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Leppin: Die frühen Christen

Hartmut Leppin: Die frühen Christen.
Von den Anfängen bis Konstantin.


(Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung)

München: Beck 2018. 511 Seiten, Abb.; Karte.
ISBN 978-3-406-72510-4,
29,95 €

Was Menschen der Antike veranlasste, Christen zu werden

Kurz: Ein erfrischend anderes Buch über die frühen Christen in der Zeit von Paulus (fünf­ziger Jahre des ersten Jahrhunderts) bis Konstantin, erstes Drittel 4. Jahrhundert). Der nüch­terne Historiker hebt vor allem die Verschiedenheiten hervor, die unter dem gleichen Namen von einer Gemeinde von Christianae/ Christiani sehr unterschiedlich gelebt wurden.

Ausführlich: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam (Du bist Petrus und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen) prangt in goldenen Lettern an der Kuppel des Petersdoms in Rom. Mit der ‚Wahl des ersten Papstes‘ durch Jesus beginnt die Geschich­te der ‚Kirche‘ und in ununterbrochener Reihe folgt ein Papst dem anderen, der wiederum die Bischöfe einsetzt, die die Priester berufen: die sog. Apostolische Sukzession in der Hier­archie der Amtskirche. Kirchengeschichte kann man schreiben als die Linie, die schnur­stracks zur heutigen Kirchenstruktur führt und sie historisch legitimiert. Alle Seitenlinien, Alternativen Krisen, Schismata (Spaltungen) werden bei dieser Art der Geschichtsschreibung delegitimiert zu Häresien, Gegenpäpsten, Nicht-Christen. Protestanten haben ihre Mühe da­mit,[1] und stellten die egalitäre ‚evangelische‘ Kirche dagegen, die den Evangelien entspreche. Aber sie erliegen oft dem ‚Wurzel, Stamm, Zweige‘-Schema. Was ist dann der ‚Stamm‘? Be­liebt ist der Begriff der „Mehrheitskirche“, selbst wenn etwa Augustinus in Africa eine Min­derheit als Bischof anführt, er sich aber auf die angeblich ‚weltumspannende‘[2] Kirche cat­holica ecclesia beruft, die das Recht und den Kaiser auf ihrer Seite gegen die Mehrheit der ‚Donatisten‘ habe. Solch einer einlinigen Entwicklung widerspricht Hartmut Leppin in seinem Meisterwerk:

Die Entscheidung Konstantins (sc. sich mit den auf Amtsautorität der Bischöfe beru­henden Strukturen zusammenzutun) bedeutete, dass eine Form des Christentums herausgehoben wurde und andere allmählich zurückgedrängt oder auch integriert wurden – doch wäre es erneut zu kurz gegriffen, in Linearitäten zu denken. Denn die Vielfalt, die aus den Zerwürfnissen erwuchs, erhöhte die Adaptabilität [Anpassbarkeit] der christlichen Lehren, aber auch die Widerstandkraft gegen kaiserliche und bischöf­liche Machtansprüche.“ (441).

