Heilige Schriften der Abrahamsreligionen kennen lernen

Rz-Sajak-Hl_SchriftenClauß Peter Sajak (Hg.): Heilige Schriften.
Texte – Themen ‚Äď Traditionen. Sekundarstufe I und II.

Lernen im Trialog Heft 3. Ein Projekt der Herbert Quandt-Stiftung.
Paderborn: Schöningh 2015, 96 Seiten, Abb.
‚Äď mit Materialiensammlung und Glossar
— ISBN 978-3-14-053652-3 —

Im vorliegenden Heft  geht es darum, die Heiligen Schriften der abrahamischen Religionen im Sinne von kompetentem Basiswissen zu erschließen.  Es geht dann konkret exegetisch, rituell und didaktisch zuerst um die hebräische Bibel, TeNaK, christlich gesprochen um das Alte Testament mit: Tora = Gesetz, Nebi’im = Propheten, Ketubim = Schriften. Es folgen die christliche Bibel und der Koran Aufgrund der didaktischen Zielorientierung lassen sich von hier aus Themen entwickeln, die eine Auseinandersetzung mit zentralen Personen der drei monotheistischen Religionen ermöglichen.

Die thematischen Bausteine dazu sind:

  • Orientierungswissen erwerben
  • Vergleich von Tenach, Bibel und Koran
  • Begegnungen mit Personen aus den Heiligen Schriften erm√∂glichen (z.B. mit Ruth, Noah).

Die Arbeitsbl√§tter im Schlussteil zeigen sehr sch√∂n. wie bei aller auch immer vorhandenen Distanz zu den biblischen und koranischen Texten dennoch ein jugendgem√§√üer Zugang mit einer gezielten Sachorientierung m√∂glich ist. Damit wird interreligi√∂se Kompetenz nicht nur kognitiv erarbeitet, sondern auch affektiv und meditativ zug√§nglich gemacht und kann ‚Äěganzheitlich‚Äú verarbeitet werden.

Das vorliegende Trialogheft leistet f√ľr alle interreligi√∂s Interessierten einen hilfreichen und weiterf√ľhrenden Beitrag.

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Reinhard Kirste

Rz-Sajak-Heilige Schriften, 06.06.2015    Creative Commons-Lizenz

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Buch des Monats Dezember 2012: Interreligiöse Friedensbeiträge

Michaela Sohn-Kronthaler / Paul Zahner OFM (Hg.): Pax et Bonum.
Franziskanische Beiträge zu Frieden und interreligiösem Dialog.
Theologie im kulturellen Dialog, Band 23.
Innsbruck ‚ÄďWien 2012, 216 S., Abb.,  Personenregister
— ISBN 978-3-7022-3187-3

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

Der vorliegende Band ist das Ergebnis eines intensiven Diskurses der Franziskaner mit den Friedensintentionen ihres Gr√ľnders. Leitmotiv insgesamt bildet die von Franziskus unternommene Reise zum Sultan Malek al-Kamel von √Ągypten im Jahre 1219, deren √§u√üerlicher Misserfolg dennoch eine interreligi√∂se Offenheit des Franziskanerordens initiierte, die sich kreativ und konsequent bis in die Gegenwart hin auswirkt.

Bei Lesen  sowohl der historisch bezogenen wie der gegenw√§rtig aktuellen Beitr√§ge sp√ľrt man: Der Geist des Hl. Franz motiviert die AutorInnen, einen Religionsgrenzen √ľberschreitenden Frieden weiter zu tragen und gesellschaftliche Konflikte nicht zu √ľberspielen. Das Buch macht Mut, angesichts aller Glaubensanspr√ľche und Vorurteile die interreligi√∂se Begegnung freundschaftlich zu f√∂rdern und die Friedenskr√§fte aller Religionen wirksam werden zu lassen.

Reinhard Kirste

Rz-Sohn-Kronthaler-Franziskus, 30.11.12

Gotthold Ephraim Lessing: Die Möglichkeit eines friedvollen Miteinanders der Religionen

