√Ėkumenisch gelebtes Christsein – Friedrich W.J. Hasselhoff

Rz-HasselhoffFriedrich W.J.Hasselhoff: ¬ĽMitb√ľrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen¬ę
Gesammelte Aufsätze, Vorträge und Predigten. Hg.: Görge K. Hasselhoff.

W√ľrzburg: K√∂nigshausen & Neumann 2012, 362 S., Register — ISBN 978-3-8260-4995-8 —

Der vorliegende Band gibt einen anregenden Einblick in das jahrzehntelange theologisch-p√§dagogisch-dialogische Wirken des ehemaligen Hochschul-dozenten, Pfarrers und Schulreferenten Friedrich Hasselhoff (1928 ‚Äď 2012). Es handelt sich um ver√∂ffentlichte und unver√∂ffentlichte Aufs√§tze, Vortr√§ge, Predigten und religionsp√§dagogische Entw√ľrfe, die sein Sohn G√∂rge, Theologe und Hochschuldozent an der Ruhruniversit√§t Bochum und an der TU Dortmund, systematisierend zusammengestellt hat. Es erstaunt die Vielf√§ltigkeit der angesprochenen Themen, die sich im Band konkret auf folgende Bereiche beziehen: Biblische Exegese, Predigten und Ansprachen. Schwerpunkte sind Geschichtliches zum Judentum und √úberlegungen zum christlich-j√ľdischen Dialog, und zwar aus historischer und theologisch-systematischer Sicht, erg√§nzt durch das Beispiel der christlichen Siedlung Nes Ammim in Israel.

Es versteht sich von selbst, dass die in einem langen Zeitraum entstandenen Aufs√§tze und Vortr√§ge eine gewisse Zeitbedingtheit widerspiegeln. Zugleich aber ist hier eine Sammlung eines theologischen und religionsp√§dagogischen Weiter-Denkers entstanden. Er hat durch sein Engagement im christlich-j√ľdischen Dialog √ľber die √Ėkumene der Konfessionen hinausgedacht und damit auch der √Ėkumene der Religionen wichtige Impulse gegeben.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

 

Reinhard Kirste

Rz-Hasselhoff, 17.10.14   Creative Commons-Lizenz

 

Buch des Monats Juni 2014: Religionspädagogik in der Spannung von Schule und Religion

Rz-Graßal-ReligionenLucas Graßal: Wie Religion(en) lehren? Religiöse Bildung in deutschen religionspädagogischen Konzeptionen im Licht der Pluralistischen Religionstheologie von John Hick.
Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung Band 30.
Berlin: EB-Verlag 2013, 426 S. (zugleich Diss. Universität Erlangen)
— ISBN 978-3-86893-078-8 —

Dies ist ein Buch zur Grundlegung des Religionsunterrichts in Deutschland im Horizont religionstheologischer Ver√§nderungen. Darum m√ľssen sowohl hermeneutische wie auch religionsp√§dagogische Entscheidungen getroffen werden, die allerdings im √∂ffentlichen Raum der Schule auf widerstreitende Interessen sto√üen: Der von der EKD favorisierte konfessionell-kooperative Religionsunterricht, das Hamburger Modell “Religionsunterricht f√ľr alle” und LER – “Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde” in Brandenburg.

Gra√üal f√ľhrt die verschiedenen Religionsunterrichtsmodelle mit John Hicks Religionstheorie zusammen. Mit seiner kritischen Aufarbeitung zielt Gra√üal letztlich auf eine Alternative zu den bisherigen Religionsunterrichtstypen, bel√§sst es jedoch zumindest in dieser Arbeit bei der Fragestellung. M.E. ergibt sich dennoch, dass sich aus dem Argumentationsmuster des Verfassers ein interreligi√∂ser Religionsunterricht begr√ľnden l√§sst, dem das Hamburger Modell am n√§chsten kommt.
Insgesamt hat Gra√üal mit diesen Kl√§rungen eine Basis f√ľr die weitere p√§dagogische Kulturbedeutung des Religionsunterrichts gelegt.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Rz-Graßal-Religionen, 31.05.14

 

 

Perspektiven religiöser Bildung im zusammenwachsenden Europa

Rz-Schreiner-Religion-EuropaPeter Schreiner: Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung.
Eine Rekonstruktion europäischer Diskurse und Entwicklungen aus protestantischer Perspektive. Religious Diversity and Education in Europe.