Das bedeutet, dass der Frankfurter Alt-Historiker Hartmut Leppin[3] keine Geschichte im Sinne einer Entwicklung denkt (also von der Jesusbewegung als innerjüdischer Reform­bewegung zur ‚Trennung der Wege‘ von Judentum und Christentum,[4] den Aufstieg des monarchischen Mon-Episkopats, den Christenverfolgungen, dem Katakomben-Christentum bis hin zur ‚Konstantinischen Wende‘),[5] sondern streng nach Themenbereichen grundlegen­der Probleme gliedert, in denen HL sich dann zeitlich mal im zweiten, mal im vierten Jahr­hundert bewegt. Großartig sind die ausführlichen Zitate aus unterschiedlichsten Quellen, neben den Klassikern, Kirchenväter und Apologeten genannt, Eusebius als dem ersten Kirchenhistoriker, der Gemeindeordnung der Didachè und immer wieder Tertullian, auch Inschriften und Papyri, Münzen. So kommen die Vielfalt und Polyphonie des antiken Christentums zur Sprache.[6] Jedes der relativ kurzen und gehaltvollen Kapitel schließt HL ab mit einem systematischen Resumé in kulturwissenschaftlicher Zuspitzung. Die Besonderheit der christlichen Haltungen und Verhaltensweisen arbeitet HL heraus, indem er eine Norma­lität der griechischen und römischen Antike der Kaiserzeit skizziert. Das gelingt ihm etwa für die grundlegende Institution der Sklaverei hervorragend (293-302), um zu erklären, warum es bei Christen ein eher geschwisterliches und kein ausbeuterisches Verhältnis geben sollte, aber die Sklaverei als solche nicht in Frage gestellt wird. Oder die Rolle der Frauen, die anfangs auch noch Führungsrollen übernahmen und charismatische Beiträge zum Gemeindeleben einbrachten (sehr guter Abschnitt 145-157). Das könnte für andere Problem­bereiche auch ausführlicher geschehen, etwa bei der Frage der Bestattung. Die Bestattung, von der die meisten antiken Texte Auskunft geben, sind Oberschichten-Diskurse (was HL viele Male auch betont).[7] Da es keine Möglichkeit gab, sich als ‚Kirche‘ institutionell korpora­tiv aufzustellen,[8] organisierten sich gerade die römischen Christen als Begräbnisvereine. Die eingesammelten Beiträge für eine spätere Bestattung (also eine Begräbnis-Versicherung) mussten einer Person anvertraut werden, da es keine Institution Kirche gab. Das ist der Hintergrund für die Geschichte des späteren Bischofs Callistus und seines Widersachers Hippolytus.[9] Diesen spannenden und wichtigen Fall erwähnt HL an mehreren Stellen, aber erzählt ihn nur einmal ausführlicher, ziemlich weit hinten im Buch.[10]

Da es für die Polyphonie wichtig ist, fragt sich HL nicht, ob etwas zum Christentum dazu zu rechnen ist oder nicht. Das gnostische Spektrum bezieht er ohne weiteres ein. Das sah aber der Bischof Irenäus von Lyon anders, der in fünf Büchern die Gnosis vorstellt und als Irrweg abweist. Die Geschichte der frühen Christen ist geprägt von solchen Abgrenzungen und Dogmen. Das ‚häresiologische Ethos‘ muss man beschreiben, auch wenn die Polyphonie das Thema des Buches ist.[11]

Die Frage, „was Menschen veranlasst, zu Christen zu werden“, unterscheidet sich grund­sätzlich von dem Christ-Sein, also dem Hineingeboren-Werden in eine Religion, wie das seit der Spätantike typisch, aber durch die Reformation/Konfessionalisierung regional wieder differenziert wird.[12] Hartmut Leppins Meisterwerk widmet sich der Poly-phonie des antiken Christentums: Das Projekt, das aus den Mitteln des Leibnizpreises finanziert wird und in der Ruhe der Freistellung dank der Koselleck-Preises, möchte die Vielfalt des spätantiken Chris­tentums erforschen.[13] Angesichts der vielen theologisch-kirchengeschichtlichen ‚Meister­erzählungen‘,[14] ist das eine Herausforderung: Warum eine historische gegenüber einer kirchenhistorischen Darstellung? Kirchengeschichte beschäftigt sich mit Kirche. Demgegen­über hat die Geschichts- wie die Religionswissenschaft zum Gegenstand die Religion(en), hier der Antike, also die Pluralität der Religionen unter den Bedingungen des Reiches/Impe­rium Romanum.[15] Pluralität der Christentümer, Polyphonie, das ist HL bewusst, bedeutet meist nicht, dass innerhalb der lokalen und regionalen Gemeinden Vielfalt respektiert wurde. Es sind die regionalen Eigentümlichkeiten, die nebeneinander stehen bleiben. Das sollte aber eigens thematisiert werden. Tertullian (der Jurist) und Cyprian (der Bischof) werden spät, nachdem sie schon mehrfach zitiert wurden, (relativ knapp) vorgestellt.[16] Das afrikanische Christentum aber, in dem die beiden Rigoristen wirken, wird nicht eigens beschrieben. HL zeigt die Gegenbewegung der Skripturalisierung plus Sazerdotalisierung gegen die Prophetie, also dass Gott auch in der Gegenwart spricht. Aber der Montanismus ist eine anatolische/nordafrikanische Besonderheit, die der überall anderswo gültigen Unterdrückung der Prophetie nur regional zuwiderläuft.

