Deutscher Lehrerverband: Sorge wegen wachsender Digitalisierung in Schule

Im Deutschlandradio Kultur wurde gestern ein denkwürdiges Interview unter dem Titel Lehrerverband warnt vor “totaler Zwangsdigitalisierung” mit Josef Kraus, dem Präsidenten des deutschen Lehrerverbandes, anlässlich der Didacta gesendet.

Die Kernaussagen des Beitrags in wenigen Zitaten [Vervollständigungen in eckigen Klammern von mir].

Josef Kraus sagt:

“Wogegen ich etwas habe, das ist die Euphorie, zu glauben, Schule könnte nun völlig anders gestaltet werden…”

“Es hat mir bislang noch niemand nachweisen können, dass [Digitalisierung des Unterrichts] etwas bringt…”

“… im Übrigen müssen wir in der Schule … klar machen, welche Gefahren mit den Neuen Medien auf uns zukommen ..”

“… medienpädagogische Unterrichtung … ist auch über entsprechende Demonstrationstechniken … mit einem Computer und mit einem Beamer möglich.”

“Macht ab einem gewissen Alter einmal im Jahr einen Projekttag oder meinetwegen auch eine Projektwoche … [um davor zu waren], was mit diesen Geräten alles an Unsinn angestellt werden kann.”

Dieser Beitrag lässt vermuten, dass es in unseren Schulen immer noch große Vorbehalte gegenüber digitaler Bildung und den sich damit ändernden Lerngewohnheiten und -szenarien gibt. Meinungsträger dieser Gruppe unterrichten an unserer Schulen auch Religion. Wir dürfen sie nicht einfach abhängen. Es braucht gezielte Fortbildungen, in denen diese Lehrerinnen und Lehrer die um ein vielfaches erweiterten Möglichkeiten digital unterstützter Lernprozesse kennenlernen können.

Pisa-Studienergebnisse: künftig nur noch in Hörbuchform erhältlich

Nach den desolaten Ergebnissen des neuesten Pisa-Tests für Erwachsene zieht die OECD nun erste Konsequenzen. Weil die sogenannte PIAAC-Studie (Pisa für Erwachsene) ergab, dass sich das Leseverständnis vieler Bürger von Industrienationen auf dem Niveau von Schulkindern befindet, sollen Studienergebnisse künftig nur noch in Hörbuchform präsentiert werden (heute Morgen im Postilion nachzulesen).

Das schockierende und völlig unerwartete Ergebnis bescheinigt Eltern nun schwarz auf weiß, dass sie nicht wirklich schlauer sind als ihre Kinder. Wer hätte das erwartet? Armes Deutschland! Nun ist der Standort ernsthaft gefährdet, denn was sollen wir machen, wenn die Import-Nationen erst mal herausfinden, das die beliebten Made in Gemany – Produkte von Menschen hergestellt werden, die im Grunde von nichts eine Ahnung haben … also zumindest nicht von Dingen, die man auch nicht wirklich braucht, oder vielleicht doch?

Ernsthaftes dazu: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/piaac-studie-erwachsene-in-deutschland-koennen-schlecht-lesen-a-926653.html

 

Einsatz von Blogs in der religionspädagogischen Praxis

Im wissenschaftlichen und pädagogischen Alltag spielen Blogs für die eigene Reflexion und die Kommunikation im Kollegenkreis eine wachsende Rolle. Die vielfältigen Funktionen eines Blogs ermöglichen neben einfachen Artikeln auch den medialen Einsatz in Lernprozssen. Lehrer- und Lernertagebücher, Aufgabensammlungen und Übungen, Unterrichtsprotokolle, Portfolios, Diskussionsforen, Mediensammlungen, Rezensionen, Praxistipps, virtuelle Lernreisen, interaktive Rätsel…. sind nur einige Stichworte, die den Einsatz von Blogs in der religionspädagogischen Praxis interessant machen können.

Im folgenden sind einige Links zusammengestellt, die vielleicht Lust darauf machen, Blogs auch für die eigene Praxis zu neu zu entdecken:

MOOCs – nicht mehr aufzuhalten

Das Netz macht sich daran, ganze Lehrsysteme zu verändern. Kostenlose Vorlesungen, Studium von Zuhause ohne Immatrikulation.  Sind Massive Open Online Courses das Lernformat der Zukunft und brauchen wir in Zukunft nur noch wenige Universitäten?
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Machen MOOCs Lernsklaven und Klick-Bildung?

Zu MOOC – Lernsklaven und Klick-Bildung von Prof. Ralf Lankau.

