Buch des Monats Januar 2015: Eine √Ąrztin in Pakistan

Rz-Pfau-LepraRuth Pfau: Leben ist anders. Lohnt es sich? Und wof√ľr?
Bilanz eines abenteuerlichen Lebens

Freiburg u.a.: Herder 2014, 256 S. — ISBN 978-3-451-33289-0 —

Pakistan wird immer wieder von Terrormeldungen und Selbstmordattentaten ersch√ľttert. In diesem Buch zieht die Ordensschwester und¬† √Ąrztin Ruth Pfau Bilanz, indem sie nach dem Sinn des eigenen Lebens und nach dem Sinn eines (christlichen) Engagements f√ľr den N√§chsten fragt. Die Begegnung mit Leprakranken in einem Elendsviertel in Karachi wurde f√ľr ihr Leben bestimmend. Die Gr√ľndung des Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) wurde schlie√ülich in Pakistan zu einer anerkannt herausragenden Gesundheitsinstitution. Hinzu kamen ein Kontrollprogramm zur Eind√§mmung der Tuberkulose und Gesundheitsinititiven gegen die in Pakistan verbreitete Blindheit.

Ihre ‚ÄěArbeit am Menschen‚Äú hat zugleich eine interreligi√∂se Komponente. Sie merkte gerade in dem von vielen religi√∂sen und ethnischen Spannungen gepr√§gten Pakistan, wie schnell Hass und Gewalt aufkommen.¬† Ruth Pfau hat immer gr√∂√üten Wert darauf gelegt, unbewaffnet zu sein, weil Waffen Konflikte nur versch√§rfen (S. 160). Ihr Vorbild ist Jesus. Wie er mit den Kranken und Ausgegrenzten umging, ist ihr immer wieder Mut machendes Vorbild. So erf√§hrt ihre Sicht des Glaubens eine konfessionelle Entgrenzung.¬†

Angesichts der brutalen Konflikte weltweit, aber auch im Zusammenhang mit den vielen furchtbaren Anschlägen in Pakistan selbst, wird ihr Buch zu einem ermutigenden Friedenszeugnis. Diese Lebensbilanz lädt zum helfenden Eingreifen ein, wo immer Menschen durch Krankheit, Armut oder Verfolgung bedroht sind.

Ausf√ľhrliche Beschreibung des Buches: hier

Reinhard Kirste

Rz-Pfau-Lepra, 31.12.14   Creative Commons-Lizenz

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Buch des Monats Juni 2013: Komparative Theologie als interreligiöse Basis

Rz-ClooneyFrancis X. Clooney (Hg. Ulrich Winkler): Komparative Theologie.
Eingehendes Lernen √ľber religi√∂se Grenzen hinweg
.
√úbersetzung: Michael Sonntag.
Beiträge zur Komparativen Theologie, Band 15
Paderborn: Schöningh 2013, 166 S.
— ISBN 978-3-506-77655-6 —¬†

Der Jesuit Francis X. Clooney (geb. 1950) geh√∂rt zu den Promotoren der Komparativen Theologie. Er leitet an der Universit√§t Harvard das ‚ÄěCenter for the Studies of World Religions‚Äú. Inzwischen hat sich eine ganze Gruppe von Theologen unter dieser Thematik zusammengetan. In Deutschland ist besonders Klaus von Stosch mit seinem Zentrum f√ľr Komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Universit√§t Paderborn (http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/zekk/) zu nennen. Clooney betont wie die meisten komparativen Theologen, dass die globalen Zusammenh√§nge unserer Welt theologisch umfassend im Vergleich angegangen werden m√ľssten.

¬†F√ľr den Autor ist wichtig, komparative Theologie als einen Teilbereich der Theologie insgesamt zu verstehen. Es geht dabei durchaus um Wahrheit, aber so, dass respektiert und ber√ľcksichtigt wird, wie sie in anderen Traditionen geglaubt wird. Hierbei wird sorgf√§ltige vergleichende Arbeit geleistet in Verantwortung gerade vor der anderen Religion und ihrer Interpretation aus dem eigenen (Vor-)Verst√§ndnis heraus. Das f√ľhrt zu einem vertieften Verst√§ndnis des eigenen Glaubens unter bisher so nicht erkannten parallelen Gesichtspunkten.