Das heißt, in der Antike sind durch die Religionen bestimmte Vorstellungen und Erwartun­gen entwickelt, in denen sich eine innerjüdische Reformbewegung allmählich zu einer eigenen Religion entwickelt, bevor sie dann zur herrschenden und, politisch gewollt, zu einzigen Religion durchgesetzt wird.[17] Eine wichtige Frage ist unter dem Stichwort ‚Demut‘ andiskutiert, aber nicht so bündig beantwortet wie bei anderen Fragen: In seinem Klassiker The Greeks and the Irrational hatte Eric Robertson Dodds 1951 (dt. 1971) die These aufgestellt, das Christentum habe die antike Schamkultur (gegenüber Anderen sein Gesicht wahren) ersetzt durch die (intrinsische) Schuldkultur.[18] HL beschreibt das gut, aber die Antwort auf die These von Dodds bleibt offen. Die wird man sicher differenziert beantworten müssen.

Ich brauche nicht zu sagen, dass dieses Buch sehr reichhaltig die Verschiedenheiten der antiken Christentümer plastisch vor Augen führt, auch für Mitforscher interessant zu lesen. Die Sicht der Römer steht im Vordergrund, aber nicht, wie oft üblich, nur die Feindschaft. Für mich war etwa neu die Beanspruchung der Regenwunders, durch das Kaiser Mark Aurel gerade so einer Katastrophe entging, von verschiedenen Seiten; gerade so konnten die Christen als angeblichen Reichsfeinde beweisen, dass sie das Reich vor dem Untergang bewahrten (81-83). Das Buch ersetzt keine Religionsgeschichte. Einigermaßen blass bleiben die Juden in der Diaspora und ihre Halacha, doch gute Bemerkungen zum Problem der Trennung der Wege von Christentum und Judentum (Tag von Antiochien, Synode von Javne, die Entstehung eines ethnischen Judentums durch den fiscus Iudaicus, geringe Bedeutung der Rabbinen).

Wie es einem Meisterwerk gebührt, ist das Buch qualitativ herausragend vom Verlag gewürdigt durch ein eingehendes Lektorat, weiter durch Fadenbindung in Leinen, was eine intensive und vielfache Verwendung ermöglicht.[19] Statt eines systematischen Index hat der Verfasser ein anderes Verweissystem durchgeführt: In Marginalien wird verwiesen auf ein dazu umfassendes (Unter-) Kapitel. Brauchbar, aber nicht genau. Ein erfrischend anderer Zugang zu den frühen Christen und der Vielfalt der Stimmen ihrer Gemeinden! Kein Ersatz für eine Theologie- noch weniger für eine Religionsgeschichte. Aber unbedingt lesenswert.