Karl-Josef Kuschel: Im Ringen um den WAHREN RING. Lessings “Nathan der Weise” – eine Herausforderung der Religionen. Ostfildern: Patmos 2011, 232 S.
— ISBN 978-3-8436-0031-6
2004 hatte der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel bereits das Buch geschrieben “Jud, Christ und Musumann vereinigt”? Unter dem Titel “Im Ringen um den WAHREN RING” ist es 2011 als √ľberarbeitete Neuausgabe wiederum erschienen. Die Hoffnung auf eine Vers√∂hnung der Religionen und des friedvollen interreligi√∂sen Zusammenlebens ist eine extrem wichtiges Element f√ľr die Zukunft der Menschheit. Das¬† bewegte den Aufkl√§rer Lessing und daf√ľr steht sein Schauspiel “Nathan der Weise”.
Diese Hoffnung treibt auch Karl-Josef Kuschel um. Aber es stehen harte Realit√§ten einer solchen Vision entgegen. Der Slogan vom “Kampf der Kulturen” scheint dem friedlichen Wettstreit auf der Suche nach der Wahrheit kaum eine Chance zu lassen. Darum ist die Erinnerung an Lessings “Nathan” heute um so n√∂tiger.¬† Aktive Toleranz und “vorurteilsfreie Liebe” gegenn√ľber den “Anderen” hat ver√§ndernde gesellschaftliche Kraft.
Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Zukunftshoffnungen f√ľr den interreligi√∂sen Dialog

Wilfried Oertel: Wie einen wärmenden Mantel. Zukunftsfähiger Dialog statt Abgrenzung in der interreligiösen Begegnung.
Veröffentlichungen des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts, Band 11.
Nordhausen: Bautz 2011, 172 S., Abb. —
ISBN 978-3-88309-100-6

Wilfried Oertel, evangelischer Pfarrer und seit Jahren im interreligi√∂sen Dialog engagiert, hat hier eine Art Zwischenbilanz gezogen. Seine Vision ist die Einheit der Religionen in Vielfalt. Das Zusammenleben zwischen Menschen verschiedener Religionen ist daf√ľr der Pr√ľfstein. Aus diesem Grunde hatte er im Rahmen des deutschlandweiten Projekts der katholischen, evangelischen, orthodoxen Kirchen sowie j√ľdischer und muslimischer Organisationen “Wei√üt du, wer ich bin?”1 mitgearbeitet. Er entwickelte interreligi√∂se Begegnungsprojekte an zwei Schulen der sauerl√§ndischen Kleinstadt Meschede. Diese wurden von der islamischen und christlichen Seite getragen. Das erste Modell ‚ÄěOffene T√ľren machen reich‚Äústand unter dem Stichwort der Gastfreundschaft und Entdeckungen in Synagoge, Kirche und Moschee, verbunden mit grundlegenden Fragen des Glaubens. Das zweite Modell nahm bei den Begegnungen die Gottesh√§user des Andern in Augenschein ‚ÄěMein Gotteshaus ‚Äď Dein Gotteshaus‚Äú,wiederum verbunden mit konkreten Besichtigungen und Gespr√§chen vor Ort. Immer gab es abschlie√üend Reflexionen im Sinne einer ‚ÄěIntegration durch Begegnung.‚Äú


