhrend sein d√ľrfte, sondern dass allen Interessierten erm√∂glicht, das eigene Kulturenverst√§ndnis zu erweitern und eurozentrische Sichtweisen abzulegen. Zugleich aber wird deutlich, dass es notwendig ist, die eigenen gegenw√§rtigen Standortbestimmungen interkulturell und interreligi√∂s vorzunehmen. Yousefis Buch bietet daf√ľr eine konstruktive Anleitung.

Reinhard Kirste

Rz-Yousefi-Phil-B√ľhne, 31.08.13¬† Creative Commons-Lizenz

Moderne j√ľdische und islamische Literatur als interreligi√∂se Horizonterweiterung

Rz-Gellner-Langenhorst-BlickwinkelChristoph Gellner / Georg Langenhorst:
Blickwinkel öffnen. Interreligiöses Lernen mit literarischen Texten.

¬† Ostfildern: Patmos 2013, 375 S.¬† — ISBN 978-3-8436-0343-0 —

Im Rahmen des Seminars ‚ÄěInterreligi√∂ses Lernen und dessen theologische Grundlagen‚Äú im Sommersemester 2013 an der TU Dortmund wurde auch das folgende Buch ausf√ľhrlich vorgestellt . Die Bedeutung hier ausgw√§hlter literarischer Texte der Gegenwart, und zwar von deutschsprachigen j√ľdischen und muslimischen Autoren liegt in deren Grenzen √ľberschreitenden Religiosit√§t. Religi√∂se und kulturelle Pluralit√§t wird zum p√§dagogischen Gewinn.

Die beiden Autoren, Christoph Gellner und Georg Langenhorst, haben beide Katholische Theologie studiert und sich dar√ľber hinaus intensiv mit Literaturwissenschaft¬† besch√§ftigt.

Ziel des Buches ‚ÄěBlickwinkel √∂ffnen‚Äú ist also interreligi√∂ses Lernen zu erm√∂glichen mit Hilfe von literarischen¬† deutschsprachigen Texten aus Schl√ľsselwerken unserer Zeit. Wahrheiten au√üerhalb des eigenen Blickfeldes sollen damit sichtbar gemacht werden. Es geht also darum, den eigenen Denkhorizont zu erweitern durch das √Ėffnen von neuen Blickwinkeln.

Die Autoren versuchen darum eine m√∂glichst umfassende Erschlie√üung der f√ľr interreligi√∂se Lernprozesse aus ihrer Sicht relevanten Schl√ľsselwerke zeitgen√∂ssischer deutschsprachiger Literatu aus Judentum und Islam.

Das Buch gliedert sich im Wesentlichen in zwei Hauptteile:

  • Spiegelungen j√ľdisch-religi√∂sen Lebens heute
  • Islam-Wahrnehmungen¬† im Orient und vor der eigenen Haust√ľr.

Als Ertrag werden dann am Ende des Buches Grundz√ľge einer literarisch sensiblen Didaktik der Weltreligionen gezeichnet.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

 Sybille Schulz-Kaymer

 Rz-Gellner-Langenhorst-Blickwinkel, 24.06.13     Creative Commons-Lizenz

 

 

 

 

Weltreligion Christentum Рökumenisches Lernen in der Oberstufe

Werner Trutwin: Weltreligionen ‚Äď Christentum. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Ethik ‚Äď Philosophie.
M√ľnchen: Bayerischer Schulbuch Verlag (Patmos) 2012, 192 S. Abb. — ISBN 978-3-7627-0433-1
V√∂llige Neubearbeitung des bisherigen Heftes, das 1999 im Patmos-Verlag D√ľsseldorf erschien.

Mit diesem Band √ľber die Vielfalt des Christentums ist nun die neubearbeitete Reihe f√ľr die Sekundarstufe II ‚ÄěWeltreligionen‚Äú abgeschlossen.
Die bisherige B√§nde ‚Äď Judentum,Islam, Hinduismus und Buddhismus ‚Äď sind bereits unter ‚ÄěEin-Sichten‚Äú vorgestellt worden.

Der erfahrene Praktiker und Religionspädagoge Werner Trutwin behält auch bei diesem Arbeitsheft die gewählte Struktur zum Verständnis einer Religion bei, um damit zugleich eine gewisse Vergleichbarkeit im Blick auf die anderen Religionen zu ermöglichen.

Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit im Kontext des Religionsunterrichts erw√§hnt Trutwin die ‚Äědirekten‚Äú Bezugsf√§cher ‚ÄěEthik‚Äú bzw. ‚ÄěPraktische Philosophie‚Äú. Er stellt dann einen klar strukturierten Kursunterricht in Religion vor.