 

 Bremen/Much, 19. August 2019                                                              Christoph Auffarth

Religionswissenschaft,

Universität Bremen

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Aus meinen Notizen folgen hier weitere Bemerkungen:

„Ein Leichnam kommt der Welt abhanden.“ Gemeint ist Jesu Leichnam. Der Historiker HL formuliert schön provokant. Er stellt darauf fest, dass das Abhandekommen nicht einfach aufgeht in dem, was dann Christen aus dem Fehlen machten: Auferstehung und Auffahrt in den Himmel. Auch unter den ersten Christen war das offenbar umstritten und moderne Menschen müssen das nicht glauben – oder können es nicht. Aber „der schlichte Historiker kann gar nicht anders als beide ernst zu nehmen, da sie [sc. Auferstehung und Himmelfahrt] wirkmächtig waren.“ (26) Das muss besser beschrieben werden: „wirkmächtig“ ist nach der Debatte (selbsttätige) ‚Wirkung‘ einer Vergangenheit vs. aktive Rezeption (und Nicht-Rezeption) deutlicher zu unterscheiden.

An dem Beispiel des Lebens Jesu nach dem Tod (ich spiele hier nicht auf Johannes Fried an): Da widerstreiten sich zwei Deutungen (Rezeptionen): Die eine (beide in Paulus 1Kor 15) spricht von „Jesus wurde gesehen“ (ὄφθη), die Formel für die Epiphanie eines Gottes. Die andere versteht Jesu Auferstehung als die ἀπαρχή (Prototyp) der Auferstehung aller Menschen: einer neuen Schöpfung. Dahinter steht die umfassende Debatte innerhalb der jüdisch (-christlichen) Kultur des ersten Jahrhunderts, ob es ein Leben nach dem Tod gebe.[20] Die Sadduzäer verneinen das in der Konsequenz der Hebräischen Bibel; die Scheol ist kein ‚Leben‘, sondern homerisches Schattendasein im Hades. Die anderen, Pharisäer und Essener, auch die Christen, diskutieren über den ‚Auferstehungsleib‘ mit unterschiedlichem Ergebnis. Paulus (Mitte fünfziger Jahre) und die Evangelisten (nach 70 n.Chr.) sind sich da nicht einig: Paulus betont in 1Kor 15, dass das ‚Korn‘, das in die Erde gelegt wird vollständig sterben; und ‚auferweckt‘ wird ein anderer psychischer/ pneumatischer Leib.[21] Also keine Kontinui­tät (des Leibes oder der Seele). Die Evangelisten entscheiden sich entweder für einen im­materiellen Auferstehungsleib: Der angebliche Gärtner am Grab, in Wirklichkeit Jesus, warnt seine Mutter: Noli me tangere! „Fass mich nicht an!“ Eine Umarmung würde nichts Materiel­les umarmen, sondern in die Luft greifen. Ganz das Gegenteil der Leib des Auferstandenen in der Erzählung des Thomas. Er soll in die Narben des gefolterten und gestorbenen Jesus fassen. Ein sehr materiell Auferstandener. Der das Haus betritt, obwohl alle Türen verram­melt sind. Hier lässt sich gut erklären der Unterschied zwischen literarischer Darstellung, ‚sozialen Fakten‘ und Streit um die Rezeption. Die nicht nur jüdisch-christliche Konzeption, sondern das Modell der ‚Lebens nach dem Tod‘ in der Antike von den Pythagoreern des 5. Jh. bis zur Gegenwart hat Jan Bremmer 2002 herausragend dargestellt.[22]

Die Taufe als ungeheurer Schritt: Aufregend die Selbsttaufe der Thekla. Aber hier, wie über­all ist der Hinweis nötig: Erst in sozial höheren Kreisen bedeutet die Taufe einen Schnitt mit den bisherigen sozialen Beziehungen; also erst wenn man zur feineren Gesellschaft gehört, kann das zum Problem werden. Jan Bremmer, mit seinem Gespür für die Rolle der Frauen, hat Belege gesammelt, dass das Christentum für Frauen der höheren Schichten attraktiv war, während Männer den Schritt zur Taufe vermieden, um ihre öffentlichen Ämter weiter aus­üben zu können. Eindrücklich das Beispiel der Marcia, Geliebte des Kaisers Commmodus (409), die ChristInnen freizulassen anordnet. Witwen sind besonders prädestiniert in doppel­ter Hinsicht (das wird bei HL erst beim weiteren Lesen klar), einmal als Bedürftige, die von der Gemeinde mit versorgt werden. Dann aber, wenn sie aus einer wohlhabenden Familie stammt, als Spendengeberin und Euergetes/Euergetis[23] – neben dem zu Recht hervorgeho­benen crowd-funding: Der Verein/die Gemeinde der Christen erweist sich eher als Subkultur, aber schon in Korinth gibt es die Starken, die zur Stadt-Gesellschaft dazu gehören und bei Partys  am Fleischessen teilnehmen wollen, und die ‚Schwachen‘, die nie zu Partys einge­laden werden und die ‚Kontamination‘ mit den Nicht-Christen als Fehlverhalten kritisieren.