Clooney weist schlie√ülich daraufhin, dass Christentum und Hinduismus f√ľreinander durchl√§ssige Religionen werden k√∂nnen. Hier kann sich die Erfahrung einer globalen interreligi√∂sen Begegnung so realisieren, dass die andere Religion den eigenen Glauben bereichert und vertieft. Komparative Theologie ist darum nicht nur etwas f√ľr Theologen, sondern auch f√ľr Christen die M√∂glichkeit, Christus neu zu entdecken.

Reinhard Kirste

Creative Commons-Lizenz

Rz-Clooney, 31.05.2013

 

Lieder der Gottesliebe – die Gitagovinda

Rz-GitagovindaJayadeva: Gitagovinda. Lieder zum Lob Govindas.
Aus dem Sanskrit √ľbersetzt und herausgegeben von Erwin Steinbach.
Frankfurt/M. und Leipzig: Verlag der Weltreligionen (im Insel-verlag) 2008, 194 S., Glossar,
Kommentar und Register — ISBN 978-3-458-70012-8 — 

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Kurzrezension
Es gibt zwar eine Faszination f√ľr indische Kulturen, dennoch bleiben wichtige literarische Werke aus dem indischen Subkontinent einem relativ kleinen Leserkreis in Deutschland vorbehalten. Darum erscheint es wichtig, auf poetisch gepr√§gte heilige Texte aufmerksam zu machen, die durchaus der ber√ľhmten Bhagavad Gita nahekommen. Mit der Gitagovinda liegt vor uns gewisserma√üen ein indisches ‚ÄěHoheslied‚Äú, das Sinnlichkeit und mystische Gottesschau gleicherma√üen verbindet.

Der Autor der Gita Govinda ist Jayadeva. Er lebte im 12. Jahrhundert in Orissa bzw. West-Bengalen und geh√∂rte zu den Anh√§ngen des Gottes Vishnu.  Jayadevas asketisches Leben, verbunden mit grenzenloser Liebe und Hingabe (Bhakti), seine Poesie und seine Qualit√§ten als Guru machen ihn bis heute in Indien zu einer spirituellen Ber√ľhmtheit.

F√ľr den nicht indologisch kundigen Leser ist es nicht ganz leicht, diese Krishna-Lieder in sich aufzunehmen, zumal uns Heutigen die Sprache oft extrem blumig und damit fremd vorkommt. Und dennoch er√∂ffnet sich in dem √úberschwang solch mystisch-poetischen Erz√§hlens ein Geheimnis, das die Menschlichkeit des G√∂ttlichen zum Ausdruck zu bringen versucht und damit spirituell-interreligi√∂se und nicht nur religionswissenschaftliche oder literarische Beachtung verdient. Denn trotz der anders kulturell eingef√§rbten Bilder scheint eine N√§he zu den Mystikern der Nachbarreligionen Islam und Christentum durch. Manche Textpassagen erinnern an Worte ber√ľhmter Sufi-Poeten wie Attar, Rumi und Ibn Arabi oder schlagen gar die Br√ľcke zur christlichen Mystik in Europa (des Mittelalters) mit ihren Themen von Liebe, Leiden und Gottversenkung. Der relativ kurze Text der Gita Govinda wird damit zu einer poetisch-√§sthetischen Erweiterung eigenen spirituellen Selbstverst√§ndnisses.

Reinhard Kirste

15.02.2013

 

Perry Schmidt-Leukel: Grundlegendes zum Buddhismus und zu religiöser Pluralität

Der interkulturelle Theologe und Religionswissenschaftler  

Perry Schmidt-Leukel (Universit√§t M√ľnster) hat sich  als Vertreter der religionspluralistischen Theologe international einen Namen gemacht.
Das folgende Buch steht daf√ľr als herausragendes Beispiel:
Gott ohne Grenzen.
Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen
.
G√ľtersloher Verlagshaus 2005
(Rezension von Gerd Neuhaus in “Stimmen der Zeit, Nr. 05/2006)
Schmidt-Leukel ist jedoch auch ein bekannter Buddhismusforscher. Das Ergebnis seiner intensiven jahrelangen Arbeit zusammen mit weltweit renommierten Forscherinnen und Forschern hat er jetzt als vierb√§ndiges Werk herausgegeben.  