Vol. 22. M√ľnster u.a.: Waxmann 2012, 402 S.¬†¬†¬†¬†¬†¬†
(zugleich Dissertation Universit√§ten Erlangen-N√ľrnberg¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†
und Vrije Universiteit Amsterdam 2012)
— ISBN 978-3-8309-2801-0 —
Rezension von Prof. Dr. Martin Schreiner (Universität Hildesheim),
zuerst erschienen in:
Theo-Web. Zeitschrift f√ľr Religionsp√§dagogik 12 (2013), H.1, 187-279

im Rahmen einer umfassenden Sammelrezension:
Von ‚ÄěGlobalisierte Religion‚Äú √ľber ‚ÄěEmpathische Bibeldidaktik‚Äú bis zum
‚ÄěKompendium der fr√ľhchristlichen Wundererz√§hlungen‚Äú‚Äď Beachtenswerte
Neuerscheinungen f√ľr die religionsp√§dagogische Handbibliothek.

Die jeweiligen Schwerpunkte der hier ausgewählten Besprechung sind redaktionell durch Fettschreibung hervorgehoben!

Die Gesamtbesprechung kann eingesehen werden unter:
http://www.theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2013-01/15.pdf

Der Rezensent betont insgesamt die Wichtigkeit dieser vorgelegten Situationsanalyse und beginnt mit der klar konturierten Zielrichtung, die Peter Schreiner in seiner Einleitung formuliert und damit zugleich den europäischen Bildungshorizont unter religiöser Fokussierung anspricht:

‚Äě>In der Studie wird die Bedeutung von Religion im Kontext einer Europ√§isierung von Bildung untersucht. Ein Ausgangspunkt ist dabei, dass europ√§ische Prozesse in vielf√§ltiger Weise auf nationale Bildungs- und Ausbildungssysteme einwirken (Europ√§isierung von Bildung) und dass die europ√§ischen Institutionen, der Europarat und die Europ√§ische Union, zentrale Akteure in der Veranlassung und der Entwicklung dieser Prozesse sind. Ihre Positionen und ihre inhaltlichen Konzepte materialisieren sich dabei in zahlreichen politischen Dokumenten, die bislang im Rahmen der Forschung noch nicht hinreichend beachtet und untersucht wurden … Ergebnisse der Analyse werden, orientiert an den zentralen Kategorien ‚ÄöReligion‚Äė und ‚ÄöBildung‚Äė, zusammenfassend dargestellt und von einer protestantischen Perspektive aus diskutiert. Die Studie wird mit einem Res√ľmee und mit Anregungen zur Weiterentwicklung der Forschung sowie f√ľr Bildungspolitik und eine weitergehende Europ√§isierung evangelischer Bildungsverantwortung abgeschlossen< (11).

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Martin Schreiner

Creative Commons-Lizenz

 

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Religionsmonitor 2013: Religiöse Vielfalt in Deutschland

Rz-Religionsmonitor 2013Die j√ľngst erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ein lebhaftes Medien-Echo hervorgerufen: ¬†

Religionsmonitor – verstehen, was verbindet.
Religiosität und Zusammenhalt in Deutschland

Die 73 Seiten starke Vorab-Studie haben die Religionssoziologen Detlef Pollack und Olaf M√ľller (beide Universit√§t M√ľnster) erarbeitet. Sie ziehen aufgrund des statistisch erhobenen Materials und entsprechender Auswertungen eine erste vorl√§ufige Bilanz in vier Themenfeldern:

 

  1. Abnehmende Kirchlichkeit, Marginalisierung von Religion und Interesse an alternativer Religiosität.
  2. Die Bedeutung von Werten f√ľr die menschliche Gesellschaft, die weithin nicht mehr religi√∂s begr√ľndet werden.
  3. Die erstaunliche religiöse Vielfalt in Deutschland, die zum Teil als Bereicherung empfunden wird, ohne dass sehr starke Tendenzen nach praktischer religiöser Begegnung bestehen. Zugleich hat die Islamfeindlichkeit in Deutschland beunruhigende Ausmaße angenommen.
  4. Im Fazit betonen die Autoren, dass angesichts der wachsenden religi√∂sen Vielfalt Menschen in Ost und West die religi√∂se Pluralisierung als kulturelle Bereicherung, aber auch als Ursache f√ľr Konflikte ansehen (S.55). Insgesamt haben trotz der Entkirchlichungs- und S√§kularisierungsprozesse Religiosit√§t und religi√∂se Zugeh√∂rigkeit immer noch grundlegende Bedeutung (S. 56).