Die vorlaufende Praxis interreligi√∂ser Begegnung besonders aus dem Schulalltag heraus hat Wilfried Oertel bewogen, die theologische Basis seines Handelns zu pr√ľfen und diese an den offiziellen √Ąu√üerungen kirchlicher Gremien zu spiegeln. Die Bibel selbst gibt gen√ľgend multireligi√∂se Anregungen. Das zeigen Geschichten wie die Flucht des Mose nach Midian, die Flucht des Propheten Jona und seine Predigt gegen die Stadt Ninive, Jesajas Botschaft von der Erkenntnis f√ľr alle, Jesu Heilung der Tochter einer Kanaaniterin, die Begegnung von Petrus mit dem r√∂mischen Hauptmann Kornelius und schlie√ülich in der Theologie des Paulus ein Gottesverst√§ndnis, das Unterschiede aufhebt.
Was biblisch ermutigend ist, schien kirchlich auch neue Begegnungsm√∂glichkeiten zu er√∂ffnen. In diese Hoffnungszeichen flie√üen bei Oertel Erfahrungen aus der westf√§lischen und rheinischen Kirche ein. Der Titel des Buches, ein Zitat aus den Tageb√ľchern von Max Frisch, wurde in der Hauptvorlage der Evangelischen Kirche von Westfalen 1992 ‚ÄěIn einem Boot‚Äú gewisserma√üen als Dialogempfehlung ausgegeben. Gerade auf der mittleren Ebene zwischen Gemeinde und Kirchenleitung hat sich √ľber die Jahre hinweg ein Netz von dialogoffenen Beauftragten des christlich-islamischen Dialogs entwickelt, das zu einer Reihe von Grenzen √ľberschreitenden √Ąu√üerungen und Stellungnahmen f√ľhrte. Auf der ‚Äěh√∂heren‚Äú Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (wirkte sich die Dialogarbeit in den Landeskirchen allerdings nur bedingt aus. Hervorzuheben sind immerhin die Handreichungen: ‚ÄěZusammenleben mit Muslimen in Deutschland‚Äú (2000), allerdings bereits weniger ermutigend ‚ÄěKlarheit und gute Nachbarschaft‚Äú (2006). Auff√§llig ist, dass es auf den Brief der 138 international bekannten muslimischen Theologen mit ‚ÄěA Common Word‚Äú (2007) bis heute keine offizielle Stellungnahme der EKD gibt.2
Den vorgestellten Handreichungen wird je l√§nger je mehr eine beunruhigende R√ľckw√§rtstendenz bescheinigt: ‚ÄěEs l√§sst sich also festhalten, dass den erstarkenden islamistischen Tendenzen ‚Ķ eine Tendenz des R√ľckzugs auf traditionelle theologische Positionen auf der Leitungsebene der EKD entspricht und die konservativen Stimmen die theologische Konzeption im Dialog bestimmen. Aus anf√§nglichen Grenzg√§ngern sind Grenzw√§chter geworden‚Äú (S. 89). Dabei ist zu ber√ľcksichtigen, dass das, was f√ľr den christlich-islamischen Dialog gilt, auch die j√ľdische Seite besonders in der Christologie und in der Mission mit betrifft. In manchen ‚Äď auch offiziell-kirchlich-theologischen √Ąu√üerungen bis in die Gegenwart ‚Äď zeigt sich jedoch noch immer der eher verklausulierte Vorwurf der Ablehnung Jesu als Messias und des kompliziert anzusehenden Christuszeugnisses gegen√ľber den Juden. Allein die Evangelische Kirche im Rheinland hat den Gedanken der Judenmission konsequent ad acta gelegt. Oertel bezieht sich dazu auf den rheinischen Synodalbeschluss von 1980 und das daraus abgeleitete Weiterdenken im Verh√§ltnis von Christen und Juden im Jahre 2009.
Dialog ja, aber bitte nicht auf der Ebene der Gleich-Wertigkeit der Religionen. Die kirchlichen Abgrenzungsmechanismen f√ľhrt Oertel letztlich an der Trinit√§tslehre vor. In den neutestamentlichen Aussagen lassen sich zwar triadische Aussagen entdecken, aber keine Trinit√§t. Vielmehr spielt die heilsgeschichtliche Bedeutung Jesu die zentrale Rolle. Die Verbindung der Christologie mit der Trinit√§t und deren Dogmatisierungen sind das Ergebnis eines kirchlichen Rezeptionsprozesses, f√ľr die die Synoden von Nic√§a (325) und Konstantinopel (381) als Orientierungsmarken stehen.

Wilfried Oertel ‚Äěrahmt‚Äú seine hoffnungsvollen praktischen und seine dogmatisch kritischen √úberlegungen mit k√ľnstlerischen Impulsen ein ‚Äď im Sinne von Visionen. Sie stammen von der israelischen K√ľnstlerin Tova Heilprin mit der Skulptur ‚ÄěOne‚Äú und dem zukunftstr√§chtigen Ausblick auf Kirche und Minarett in Chania (Kreta). Das im Bild erkennbare Bauger√ľst am Minarett wird zum Symbol und zur Hoffnung f√ľr Baufortschritte im christlich-islamischen Dialog trotz aller St√∂rman√∂ver aus dogmatisch abgesicherten Trutzburgen beider Religionen. Oertels Buch schl√§gt dazu eine kl√§rende Schneise.¬†
                                                                                                  Reinhard Kirste
 Anmerkungen
1)  Das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) koordinierte Projekt ist inzwischen ausgelaufen.  Die meisten Materialien sind jedoch weiter erhältlich: http://www.oekumene-ack.de/Meldung.49.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=418&tx_ttnews[backPid]=7

2)¬†¬† Vgl. dazu die Zusammenstellung der Evangelischen Zentralstelle f√ľr Weltanschauungsfragen (EZW)
¬†¬†¬†¬†¬† ‚Äď eine Dokumentationsstelle der EKD ‚Äď in: EZW-Texte 202 (2009):
http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_1935.php