Trutwin setzt gerade f√ľr die Schuke auf die positiven konfessions√∂kumenischen Erfahrungen. Zugleich wird die Begegnung der Religionen ‚Äěauf Augenh√∂he‚Äú gerade f√ľr die Zukunft als eine unausweichliche Notwendigkeit postuliert. Damit ist hier ein religions√∂kumenisch offenes ‚ÄěLehrbuch‚Äú entstanden, das man als Christentum-Materialbasis mit seiner didaktischen und methodischen Vielfalt f√ľr den katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht nur w√§rmstens empfehlen kann.

                                                                                                                                                    Reinhard Kirste
Rz-Trutwin-Christentum, 03.08.12

Religionspädagogik als Autobiografie

Unter der Projektleitung von Rainer Lachmann (geb. 1940, Professor f√ľr Ev. Theologie, Religionsp√§dagogik und Religionsdidaktik an der Universit√§t Bamberg, seit 2005 emeritiert) und unter der Mitwirkung von Horst F. Rupp (geb. 1949, Professor f√ľr Ev. Theologie mit Schwerpunkt Religionsp√§dagogik an der Universit√§t W√ľrzburg) wurde √ľber Jahre hinweg an der Universit√§t Bamberg die (auto-)biografische Forschung in religionsp√§dagogischen Zusammenh√§ngen vorangetrieben. Durch diese Initiative konnten eine beachtliche Zahl von Religionsp√§dagog/innen gewonnen werden, die die Verkn√ľpfung ihrer eigenen Biografie mit der Religionsp√§dagogik und Didaktik beschrieben und entsprechende Schwerpunkte der eigenen Forschungsarbeit herausstellten. (Auto-)Biografieforschung er√∂ffnet durch die subjektive Sicht der Beteiligten erweiterte Verst√§ndniswege der religionsp√§dagogischen Konzepte sowohl evangelischer wie katholischer Autor/innen. Das Projekt wird unter leicht ver√§nderten Bedingungen weiter fortgesetzt. Seit 1989 sind inzwischen 4 B√§nde erschienen.¬†