Die gesamte Studie “Religionsmonitor”: hier zum Download

Eine Reihe von Medien haben aus dieser weitreichenden Analyse den Schwerpunkt ihrer Kommentierung auf die Islamfeindlichkeit gelegt, wie ein Überblick der Pressemeldungen bei Google-News deutlich macht. Damit wird ein lange schon bekanntes gesellschaftliches vourteilsbehaftetes Konfliktfeld auch soziologisch untermauert, das angesichts zahlreicher positiver Einschätzungen von religiöser Vielfalt zu Besorgnis Anlass gibt und dringend auch politisches Gegensteuern erfordert.

F√ľr die vertiefende Lekt√ľreB√ľcher mit Besprechungen zum Thema:

 

 

Christliche √Ėkumene und j√ľdische Perspektiven

Rz-Fornet-PonseFornet-Ponse, Thomas: √Ėkumene in drei Dimensionen.
J√ľdische Anst√∂√üe f√ľr die innerchristliche √Ėkumene.
Jerusalemer Theologisches Forum, Bd. 19. M√ľnster: Aschendorff 2011. 516 S., Register
(zugleich Diss. 2010, Kath. Theol. Fakultät der Paris Lodron-Universität Salzburg)
— ISBN 978-3-402-11023-2 —¬†

Forschungsaufenthalte in Jerusalem k√∂nnen das christlich-j√ľdische Gespr√§ch in zuweilen etwas vernachl√§ssigte Denkrichtungen bringen. Daf√ľr steht beeindruckend die leicht √ľberarbeitete Dissertation des katholischen Theologen Thomas Fornet-Ponse, der das vom 2. Vatikanischen Konzil initiierte dialogisch-theologische Umdenken im Blick auf das Judentum einfordert. Denn Kirche hat wesentliche Strukturen ihrer Identit√§t vom Judentum erhalten. Schlimm genug jedoch ist, dass es weiterhin Reserven gegen eine konsequente √Ėffnung zum Judentum innerhalb sich √∂kumenisch gebender Theologie gibt.

Das Verh√§ltnis von Identit√§t und Differenz in der Okumene von Katholiken, Protestanten und Orthodoxen zeigt sich mehr und mehr als hermeneutische Chance, auch innerchristlich aus einer vielf√§ltigen Einheit heraus zu denken. Die j√ľdische Seite macht dazu Mut, sich der Wahrheit in pluralen Ausdrucksformen anzun√§hern. So m√ľssen auch Differenzen nicht vorrangig miteinander vers√∂hnt werden, weil die Einheit selbst Vielfalt erlaubt. Das hei√üt praktisch, dass Kirche viel st√§rker von der Ortskirche her gedacht werden sollte. Orthodoxie und Protestantismus k√∂nnten so positiv auch auf das katholische Amtsverst√§ndnis einwirken, wenn dieses durchg√§ngig als Dienst an der (zu erwartenden, aber vielf√§ltig bleibenden) Einheit gesehen werden k√∂nnte. Die j√ľdischen Verstehensebenen von Autorit√§t, Einheit und Pluralit√§t in der Auslegung der hebr√§ischen Bibel und im Talmud sind darum in die Debatten innerchristlicher √Ėkumene-Differenzen einzubringen.

Vom lutherischen Kirchenverst√§ndnis her hat es √ľbrigens immer wieder ‚Äď auch innerprotestantisch strittige ‚Äď Signale gegeben, √ľber die gesamtkirchliche Stellung des Papstes als Ehrenprimat ins Gespr√§ch zu kommen. Im Hoffnungsrahmen von Pluralit√§t in der Einheit scheinen hier allerdings noch viele Stolpersteine zu liegen. Und trotz einiger vom Autor herangezogenen ermutigender Formulierungen Ratzingers muss man unter seiner √Ągide als Benedikt XVI. doch eine Tendenz wahrnehmen, in der sich die Gewichte zuungunsten einer Einheit in vers√∂hnter Verschiedenheit verschieben. So bleibt auch Fornet-Ponses Res√ľmee der Einheit in vers√∂hnter Verschiedenheit eine innerchristliche Vision, deren Realisierung man sich jedoch endlich w√ľnscht.

Reinhard Kirste

Rz-Fornet-Ponse, 22.12.12

 

Weltreligion Christentum Рökumenisches Lernen in der Oberstufe

Werner Trutwin: Weltreligionen ‚Äď Christentum. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Ethik ‚Äď Philosophie.
M√ľnchen: Bayerischer Schulbuch Verlag (Patmos) 2012, 192 S. Abb. — ISBN 978-3-7627-0433-1
V√∂llige Neubearbeitung des bisherigen Heftes, das 1999 im Patmos-Verlag D√ľsseldorf erschien.

Mit diesem Band √ľber die Vielfalt des Christentums ist nun die neubearbeitete Reihe f√ľr die Sekundarstufe II ‚ÄěWeltreligionen‚Äú abgeschlossen.
Die bisherige B√§nde ‚Äď Judentum,Islam, Hinduismus und Buddhismus ‚Äď sind bereits unter ‚ÄěEin-Sichten‚Äú vorgestellt worden.

Der erfahrene Praktiker und Religionspädagoge Werner Trutwin behält auch bei diesem Arbeitsheft die gewählte Struktur zum Verständnis einer Religion bei, um damit zugleich eine gewisse Vergleichbarkeit im Blick auf die anderen Religionen zu ermöglichen.

Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit im Kontext des Religionsunterrichts erw√§hnt Trutwin die ‚Äědirekten‚Äú Bezugsf√§cher ‚ÄěEthik‚Äú bzw. ‚ÄěPraktische Philosophie‚Äú. Er stellt dann einen klar strukturierten Kursunterricht in Religion vor.

Trutwin setzt gerade f√ľr die Schuke auf die positiven konfessions√∂kumenischen Erfahrungen. Zugleich wird die Begegnung der Religionen ‚Äěauf Augenh√∂he‚Äú gerade f√ľr die Zukunft als eine unausweichliche Notwendigkeit postuliert. Damit ist hier ein religions√∂kumenisch offenes ‚ÄěLehrbuch‚Äú entstanden, das man als Christentum-Materialbasis mit seiner didaktischen und methodischen Vielfalt f√ľr den katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht nur w√§rmstens empfehlen kann.

                                                                                                                                                    Reinhard Kirste
Rz-Trutwin-Christentum, 03.08.12

Das Institut Kirche und Judentum Berlin als christlich-j√ľdischer Wegbereiter

Markus Witte und Tanja Pilger (Hg.): Mazel tov.
Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Christentum und Judentum
.

Studien zu Kirche und Israel, Neue Folge (SKLNF), Bd. 1
   

Festschrift anl√§sslich des 50.Geburtstages des Instituts Kirche und Judentum      

Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2012, 581 S., Register
ISBN 978-3-374-03012-5 —      

1960 wurde an der damaligen Kirchlichen Hochschule in Berlin-Zehlendorf das ‚ÄěInstitut Kirche und Judentum‚Äú gegr√ľndet. Von 1883 bis 1956 gab es an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universit√§t, der heutigen Humboldt-Universit√§t, das ‚ÄěInstitutum Judaicum Berolinense‚Äú. Das 50j√§hrige Bestehen des Instituts Kirche und Judentum ‚Äď nach Integrierung der Kirchlichen Hochschule in die Humboldt-Universit√§t nun ein Teil derselben, war Anlass f√ľr ein Jubil√§umssymposium, aus dem dieser umfassende Band erwuchs.

Der Alttestamentler und gegenw√§rtige Leiter des Instituts Kirche und Judentum, Markus Witte, und seine Mitarbeiterin Tanja Pilger haben daraus eine Festschrift zusammengestellt, in der sich renommierte Bibelwissenschaftler, theologische Systematiker, Judaisten, Kirchenhistoriker, Kunstgeschichtler (die meisten von der Humboldt-Universit√§t = HU) zu Grundfragen und zur Ambivalenz christlich-j√ľdischer Begegnung quer durch die Jahrhunderte √§u√üern. Sie gehen systematisch und (theologisch) aktualisierend vor und ziehen immer wieder j√ľdische und christliche Quellentexte heran, aber auch eindr√ľckliche christliche Bilddokumente.

Neben den Laudationes und Gru√üworten aus christlichem und j√ľdischem Munde wird die F√ľlle des Materials durch die Strukturierung in exegetische Beitr√§ge, historische Beispiele bis zur Gegenwart, kunstgeschichtliche Besonderheiten und Theologisches zum Gottesverst√§ndnis sowie ausgew√§hlten Predigten (mit einem kritischen Anmerkungsbeispiel) geb√ľndelt. So ist ein Kaleidoskop von Themen entstanden, das den Facettenreichtum des christlich-j√ľdischen Dialogs zum Ausdruck bringt, zu dem das Berliner Institut einen wichtigen Beitrag seit √ľber einem halben Jahrhundert leistet. Dieser teilweise disparaten F√ľlle kann nicht im Einzelnen nachgegangen werden, so dass die Schwerpunktsetzungen des Rezensenten nat√ľrlich subjektiv gepr√§gt sind.

In dem Facettenreichtum der Ausf√ľhrungen spiegelt sich – verst√§rkt durch einige j√ľdische Beitr√§ge – eine √ľberwiegend christliche Debatte im Kontext urspr√ľnglicher und problematischer Abgrenzung vom Judentum. Die Spannbreite der Beitr√§ge reicht dabei von der kritischen Betrachtung judenfeindlicher Stereotypen √ľber weiterhin theologisch-abgrenzende Dialogversuche bis hin zur generellen Neubestimmung des Verh√§ltnisses zum Judentum.

Angesichts dieser Debattenlage wird das Institut viel Besonnenheit, aber auch viel Gl√ľck (‚ÄěMazel tov‚Äú) bei seinem dialogischen Handeln gebrauchen k√∂nnen.

Reinhard Kirste

 Rz-Mazel tov, 28.07.12

Zukunftshoffnungen f√ľr den interreligi√∂sen Dialog

Wilfried Oertel: Wie einen wärmenden Mantel. Zukunftsfähiger Dialog statt Abgrenzung in der interreligiösen Begegnung.
Veröffentlichungen des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts, Band 11.
Nordhausen: Bautz 2011, 172 S., Abb. —
ISBN 978-3-88309-100-6

Wilfried Oertel, evangelischer Pfarrer und seit Jahren im interreligi√∂sen Dialog engagiert, hat hier eine Art Zwischenbilanz gezogen. Seine Vision ist die Einheit der Religionen in Vielfalt. Das Zusammenleben zwischen Menschen verschiedener Religionen ist daf√ľr der Pr√ľfstein. Aus diesem Grunde hatte er im Rahmen des deutschlandweiten Projekts der katholischen, evangelischen, orthodoxen Kirchen sowie j√ľdischer und muslimischer Organisationen “Wei√üt du, wer ich bin?”1 mitgearbeitet. Er entwickelte interreligi√∂se Begegnungsprojekte an zwei Schulen der sauerl√§ndischen Kleinstadt Meschede. Diese wurden von der islamischen und christlichen Seite getragen. Das erste Modell ‚ÄěOffene T√ľren machen reich‚Äústand unter dem Stichwort der Gastfreundschaft und Entdeckungen in Synagoge, Kirche und Moschee, verbunden mit grundlegenden Fragen des Glaubens. Das zweite Modell nahm bei den Begegnungen die Gottesh√§user des Andern in Augenschein ‚ÄěMein Gotteshaus ‚Äď Dein Gotteshaus‚Äú,wiederum verbunden mit konkreten Besichtigungen und Gespr√§chen vor Ort. Immer gab es abschlie√üend Reflexionen im Sinne einer ‚ÄěIntegration durch Begegnung.‚Äú