Hiob – Leiden und Gerechtigkeit

Markus Witte (Hg.): Hiobs Gestalten. Interdisziplinäre Studien zum Bild Hiobs in Judentum und Christentum. Studien zu Kirche und Israel (Hg.: Institut Kirche und Judentum), Neue Folge 2.
Leipzig. EVA 2012, 157 S., zahlreiche Abbildungen., Register
ISBN 978-3-374-03013-2
Der Leiter des Instituts f√ľr Kirche und Judentum und Alttestamentler an der Humboldt-Universit√§t Berlin, Markus Witte,hat zusammen mit Fachleuten der biblischen Exegese, der Religionswissenschaft, der Religionsp√§dagogik und Kunstdidaktik sowie einer Bildhauerin die facettenreiche Gestalt des Hiob interdisziplin√§r herausgehoben. Er hat dies authentisch-dialogisch durch die Einbeziehung von Chaim Z. Rozwaski, dem Pr√§sidenten der Berlin Yeshiva Academy und Rabbiner der orthodoxen Lev Tov-Synagoge verst√§rken k√∂nnen. Die Beitr√§ge ‚Äěbilden‚Äú einen Zwischenstand ab, n√§mlich im Kontext eines Hiob-Symposiums anl√§sslich des 50j√§hrigen Bestehens des renommierten Instituts f√ľr Kirche und Judentum ‚Äď Zentrum f√ľr christlich-j√ľdische Studien an der Humboldt-Universit√§t Berlin. Der Band ist zugleich der mit 36 Jahren verstorbenen j√ľdischen Religionswissenschaftlerin Francesca Yardenit Arbertini gewidmet.¬†
Hiob spielt sowohl im Judentum wie im Christentum eine bedeutende Rolle, √ľbrigens auch im Islam, worauf im Buch allerdings nur Francesca Y. Albertini eingeht (vgl. z.B. Navid Kermani: Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte. M√ľnchen: C.H. Beck 2005). Insgesamt gelingt es, eine gemeinsame Deutungs-Basis zu legen: Die Gestalt des Hiob stellt menschlich erfahrene Grundmuster des Lebens zwischen Erfolg und Ungl√ľck dar. Das Buch Hiob f√ľhrt ‚Äěin einen seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. im alten Vorderen Orient literarisch artikulierten Diskurs √ľber g√∂ttliche und menschliche Gerechtigkeit, √ľber die Leistungsf√§higkeit von Weisheit, √ľber die Wege der Gotteserkenntnis und √ľber die Bew√§ltigung existentieller Krisen‚Äú (S 5).
Die wesentlichen literarischen und theologischen Fragen des biblischen Hiobbuches werden nun in ganz unterschiedlicher Weise angegangen: Der G√∂ttinger Alttestamentler Hermann Spieckermannspannt seinen Beitrag in das thematische Dreieck von Wunden ‚Äď Wunder ‚Äď Weisheit. Von den entscheidenden Wundern Gottes bleiben selbst die Weisesten ausgeschlossen, und Gott ist in seiner Erkenntnislosigkeit zu f√ľrchten (S. 28). Das machen besonders die Elihu-Reden des Hiobbuches deutlich. Auch Tanja Pilger von der Humboldt-Universit√§t Berlin untersucht das hinter den Elihu-Reden (Hiob 32-37) stehende Bild eines sich offenbarenden Gottes, der durch Visionen, Tr√§ume und Leiden; aber auch durch gn√§dige Zuwendung erzieht. Der Herausgeber Markus Witte selbst bezieht sich auf die j√ľdische Auslegung im Hiob-Targum, um von daher Hiob in die Erzv√§ter-Tradition Israels einzuordnen und dann neutestamentlich den Bogen Hiob ‚Äď Adam ‚Äď Christus zu spannen. Dadurch wird auch die Verbindung zur altkirchlichen Hiob-Auslegung erhellt, die es einzelnen Kirchenv√§tern erlaubt, Hiob als Vater der gesamten Menschheit zu sehen.