  • ¬†Rainer Lachmann / Horst F. Rupp (Hg.), Lebensweg und religi√∂se Erziehung. Religionsp√§dagogik als Autobiographie. Band 1 und 2. Weinheim: Beltz 1989
  • ¬†Als Band 3: Dietrich Steinwede “So viel Gott str√∂mt √ľber. Streiflichter eines Lebens”.
    Mit einer Einstimmung bearbeitet und herausgegeben von Rainer Lachmann. Studien zur Theologie Bd. 20. W√ľrzburg: Mittelst√§dt 2000
Der hier vorzustellende 4. Band erweitert die religionspädagogischen Intentionen nun stärker unter dem Bildungsbegriff, aber auch im Blick auf mögliche Zielgruppen. 
Die Herausgeber, beide von der Universit√§t W√ľrzburg, schreiben darum in ihrer Hinf√ľhrung zu den einzelnen Autoren: ‚ÄěErkl√§rtes Ziel ‚Ķ ist es nun aufzuzeigen inwiefern (auto-)biografisches Lernen generell und das Lernen an (Auto-)Biographien in der Fluchtlinie einer als bildend zu charakterisierenden religionsp√§dagogischen Konzeption liegen‚Äú (S. 12). Neben einer knappen Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Bildungsans√§tzen sollen die narrativ gepr√§gten Darstellungen Leser/innen und Rezipient/innen ermutigen, im ‚Äěreligionsp√§dagogischen Lernen an und durch (auto-)biographische Erinnerungsdokumente‚Äú ‚Äěmehrperspektivische Zug√§nge zum religionsp√§dagogischen Leben im Feld zwischen Beruf und Leben und ‚Ķ unterschiedliche Wirklichkeiten wahrzunehmen ‚Ķ‚Äú (S. 33). Dies erm√∂glicht auch eine eigene Positionierung.
Es folgen nun 19 autobiografische Texte bekannter √ľberwiegend schon emeritierter Religionsp√§dagogen (es ist nur eine Frau dabei!), die jeweils auch als Herausforderung f√ľr das eigene Bildungsverst√§ndnis zu lesen sind und die grundlegende Frage nach der Religionsp√§dagogik als Kommunikationswissenschaft in unterschiedlicher Weise ansprechen.
Die alphabetisch nach den Personen geordneten Artikel sind mit einer Kurzbiografie einschließlich der beruflichen Stationen, Ehrungen, Publikationen usw. ergänzt. Eine Zuordnung der einzelnen Beiträge nach inhaltlichen Kriterien wäre vermutlich (wie schon in den andern Bänden) zu schwierig gewesen.
  • Der aus einem hessischen evangelischen Pfarrhaus stammende Gottfried Adam (bis 2006 an der Universit√§t Wien) spricht dar√ľber, wie die Lebensbedeutsamkeit des Evangeliums von der Menschenfreundlichkeit Gottes zu dolmetschen sei, und zwar an der Universit√§t, in der Gemeindep√§dagogik, an F√∂rderschulen, in der Kinderbibelforschung und im diakonisch-sozialen Lernen.¬†
  • ¬†Karl Foitzik (bis 2003 an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau) geht auf die Kommunikationsstrukturen des Evangeliums ‚Äěmitten in der Lebenswelt‚Äú ein. Die Gemeindep√§dagogik liegt ihm dabei durchg√§ngig am Herzen.¬†
  • Hans Grewel (ebenfalls Pfarrersohn, am Niederrhein und im Bergischen Land aufgewachsen, bis 2006 an der Universit√§t Dortmund) berichtet von seinen Zug√§ngen zur Religionsp√§dagogik im Horizont religionsp√§dagogischer Auf- und Umbr√ľche und seinem Interesse die Grundfragen des Glaubens und der Theologie wachzuhalten.
  • Engelbert Gro√ü (niederrheinisch-katholisch gepr√§gt und bis 2004 an der Universit√§t Eichst√§tt-Ingolstadt) sieht seine Aufgabe (als Lehrer an Schule und Hochschule), Mit-Vorbereitender einer ‚ÄěEine-Welt-Religionsp√§dagogik‚Äú zu sein.
  • ¬†Helmut Hanisch (schlesisches ‚ÄěFl√ľchtlingskind‚Äú, bis 2008 an der Universit√§t Leipzig) bringt seine deutschen Ost-West-Erfahrungen, besonders in die Mitgestaltung des Religionsunterrichts in Sachsen nach der Wende 1989 ein.¬†
  • ¬†Horst Heinemann (Kind der ‚Äěvaterlosen Generation‚Äú, bis 2006 an der Universit√§t Kassel) bedenkt im Kontext seines beruflichen Lebenslaufes die Bedeutung von Kinderbibeln.¬†
  • Georg Hilger (bis 2005 an der Universit√§t Regensburg), rheinisch-katholisch sozialisiert, nutzte die vielen Wege in die Religionsp√§dagogik, ihre Praxisf√§higkeit und schulische Reichweite, aber auch im Blick zum Aufbau einer Schulpastoral.¬†
  • Der aus einem evangelischen Pfarrhaus in Th√ľringen kommende Raimund Hoenen (bis 2004 an der Universit√§t Halle-Wittenberg) zeichnet in gewisser Weise den Weg der ‚ÄěChristenlehre‚Äú in der DDR bis hin zum Postulat √∂ffentlicher Schulen mit religi√∂ser Bildung nach.¬†
  • Religionsp√§dagogik in der Spannung zwischen s√§kularer Postmoderne und Relevanz der Religionsp√§dagogik und des Religionsunterrichts ist letztlich das Thema von Friedrich Johannsen (ev.-lutherischer Pastor, bis 2011 an der Universit√§t Hannover).