Aus der anfänglichen Begeisterung für MOOCs ist anscheinend auch ein Ansporn für die deutsche Bildungspraxis erwachsen: Mit Stifftungsgeldern möchte man  die Produktion von OER und MOOCs unterstützen. Das bringt jedoch auch Kollegen unter Druck, sich ebenfalls an der Produktion freier Bildungsangebote zu beteiligen. Mit schlichten Argumenten reiht sich Ralf Lankau mit seinem Beitrag in die Reihe populärer MOOC-Kritiker ein. Ohne Berücksichtigung der Vielfalt von MOOCs und deren unterschiedlichen didaktischen Designs (und Lernansätze)   stellt er diese in markigen Formulierungen pauschal in die überholte Tradition Skinners programmierten Lernens, die zwangsläufig in einer Ökonomisierung von Bildung landen muss …
Schade. Der von Lankau kritisierte Wettbewerb des Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zur Förderung offener Online-Kurse mag zwar gut gemeint sein. 250.000 € Wettbbewerbe scheinen offenbar nicht alle zu motivieren, sich ernsthalt mit den Möglichkeiten von MOOCs auseinandersetzen. Die im Acronym MOOC enthaltenen  Attribute “offen” und “frei” sollten es eigentlich selbstverständlich ermöglichen, für jedermann zugängliche und inklusive Bildungsangebote zu konstruieren, die einem modernen,  mündigen und selbstgesteuerten Lernverständnis in Peergroups und mit offenen Zertifizierungsmodellen nahekommen.

siehe auch https://moocfellowship.org/

Online Glaubenskurs Spur 8

"Erfahrungen im Land des Glaubens" bietet der neue Glaubenskurs der EKD.

Unter der Adresse www.online-glauben.de sind alle eingeladen, ihre Erfahrungen mit diesen "Entdeckungsreisen im Land des Glaubens" zu teilen.

Hier meine ersten Eindrücke:

"Entdeckungsreisen im Land des Glaubens" im Land des Glaubens hört sich spannend an. Ich denke an virtuelle Reisen, Adventuregames… mal sehen, was kommt.

Gleich zu Beginn kann ich mich entscheiden, eine geführte Tour zu machen, also quasi einen Reisebegleiter zu bekommen oder selbst zu erkunden. Ich will natürlich selbst erkunden. Ich klicke die entsprechende Option an. Eine Lightbox öffnet sich mit großen Bildmotiven. Beim Blättern durch die Bilder erschließt sich mir, dass jedes Bildmodtiv für eine thematische Station (Gott, SInn, Glaube…) steht. Neben dem Bild steht ein kurzer Text, der auch von wechselnden Stimmen vorgelesen wird.

Ein bisschen erinnert es mich das an Erklärfilmchen, wie man sie in manchen Museen oder Ausstellungen zu sehen bekommt, die Artefakte audiovisuell auf einem Monitor erläutern. Im Gegensatz zu einer realen Ausstellung, wo ein Betrachter sich selbst gegenüber dem eiegentlichen Betrachtungsgegenstand verorten muss, in Widerspruch und Korrespondnez mit den Ausstellungsstücken treten kann, und ihm dabei alle Freiräume der Interpretation gelassen werden, handelt es sich bei dem Spur 8 Projekt tatsächlich um 8 powerpointartige Präsentationen zu 8 Themen mit mit je 10 bis 50 Folien und dazugehörigen erklärenden Informationen. Einige Folien finde ich gut gemacht. Gerne hätte ich mir ein Bookmark auf die Folie gesetzt. Das geht aber leider nicht. Der Link führt immer an den Anfang des Vortrages.

Formal und inhaltlich ist Spur 8 also eine Informationsvermittlung der evangelischen Kirche, die eine Dokumentation evangelischer Glaubensinhalte für Internetnutzer bereithält. Die eigenen Fragestellungen des Besuchers in den Stationen selbst bleiben indes unberücksichtigt. Eigentlich könnte es eine Fernsehproduktion sein. Im Unterschied zum Fernsehen, muss der Benutzer gelegentlich den Weiterknopf klicken. Wie beim DVD-Player kann er auch einzelene Passagen beliebig oft wiederholen. Zu der recht reduzierten Interaktivität, kommen Funktionen, die den Glaubenskurs im Internet vom Glaubenskurs am Fernsehen unterscheiden, zumindest auf den ersten Blick.

Unter jeder Folie wird der Benutzer aufgefordert, eigene Gedanken auzuschreiben und mit anderen zu teilen. Anders als im Fernsehen sind die User nicht mit sich allein gelassen, sondern als Teil der großen Netzgemeinschaft nun auch eingeladen, sich Gedanken über den Glauben zu machen. Doch diese Möglichkeit wird bei Spur 8 äußerst reduziert genutzt.