Der von der verstorbenen Francesca Y. Albertiniaufgenommene Beitrag konzentriert sich auf wenige Verse in Hiob 2 ‚Äď die ber√ľhmte ‚ÄěWette‚Äú zwischen Gott und Satan. Sie zeigt dies im Kontext der j√ľdischen Philosophie im Mittelalter und in der Neuzeit. Darum geht sie den religionsgeschichtlichen Urspr√ľngen des Hiob-Prologs nach. und hebt zugleich die Verbindung zur islamischen Hiob-Auslegung (besonders der Mu‚Äôtaziliten) hervor. Drei Autoren stehen im Mittelpunkt. F√ľr das Mittelalter Sa‚Äôadya Gaon, der in Satan den aristotelischen Philosophen sieht, w√§hrend Martin Buber und Franz Rosenzweig als Vertreter der Neuzeit im Satan die negative Kraft ‚Äěpersonifiziert‚Äú erkennen, die Vernunft und ethisches Handeln vernichten. Und es bleibt besonders nach der Shoah die Frage: ‚ÄěWenn Gott nach Gerechtigkeit handelt, was ist der Sinn des Prologs?‚Äú(S. 74).
Der Pr√§sident der konservativen Yeshiva-Akademie Chaim Z. Rozwaski geht unter den Gesichtspunkten von Trauer und Leiden auf die Zeitlosigkeit der Hioberfahrungen ein. Gerechte und Unschuldige sind vom Leiden nicht ausgenommen, was die Freunde (Hiobs) oft genug missverstehen. Hilfsbed√ľrftigen muss bedingungslos Hilfe erwiesen werden ‚Äď das ist Gottes Wille. Der Frankfurter Kunsthistoriker Martin B√ľchsel untersucht das Hiob-Salomo-Portal in Chartres auf seine Programmatik: ‚ÄěHiob und der Weltenrichter werden im >Schmerzensmann< eins‚Äú (S. 87). Die Intentionen der Auftraggeber scheinen darin zu gipfeln: ‚ÄěHiobs Klage wird zur Klage Christi √ľber die Qual seiner Passion ‚Ķ Die Klage verwandelt sich in die Aufforderung zur compassio, in das Bewusstsein, dass jedes Dulden nur ein Spiegel des Duldens Christi sein kann‚Äú (S. 104). Die beigef√ľgten Bilder von D√ľrers Schmerzensmann, √ľber Ausschnitte des kommentierten Portals in Chartres und andere Kathedralfiguren bis hin zu entsprechenden Szenen in biblischen Buchmalereien signalisieren damit heilsgeschichtliche Wirkung.
Mit einer imagin√§ren Gottesverfluchung, die die Hiobgestalt dramatisch zuspitzt (so im Roman von Joseph Roth (1894-1939) er√∂ffnet Georg Langenhorst ein teilweise beklemmendes Panorama der Hiob-Literatur im 20. Jahrhundert. Der katholische Religionsp√§dagoge von der Universit√§t Augsburg l√§sst bekannte und weniger bekannte (deutsche) Schriftsteller mit j√ľdischen Wurzeln und oft expressionistischer Auspr√§gung Revue passieren. Einige werden besonders hervorgehoben. Das Hiobprojekt von Margarete Susman (1872-1966) verkn√ľpft sich durch die Ereignisse zwischen 1933-1945 unmittelbar mit dem Schicksal des j√ľdischen Volks. Exil und Vernichtung werden zu Schicksalszeichen, die sich in die j√ľdische Literatur eingraben. Mascha Kal√©ko (1912‚Äď1975) kommt mit dem Gedicht ‚ÄěEnkel Hiobs‚Äú zu Worte, Karl Wolfskehl (1869‚Äď1948) beschreibt sich selbst in der Typik Hiobs. Auch f√ľr Yvan Goll (1891‚Äď1950) wird Hiob zur autobiografischen Deutefigur. Offensichtlich angeregt durch ein Gespr√§ch mit Nelly Sachs in Z√ľrich (Mai 1960) sieht der Lyriker Paul Celan (1920‚Äď1970) die Shoa im Zeichen Hiobs und die Fast-Un-M√∂glichkeit des Glaubens an Gott nach Auschwitz. Mit dem Widerspruch eines sich nicht unterwerfenden und f√ľr menschliche Gerechtigkeit einstehenden Hiob bei Elie Wiesel (1925‚Äď2009) werden Fragen versch√§rft, die von j√ľdischen Theologen, Psychologen und Schriftstellern, immer wieder an die Hiob-Deutung im Kontext der Shoa gestellt werden.
Dies ist ein notwendiges und nachdenklich machendes Buch, dessen St√§rke in besonderer Weise darin liegt, wie die verschiedenen Denker/innen das Bild Hiobs exegetisch aktualisierend oder mit k√ľnstlerischen Stilmitteln aufleuchten lassen. Die Autor/innen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum christlich-j√ľdischen Dialog.
Reinhard Kirste
Rz-Witte-Hiob, 14.03.12