Perry Schmidt-Leukel (ed.): Buddhism and Religious Diversity
Reihe: Critical Concepts in Religious Studies.
London: Routledge 2012, insgesamt 5112 S.!


Der Verlag stellt ausf√ľhrlich vor, wie die Autoren die “Buddhismen” im Kontext ihrer Geschichte, Gegenwart, geografischen Ausbreitung und gesellschaftlicher Stellung untersucht haben und dabei konsequent den die religi√∂se Vielfalt Asiens ber√ľcksichtigten (in englischer Sprache): 

Die Hinweise des Verlags lassen auf ein neues Standardwerk zum Buddhismus im (inter)religiösen Kontext (Asiens) schließen.

Auf der INTR¬įA-Rezensionsseite “Ein-Sichten” wurden bereits vorgestellt:

Ein-Sichten – die INTR¬įA-Rezensionsseite mit weiterer Adresse

Die Rezensionsseite der Interreligi√∂sen Arbeitsstelle (INTR¬įA) hat eine weitere Adresse: Buchbesprechungen, Literaturhinweise, Filmkritiken usw. zu (inter-)religi√∂sen Themen  k√∂nnen jetzt hier ausf√ľhrlich abgerufen werden.

Rezensionsseite ‚ÄúEin-Sichten‚ÄĚ jetzt unter: http://buchvorstellungen.blogspot.de/

Alle bisherigen Eintragungen bis März 2012 sind weiter erreichbar und auch unter einer Adresse zusammengefasst,
und zwar als Archiv der Rezensionen:
http://buchvorstellungen.blogspot.de/2012/03/archiv-alterer-rezensionen.html

Das auf aktuelle religi√∂se Ereignisse eingehende INTR¬įA-Tagebuch hat ebenfalls eine
zweite Adresse: http://intra-tagebuch.blogspot.de/

Eine ausf√ľhrliche √úbersicht √ľber alle ver√∂ffentlichten Materialien im Zusammenhang mit der Interreligi√∂sen Arbeitsstelle (INTR¬įA) bietet die Seite: http://religiositaet.blogspot.de/

Buch des Monats März 2012: Mission in interkultureller und prophetischer Perspektive

Hinter der renommierten Zeitschrift f√ľr Missions- und Religionswissenschaft (ZMR) steht ein internationales Missionswissenschaftliches Institut (IIMF) in Fribourg (Schweiz), das √ľber die Jahre nicht nur die Debatte um die Mission reflexiv verfolgt hat, sondern immer wieder neue Impulse setzte. Das machen die Herausgeber nun auch mit dem Sonderband der ZMR deutlich: Vor 100 Jahren wurde das IIMF gegr√ľndet und die ZMR hat den 95. Jahrgang erreicht.

Dieser volumin√∂se Festschrift-Sonderband bietet eine beeindruckende Zwischenbilanz f√ľr missionarisches Handeln unter den Bedingungen der Globalisierung und Interkulturalit√§t. Man kann die hier zum Ausdrcuk kommenden Perspektiven von Mission undDialog zu Recht eine prophetische Perspektive nennen:

Mariano Delgado / Michael Sievernich (Hg.):
Mission und Prophetie in Zeiten der Interkulturalität
Festschrift zum 100j√§hrigen Bestehen des Internationalen Instituts f√ľr missionswissenchaftliche Forschungen 1911-2011
ZMR Sonderband, 95. Jg.
St. Ottilien: EOS 2011
— Rezension hier —

Einblick in das Werk von Raimon Panikkar (1918-2010)