  • Gewisserma√üen Urgestein christlich gepr√§gter Religionsp√§dagogik spiegelt sich in Hans-Bernhard Kaufmann(zwischen Breslau, Kiel, Loccum und M√ľnster) ein spannendes Leben, beginnend mit Erfahrungen im Nationalsozialismus und einem pers√∂nlichen Weg in die Hoffnungskraft christlichen Glaubens im Kontext theologisch-didaktischer Fragestellungen.
  • Besonders die religionsp√§dagogische Entwicklung in M√ľnster nimmt Roland Kollmann (vom katholischen Volksschullehrer in Essen, √ľber die Universit√§t M√ľnster, dann bis 2000 an der Universit√§t Dortmund) autobiografisch auf.
  • Der vaterlos bei Marburg aufwachsende Rainer Lachmann und theologisch und p√§dagogisch von ‚ÄěMarburg‚Äú gepr√§gt, kommen doch vielf√§ltige Ortserfahrungen f√ľr den eigenen Glauben (didaktische und theologische!) zum Zuge.¬†
  • Und wieder ein Pfarrersohn: Johannes L√§hnemann aus Niedersachsen: Sein pers√∂nlicher Glaube, verbunden mit einem religionsdidaktisch-dialogischen Konzept, gewinnt an den Orten seines Wirkens (in Westfalen und dann an den Universit√§ten L√ľneburg und bis 2007 an der Universit√§t N√ľrnberg) interreligi√∂se Weite.¬†
  • Und noch ein Pfarrersohn, diesmal aus Hessen, J√ľrgen Lott (bis 2011 an der Universit√§t Bremen)- er geh√∂rt zu den F√∂rderern eines konfessionsunabh√§ngigen, an Kultur orientierten Religionsunterrichts im Sinne einer ‚Äělebensweltorientierten Religionsp√§dagogik‚Äú (S. 299).
  • In Reinhold Mokrosch (bis 2005 an der Universit√§t Osnabr√ľck) schwingt nicht nur eine aktualisierende Lutherrezeption mit, sondern ein theologischer Weg, der erst langsam, aber dann umso intensiver in eine sich interreligi√∂s weitende Religionsp√§dagogik im Sinne einer Friedensp√§dagogik und Werteentwicklung f√ľhrt.¬†
  • Reiner Preul (Universit√§ten T√ľbingen und Marburg, bis 2005 an der Universit√§t Kiel) geh√∂rt zu denjenigen Lehrern der Praktischen Theologie, die sich f√ľr eine ‚Äěbildungstheoretisch fundierte Religionsp√§dagogik‚Äú stark machen.
  • Die den Religionsunterricht in Niedersachsen theoretisch wie praktisch mitpr√§gende Lehrerin Anna-Katharina Szagun (1992‚Äď2005 Universit√§t Rostock), auch aus einem Pfarrhaus stammend, erz√§hlt ihre ‚Äěvielf√§ltig gebrochene‚Äú Biografie (S. 342), darin die entscheidende Begegnung mit Dorothee S√∂lle (S. 342) und Aufbr√ľche hin zu p√§dagogischen Konzepten, die mit dem √ľbenden Vollzug unmittelbar zusammengespannt werden.¬†
  • Auch Wolfram Wei√üe (Leiter der Akademie der Weltreligionen, Hamburg) kann auf Lehrererfahrungen zur√ľckgreifen. Sie bestimmen den schon lange in der Hansestadt Lebenden wesentlich unter den Gesichtspunkten den Multikulturalit√§t und der interreligi√∂sen Erziehung. So √∂ffnet sich f√ľr ihn der Horizont zu einem internationalen und dialogoffenen Christentum, im Sinne einer friedensengagierten √Ėkumene der Religionen.¬†
  • Zum Schluss beschreibt Rainer Winkel, der Gr√ľndungsrektor der Freien Schule Essen und der faktisch gescheiterten Reformschule, der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, seine durch diese Ereignisse gepr√§gte p√§dagogisch-religi√∂se Entwicklung. In seiner Lebensbeschreibung schwingt trotz mancher R√ľckschl√§ge ein kindliches, aber keineswegs einfallsloses Gottesvertrauen mit. Es ist ein Vertrauen, das durch die Aufkl√§rung ging und die Hoffnung zum Lebensprinzip macht.
Bilanz: Mit diesem 4. Band liegt nicht nur ein spannendes Mosaik engagierter katholischer und evangelischer Religionsp√§dagogen vor. Vielmehr zeigt gerade die Vielfalt der auch unterschiedlich geschriebenen Lebenseindr√ľcke die innovative und reformerische Kraft f√ľr eine dialogoffene Religionsp√§dagogik und -didaktik, die aus der reflexiven Bearbeitung des eigenen Lebensweges erwachsen kann. Das ist sicher nicht nur f√ľr die Autoren aufschlussreich, die diese biografischen Skizzen geschrieben haben, sondern auch f√ľr jene, die aus dieser Lekt√ľre Anregungen und Orientierungshilfen f√ľr eigenes Unterrichten in Kirchengemeinde, Schule und Hochschule gewinnen wollen. Religionsp√§dagogische Konzepte leben offensichtlich nicht nur von der systematisch-didaktischen Kraft ihrer Autoren, sondern auch von der Reflexion des eigenen Lebensweges.
                                                                                                                                                                                          
Auf der INTR¬įA-Rezensionsseite ‚ÄěEin-Sichten‚Äú wurde bereits besprochen: ¬†

Horst F. Rupp / Klaas Huizing (Hg.): Religion im Plural.   
Forum zur P√§dagogik und Didaktik der Religion Bd. 3. W√ľrzburg: K√∂nigshausen & Neumann 2011 ¬†¬†¬†

Reinhard Kirste
Rz-Rupp-Relpäd, 27.05.2012