Jesus und Mohammed – Bibel und Koran – Vergleiche


Joachim Gnilka: Wer waren Jesus und Muhammad?
Ihr Leben im Vergleich.
Freiburg u.a.: Herder 2011, 330 S., mehrere Register
ISBN 978-3-451-34118-2

Der bekannte M√ľnchner Neutestamentler Joachim Gnilka hat im Rahmen seiner bibelwissenschaftlichen Forschungen mehrfach schon den Blick √ľber den eigenen Bereich hinaus getan. Das Buch ‚ÄěBibel und Koran‚Äú hat inzwischen die 7. Auflage seit 2004 erreicht (Rezension, s.u.). Sein neuestes Buch besch√§ftigt sich vergleichend mit den beiden monotheistischen ‚ÄěReligionsstiftern‚Äú. Jesus und Mohammed (Muhammad). √Ąhnlichkeiten und Differenzen werden sorgsam aufgelistet und kommentiert. Dabei ber√ľcksichtigt der Autor auch die j√ľngsten Entwicklungen in der Mohammed-Forschung mit all ihren Aufgeregtheiten. Die Idee dieser Art des Vergleichs kam dem Forscher aus dem antiken Vorbild der Parallelbiografie, f√ľr die Plutarch in besonderer Weise steht.
Exegetisch h√§lt sich Gnilka im Blick auf die Jesus-Forschung an die Orientierungsmarken, die die neutestamentliche Forschung seit Albert Schweitzer und Rudolf Bultmann gesetzt hat. Ernst K√§semann h√§tte hier vielleicht noch mit einbezogen werden k√∂nnen. Es gilt n√§mlich, die historische Person Jesus aus den Evangelien ‚Äěherauszusch√§len‚Äú.
Auch ein literarkritischer Unterschied zu der historischen Glaubw√ľrdigkeit der Evangelien sei in Hinsicht auf den Koran benannt: Er enth√§lt faktisch kein historisch nutzbar zu machendes Material √ľber Mohammed. Die sp√§teren Traditionen √ľber den Propheten sind nat√ľrlich legendarisch √ľberwuchert. Dies f√ľhrt Gnilka dazu, nicht im Nebel historischer Vermutungen herumzusuchen, sondern eine sorgsame Abw√§gung der verschiedenen Positionen f√ľr eine kompetente Hinf√ľhrung zur Geschichte Jesu und Mohammeds aufzubauen.
In klarer Aufgliederung wird einleitend die nicht sehr √ľppige Quellenlage analysiert, die bei Jesus etwas besser, aber f√ľr Mohammed nicht viele pr√§zise historische Anhalte liefert. Eine erste differenzierende Typik der beiden ‚ÄěReligionsstifter‚Äú bildet den Abschluss der Einleitung.
In Kapitel 1 werden in Abschnitt I die Positionen in der Jesus-Forschung dargestellt und kurz auf das Wesentliche ihrer Forschungsergebnisse und bewertenden Aussagen zugeschnitten: Albert Schweitzer, Rudolf Bultmann, John Dominic Crossan und Rainer Riesner. Dann folgen Einschätzungen stärker wirkungsgeschichtlicher Art bei so unterschiedlichen Theologen wie Joseph Ratzinger, Romano Guardini, Gerd Theißen, Annette Merz, Hubert Frankemölle, James D.G. Dunn und Wolfgang Stegemann.
Vergleichbar verf√§hrt Gnilka im Abschnitt II zur Mohammed-Forschung. Er stellt wesentliche Positionen exemplarisch dar: Die sorgsame Differenzierung bei Hartmut Bobzin zwischen Historie und Legende, der klassische Anschub zur Mohammed-Forschung von Tor Andrae, die Herausarbeitung des Konflikts mit den Juden bei Marco Sch√∂ller und Gregor Schoelers Versuch, historischen Boden zu gewinnen. Dagegen steht bei Hans Jansen wegen der legendarischen Biografie von Ibn Ishaq die Historizit√§t Mohammeds in Frage. In diese historisch-biografischen Zur√ľckweisungen mit sp√§teren Verklammerungen stimmt Martin Lings mit Mohammed als Romanfigur versch√§rfend ein. Patricia Crone konstruiert den Islam als politisch motivierte Religion aufgrund der wirtschaftspolitischen Zusammenh√§nge in Mekka, Edouard-Marie Gallez baut eine judenchristliche Linie zu Mohammed als Propheten des Messias auf. Mit dem offensichtlich bei einigen (christlichen) Forschern recht beliebten Bezug auf syrisch-aram√§ische Sprachverwandtschaften versuchen Christoph Luxenberg und Karl-Heinz Ohlig durch eine Art ‚ÄěVerchristlichung‚Äú die eigenst√§ndigen Religionsgr√ľndung Mohammeds faktisch abzuwerten. Tilmann Nagel bezieht sich mit seiner Kritik auf einen k√§mpferischen sich abgrenzenden Mohammed, dessen Historizit√§t nicht zu bezweifeln ist.
Das Kapitel 2 ist aufgrund dieser Vorarbeiten einem ausf√ľhrlichen Vergleich gewidmet, in dem die biografischen, politischen und literarischen Besonderheiten vorgestellt werden. Es sei darum hier aus dem Inhaltsverzeichnis eine Gegen√ľberstellung Jesus mit 11 Schwerpunkten und bei Mohammed mit 10 Gesichtspunkten vorgenommen:

        Jesus                                                                    Mohammed