Die vorlaufende Praxis interreligi√∂ser Begegnung besonders aus dem Schulalltag heraus hat Wilfried Oertel bewogen, die theologische Basis seines Handelns zu pr√ľfen und diese an den offiziellen √Ąu√üerungen kirchlicher Gremien zu spiegeln. Die Bibel selbst gibt gen√ľgend multireligi√∂se Anregungen. Das zeigen Geschichten wie die Flucht des Mose nach Midian, die Flucht des Propheten Jona und seine Predigt gegen die Stadt Ninive, Jesajas Botschaft von der Erkenntnis f√ľr alle, Jesu Heilung der Tochter einer Kanaaniterin, die Begegnung von Petrus mit dem r√∂mischen Hauptmann Kornelius und schlie√ülich in der Theologie des Paulus ein Gottesverst√§ndnis, das Unterschiede aufhebt.
Was biblisch ermutigend ist, schien kirchlich auch neue Begegnungsm√∂glichkeiten zu er√∂ffnen. In diese Hoffnungszeichen flie√üen bei Oertel Erfahrungen aus der westf√§lischen und rheinischen Kirche ein. Der Titel des Buches, ein Zitat aus den Tageb√ľchern von Max Frisch, wurde in der Hauptvorlage der Evangelischen Kirche von Westfalen 1992 ‚ÄěIn einem Boot‚Äú gewisserma√üen als Dialogempfehlung ausgegeben. Gerade auf der mittleren Ebene zwischen Gemeinde und Kirchenleitung hat sich √ľber die Jahre hinweg ein Netz von dialogoffenen Beauftragten des christlich-islamischen Dialogs entwickelt, das zu einer Reihe von Grenzen √ľberschreitenden √Ąu√üerungen und Stellungnahmen f√ľhrte. Auf der ‚Äěh√∂heren‚Äú Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (wirkte sich die Dialogarbeit in den Landeskirchen allerdings nur bedingt aus. Hervorzuheben sind immerhin die Handreichungen: ‚ÄěZusammenleben mit Muslimen in Deutschland‚Äú (2000), allerdings bereits weniger ermutigend ‚ÄěKlarheit und gute Nachbarschaft‚Äú (2006). Auff√§llig ist, dass es auf den Brief der 138 international bekannten muslimischen Theologen mit ‚ÄěA Common Word‚Äú (2007) bis heute keine offizielle Stellungnahme der EKD gibt.2
Den vorgestellten Handreichungen wird je l√§nger je mehr eine beunruhigende R√ľckw√§rtstendenz bescheinigt: ‚ÄěEs l√§sst sich also festhalten, dass den erstarkenden islamistischen Tendenzen ‚Ķ eine Tendenz des R√ľckzugs auf traditionelle theologische Positionen auf der Leitungsebene der EKD entspricht und die konservativen Stimmen die theologische Konzeption im Dialog bestimmen. Aus anf√§nglichen Grenzg√§ngern sind Grenzw√§chter geworden‚Äú (S. 89). Dabei ist zu ber√ľcksichtigen, dass das, was f√ľr den christlich-islamischen Dialog gilt, auch die j√ľdische Seite besonders in der Christologie und in der Mission mit betrifft. In manchen ‚Äď auch offiziell-kirchlich-theologischen √Ąu√üerungen bis in die Gegenwart ‚Äď zeigt sich jedoch noch immer der eher verklausulierte Vorwurf der Ablehnung Jesu als Messias und des kompliziert anzusehenden Christuszeugnisses gegen√ľber den Juden. Allein die Evangelische Kirche im Rheinland hat den Gedanken der Judenmission konsequent ad acta gelegt. Oertel bezieht sich dazu auf den rheinischen Synodalbeschluss von 1980 und das daraus abgeleitete Weiterdenken im Verh√§ltnis von Christen und Juden im Jahre 2009.
Dialog ja, aber bitte nicht auf der Ebene der Gleich-Wertigkeit der Religionen. Die kirchlichen Abgrenzungsmechanismen f√ľhrt Oertel letztlich an der Trinit√§tslehre vor. In den neutestamentlichen Aussagen lassen sich zwar triadische Aussagen entdecken, aber keine Trinit√§t. Vielmehr spielt die heilsgeschichtliche Bedeutung Jesu die zentrale Rolle. Die Verbindung der Christologie mit der Trinit√§t und deren Dogmatisierungen sind das Ergebnis eines kirchlichen Rezeptionsprozesses, f√ľr die die Synoden von Nic√§a (325) und Konstantinopel (381) als Orientierungsmarken stehen.

Wilfried Oertel ‚Äěrahmt‚Äú seine hoffnungsvollen praktischen und seine dogmatisch kritischen √úberlegungen mit k√ľnstlerischen Impulsen ein ‚Äď im Sinne von Visionen. Sie stammen von der israelischen K√ľnstlerin Tova Heilprin mit der Skulptur ‚ÄěOne‚Äú und dem zukunftstr√§chtigen Ausblick auf Kirche und Minarett in Chania (Kreta). Das im Bild erkennbare Bauger√ľst am Minarett wird zum Symbol und zur Hoffnung f√ľr Baufortschritte im christlich-islamischen Dialog trotz aller St√∂rman√∂ver aus dogmatisch abgesicherten Trutzburgen beider Religionen. Oertels Buch schl√§gt dazu eine kl√§rende Schneise.¬†
                                                                                                  Reinhard Kirste
 Anmerkungen
1)  Das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) koordinierte Projekt ist inzwischen ausgelaufen.  Die meisten Materialien sind jedoch weiter erhältlich: http://www.oekumene-ack.de/Meldung.49.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=418&tx_ttnews[backPid]=7

2)¬†¬† Vgl. dazu die Zusammenstellung der Evangelischen Zentralstelle f√ľr Weltanschauungsfragen (EZW)
¬†¬†¬†¬†¬† ‚Äď eine Dokumentationsstelle der EKD ‚Äď in: EZW-Texte 202 (2009):
http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_1935.php