Weiter müsste ein anderes Problem deutlicher herausgestellt werden, das ebenfalls die sozialen Beziehungen betrifft: Mobilität und Migration im Römischen Reich.[24] Die Soldaten, die Sklaven, die Händler, die Pilger, die hohen Beamten. Meist bilden sie Diaspora-Sub­kulturen, in denen abweichendes Verhalten zu den anderen Subkulturen oder zu der Auf­nahmekultur nicht auffällt. Dass darin sich auch religiöse Präferenzen bilden als portatives Vaterland oder eben neue Regeln von charismatischen Leitern vorgetragen werden, ist dabei häufig zu beobachten.

Die Darstellung der Abkürzungen in Kapitälchen ist etwas verwirrend und weder konsistent noch typographisch schön. ZThK  

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[1] Wie das Papstkirchen-Modell auch bei Protestanten immer wieder als ‚normal‘ aufscheint, s. meine Rezension Friedrich Wilhelm Graf; Klaus Wiegandt (Hrsg.): Die Anfänge des Christentums. 2009 http://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2010/02/21/die-anfange-des-christentums-herausgegeben-von-friedrich-wilhelm-graf-und-klaus-wiegandt/ 21.2.2010

[2] Catholica latinisiert das griechische καθ‘ ὅλην τὴν γῆν kath‘ hólen ten gên ‚über die ganze Erde hinweg‘.

[3] Hartmut Leppin ist Professor für Alte Geschichte in Frankfurt am Main. Näheres zum Autor, seine nationale und internationale Anerkennung als Herausgeber bedeutender Lexika und Zeitschriften s. die Homepage http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/43209170/02_Inhalt_Leppin . Im Folgenden verwende ich der Kürze halber die Initialen HL. Der Leibnizpreis, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ist die bedeutendste Anerkennung, die deutsche Wissenschaftler in der Mitte ihrer Karriere erhalten können und ist bestimmt für wissenschaftliche Großprojekte https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz-Preis.

[4] Dazu meine Rezensionen zu Daniel Boyarin und Peter Schäfer: Geburten und Geschwister: Peter Schäfer: Die Geburt des Judentums aus dem Geist des Christentums 2010. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2010/08/19/die-geburt-des-judentums-aus-dem-geist-des-christentums-von-peter-schafer/#comment-79 (19.8.2010). – Antike Juden und Christen streiten in Hörweite: Daniel Boyarins Borderlines auf Deutsch:  Abgrenzungen. Die Aufspaltung des Judäo-Christentums 2009. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2010/10/20/abgrenzungen-die-aufspaltung-des-judao-christentums-von-daniel-boyarin/ (20.10.2010). – Gottes Sohn – auch in einer jüdischen Tradition. Daniel Boyarin: Die jüdischen Evangelien. Die Geschichte des jüdischen Christus. 2015 – Peter Schäfer: Zwei Götter im Himmel: Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike 2017. In: rpi-virtuell http://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2017/09/19/boyarin-juedische-evangelien/ (19.9.2017).

[5] Statt hier Beispiele zu nennen, sei verwiesen auf meine Rezensionen: Kirchengeschichte: Hauschilds Lehrbuch erneuert. Wolf-Dieter Hauschild: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1: Alte Kirche und Mittelalter. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe von Volker Henning Drecoll. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2016. In: http://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2017/04/06/alte-kirche-und-mittelalter/ (6.4.2017).

[6] Die Zitate sind in Deutsch wiedergegeben, öfter einzelne Begriffe der Originalsprache genauer vorgestellt. Die Zitate beruhen zwar auf vorhandenen Übersetzungen, sind aber jeweils, wo nötig, präzisiert. Manches Wort, wie ‚Schmausereien‘ mag man, wie HL das bei ‚Putzsucht‘ tut, goutieren als altmodisch treffend, kommen aber nur noch in Übersetzungsdeutsch vor, in der ‚Sprache Kanaans‘.

[7] Zu Bestattung und Öffentlichkeit mein Aufsatz „Imago Mortis – Imago Vitae – Lebensbild: Ästhetik, Theatralität, Performance bei der Wiederaufführung des Mythos vom Tod des Sokrates durch Seneca.“ In: Antike Mythen. Medien, Transformationen, Konstruktionen. Festschrift für Fritz Graf. Hrsg. von Christine Walde und Ueli Dill. Berlin: De Gruyter 2009, 532-562.

[8] Zur Metapher des ‚Leibes‘ hat HL einen eingehenden Abschnitt formuliert, der auch den anti-autori­tären Charakter der Metapher bei Paulus hervorhebt. Das hätte noch verstärkt werden können durch die Leibesmetapher, wie sie Menenius Agrippa erzählt gegenüber den Aufständischen, nämlich autoritär (Livius 2,32): Wenn es den Bauch (Senat, der scheinbar nichts arbeitet) nicht gäbe, würden die Glieder nicht wissen, was zu tun. Und weiter die wichtige juristische Semantik des corpus als Institution/Korporation, die die Christen gerade nicht für sich beanspruchen konnten.

[9] Auf den Fall machte aufmerksam Henneke Gülzow: Kallist von Rom. [1967] in: H.G.: Kirchen­geschichte und Gegenwart. Münster: LIT 1999, 117-136.

[10] S. 328-330.

[11] Ausgezeichnet beschrieben von Michel-Yve Perrin: Civitas confusionis. De la participation des fidèles aux controverses doctrinales dans l’Antiquité tardive, début IIIe s.-c. 430. Paris: Nuvis 2017.

[12] Helmut Zander (Berlin: De Gruyter 2016) macht ‚Entscheidung‘ zum Hauptkriterium, s. meine Re­zension: Helmut Zander: ‚Europäische‘ Religionsgeschichte. Religiöse Zughörigkeit durch Entschei­dung – Konsequenzen im interkulturellen Vergleich. In: Religious Studies Review 44.1 (2018), 101f. Demgegenüber hatte Burkhard Gladigow 1995 das Modell der Europäischen Religionsgeschichte gerade damit begründet, dass es unter mehreren mitlaufenden Alternativen ‚spätestens seit der Renaissance‘ gerade keine Notwendigkeit einer Entscheidung gibt. Dazu Christoph Auffarth: Wie schreibt man eine Europäische Religionsgeschichte? In: CA, Alexandra Grieser, Anne Koch (Hrsg.): Religion in der Kultur – Kultur in der Religion. Der Beitrag Gladigows zum Paradigmenwechsel in der Religionswissenschaft. Tübingen: TUP 2019, im Druck.

[13] Homepage HL (19.8.2019).

[14] Gute Kenntnisse der klassischen Kultur findet man bei Christoph Markschies: Das antike Christen­tum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen. München: Beck ³2016. [Der Band hieß ursprünglich 1997 Zwischen den Welten wandern]. Auch die handbuchartige Einführung (mit meiner Rezension): Das Christentum – eine antike Stadt-Religion. Rezension zur Martin Ebner:  Die Stadt als Lebensraum der ersten Christen, 2012. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2013/11/28/die-stadt-als-lebensraum-der-ersten-christen/ (28.11.2013). Nicht besonders gut gelungen ist der Band in den Religionen der Menschheit von Dieter Zeller (Hrsg.) 2001.