Raimon Panikkar i Alemany geh√∂rt zu den umfassendsten theologisch-philosophischen Denkern der Gegenwart. Mit seinem Lebenshintergrund verband er bereits zwei Kulturen: Die spanische Mutter war r√∂misch-katholisch, der Vater Hindu indischer Herkunft. Panikkar durchlief eine jesuitische Erziehung. Sein Denken war von Anfang an Grenzen √ľberschreitend. Das zeigen bereits seine Promotionen:
Dr. phil. und Dr. rer.nat (Chemie) an der Universität Madrid,
Dr. theol an der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom.
Sein Forschen und interreligiöses Handeln waren besonders durch den Vergleich europäischer  mit der indischer Theologie und Philosophie geprägt. Er bezog sich jedoch zugleich auf religiöse Strömungen in Vergangenheit und Gegenwart, die zum Thesaurus menschlicher Weisheit insgesamt gehören. Seine Theologie der Religionen gewann nicht nur globale Weite, sondern gewissermaßen auch kosmologische Tiefe.

Die F√ľlle seiner Ver√∂ffentlichungen ist nicht leicht √ľberschaubar.
Die Interreligi√∂se Arbeitsstelle (INTR¬įA) hat versucht, einige Orientierungsmarken zu setzen:

Weltreligionen entdecken – Arbeitsb√ľcher nicht nur f√ľr die Sekundarstufe II

Der Theologe und Didaktiker Werner Trutwin – mit langj√§hriger Schulerfahrung – hat die bisherige Reihe der Arbeitsb√ľcher “Die Weltreligionen” v√∂llig neu bearbeitet. Diese aktualisierte Fassung von Unterrichtsmaterialien erm√∂glicht Lehrenden eine gute Hinf√ľhrung zu den einzelnen Welteligionen und √§lteren Sch√ľlerInnen eine eigenst√§ndige Vorbereitung f√ľr den Unterricht. Die Hefte eignen sich nicht nur f√ľr den Religionsunterricht aller Konfessionen und Religionen, sondern auch f√ľr Ethik, Philosophie, Geographie und Kunst.

     Werner Trutwin:
Weltreligionen. Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II:
Religion – Ethik – Philosophie

Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus
Berlin: bsv-Patmos 2011
— Rezension hier —

Weltreligionen erkl√§rt – Material nicht nur f√ľr die Sekundarstufe II

WELTRELIGIONEN.¬† RELIGION ‚Äď ETHIK ‚Äď PHILOSOPHIE
Arbeitsb√ľcher Sekundarstufe II
Berlin: bsv Patmos 2011, jeweils 144 S., Abb., Glossar

Der Verlag Oldenbourg/bsv (mit Patmos) als Teil der Cornelsen-Schulverlage sieht die Behandlung der Weltreligionen angesichts von Globalisierung und rasanter gesellschaftlicher Entwicklungen als dringende Notwendigkeit an, umfassende Kenntnisse und vertiefte Einsichten auch in der Schule zu erwerben.

Mit Werner Trutwin hat der Verlag dazu einen kompetenten Didaktiker gewonnen, der sich seit Jahrzehnten als (katholischer) Christ, Theologie und Religionsp√§dagoge f√ľr einen sachkompetenten, auf Dialog und kritischer Auseinandersetzung gegr√ľndeten Religionsunterreicht eingesetzt hat. (vgl. z.B. die Schulb√ľcher f√ľr katholische¬† Religionslehre Sekundarstufe I. D√ľsseldorf: Patmos 2000‚Äď2004 und das als Longseller thematisch aufgebaute und in vielen Heften erschienene ‚ÄěTheologische Forum‚Äú [seit 1970, ebenfalls bei Patmos].
Von Anfang an kam neben den christlichen Themen und ethischen Fragestellungen die Darstellung der Weltreligionen in den Blick ‚Äď mit den entsprechenden Unterrichtsmaterialien. ¬†¬†¬†
In der W√ľrdigung des Patmos-Verlages zum Lebenswerk von Werner Trutwin wird sein facettenreiches Engagement sehr sch√∂n deutlich.

Der bisherigen Reihe ‚ÄěDie Weltreligionen‚Äú (Patmos-Verlag 1998/1999) folgt nun eine unter dem Signet ‚Äěbsv/Patmos‚Äú die v√∂llig neubearbeitete ‚ÄěSerie‚Äú von f√ľnf wichtigen
Weltreligionen ‚Äď f√ľr die Sekundarstufe II:
Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und Christentum.
Alle Hefte erschienen 2011.

Das mehrfach √ľberarbeitete Sachbuch und nicht auf die Schule zugeschnittene Werk: ¬†
Werner Trutwin: Die Weltreligionen. Wege zum Licht. D√ľsseldorf: Patmos 1996, 464 S., Abb.,
Sonderausgabe 2002: “Die Welteligionen” [Albatros], ebenfalls im Patmos-Verlag, zuerst 1976 erschienen unter dem Titel “Licht vom Licht. Religionen in unserer Welt” (s. Bild), kann man fast als eine Art (unterst√ľtzendes) Grundwerk f√ľr die hier angezeigten Arbeitsb√ľcher bezeichnen.

Die neue Serie wird vermutlich wie die √§ltere Reihe √ľberwiegend dem Religionsunterricht beider Konfessionen dienen. Es sei angemerkt, dass ihr religi√∂ser Schwerpunkt den Einsatz nicht nur im Ethik-Unterricht, sondern auch in Philosophie, Geschichte, Geografie und sogar im Kunstunterricht nahelegt.

Zur Gliederung:
Nach Anregungen f√ľr die unterrichtliche Arbeit folgen sog. Ann√§herungen, das hei√üt Besonderheiten der jeweiligen Religion ‚Äď gerade im Blick auf ihr Selbstverst√§ndnis. Dann geht es weiter in die Geschichte, die heiligen Schriften werden vorgestellt, Gottesbilder bzw. das Transzendenzverst√§ndnis kommt zur Sprache, anthropologische Pr√§zisierungen, Ethik und Moral, Br√§uche, Riten, und Feste. Es werden immer Glaubensschwerpunkte besonders herausgestellt. An wichtigen Pers√∂nlichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart kommen wirkungsgeschichtliche Weichenstellungen ins und religi√∂se Ver√§nderungen innerhalb der Religion ins Blickfeld. Die Verbindungen zu den kulturellen Vorgegebenheiten und Korrelationen im Blick auf Geografie, Architektur, Kunst, Poesie usw. zeigen die vielen Gesichter der jeweiligen Religion. Mystische Dimensionen und politische Realisierungen, gegenw√§rtige Probleme und die Begegnung mit anderen Religionen finden schlie√ülich im Heft auch noch Platz.
Trotz dieser eing√§ngigen Grundstruktur geht Trutwin auch christlich-vorurteilsbedingten Vereinfachungen aus dem Wege und er√∂ffnet ‚Äď verbunden mit zus√§tzlichen Hinweisen und Arbeitsaufgaben ‚Äď einen eigenst√§ndigen und differenzierten Zugang zu der behandelten Religion. Er verf√§llt dabei auch nicht einer religionskundlichen ‚ÄěObjektivit√§t‚Äú, sondern √ľbt eine von Sympathie f√ľr die anderen Religionen getragene Darstellung.

Weltreligionen: Judentum
— ISBN 978-3-7627-0432-4 —

Trutwin verweist gleich am Anfang darauf, dass das Judentum nicht nur in seiner Sonderstellung zum Christentum eine herausragende und pr√§gende Rolle spiele. Zugleich ist das Judentum die √§lteste lebende Religion neben dem Hinduismus. So muss also das Judesein besonders gekl√§rt werden und die wechselvolle Geschichte wenigstens in Umrissen nachgezeichnet werden. Die ‚ÄěSchriften der Heiligkeit‚Äú, das Gottes-Tetragramm JHWH, der Sch√∂pfungsgedanke und das Ethos werden immer auch unter den vergangenen und gegenw√§rtigen Bedingungen angesprochen.
Nach Alltag und Festen, Strukturierung des j√ľdischen Jahres, wird das Messias-Problem gerade in Abgrenzung und Gemeinsamkeit mit dem Christentum behandelt. Dass wichtige j√ľdische Pers√∂nlichkeiten den Sch√ľlern n√§her gebracht werden, macht die Vielf√§ltigkeit j√ľdischer Intellektueller konkret: Philo von Alexandrien, Maimonides, Baruch Spinoza, Moses Mendelssohn, Martin Buber, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Emmanuel L√©vinas. Die vielen Gesichter des Judentums kommen nicht nur in Architektur und Kunst, sondern auch in j√ľdischer Typik zwischen Rabbinen, Mystikern, Chassidim, Orthodoxen und Reformern zur Sprache.
Im Folgenden bezieht sich Trutwin auf den Juden Jesus und die Trennung von Juden und Christen. Dann kommt das heutige Israel und Pal√§stina sowie j√ľdisches Leben in Deutschland zur Sprache. Angesichts von Antisemitismus und Schoa ist dies ein hoffnungsvoller, aber zugleich belasteter ‚ÄěTrialog‚Äú von Juden, Christen und Muslimen, bespielhaft dokumentiert an Jerusalem.

Weltreligionen: Islam
ISBN 978-3-7627-0420-1

Dieses Unterrichtsmaterial wird sicher die gr√∂√üte Aufmerksamkeit in den Schulen finden, weil der Islam f√ľr die Menschen in Deutschland die n√§chste Religion neben dem traditionellen Christentum und dem Judentum ist. Es ist auch diejenige Religion, die mit den meisten Vorurteilen zu k√§mpfen hat. Trutwin sagt sehr klar, dass die mit dem Islam verbundenen bedrohlichen Elemente nicht ignoriert werden sollten. Das Bild des Islam l√§sst sich von daher nicht sinnvoll zeichnen: Der Islam ist eine ‚ÄěReligion, ‚Ķ die √ľber viele positive Ressourcen verf√ľgt, die f√ľr eine gute Zukunft der Menschheit n√ľtzlich sind‚Äú (S. 4). Von dieser Einstellung her konstruiert der Autor nun einen Islamkurs, dem einige wichtige Daten vorangestellt werden, um von daher den Blick auf die Geschichte von Abraham bis in die Gegenwart zu zeichnen. Im Sinne der Intentionen vers√§umt es der Autor nicht, auf den Islam in seiner vielf√§ltigen Sch√∂nheit in Kunst, Literatur und Architektur zu verweisen.
Die Basis des Heftes bilden die Ausf√ľhrungen √ľber den Propheten Mohammed, den Koran als Gottes Wort und den islamischen Glauben an den einen Gott. Von daher werden das Menschenbild im Islam und die ethischen Ableitungen (eben auch die 5 S√§ulen) thematisiert. Bei der Besprechung der ‚ÄěScharia‚Äú (S. 96ff) h√§tte man gew√ľnscht, dass dies weniger als ‚ÄěRecht des Islam‚Äú, sondern mehr als Rechtsrahmen dargestellt worden w√§re. Sehr sch√∂n ist dann die Auswahl wichtiger engagierter dialogoffener Pers√∂nlichkeiten von Mohammed Iqbal bis Fatima Mernissi.
Zu guter Letzt f√§chert Trutwin die Begegnung mit dem Islam ‚Äětrialogisch‚Äú auf und macht damit die inhaltliche N√§he und zugleich Problematik der theologischen und religionspolitischen Auseinandersetzung mit dem Islam deutlich.
Schon beim Blick auf die Geschichte fiel die Pluralit√§t des Islam auf, die im Kapitel ‚ÄěVielfalt statt Einheit‚Äú deutlich durch die Darstellung der Sunniten, Schiiten, Alewiten, Wahabiten und des Sufismus ausdifferenziert wird. Die Aktualit√§t fordert hier vermutlich bald eine Erg√§nzung durch die Bewegung der Salafiyya. Damit ist die Basis in der Spannung des heutigen Islamismus und der Rolle des Islam in der europ√§ischen und deutschen Politik gegeben.

Weltreligionen: Hinduismus
ISBN 978-3-7627-0434-8

Beim Hinduismus betont Trutwin zum einen den religi√∂sen Pluralismus der indischen Religionen und die Bedeutung der heiligen Schriften mit ihrer zum Teil ausgefeilten Philosophie eine wesentliche Rolle. Zum andern geht es nat√ľrlich um die (reinkarnatorischen) Erl√∂sungswege hin zur Befreiung (Moksha). Die Vielfalt der G√∂tter wird sorgf√§ltig auf die Grundstrukturen vom fr√ľhen Indra bis zu den wirkm√§chtigen ‚ÄěHaupt‚Äúg√∂ttinnen zur√ľckgef√ľhrt. Nat√ľrlich kommt auch der g√∂ttlichen Dreigestalt die n√∂tige Beachtung zu.

In der Folge wird die den Alltag durchdringende Spiritualität angesprochen: Heilige Kuh, Tantrismus, moralische Lebensordnung, Dharma-Struktur der Kasten. Aus der lebendigen Spiritualität erwuchsen und erwachsen Reformversuche bis hin zu eigenen Religionen: Buddhismus, Jainismus und Sikhismus.
Es sei auch erwähnt, dass Trutwin große indische Reform-Denker unter bestimmten Gesichtspunkten darstellt: Shankara als Lehrer der Einheit, Ranamuja als dualistischen Philosophen, Tagore als Dichter in neuer Zeit, Ramakrishna als Mystiker der Gottesliebe, Vivekananda als religiöser Reformator, Gandhi als Politiker der Gewaltlosigkeit.

Angesichts des dialogischen Ansatzes der Weltreligionen-Hefte setzt sich der Theologe am Schluss auch mit den Schwierigkeiten und Chancen interreligi√∂ser Begegnung auseinander, und zwar sowohl im Blick auf den Islam in der indischen Geschichte und in der Gegenwart, auf das Christentum und auf die M√∂glichkeiten hin zu einem Religionen √ľbergreifenden Weltethos.

Weltreligionen: Buddhismus
ISBN 978-3-7627-0435-5

Neben den Anregungen f√ľr die Arbeit erlaubt der ‚Äěerste Blick‚Äú einen Zugang, √ľber den sich die Grundlagen und weiteren Besonderheiten des Buddhismus in seiner Vielfalt aufschl√ľsseln lassen. Diese nicht-theistische Glaubenstradition gilt als die erste ‚Äěuniversale Religion‚Äú. In klarer Aufgliederung werden zuerst die buddhistischen Anf√§nge im Sinne eines Reform-Hinduismus auf dem indischen Subkontinent dargestellt. Es folgen das Leben des historischen Buddha mit den legendarischen √úberh√∂hungen. Trutwin zeigt in der buddhistischen Lehre, dem Dharma, sowohl die literarisch-typischen Elemente wie die inhaltlichen Fundamente. Er elementarisiert dies auf die 4 Edlen Wahrheiten und den achtfachen Pfad, das Ich-Verst√§ndnis, die Anhaftungsproblematik, den Weg zum Verl√∂schen, zum Nirwana, ohne dass dazu eine personale Gottes- oder G√∂ttervorstellung notwendig ist.
Die Ausformung der Lehre in der Theravada- und Mahayana-Richtung (kleines und großes Fahrzeug) verbindet er mit dem von Zen und dem Amida-Buddhismus. Das Diamantfahrzeug, die Vajrajana-Ausprägung, zeigt sich im tibetischen Buddhismus. Sie werden die Unterschiedlichkeit buddhistischer Entwicklungen und Rituale deutlich. Es entwickelt sich auch eine Spiritualität der Frömmigkeitspraxis in Festritualen, Kontemplation und ethisch-praktischer, Gewaltlosigkeit.
Dass die Wanderung des Buddhismus nach Westen diesen nicht nur selbst ver√§ndert hat, sondern auch eine gro√üe Herausforderung f√ľr die westliche Moderne geworden ist, zeigt sich nicht nur an Ver√§nderungen der Fr√∂mmigkeitspraxis in den asiatischen L√§ndern, sondern in der Begegnung und Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Einfl√ľssen und zunehmender Globalisierung. So werden buddhistische gewaltlose Aktionen und soziales Engagement mehr und mehr kennzeichnend. Dies wird an einigen Beispielen wie Ambedkar in Indien und Aung San Suu Kyi in Burma verdeutlicht. ¬†¬†¬†
Dass es auch im Westen einen ‚ÄěBuddhismus light‚Äú gibt, unterscheidet sich dann allerdings wesentlich von den asiatischen Aufbr√ľchen.
Der interreligiöse Aspekt des vorgestellten Heftes kommt ähnlich wie in den anderen Heften dadurch zum Ausdruck, dass neben dem Vergleich von Buddha und Jesus die unterschiedlichen Lebensziele thematisiert werden. Sie lassen allerdings die Frage offen, ob man als Christ zugleich Buddhist sein kann.   

ZWISCHENBILANZ

Didaktischer Gewinn: Werner Trutwin ist es aus seiner christlichen Sicht heraus gelungen ‚Äď unabh√§ngig von der Konfession oder Religion ‚Äď den Sch√ľlerInnen einf√ľhrendes und vertiefendes Material zu wichtigen gro√üen Religionen vorzulegen. Dies tut der ehemalige Lehrer ohne vorurteilsbehaftete Einf√ľhrungen. Die Sch√ľler haben so die Chance, mit diesem Material selbst√§ndig zu arbeiten. Die klare Struktur erm√∂glicht es, sich leicht zurecht zu finden. Die Glossare erlauben ein schnelles Nachschlagen wichtiger und oft fremder Begrifflichkeit. Dies gilt √ľbrigens nicht nur f√ľr die asiatischen Religionen, sondern auch f√ľr die drei monotheistischen Glaubenstraditionen, wohlgemerkt auch f√ľr das Christentum; denn auch hier kann man von einer allgemeinen Grundbildung aller Sch√ľlerInnen nicht mehr ausgehen. Die dem Text schon beigegebenen Erl√§uterungen helfen, Sachverhalte umfassender zu verstehen. Das reiche Bildmaterial hat keineswegs illustrierenden Charakter, sondern ist Teil des Lernprozesses. Dieser st√ľtzt sich nicht nur auf Texte und Bilder, sondern auf die unmittelbar damit zusammenh√§ngenden didaktischen Hinweise und Aufgabenstellungen.

Kontinut√§t der Lernwege im Blick auf andere Religionen: Diese ansprechend aufgemachte Reihe ist ‚Äď wie schon erw√§hnt ‚Äď eine Fortsetzung der im Patmos-Verlag 1998/1999 herausgekommenen Unterrichtsmaterialien. Werner Trutwin hat im Prinzip die damalige Grundstruktur beibehalten, hat jedoch Pr√§zisierungen, neuere Forschungsergebnisse eingearbeitet und Aktualisierungen vorgenommen. Die ‚Äěalte‚Äú Reihe muss deshalb keineswegs ad acta gelegt werden, sondern kann als Hintergrundmaterial herangezogen werden. Dabei lohnt sich an manchen Stellen, besonders im Islam und im Christentum ein Vergleich der Fassungen. Dieser macht deutlich, dass unsere Kenntnis von den Weltreligionen immer wieder einer Revision bedarf. Es geht darum, mit empathischer Sichtweise auf die anderen Erl√∂sungswege zuzugehen.
Hinzu kommt nat√ľrlich, dass alle religi√∂sen Traditionen derzeit gro√üe Ver√§nderungen durchmachen sowohl was den Umgang mit den Inhalten, der Interpretation der Glaubensgrundlagen als auch den Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen betrifft. Diese haben f√ľr die dargestellten Religionen im Westen oft eine andere Bedeutung als in den Herkunftsl√§ndern. Eine Printausgabe schreibt immer einen bestimmten Zeitpunkt fest. Man wird gespannt sein d√ľrfen, wann Neuauflagen die aktuellen religi√∂sen und politischen Ver√§nderungen aufnehmen. Eine kompetente Basis-Arbeit zum Religionen-Lernen in der Sekundarstufe II ist hiermit jedoch gelegt.

                                                                                                                   Reinhard Kirste
Die Vorgängerausgabe:

Werner Trutwin:
Die Weltreligionen.

Arbeitsb√ľcher
f√ľr die Sekundarstufe II.
Religion ‚Äď Philosophie ‚Äď Ethik:¬†

JUDENTUM, CHRISTENTUM,
HINDUISMUS, BUDDHISMUS, ISLAM
D√ľsseldorf: Patmos 1998/1999¬†
mit weiteren Auflagen in den folgenden Jahren.