Die Möglichkeit, einen Eintrag im "Forum" zu machen, verspricht zunächst, dass meine Gedanken und Erfahrungen im Land des Glaubens erwünscht und wichtig sein könnten. Aber zu was? Zu welchen Fragen? Ich habe in den vielen Folien noch keine Frage an mich gehört. Auch Ärger und Widerspruch war nicht nötig. Die Aufforderung zum selber Schreiben lautet vielleicht auch deshalb nur "Meine Gedanken zu dem Motiv". Was für ein Motiv? Das Bild? Ach ja, die Bilder. "Sehr hübsch". Das schreiben zumindest die anderen. Was sonst? Mal angenommen, ich schreibe hier auch etwas, wie geht dann die Kommunikation weiter? Ich schau mir ein wenig die Technik an. Offenbar ist dieses Instrument nie mit potientiellen Nutzergruppen getestet worden. Die Funktionsweise des sonst optisch ansprechenden "Forums" ist für Diskussionen schlicht unbrauchbar: Jede Folie in den Folienvorträgen hat zwar ein eigenes Forum (insgesamt ca. 500 Forenseiten), das man aber über den Browser gar nicht direkt ansteuern kann! Stattdessen muss man jedesmal den Vortrag von ANfang an durchblättern, um zu einer Diskussionseite mit dem eigenen Beitrag zu gelangen. Vielleicht ist es eher als eine Funktion für Pastoren im Ruhestand gedacht, die an dieser Stelle einen weiteren Beitrag verfassen können, der nicht weiter besprochen werden muss. Was würde passieren, wenn hier jemand Not mit einem Inhalt hat und das in dem Forum äußert? frage ich mich. Wie würde er erfahren und verfolgen können, wenn andere darauf reagieren? Gäb es eine Möglichkeit, eine eigene Glaubenserfahrungen und -überzeugungen entgegen zu halten? Warum werden nicht die inzwischen üblichen Techniken wie Blogtrackbacks oder echte Diskussionsforen gewählt, zumal diese Technik kostenlos im Web zur Verfügung steht.

Aber für den Fall eigener Fragen gibt es ja tatsächlich einen anderen vorgesehenen Weg auf der Webseite: Unter jeder Folie wird dem Besucher die Option angeboten, "mit jemanden sprechen" zu können. Wenn ich diese Funktion wähle, öffnet sich ein Formular, in dem ich aus einer Liste einen Ansprechpartner wählen kann, dem ich auf diesem Weg eine Email sende. Bei anderen Seiten  macht mich so etwas misstrauisch: Sektenverdacht drängt sich auf. Kann sich evangelische Kirche nicht mehr leisten, ihre zentralen Inhalte öffentlich zu diskutieren?  Man bietet mir an zu Fragen zu stellen und mit mir zu reden, aber nicht öffentlich und auch nur unter vie Augen.

Das in Spur 8 verwendete Realisierungskonzept scheint nicht in erster Linie mündige Internetuser als Zielpublikum ansprechen zu wollen. Im wesentlichen beschränken sich die Handlungs- und Erfahrungsoptionen der virtuellen Reise auf das Weiterschalten zur nächsten Folie. Sicher steckt viel wertvolle Arbeit im Design und und Umsetzung der einzelnen Vorträge. Was die Anliegen der Mitreisenden betrifft, ist auch dieses Angebot eher entäuschend und bekommt dadurch am Ende doch eher den Geschmack eine Kaffeefahrt.

Muss sich missionarische Verkündigungsarbeit vielleicht doch stärker mit konnektivistischen und sozialkonstruktivistischen Bildungsansätzen des Netzlernens auseinandersetzen, damit sie aus dem frommen Nischendasein herauskommt?
 

Am Ende geht es um uns

Erklärung der Menschenrechte, Vereinte Nationen, 1948
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Clip der Scientology-Unterorganisation “Jugend für Menschenrechte”

Artikel 27
(1) Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
(2) Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Aufgaben

  1. Welche Aussagen aus Artikel 27 werden in dem Videoclip berücksichtigt bzw.  unterschlagen? Wie würde Euer Storyboard aussehen?
  2. Wie kann das geistige und materielle Interesse des Einzelnen und gleichermaßen die freie Teilhabe aller gesichert werden?
    Vielleicht bildet ihr zwei Parteien (die AbsatzEinsPartei und die AbsatzZweiPartei)

Argumente zu diesem Thema findest du auch hier:
http://www.daniel-schwerd.de/geistiges-eigentum-und-die-menschenrechte/
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/gruenen-politikerin-krumwiede

 

Geistiges Eigentum???

Je häufiger ich dieses Wort höre, desto mehr kommen mir die Zweifel, ob es so etwas überhaupt geben kann. Was unterscheidet geistiges Eigentum von der Luft, die mal durch meine Lungen gegangen ist? Kann man etwas Geistiges überhaupt besitzen? weiterlesen