[15] Jörg Rüpke: Reichsreligion? Überlegungen zur Religionsgeschichte des antiken Mittelmeerraums in römischer Zeit. In: Historische Zeitschrift 292 (2011), 297-322. Christoph Auffarth: Reichsreligion und Weltreligion. In: Hubert Cancik; Jörg Rüpke (Hrsg.): Die Religion des Imperium Romanum. Koine und Konfrontation. Tübingen: Mohr Siebeck 2009, 37-54.

[16] Cyprian bes. 196-205, Tertullian erst 178f charakterisiert als Rigorist.

[17] Zum spätantiken Christentum als Teil der Staatsgewalt, also in der Epoche, die der in diesem Buch beschriebenen folgt, hat HL wichtige Forschungen erarbeitet: Theodosius der Große. Darmstadt: WBG 2003. Justinian. Das christliche Experiment. Stuttgart: Klett-Cotta 2011.

[18] E.R. Dodds: Die Griechen und das Irrationale. Darmstadt: WBG 1971, 17-37. Dahinter steht Nietzsche, zugespitzt in der Krise der Werte nach dem Ersten Weltkrieg von Walter F. Otto: Der Geist der Antike und die christliche Welt. Bonn: Cohen 1923.

[19] Gerade weil ich ein anderes Buch des Beck-Verlages vorliegen hatte, kann ich die Fadenheftung nur als die beste Wahl empfehlen. Für Quelleneditionen muss sie sein.

[20] Günter Stembergers Dissertation hat das umfassend aufgearbeitet.

[21] Christoph Auffarth: Das Korn der Sterblichkeit. Was Paulus von seinen Korinthern im Demeter- und Kore-Heiligtum gelernt hat. In: Jörg Rüpke; John Scheid (Hrsg.): Bestattungsrituale und Totenkult in der römischen Kaiserzeit – Rites funéraires et culte des morts aux temps impériales. (Potsdamer Altertums­wissenschaftliche Beiträge 27) Stuttgart: Steiner 2009, 113-133.

[22] Jan Bremmer: The Rise and Fall of the Afterlife. London Routledge 2002. Die Aussage von HL “Christus-Anhänger glaubten prinzipiell an die Auferstehung der Seele“ (27) ist falsch. Die Rezeption der Unsterblichkeit der Seele beginnt mit Tertullian, de anima um 200.

[23] Jan Bremmer: Why Did Early Christianity Attracted Upper-Class Women? [1989] In: J.B.: Maidens, Magic and Martyrs in Early Christianity. Tübingen: Mohr Siebeck 2017, 33-42.

[24] Systematisch: Christoph Auffarth: Religio migrans. Die ‚Orientalischen Religionen’ im Kontext antiker Religion. Ein theoretisches Modell. In: Corinne Bonnet, Sergio Ribichini; Jörg Rüpke (hrsg.): Religioni in Contatto nel mondo antico. Modalità di diffusione e processi di interferenza. (Mediterranea 4) Rom 2008, 333-363. [auch französische Übersetzung (von Anne-Laura Vignaux) »Religio migrans: Les religions orientales dans le contexte religieux antique. Un modèle théorique«. in der Online-Zeitschrift Trivium Nr. 4(2009): »Die orientalischen Religionen in der griechischen und römischen Welt«, koordi­niert von Corinne Bonnet und Jörg Rüpke) http://trivium.revues.org/index3300.html.] Auch ders.: Menschen reisen zu den Göttern, Götter reisen zu den Menschen: Religio migrans in Abonu Teichos und am Schwarzen Meer, in: Phasis 18 (Staatliche Universität Tbilisi/Georgien, peer reviewed) 2016, 25-47.

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