1.    Die Wurzeln in Nazareth (S. 180ff)                  3.  Die Berufung Mohammeds (S. 256ff)
2.    Johannes der Täufer und Jesus (S. 186ff)
3.¬†¬†¬† Die Armen und die J√ľngerschaft (S. 194ff)
4.¬†¬†¬† Die Reich-Gottes-Verk√ľndigung (S. 203ff)¬†¬†¬† ¬†¬† 4.¬† Ank√ľndigung des nahen Endes (S. 259ff)
                                                                           5.  Die Gerichtspredigt (S. 262ff)
5.¬†¬†¬† Wunder¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† —
6.¬†¬†¬† Ethik (S. 214ff)¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† 8.¬† Der Blick auf Muhammad, bes. S. 282‚Äď288
7.    Der Konflikt (S. 219ff)                                   6.  Konflikt mit den ungläubigen Polytheisten
8.¬†¬†¬† Der Abschied (S. 225ff)¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬†¬†¬† 9.¬† Bei ‚ÄěDer Krieger‚Äú (S. 288ff)
                                                                               nur kurzer Hinweis auf seinen Tod (S. 293)
9.¬†¬†¬† Das Ende am Kreuz (S. 230ff)¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† —
10.¬†¬†¬† Ostern (S. 235ff)¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬† ¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† —
11.    Wer war Jesus? (S. 241ff)                          10.  Die Vita Muhammads (S. 292ff)

Schon diese grobe Nebeneinanderstellung markiert, dass ein Vergleich der beiden ‚ÄěReligionsstifter‚Äú erhebliche L√ľcken aufweisen muss. Auch haben beide eine unterschiedliche Zielrichtung gehabt. Mohammed ist der einzige Gr√ľnder einer universalen Religion, der zugleich Staatsmann war und auch Kriege f√ľhrte. Dennoch fasziniert das Nebeneinanderstellen zweier unterschiedlicher ‚ÄěPers√∂nlichkeitstypen‚Äú. Gnilka versucht bei der Abgrenzung der beiden nicht, den Gottessohn Jesus ins Spiel zu bringen. Das Besondere des Nazareners ist seine Identifizierung als Person mit seiner Botschaft. Jesus ‚Äěist letztlich die Mitte seiner Botschaft‚Äú (S. 297f).
So merkt man dem Autor bei der zusammenfassenden Parallelisierung am Schluss an, dass er gerade durch diese Unterschiedenheit der Jesus- und Mohammed-Bilder eine Bereicherung im christlich-islamischen Dialog sieht. Nach der Lekt√ľre dieses Buches d√ľrften aufmerksame Leser/innen die Sackgassen und Chancen gegenseitigen Verstehens klarer vor Augen haben.¬†
In durchaus ähnlicher Weise hatte Joachim Gnilka schon Jahre zuvor einen ersten wesentlichen Schritt bei der Parallelisierung von Bibel und Koran getan:

Joachim Gnilka: Bibel und Koran. Was sie verbindet, was sie trennt.
Freiburg u.a.: Herder 2004, 216 S. Register — ISBN 3-451-28316-6
Neuauflage (= 7. Aufl.) als Herder spektrum 6218, 2010, 224 S. — ISBN 978-3-451-06218-6

¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Der christlich-islamische Dialog ist eine wichtige Voraussetzung, um Vorurteile abzubauen und Verst√§ndigung nicht nur zu erm√∂glichen, sondern auch zu verst√§rken. Inzwischen befindet sich eine F√ľlle von Einf√ľhrungsliteratur zum Islam auf dem Buchmarkt. Das ist zwar insgesamt zu begr√ľ√üen, aber viele dieser “Einstiegsb√ľcher” k√∂nnen wichtige Themen wie die der Koran-Interpretation nur anrei√üen. Deshalb ist das Buch des emeritierten Professors, Joachim Gnilka (geb. 1928) f√ľr Neues Testament an der Universit√§t M√ľnchen umso mehr zu begr√ľ√üen, weil hier ein renommierter Bibelwissenschaftler die Grenzen seiner eigenen Disziplin √ľberschreitet und mit seinem methodischen Handwerkszeug einen sachlichen Umgang mit den Glaubensurkunden von Islam und Christentum aufbaut.
Ganz im Sinne seiner exegetischen Voraussetzungen beleuchtet der Autor zuerst den historischen Hintergrund von Juden und Christen in Arabien vor dem Auftreten Mohammeds, stellt dann Mohammed und Jesus gegen√ľber und zeigt sehr sch√∂n, durch welche “Brillen” die jeweiligen Anh√§nger des einen Glaubens die “Andersgl√§ubigen” sehen. Das gilt √ľbrigens bis heute, wo nicht nur Christen manches im Koran als fremd ansehen und Muslime mit bestimmten Aussagen des Neuen Testaments schwer etwas anfangen k√∂nnen (z.B. die Kreuzigung Jesu). Von daher ist es wichtig, dass der Autor jeweils auf die Grundverst√§ndnisse der jeweiligen Texte in ihrem (historischen) Zusammenhang eingeht, dabei die unterschiedliche Entstehung und Wertsch√§tzung von Bibel und Koran heraushebt, um dann einige (keineswegs alle) gemeinsame theologischen Themen so zu betrachten, dass Unterschiede und Gemeinsamkeiten gerade den Reiz ausmachen, wenn die Texte der jeweiligen Glaubensb√ľcher interpretiert werden. Schade nur, dass er auf die wichtigen Arbeiten von Karl-Josef Kuschel gerade unter trialogischen Gesichtspunkten keinerlei Bezug nimmt.
Schwerpunkte bilden in diesen religionsvergleichenden Kontexten: Schöpfer und Schöpfung, Offenbarungsverständnisse, Jesulogie und Christologie im Neuen Testament sowie im Koran, die unterschiedliche Berufung von Juden, Christen und Muslimen auf Abraham, das Menschenbild auch im Kontext der ethischen Weisungen, die Eschatologie und schließlich die heiklen Relationen von Geboten und sog. Heiligem Krieg. Bei allem jedoch bleibt Gnilka Exeget, so dass man ihm durchaus zustimmen kann, wenn er den Gewaltaspekt, der in einer Reihe von koranischen Aussagen durchzuschimmert, hermeneutisch unter die Sure 5,32 stellt, um damit klar zu machen, dass auch die islamischen Koran-Exegeten noch einen weiten Weg vor sich haben, damit Krieg im Sinne von Engagement und Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterentwicklung eindeutig in nicht-militärischer Richtung verstanden werden kann.
In der Verlagswerbung der Erstauflage von 2004 hatte es gehei√üen: ‚ÄěVorurteile, Unkenntnis und Angst pr√§gen die aktuelle politische Debatte um den Islam. Ein sachlicher Umgang der Kulturen miteinander ist dr√§ngender denn je. Joachim Gnilka leistet dazu einen unverzichtbaren Beitrag. Er analysiert Verbindendes und Trennendes in Koran und Bibel: im Menschen- und Gottesbild, bei Mohammed und Jesus, und bezieht dabei auch den historischen Hintergrund gegenseitiger Wahrnehmung mit ein.‚Äú Diese Kurzcharakteristik bleibt auch 11 Jahre nach dem Erscheinen der 1. Auflage noch aktuell.

Die Rezension zu “Bibel und Koran” erschien zuerst in. Reinhard Kirste / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.):
Wegmarken zur Transzendenz. Interreligiöse Aspekte des Pilgerns.
Religionen im Gespr√§ch, Bd. 8 (RIG 8). Balve: Zimmermann 2004, S. 495‚Äď496 (bearbeitet)

                                                                                                                     Reinhard Kirste

Jesus zwischen Juden, Christen und Muslimen

M√≠kel de Epalza –
Religionswissenschaft, Religionsgeschichte¬† und “Trialog”
Die Basis zum gegenseitigen Verstehen von Christentum und Islam zu verbessern und zu vertiefen, geh√∂rt zu den wichtigen Aufgaben in der Gesellschaft. Einen wesentlich Beitrag kann dazu auch die Aufarbeitung der christlich-islamischen Beziehungen in der Geschichte bieten. Die Iberische Halbinsel bietet dazu ein vorz√ľgliches Lernfeld. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war der Religionswissenschaftler und Arabistik-Spezialist M√≠kel de Epalza Ferrer (1938-2008) von der Universit√§t Alicante. Seine international hoch gesch√§tzten Arbeiten sind in Deutschland kaum bekannt geworden. Dazu geh√∂rt auch die langj√§hrige Herausgeberschaft der Zeitschrift / des Jahrbuchs Sharq al-Andalus zu Studien des ‚ÄúMud√©jares‚ÄĚ und der ‚ÄúMoriscos‚ÄĚ (Muslime unter christlicher Herrschaft und Nachfahren der Muslime nach der conquista 1492).
Ausf√ľhrliches zu Leben und Werk von
Míkel de Epalza Ferrer im Nachruf
von Prof. Dr. Luis F. Bernabé Pons,
sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl f√ľr arabisch-islamische Studien der Universit√§t Alicante..

Die Interrelig√∂se Arbeitsstelle (INTR¬įA), dessen Mitglied M√≠kel de Epalza war, hat eine Reihe von seinen Texten in Deutsch herausbringen k√∂nnen, auch das inzwischen vergriffenene Buch: