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Israel Französische Revolution

Jonathan Israel: Die Französische Revolution: Ideen machen Politik.

Ditzingen: Reclam 2017. 990 Seiten.
ISBN 3-15-011004-1. 49.00 €

 

Die Französische Revolution ist ein fundamentaler Wendepunkt, der Anstoß auf dem Weg zur Moderne. Für die Religion gilt sie als der Anfang, der Einbruch eines sozialen Umbruchs, der Europa der Religion, dem Christentum entfremdete: die Säkularisierung.[1] Dazu gleich noch.

Das tausendseitige Buch des englischen Historikers ist von hoher Bedeutung. Wie er in der Einleitung darlegt, waren die Historiker (und hier besonders die marxistischer Prägung) überzeugt, dass die Französische Revolution aus den drängenden Klassengegensätzen zu erklären sei: die Not der Bauern auf dem Land und der Handwerker in der Stadt; die For­derung der aufstrebenden Bürger nach politischen Rechten, etwa der Juristen, die die größte Gruppe in der Nationalversammlung bildeten, oder der Unternehmer, die Spielraum für die Industrie forderten. Kein Erklärungsmodell funktioniert. Aber auch die ‚Revisionisten‘ unter den Historikern, können nicht recht erklären, wie es zur Revolution kam:[2] Eine Lösung begründet nun detailliert Jonathan Israel in dieser Monographie.[3] Ja, es gab Hungersnöte und Missernten. Ja, es gab das aufstrebende Bürgertum, das nach politischer Partizipation verlangte. Nein, es gibt auch keine Bündelung von Ursachen, die vereint die Auslöser der Revolution bildeten. Das ganze Jahrhundert findet man solche Krisen, aber nur 1789 führen sie zur Revolution. Nicht die Unterschichten, nicht die aufstrebenden Eliten ermöglichen die Radikalität für die Revolution. Eine Minder­heit, die Aufklärer, ‚philosophie‘, erreichen kraft ihrer revolutionären Ideen das völlig neue Denken, wie Gesellschaft funktionieren soll. Die Presse, die Öffentlichkeit macht die Revolution.[4] Das sind JIs Helden: „Erstmalig in der Weltgeschichte (hatten) erklärte demokratische Republi­kaner die Kontrolle über die Regie­rung inne. […] Vom Sommer 1792 bis zu Robbespierres Staatsstreich Juni 1793 proklamierten die linken Republikaner Demokratie, Universalismus und Gleichheit als in Vernunft und Aufklärung verankerte Prinzipien. Diese beiden, Vernunft und Aufklärung sollten das neue, das weltliche Credo der Menschheit werden.“ (320). JI führt hier seine Grundthese durch: Nicht die moderate Aufklärung (Montesquieu; Voltaire), sondern die Radikalaufklärung entwickelte die Schärfe der revolutionären republikanischen Logik. Autoritäre Rigoristen zerstören die Ideale, allen voran Marat und Robbespierre. Religion und Religionskritik sind ein zentraler Bestandteil des Streits. Aber auch für JI ist Religion ambivalent: Wenn Robbes­pierre die Revolution verrät, dann wird er zum „Theologen“. Aber Aufklärung und Revolu­ti­on sind das „weltliche Credo“. JI hat hier einen Baustein vorgelegt zu seiner Konzeption, Ideen machen Geschichte. (So der passende deutsche Untertitel).[5] Trotz der tausend Seiten begrenzt er seine Darstellung relativ strikt auf ein Jahr vor der Revolution und bis zum Ende Robbespierres und vor Napoleons Militärdiktatur. Das Schlusskapitel wiederholt die General­these Israels: Die Revolution scheitert (759-786), weil die Radikalaufklärung sich nicht durchsetzen konnte und verraten wurde (787-801).

Die deutsche Übersetzung von Ulrich Bossier benutzt einen außerordentlich reichen Wort­schatz mit vielen Fremdwörtern, in der Regel treffsicher.[6] Für ungeübte Leser sicher eine Herausforderung; ich finde sie einen literarischen Genuss, gerade auch wegen der vielen französischen Originalbegriffe. Als Leser muss man sich gut merken, wenn ein neuer Begriff eingeführt wird, weil der anschließend durchgehend benutzt wird. Refraktäre etwa bedeutet Priester, die den Eid auf die Verfassung ablehnten. Anstelle des gebräuch­lichen Begriffs Girondisten muss man sich an Brissotins gewöhnen. Das umfangreiche Regis­ter auf 50 Seiten ist für Namen und Sachen/Begriffe sehr hilfreich und differenziert (vorbild­lich!) aufgebaut.[7]

Neben den chronologisch vorangehenden Kapiteln, die einen roten thematischen Faden gut durchführen, gibt es eher systematische Kapitel: Erziehung und Bildung für die Revolution (428-451), die Emanzipation der Schwarzen (452-477), Krieg gegen die Kirche (213-239) und Entchri­stianisierung (545-571). Zu den beiden letzteren noch einige Bemerkungen in einer religionswissenschaftlichen Rezension. Im „Krieg gegen die Kirche“ geht es sofort um die Diskussionen über die Privilegien, Immunitäten und den Besitz der Klöster, weniger der Pfarrkirchen. Eine Einführung über die (1) religiöse und (2) katholisch-kirchliche Situation wäre nötig, bietet JI aber nicht. Noch sehr präsent im kollektiven Gedächtnis ist die Bartholo­mäusnacht, als 1572 die Protestanten in Paris ermordet wurden.[8] Schon lange war die franzö­sische Kirche relativ unabhängig vom Papst (‚Gallikanische Freiheiten‘). Man müsste etwas über die katholische Aufklärung erfahren, über den Jansenismus.[9] Ist Abbé Sieyès ein Einzel­fall der aufgeklärten Säkular-Priester an der Spitze der Revolution? Die intensive Diskussion über die Tolerierung von nicht-katholischen Religionen, v.a. der Juden (216) und der Täufer ist gut abgebildet. Religion als ein dem ‚Volk‘ vertrautes Element, das zu verändern die mehrheitlich fromme Bevölkerung herausfordert. Die Enteignung der Kirchengüter (die etwa auch im katholi­schen Österreich und in Bayern durchgeführt wurde), die Aufhebung von Orden, die nicht Schulen oder Armenver­sorgung unterhielten, die Verfolgung der Kleriker, die nicht den Eid auf die Verfassung ablegten, führten zu einem vermeintlichen Gegensatz von Katholizismus und Revolution. Aus Säkularisation (Rückführung von Kirchengütern der Toten Hand[10] in den wirtschaftlichen Kreislauf) wird der Vorwurf der Säkularisierung.

Damit verbunden ist das religionswissenschaftlich so bedeutsame Problem, ob und wie der Staat eine eigene Zivilreligion aufbaut, das Verhältnis von Politik und Religion. JI beschreibt das im Kapitel unter dem Begriff der „Entchristianisierung“.[11] Unter dem Begriff der Europä­ischen Religionsgeschichte hat die Religionswissenschaft ein Konzept entwickelt, das das Verhältnis von Religion und Politik nicht als Gegensatz, Konkurrenz oder ‚Ersatzreligion‘ versteht, sondern als ‚mitlaufende Alternative‘.[12] Ja, es gab die Verhöhnung der katholischen Messe und Bilderstürme, Verbote von Messen. Aber „die Entchristianisierung war nie eine koordinierte, nationsweite Kampagne innerhalb der Französischen Revolution.“ (549). Ja, es gab die erklärten Zeloten des Atheismus, vor allem in Paris, darunter der ehemalige Priester Joseph Fouché. Beide Seiten verrannten sich in Unversöhnlichkeit. Und seit dem Staats­streich Robbespierres wurden Kirchen in Lagerhallen umgenutzt, Kreuze abgerissen, Priester rituell ‚entpriestert‘, Kirchen in Tempel der Vernunft umgewidmet. JI beschreibt die beiden Seiten der Entchristianisierung und des katholischen Widerstands, einschließlich Robbespierres entschiedenem Widerstand gegen den Atheismus. „Was die fanatischen [Atheisten] vertraten, war kaum weniger hoch dogmatisch als früher die Kirchenlehre, die Gedanken der philosophes kamen darin nur krass entstellt vor, für den politischen Tages­kampf versimpeltes Credo.“ (565) Die revolutionäre Zivil-Religion der Vernunft und des ‚Höch­sten Wesens‘, die Robbespierre vertrat, ist nur knapp gestreift. Sie greift antike Versatz­stücke auf und greift besonders auch auf ägyptische religiöse Symbole zurück.[13] „Robbespierre bekundete tiefen Respekt vor der Religion“ (567), nicht vor dem Christentum in seiner traditionellen Form, wohl aber deistisch übersetzt in einer Zivilreligion.

Ein exzellentes Buch, auch zum Gebrauch hervorragend gebunden, das die Französische Revolution nicht nur aus der Perspektive der Hauptstadt und in einem transatlantischen wie europäischen, wie regionalen Zusammenhang diskutiert. Auch wenn der Autor seinen agnostischen Standpunkt aufgrund der eigenen jüdischen Erfahrung erkennen lässt, schreibt er fair über Religion, den angeblich grundlegenden Gegensatz zur Französischen Revolution. 

 

  1. Mai 2018 Christoph Auffarth

Religionswissenschaft

Universität Bremen

[1] Zur Diskussion über die Säkularisierung und dem Sonderweg Europas in diesem Prozess, denn die USA zeigen das Gegenteil zu der These, dass je moderner eine Gesellschaft, desto weniger brauche sie Religion: Meine Rezensionen zu Gert Pickel, Religionssoziologie Wiesbaden: VS 2012. José Casanova: Europas Angst vor der Religion. Berlin: Berlin UP 2009.  http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2010/02/20/jose-casanova-europas-angst-vor-der-religion-herausgegeben-von-rolf-schieder/ 20.2.2010. [Rez] Volkhard Krech: Wo bleibt die Religion? Zur Ambivalenz des Religiösen in der modernen Gesellschaft. Bielefeld: transcript 2011 http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2012/02/22/wo-bleibt-die-religion-von-volkhard-krech/ (22.2.2012).

[2] Der Übersetzer erklärt S. 13, „Sie bestreiten deren (sc. Der Französischen Revolution) Erklärbarkeit aus sozialen Gegensätzen und dem Agieren eines progressiven und freiheitlichen Unten gegen ein rückständiges und repressives Oben“, darunter besonders François Furet [und Michel Vovelle, etwa seine ins Deutsche übersetzte Einführung 1982].

[3] Jonathan Israel ist Professor am Institute for Advanced Studies in Princeton. In Deutschland sind seine Bücher über die ‚radikale Aufklärung‘ und über die Niederlande des 17. Jh.s wenig bekannt. Immer­hin die Diskussion der new intellectual history: Gegen das scheinbar sichere Wissen: Gefährliche Erkenntnisse in der Frühen Neuzeit. Martin Mulsow: Prekäres Wissen. 2012. – Jonathan I. Israel; Martin Mulsow (Hrsg.): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp 2014. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2014/06/01/martin-mulsow-prekaeres-wissen/ (1.Juni 2014). Im Folgenden kürze ich seinen Namen mit den Initialen JI ab.

[4] Jürgen Habermas hat den Strukturwandel der Öffentlichkeit 1962 im Vergleich Deutschlands mit Frankreich und England beschrieben. Das Lexikon Geschichtliche Grundbegriffe (Hrsg. Otto Brunner, Conze; Reinhart Koselleck, Stuttgart: Klett-Cotta 1971-1997) an einzelnen der Politisch-geschichtlichen  Begriffe der Sattelzeit zu untersuchen.

[5] Das englische Original heißt Revolutionary Ideas. An intellectual history of the French Revolution from “The rights of man” to Robespierre. Oxford: Princeton Univ. Press, 2014. Noch übertroffen vom Titel der französischen Übersetzung Une révolution des ésprits. Les lumières radicales et les origines intellectuelles de la démocratie moderne. Marseille: Agone, [2017].

[6] Es gibt wenige Fehler wie ‚mysteriös‘ statt ‚mystisch‘ S. 222.

[7] Bedauerlich ist, dass man es versäumte, statt der englischen Übersetzungen der französischen Quellen (deren neueste Ausgaben richtig verzeichnet sind) keine deutschen Quellenausgaben angegeben sind.

[8] In dem Theaterstück Charles IX. Theater als eines der wichtigsten Elemente von Öffentlichkeit (220). Das Marsfeld soll nach dem Mord an den Aufständischen umbenannt werden in Champ de la Sainte-Barthélemy des Patriotes (241, ohne die Erklärung zur Bartholomäusnacht).

[9] 223-226 genügt nicht. Dazu etwa Ulrich L. Lehner: Die katholische Aufklärung. Weltgeschichte einer Reformbewegung. Paderborn: Schöningh 2017. Von „katholischer Radikalaufklärung“ spricht JI 551.

[10] Güter der Toten Hand sind Stiftungen, die nicht verkauft werden dürfen. Mit der Akkumulation/ Schatzbildung stehen sie dem wirtschaftlichen Kreislauf nicht mehr zur Verfügung.

[11] Statt Säkularisierung beschreibt déchristianisation genauer einen Prozess, der aber in dieser fort­schreitenden Un­umkehrbarkeit nicht zutrifft. Daneben steht das Konzept der ‚Entkirchlichung‘.  Das Verbot an die Kirche, in der Öffentlichkeit zu werben, also das Gegenteil von Staatsreligion, etwa der französische ‚Laizismus‘ entsteht aus einer spezifischen Konfiguration 1905. Begriffsklärung in Har­t­mut Lehmann (Hrsg.): Säkularisierung, Dechristianisierung, Rechristianisierung im neuzeitlichen Europa: Bilanz und Perspektiven der Forschung. (VMPIG 130) Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1997.

[12] Das Konzept entwickelte Burkhard Gladigow 1995. Ein Überblick bei Christoph Auffarth: Euro­päische Religionsgeschichte. In: Richard Faber; Susanne Lanwerd (Hrsg.): Aspekte der Religionswis­senschaft. Würzburg 2009, 29-48.

[13] Zur Ägyptomanie um 1800 siehe meine Rezension: Aufgeklärte Religion – Ausweg aus dem Krieg der Kulturen? Jan Assmann: Religio duplex. Ägyptische Mysterien und europäische Aufklärung 2010. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2010/12/09/religio-duplex-agyptische-mysterien-und-europaische-aufklarung-von-jan-assmann/ (9.12 2010). Napoleons Vermittlung des islamischen Ägypten mit der Aufklärung, besonders der wissenschaftlichen Beschreibung des Landes, beschreibt JI 749-757.

 

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Das Freiburger Münster und seine Juden

Nicht nur Feindschaft und Vorwürfe:
Bilder von Juden in einer mittelalterlichen Kirche

 

Michael Bachmann: Das Freiburger Münster und seine Juden. Historische, ikonographische und hermeneutische Beobachtungen.

Regensburg: Schnell + Steiner 2017. [224 Seiten, 90 Farb- und 29 s/w-Abbildungen, Hardcover, fadengeheftet. ISBN 978-3-7954-3262-1. – € 49,95

Kurz: Hier sind einmal alle Darstellungen von Jüdinnen und Juden in der einen Kirche, dem Freiburger Münster, interpretiert. Sie sind nicht alle feindlich und bösartig.

Ausführlich: Ein spannendes und sehr reichhaltiges Buch. Wie Juden in der mittelalterlichen Kunst dar­gestellt wurden, ist in vielen Büchern schon untersucht worden. Aber es sind entweder Überblicke[1] oder zu einzelnen Bildmotiven.[2] Der vorliegende Band untersucht sämtliche Darstellungen an einem Gebäude, dem Freiburger Münster.[3] (Wo sie sich jeweils am Gebäude befinden, ist sehr übersichtlich in den drei Plänen Grundriss, Aufriss, Portal auf S. 220-222 aufzufinden) Und es stellt sich heraus: Es gibt beides. Nicht nur die verunglimp­fen­den, feindlich eingestellten Judenbilder, sondern auch positive.[4] Das erklärt Michael Bach­mann[5] an dem Pauluspfeiler parallel zum Petruspfeiler (146-156). Unter diesem als Träger der Säule ist eine Äffin dargestellt mit zwei Kindern, das eine trinkt, das andere wendet sich ab. Die Äffin trägt einen Judenhut (148). Die Deutung ist ganz umstritten; Bachmanns „nicht unan­tastbare“ Lösung ist, dass das Heidentum an die Stelle des Judentums getreten ist, das nicht mehr an der Mutterbrust trinken will. Die Paulus-Säule trägt ein Mann mit einer Art Kapuze (Gugel), wie sie die Freiburger Juden tragen mussten (152). Wenn der vom Saulus zum Paulus bekehrte Apostel auf einem Juden steht, dann wohl in dem Sinne, dass er sein altes, jüdisches Leben unter sich gelassen hat (156).

Oder ein anderes Beispiel sind die Darstellungen der Geburtsszenen. Josef sitzt etwas mit der Situation fremdelnd, mit dem Judenhut, unbeteiligt vor sich hin starrend. Und die bei­den Ochs und Esel, die im Neuen Testament nicht genannt sind, aber aus einem Propheten­zitat hinein’kopiert‘ werden: Der Esel steht für die unreinen Tiere, metaphorisch für die anderen Völker. Der Ochs dagegen steht für die reinen, also für Israel. Der Esel erkennt sofort den Heiland der Welt, der Ochs verkennt ihn; im Bild schaut er oft weg.[6] Bachmann macht deutlich, dass man die Szene nicht scharf dualistisch komponiert sehen muss. – Ebenso sind die zwei Darstellungen der Ecclesia (Kirche) und Synagoga nicht einlinig: im einen Beispiel in der Vorhalle ist die Synagoga zwar mit verbundenen Augen dargestellt, die aber doch auch das Hoffen und Erwarten des Erlösers vertritt (122f). Dagegen ist scharf abwertend die Darstel­lung des gegnerischen Paars Synagoga-Ecclesia im Tucher-Fenster (138-140), kurz vor der Judenverbrennung von 1349.

Herausragend gut sind die Abbildungen (die wenigen älteren zeigen den enormen Quali­tätsunter­schied). Die Darstellung ist gerahmt von einem Zitat aus dem Leben eines Frei­burger Juden vor der Schoa und der Wendung der Einstellung der Christen zu Juden nach der Schoa (hier wieder Holo­caust genannt; gut erklärt 181) und der Verbrennung von Juden, als die Pest 1349 die Stadt Freiburg traf. Das war in der Zeit, als einige Statuen außen am Münster gerade in Auftrag gegeben wurden oder gerade erst angebracht waren. Ein Fenster, zehn oder zwanzig Jahre zuvor eingesetzt, zeigt die Verbrennung von Menschen in der Spätantike (Abb. 104). Schließlich überlegt Bachmann, wie man mit verunglimpfenden Bildern umgehen soll, wie etwa der ‚Judensau‘ an der Wittenberger Stadtkirche.

Alles ist gut dokumentiert, nicht nur (aber vor allem) bei den Bibelstellen, Vergleichsbilder hat Bachmann herangezogen, wie gesagt ist der Text exzellent bebildert. Die Interpretation, dass es auch viele Bilder von Jüdinnen und Juden gibt, die positiv und vorbildlich dargestellt sind, ist eine wichtige Erkenntnis. Und wird weiter zu diskutieren sein. Das Buch ist ein wertvoller Beitrag.

 

2.Mai 2018                                                                                     Christoph Auffarth

Religionswissenschaft

Universität Bremen

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[1] So Die Juden in der Kunst Europas. Ein historischer Bildatlas. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1996, den Heinz Schreckenberg zusammengestellt hat, ergänzend zu seinem dreibändigen Handbuch der Adversus-Iudaeos-Texte. Frankfurt am Main: Lang 1982, 1988, 1994 (mit Neuauflagen). Dem Überblick fehlt jede kunsthistorische Expertise. Ders.: Christliche Adversus-Judaeos-Bilder. Das Alte und Neue Testament im Spiegel der christlichen Kunst. Frankfurt am Main: Lang 1999.

[2] Eine sehr gute Sammlung und Erklärung Stefan Rohrbacher; Michael Schmidt: Judenbilder. Kultur­geschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile. Reinbek: Rowohlts Enzyklopädie 1991.

[3] Zum Freiburger Münster gibt es ein wunderbares Buch, das in mittelalterliche Kirchen einführt, weit über den lokalen Fall hinaus: Konrad Kunze: Himmel in Stein. Das Freiburger Münster. Vom Sinn mittel­alterlicher Kirchen.  Freiburg: Herder 1980. 142014. Die wissenschaftlichen Standardwerke sind für die Erklärung durchgehend zugrunde gelegt.

[4] Zu der Furcht vor den Juden als Motiv der Judenfeindschaft Peter Schäfer: Judaeophobia 1997. Deutsche Übersetzung ist auf dieser Seite rezensiert: Peter Schäfer: Judenhaß und Judenfurcht. Die Entstehung des Antisemitismus in der Antike. 2010, in: http://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2010/06/11/judenhas-und-judenfurcht-von-peter-schafer/ 30.3.2010  

[5] Prof. Dr. Michael Bachmann, geb. 1946; ist evangelischer Theologe und war als Professor für Neues Testament/Judaistik in Freiburg und Siegen tätig. Im Folgenden mit den Initialen abgekürzt MB. Er ist einer der führenden deutschen Theologen, die die Rede von den „Werken des Gesetzes“ nicht einfach als jüdische Fehlinterpretation gegen das evangelische „Allein aus Gnaden“ ausspielen (186).

[6] Zu dieser Interpretation s. Christoph Auffarth: ”Euch ist heute der Heiland geboren!” – Wie aus dem jüdischen ”Sohn Gottes” lateinisch Gottes Baby wurde. in: Der Altsprachliche Unterricht 41/6(1998), 50-64.

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Die Lehre vom ‘arischen’ Christentum.

Kann es ein Christentum ohne Juden, ohne Propheten und Psalmen geben?

 

Dirk Schuster: Die Lehre vom ‚arischen‘ Christentum. Das wissenschaftliche Selbst­verständnis im Eisenacher »Entjudungsinstitut«.

(Kirche – Konfession – Religion 70)
Göttingen: V&R unipress, [2017]. 327 Seiten. ISBN 978-3-8471-0716-3

 

Kurz: Wenig ergiebige Untersuchung über das Eisenacher Entjudungsinstitut, das 1939 bis 1945 das Christentum von seinem jüdischen Erbe reinigen wollte.

Ausführlich: Über die sechs Jahre, die das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, kurz das „Entjudungsinstitut“ genannt, arbeitete, ist schon viel geforscht worden. Das Material ist bereitgestellt, der Zusammenhang mit der Bewegung der Deutschen Christen in Thüringen und teils auch die weitere Karriere der beteiligten Forscher bekannt.[1] Was kann eine weitere Dissertation, wie die hier zu besprechen ist, Neues beitragen? Dirk Schuster[2] bestimmt seinen Gegenstand folgendermaßen: „Eine von der Rassenideologie beeinflusste Wissenschaft, die sich selbst als Religionswissen­schaft bezeichnete, unternahm es während des Nationalsozialismus, ein »arisches«, von jüdi­schen Einflüssen beseitigtes [sic] Christentum zu konstruieren. Vorliegende Arbeit rekonstru­iert eben diese „Entjudung“ in ihren Methoden, Argumenten und Praktiken.“ (26)

  1. Den Begriff Religionswissenschaft beanspruchten im frühen 20. Jahrhundert auch Theo­lo­gen, berühmt durch die Stellungnahme bei Antritt des Rektorates 1901 des schon damals bekannte­sten Theologen und Wissenschaftsorganisators Adolf Harnack. In der Rektoratsrede wendet er sich gegen die Forderung, theologische Institute in Institute für Religionswissen­schaft umzu­gestalten (was in den Niederlanden auch teils auch geschah). In den Zwanziger Jahren erschien eine Sammlung autobiographischer Beschreibungen von Theologen unter dem Titel Die Religionswissenschaft in Selbstdarstellungen.[3] Religions­wissenschaft als Fach bestand aus einer so kleinen Anzahl von Professuren in Deutschland, dass man keine Fachidentität diskutieren konnte. Insofern wäre die Aussage: „die sich selbst als RW bezeichnete“, Grund für eine sorgfältige Differenzierung.[4] Dies geschieht aber nicht. DS übernimmt, oft verallgemeinernd, die Forschungen von Host Junginger.
  2. Die Frage, wie sich die Forschungen dieses auf praktische Umsetzung „Beseitigung des jüdischen Einflußes“ hin gegründete Institut unterscheidet von den theologischen Fakultäten an den Universitäten, beschreibt DS am Beispiel der Universität Leipzig an einer speziellen Frage, wer das Lehr- und Forschungsgebiet ‚Rabbinen und talmudisches Judentum‘ zu vertreten habe. Auch hier stützt er sich auf vorhandene Forschung.
  3. Judentum ist, besonders seit Wellhausen scharf geschieden, in zwei ganz verschiedene Teile: (1) Der Teil, der den Protestanten besonders nahe stehe, ist das Alte Israel mit dem lebendigen Wort Gottes, das die Propheten je auf eine Situation hin empfangen. Nach einer Lücke habe Jesus wieder als Prophet das lebendige Wort Gottes gepredigt (die sog. Prophe­tenanschluss-Theorie). Wellhausen hatte den Kanon der Bibel umgedreht: Erst kommen die Propheten, dann das Gesetz. (2) Das gesetzliche Judentum, die Abwendung vom lebendigen Gott und der Ersatz durch Rituale und durch Gesetze bedeutet den Absturz in das ‚Spätjuden­tum‘, die Schriftgelehrten. Protestanten sahen sich als Erben des Prophetischen, sahen die Juden als Nachfolger des Spätjudentums.
  4. Und dann gibt es – radikaler – die Ablehnung des Alten Testaments als Ganzes: Auch hier hatte Adolf von Harnack nach dem Schock des Ersten Weltkriegs eine wegweisende These vorgegeben in seinem Buch über die Verwerfung des Alten Testaments im 2. christ­lichen Jahrhundert durch Markion:[5]

Das AT im 2. Jahrhundert zu verwerfen, war ein Fehler,
den die große Kirche mit Recht abgelehnt hat.

Es im 16. Jahrhundert beizubehalten, war ein Schicksal,
dem sich die Reformation noch nicht zu entziehen vermochte;

Es aber seit dem 19. Jahrhundert als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren,
ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung.

  1. Hier müsste man die Forderung anschließen, die Notker Slenczka seit 2013 erhebt, dass die Worte des Alten Testaments nicht an die christliche Gemeinde gerichtet seien und folglich auch nicht in einer Predigt im christlichen Gottesdienst zur Grundlage gelegt werden kön­nen.[6] Es geht also nicht um eine Entgleisung, sondern um ein strukturelles Problem christlicher Selbst­definition.
  2. Zur Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Neuen Wissenschaft im NS urteilt DS gegen den Vorwurf der Pseudowissenschaft 118f: Doch der Unterschied einer Wissenschaft sine ira et studio, also die analysiert, vergleicht, und Ergebnisse formuliert, die auch mit Argumenten widerlegbar sein müssen, und einer wissenschaftlichen Rhetorik, die auf Aktion, auf rassisti­sche ‚Ausmerzung‘ und letztlich auf Vernichtung aus ist, muss man unterscheiden können.[7]
  3. Kurz: die Dissertation bringt wenig Neues, Nichts Neues zum Institut, wenig über die Mitarbeiter, ohne Kenntnis der theologischen Fachgeschichte, der Christentumsgeschichte der Jahrhundertwende, der Wissenschaft in der NS-Diktatur, um die Arbeit im Institut einordnen zu können.[8]

30.April 2018                                                                          Christoph Auffarth

Religionswissenschaft

Universität Bremen

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[1] Grundlegend und mit viel Material aus den Archiven die Arbeit von Oliver Arnhold, Kirche im Abgrund. 2 Bände. 2010. Meine Rezension “Entjudung” – Kirche im Abgrund. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2011/08/04/entjudung-kirche-im-abgrund-von-oliver-arnhold/ (4.8.2011). – Susanna Heschel:  The Aryan Jesus. Elisabeth Lorenz: Ein Jesusbild im Horizont des Nationalsozialismus. Studien zum Neuen Testament des ‘Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben’ (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament II 440) Tübingen: Mohr Siebeck 2017.

[2] Dirk Schuster arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Jüdische Studien und Religionswissen­schaft an der Universität Potsdam. Im Folgenden kürze ich seinen Namen mit den Initialen ab.

[3] Hrsg. von Erich Stange. 5 Bänce. Leipzig: Meiner 1925-1929. Keiner der 30 Wissenschaftler ist als Teil der Fachgeschichte zu verstehen.

[4] So wäre für Religionswissenschaft im engeren Sinne die Abwehr der den Rassismus legitimierenden und praktizierenden Wissenschaft entgegenzusetzen, Baetke ist gerade genannt, Christel Mathias Schröder, Rasse und Religion fehlt.

[5] Adolf von Harnack: Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Leipzig: Hinrichs [1921] ²1924, 217.

[6] Notker Slenczka: Vom Alten Testament und vom Neuen. Beiträge zur Neuvermessung ihres Verhältnisses. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt [2017].

[7] Beispielsweise Christoph Auffarth: Vernichtungskrieg! Der Beitrag von Fritz Taeger zum Vorzeigeprojekt des ‚neuen NS-Bildes der Antike‘ Rom und Karthago 1943. In: Tassilo Schmidt; Michael Sommer (Hrsg.): Rom und Karthago 1943. Wissenschaftsgeschichte der Altertumswissenschaft im NS. Darmstadt: WBG 2018.

[8] Die Arbeit in den Archiven bringt kaum etwas, was nicht schon bekannt wäre. Dabei sind auch Missverständ­nisse zu finden. Ich nenne nur als Beispiel die (angebliche) Bewerbung von Walter Grundmann auf die NT-Professur in Leipzig: Wenn Grundmann an den Berufungsverhandlungen beteiligt war, dann nicht als Kandidat für die Liste. Leipoldts Artikel ‚Antisemitismus‘ ist zwar im Reallexikon für Antike und Christentum erschienen mit dem Titelblatt für den Gesamtband 1950. Die Lieferung war aber schon vor 1945 gedruckt und ausgeliefert. Sie kann also nicht für Fortsetzung der ‚Lehre vom arischen Christus‘ nach dem Ende des Instituts angeführt werden (265f).

 

 

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Das philosophische Denken im Mittelalter

Keine Langeweile im Mittelalter und nicht widerspruchslos
‚das Zeitalter des Glaubens‘

 

Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustin zu Machiavelli.

Reclam UB 19479. Ditzingen:
Reclam ³2017.
[874 S. ISBN 978-3-15-019479-9. 19,80 ]

 

Kurz: Nicht Stillstand, Erbe verwalten, von Theologen geknebelt. Die Philosophie des Mittelalters als Epoche aufregender Diskussionen über Gott und die Welt, dargestellt vom Meister der mittelalterlichen Philosophie-Geschichte.

Ausführlich: Ein Lesevergnügen, eine geistige Anstrengung mit großer Befriedigung! Schon ein Klassiker, hat Kurt Flasch[1] sein Handbuch über die Geistes- und Wissenschaftsgeschichte des (weit gefassten) Mittelalters neu gefasst und erweitert. Er beginnt in der Spätantike mit Augustin, der, gründlich in der klassisch-antiken Philosophie ausgebildet, eine christliche Deutung der Welt und ihres Ziels in der Bürgerschaft bei Gott[2] entwirft. Sein Konzept blieb für das ganze Mittelalter eine wichtige Referenz. Aber, so wendet Flasch nach gründlichem Studium gegen eine theologische Einvernahme ein, da ist Gift drin, die Gnadenlehre ist eher eine Erpressung.[3] Und er zeigt, dass das Mittelalter nicht in der Rezeption Augustins und später Aristoteles in der Scholastik erstarrte, mühselig sich wieder auf den Stand der antiken Philosophie zu bringen suchte und doch nie schaffte. Das Mittelalter zwischen Antike und Neuzeit, ohne eigenen Wert? Nein, mittelalterliche Philosophen konnten anders und neu denken.[4] Und: Philosophie braucht Geschichte.[5] Dazu hat KF nicht nur die Großen gründlich durchgearbeitet und interpretiert, sondern auch neue Texte entdeckt und ediert, wie v.a. Dietrich von Freiberg. Einige Texte mit Erklärungen hat KF zum Studium bereitgestellt.[6] In der Spätantike wurden noch weitere Grundlegungen geschaffen: Boethius, Dionysius Areo­pagita übermitteln einen Problemstand, der in neuen Rahmenbedingungen bearbeitet wird. Erst in der Karolingischen ‚Renaissance‘ (KF schwächt ab: Reform). Das 11. Jahrhundert ist nicht nur ein Vorspiel, auf Anselm von Canterbury reduziert, vor der „geschichtlichen Wasserscheide“ des 12. Jahrhunderts mit seinen vielen Aufbrüchen, der Erfindung der ‚Ketzer‘,[7] der Kathedralschule von Chartres und Abaelard.  Das 13. Jahrhundert mit dem Freiraum der Universitäten, der Aristoteles-Rezeption einer sauberen logischen Argumen­tation, der Beobachtung der physischen und physikalischen Vorgänge bis zur ‚ersten Auf­klärung‘, die dem Bischof von Paris 1277 zu weit ging.[8] Mund­tot machen und von der Theo­logie fesseln lassen sich die Philosophen aber nicht. Nicht nur der Humanismus (Florenz als Mittelpunkt einer neuen Welt, 600-608), die Herausforderun­gen durch jüdische und v.a. islamische Kultur verändern Fragen und Antworten.[9] Die Dar­stellung schließt mit dem Kapitel Machiavelli und Luther (666-691). Anmerkungen eines großen Kenners, der Jahr­zehnte die Forschung mit bestimmte, führen zur weiteren Forschung und den Texten auf bald 200 Seiten. Eine Zeittafel und zwei Indices, v.a. das Sachregister erschließen das Buch.

Das Buch hat Flasch zuerst 1986 veröffentlicht, es dann 2000 neu bearbeitet und auch die dritte Auflage ist noch einmal gründlich überarbeitet und ergänzt. In den drei Jahrzehnten dazwischen hat KF Einführungen und Hinführungen geschrieben, die großen Autoren wie Augustin, Thomas von Aquin und Albertus Magnus, Nikolaus von Kues neu und anders bedacht, kritisch gegen die Forscher gelesen und dargestellt, die diese gerne (nur) als Theolo­gen und als ihre Lehrer einheimsen, für ihre Zwecke zurecht schneiden. Da ist Flasch in seinen Urteilen und Kritik souverän; sie beruhen aber auf intensiver eigener Beschäfti­gung mit den Quellen. Diese dritte Auflage hat der Verlag, wie schon die zweite Auflage, als ge­bun­denes Buch 2013 in größerem Format herausge­bracht, bevor sie jetzt zum halben Preis als Taschen­buch in der RUB Reihe vorliegt: Leute lest! Für so wenig Geld wie ein Stehplatz im Stadion, zwei Filme im Kino – ohne Popcorn – kriegt Ihr ein Panorama des Mittelalters von der Spät­antike bis zum Beginn der Neuzeit, erst mal das Kapitel über den Lieblings­denker,[10] dann mehr und dann das Ganze, in dem man auch die großen Verände­rungen der jeweiligen Ep­oche in knappen, aber meisterhaften Strichen erfährt. Ein Meister ohne Distanz des Besser­­wissers, wunderbar verständlich formuliert, zur Diskussion herausfordernd und einladend.

  1. März 2018
    Christoph Auffarth
    Religionswissenschaft
    Universität Bremen………………………………………………………………………………………………………………………

[1] Kurt Flasch, 1930 in Mainz geboren, studierte erst bei den Dominikanern und promovierte über (den Dominikaner) Thomas von Aquin, wandte sich dann aber einem viel breiteren und freieren Studium zu in Frankfurt, wo er bei Johannes Hirschberger und Theodor Adorno promovierte und sich habili­tierte, beflügelt vom Mai Achtundsechzig. Der Professur an der ‚Reform‘universität Bochum, dem Ruhrgebiet blieb er treu, auch als er Rufe an andere Universitäten erhielt. Italienische Kultur ist ein Lieblingsort, sein Dante ein lebenslanger Begleiter, den zu übersetzen er lange Jahre noch einmal bei den italienischen Spezialisten studierte. Flaschs Genie haben viele erkannt und mit Preisen geehrt.

[2] Das neue Geschichtsbild, das Augustin nach der Katastrophe der römischen Geschichte in der Eroberung und Plünderung Roms durch die Goten 410 n.Chr. findet, ist die civitas Dei, nicht das Ende der Geschichte jenseits dieser Welt und Zeit in einem Gottesstaat, sondern die Parallelität der irdischen Geschichte der Macht und der irdischen Geschichte der Gnade Gottes, die die Bürgerschaft bei Gott einbringt. Die Ewigkeit, Gott, umgibt die Geschichte am Anfang, am Ende und die ganze Zeit während der Geschichte, also auch im Jetzt, das zwischen Zukunft und Vergangenheit verfliegt. Das Zeitkonzept im 10. Buch der confessiones „Bekenntnisse“ Augustins hat KF in einem eigenen Buch vorgestellt (Frankfurt: Klostermann 2004) wie auch dieses Selbstzeugnis des Augustin bei Reclam zweisprachig herausgegeben und neu übersetzt (zusammen mit Burkhard Mojsisch, Ditzingen: Reclam 2009).

[3] Logik des Schreckens. Augustinus von Hippo. De diversis quaestionibus ad Simplicianum I 2. Dieterich, Mainz: Dieterich 1990; ³ 2012. Eine in vielem neue Deutung Augustins hat er bei Reclam 1980 veröffentlicht, auch das mittlerweile in der vierten Auflage 2013.

[4] Das hat KF dann auch an dem Denken über das Böse in der Person des Teufels gezeigt, die zwar von Augustin ein negatives Menschenbild des Manichäismus erbte (vgl. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2012/02/02/weichenstellung-in-die-europaische-religionsgeschichte-augustinus-wendet-sich-vom-manichaismus-ab-2/), aber nicht darin erstarrte: Der Teufel und seine Engel. Die neue Biographie. München: Beck 2015.

[5] Das fordert und begründet Flasch in den Essays der beiden Bände Philosophie braucht Geschichte. Frankfurt: Klostermann 2003; 2005. Darin eine selbstironische Selbstvorstellung, die Frage wozu intellectual history gut sei. Eine Kritik von historischen Kategorien, wie Kontinuität, Entwicklung u.a., die Frage Wozu erforschen wir die Philosophie des Mittelalters? (2, 319-338) Und das großartige Zitat des Kardinals Franz Ehrle 1919 (2, S. 271) „Nur einen Zweifel kann ich nicht ganz unterdrücken: Wäre  nicht irgendwo ein Korrektiv gegen die Auffassung anzubringen gewesen, es sei die ganze christliche Theologie derart in der Summa und im hl. Thomas enthalten und abgeschlossen, daß jeder Blick auf andere Ansichten und andere Lehrer als unnützer, ja nicht ungefährlicher Zeitverlust zu verurteilen sei – eine Ansicht, die doch wohl als ungeschichtlich und ungesund gelten muß.“

[6] Kurt Flasch: Mittelalter. (Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung, Band 2) Stuttgart 1982. Bibliographisch ergänzt 1994. 544 S. Man lese die ersten Seiten über die „Vorurteile, allerdings auch romantisch verklärende und absichtsvoll reaktionäre Verteidigungsversuche. Beide führen nicht zu historischem Verständnis.“

[7] Als religiöse Bewegungen dargestellt bei Christoph Auffarth, Die Ketzer. München: Beck 2005, ³2016.

[8] Kurt Flasch: Aufklärung im Mittelalter? Die Verurteilung von 1277. Das Dokument des Bischofs von Paris. Mainz: Dieterich 1989.

[9] Bewusst herausfordernd formuliert KF: Meister Eckhart. Die Geburt der „Deutschen Mystik“ aus dem Geist der arabischen Philosophie. München: Beck 2006.

[10] Theologie spielt fast immer eine Rolle. Wer mehr theologisches Denken haben möchte, sei auf die Arbeiten von Volker Leppin verwiesen.

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Handbuch schweizerische Reformation

Eine alternative Reformation: Ein Handbuch über die Schweizer Reformierten

Amy Nelson Burnett und Emidio Campi (Hrsg.):
Die schweizerische Reformation. Ein Hand­buch.

Deutsche Ausgabe / im Auftrag des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes bearbeitet und herausgegeben von Martin Ernst Hirzel und Frank Mathwig.
Zürich: Theo­logischer Verlag Zürich [2017]. 740 Seiten. ISBN 978-3-290-17887-1. Festeinband. 80 €.


Kurz
:
Herausragendes Handbuch zu einer weniger bekannten, aber neben der lutherischen und der Calvinistischen Reformation nicht minder wichtigen Reformation.

 

Ausführlich:
Die Schweizer Reformation, ausgehend von Zürich (mit Zwingli) und später Genf (mit Jean/Johannes Calvin) hat ‚die‘ Reformation mindestens so intensiv angestoßen und geformt in den Auseinandersetzungen wie die von Wittenberg (mit Luther) ausgehende Dynamik und nicht zu vergessen die Straßburger Reformation mit Martin Bucer[1]  – jedenfalls wenn man die Reformation als ein Europäisches, ein globales Ereignis begreift[2] und nicht nur als den Beitrag der neuen Bundesländer zur deutschen Identität. Fast am Ende des Reformati­onsjubiläumsjahres erscheint nun die deutsche Ausgabe des bereits auf Englisch veröffent­lichten Companion to the Swiss Reformation. Leiden: Brill 2016. Ein großartiges Buch!

Dass das Buch erst auf Englisch erschien, liegt daran, dass sich viele amerikanische Kirchen gerade von der Schweizer Reformation herleiten: die Puritaner, Calvinisten, Baptisten, Men­noniten, die Pfingstler. Was in den USA zum Thema geforscht wird, ist in dem Handbuch voll aufgenommen. Auch mit Beiträ­gen amerikanischer ForscherInnen, der Her­ausgeberin Amy Nelson Burnett.[3] Freilich ist auch die historische Frage nach der Herleitung, der Konti­nuität scharf gestellt.[4] So wendet sich Andrea Strübind in ihrem Beitrag Das Schwei­zer Täu­fertum (395-446) gegen solche Vereinnahmung, etwa mit dem Gründungsdatum der täuferi­schen Kirche im Schleitheimer Bekenntnis 1527. In der Auseinandersetzung mit, bald der Unter­drückung, der Verfolgung, der Ausrottung der Täufer entscheiden sich zwei grund­legende Entscheidungen der dann siegreichen Form der Reformation: Das Schrift­prinzip und die Utopie der evangelischen Kirche. Die Täufer halten sich an die Schrift, die keine Kinder­taufe kennt, die den Eid verbietet,[5] die den Kriegsdienst ablehnt. Das stellt die Funktion der staatlichen Ordnung in Frage. Eide waren die Grundlage jeden Vertrages in einer Gesell­schaft, die noch weitgehend ohne schriftliche Akten funktionierte. Kriegsdienst war die grundlegende Bürgerpflicht, wenn Kriege fast alljährlich waren. Die Kindertaufe aber betrifft die Religion als verbindende Grundlage der gesamten Gesellschaft. Entschieden sich die Reformatoren in Zürich und Wittenberg dazu, dass jeder und jede mit der Säuglingstaufe Christin und Christ wird, so zeigte sich für die Täufer das Christsein im aktiven Kampf für eine ent­schiedene christ­lich-politische Gemeinde (Das ist mehr als Strübinds ‚separierte Kirche‘). Die unerbittliche Verfolgung der Täufer durchzieht die Reformationen an allen Orten als er­schreckend blutiger Faden. Das Handbuch ist kein Jubiläumsbuch, das, sich selbst bestäti­gend, fragt, was hat die Moderne gewonnen durch die Reformation? Diese Fragestellung rückt das Kapitel über Gescheiterte Reformationen zurecht. Sundar Elenny zeigt, wie Refor­mation meist als Aufbruch in die Neue Zeit gewertet wird, wo die Ideen ausge­sprochen und in praktisches Verhalten kanalisiert wurden, die grundlegend wurden für die Verfasstheit der modernen demokratischen Gesellschaft. Nein, Reformation hat auch ihre Schattenseiten, die besonders an der Verfolgung der Täuferbewegung sichtbar wird. Sich ihr anzu­schließen war auch in der Gemengelage der Interessen eine riskante Entscheidung. Zürich sieht sich eine Zeit lang weitgehend isoliert, weil sie eine der wichtigsten Einnahmequellen der Schweizer in Frage stellt: das Kriegshandwerk, für dessen Fertigkeiten Schweizer überall gesucht war, etwa die Schweizer Garde im Vatikan.

Etwas die Erwartungen durchkreuzend ist die Entscheidung, die Genfer Reformation nicht eigens darzustellen. Begründet ist der Ausschluss damit, dass Genf eine eigenständige Stadt war, die zu der Zeit nicht zur Eidgenossenschaft gehörte. Also müsste der Titel des Hand­buchs Reformation in der Eigenossenschaft heißen. Aber die Genfer Reformation ist, wenn auch nicht in einem eigenen historischen Kapitel dargestellt, in den meisten Kapiteln mit einbezogen. Vor allem ist sie Thema des Kapitels XI. Das theologische Profil, wo der Nestor der schweizerischen Reformationsforschung Emidio Campi (449-493) das Gemeinsame der refor­ma­torischen Bewegungen ebenso herausarbeitet wie die Differenzen. Das ist eine meister­hafte Zusammenfassung, die aus einer langjährigen ins Detail gehenden Forschung heraus treffende Zitate und Bewertungen gibt. So genau und im Überblick liest man das in deut­schen Reformationsgeschichten nicht. Zwingli erweist sich als der Humanist, der die Texte im Original auswendig kennt, besser als Luther und Melanchthon ebenbürtig. Die Frage, wie Menschen das Heil erlangen – ohne Vorleistung, vereint die Reformationen. Aber Zwingli aus seiner Erfahrung als Bürger der Stadt Zürich verlangt: „Die christliche Stadt ist nichts anderes als die christliche Kirche“ und umgekehrt. Die sichtbare Kirche als communio sanc­torum („Ge­mein­schaft der Heiligen“ ist nicht mehr im katholische Sinne Gemeinschaft mit den – uner­reich­baren – Heiligen, die für die normalen Menschen den Überschuss an Heil erworben haben)[6] ist Teil der geglaubten Kirche, der Gemeinschaft mit Gott, nicht erst im Himmel­reich, d.h. nach dem Tod und im Jenseits. Ganz anders als Luthers Zweireiche-Lehre und die Fürsten als ‚Not-Bischöfe‘. Kernstück ist die Theologie des Bundes Gottes mit den Menschen, unaufgekündigt der Alte Bund. Dazu gehört auch die berüchtigte Differenz im Verständnis des Abendmahls.[7] Das Kapitel ist ein Muss für jeden, der sich mit Reformation beschäftigt.

Etwas aus den gründlichen und umfassenden Kapiteln sei angefügt – im Rahmen einer Rezension kann ich vieles nur erwähnen, was ich des Lesens, Erkennens und Merkens wert fand. Ich kann das Handbuch nur empfehlen; es durchzuarbeiten ist der Mühe wert. Wie die Eidgenossenschaft sich als selbstbestimmte Herrschaft vom Reich emanzipierte, bevor es zur Reformation kommt, erklärt Regula Schmid (27-68). Die Reformation in Zürich, nachahmens­wertes oder abschreckendes Vorbild für die anderen Städte und ländlichen Eidgenossen, beschreibt Emidio Campi (71-34), die andere große Stadt Bern Martin Sallmann (135-178); dazu deren Ausgreifen auf die benachbarten ländlichen Gebiete im französisch-sprachigen Teil, wo Bern in den Einflussbereich von Genf eingreift (Michael Bruening (367-394). Neben Schaffhausen, (Erich Bryner, 225-244) St. Gallen mit seinem katholischen Kloster und Appen­zell (Bryner, 245-270)[8] und dem ländlichen Graubünden (Jan-Andrea Bernhard, 301-366) spielt eine besondere Rolle die Reformation in dem als Humanistenhauptstadt bekannten Basel. Die teils besonders heftige soziale Bewegung dort und die unter strenger wissen­schaftlicher Beobachtung stehende Theologie beschreibt eingehend Amy Nelson Burnett (179-224). Den historischen Kapiteln schließen sich Querschnittsthemen an: Neben dem schon genannten zum theologischen Profil von Emidio Campi eines über das Gemein­wesen und Gottesdienst (Bruce Gordon, 495-526), über das Schulwesen (Karin Maag, 527-548), die Familie, die Geschlechterrollen und die Armen (Kaspar Greyerz, 549-572). Irma Backus ver­sucht ein Kapitel über „Reformationskultur“, wo es um Prophetie,[9] Zauberei und das fromme Leben geht (573-594). Den Abschluss bildet ein historischer Überblick über die Eid­genossenschaft als ‚Republik‘ unter den Monarchien der Reformationszeit bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieg von Thomas Maissen (595-623). Gute Verzeichnisse der Forschungs­­literatur, der Personen, Orte und sehr differenziert der Sachindex erschließen den Band. Ein besonderes Lob verdienen die farbigen Abbildungen im Text in großem Format mit zeitgenössischen Dokumenten. Der Band ist für den häufigen Gebrauch ausgezeichnet gebunden in Faden­heftung, so dass man die Seiten ganz aufschlagen kann.

Das Buch verlangt einige Anstrengung, es mit seinen Fachbegriffen durchzuarbeiten. Aber wer es getan hat, weiß nicht nur über die Reformationen in der Eidgenossenschaft (auf der Grundlage der Ausgabe der Werke und Briefwechsel einiger Theologen) viel mehr, sondern versteht auch die Reformation besser. Reformation ist hier nicht mehr verstanden als ein kognitiver Prozess, sondern mit Blick auf die Veränderung in allen Lebensbereichen. Denn ohne die Auseinandersetzung mit den Schweizern, ihren eigenen Weg, theologisch und politisch, hätten Reformationen in deutschen Gebieten und Städten nicht deren Alternativen vor Augen gehabt. Für jeden an der Geschichte (nicht nur der Kirchengeschichte) Interessier­ten ein großer Gewinn.

 

  1. März 2018
    Christoph Auffarth
    Religionswissenschaft
    Universität Bremen

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[1] Die „Polyzentrik“ der Reformation oder das gemeinsame Ziel der Reformationen hat Irene Dingel: Die Geschichte der Reformation. Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 2017 herausgearbeitet.

[2] Das neue Handbuch, das Christentum als eine globale Geschichte darstellt, ist besprochen auf dieser Internet-Seite: Jens Holger Schjørring; Norman A. Hjelm (Hrsg.): Geschichte des globalen Christen­tums. Erster Teil: Frühe Neuzeit. 2017. https://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2018/03/02/geschichte-des-globalen-christentums/ (2.3.2018).

[3] Sie schrieb ihre Dissertation über die Reformation in Basel und lehrt in Nebraska. Weiter sind beteiligt der Yale-Professor Bruce Gordon, Karin Maag vom Calvin College in Grand Rapids. Michael Bruening an der Missoury Universität. Internationalität garantieren auch die Genfer Reformations­historikern Irena Backus und die Deutschen Andrea Strübind an der Universität Oldenburg und der Historiker Thomas Maissen, Direktor des DHI in Paris. Das Verzeichnis der AutorInnen S. 697f.

[4] Die Frage nach der „Kontinuität“ hat sich vielfach als eine spätere Konstruktion erwiesen, die in Wirklichkeit eine „Erfindung von Tradition“ ist: the invention of tradition.

[5] Jesus in der Bergpredigt Matthäus 5, 33-37: „Schwört nicht! … Euer Ja sei ein Ja, Euer Nein ein Nein! Alles andere stammt vom Bösen/Teufel“. (Einheitsübersetzung).

[6] Christoph Auffarth: Irdische Wege und himmlischer Lohn. Kreuzzug, Jerusalem, Fegefeuer. Göttingen: (VMPIG 122) Vandenhoeck&Ruprecht 2002, 174-198.

[7] Das schärfen die Schweizer Reformatoren in der Badener Disputation mit den Altgläubigen, dazu meine Rezension: Das Wort und nicht das Schwert des Scharfrichters soll entscheiden! Die Diskussion um die Reformation 1526. Die Badener Disputation von 1526. Kommentierte Edition des Protokolls. Hrsg. von Alfred Schindler und Wolfram Schneider-Lastin. 2015. http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2016/03/19/die-badener-disputation/ (19.3.2016).

[8] Grundlagenarbeit für die Liturgiereformen und den Umbruch in der Frömmigkeit hat Alfred Ehrens­perger geleistet. Dazu meine Rezension: Bildersturm und neue Rituale: Reformation als Revolution der Sinne: Alfred Ehrensperger: Der Gottesdienst in Stadt und Landschaft Bern im 16. und 17. Jahrhundert. 2011. Alfred Ehrensperger: Der Gottesdienst in der Stadt St. Gallen, im Kloster und in den fürstäbtischen Gebieten vor, während und nach der Reformation. Zürich: TVZ  2012. 502 S. [Geschichte des Gottesdienstes in den evangelisch-reformierten Kirchen der Deutschschweiz 1-3] http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2013/03/29/ehrensperger-reformation/ (29.3.2013).

[9] Hier wäre die diachrone Fragestellung einzubeziehen, die Jan Bremmer (Prophets, Seers, and Politics in Greece, Israel and Early Modern Europe, in: Numen 40(1989), 150-183) herausgearbeitet hat: Das Schriftprinzip (Gottes Wort ist Schrift) widerspricht neuen Offenbarungen Gottes durch heutige Propheten.

 

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Aus erster Hand – Das Judentum im Religionsunterricht

Landthaler, Bruno; Liss, Hanna

Wie das Judentum mit der Tora lebt.
Weisung von ganz oben

Kopiervorlagen

Reihe: Grundlagentexte der Religionen

978-3-589-16111-9

Cornelsen: Scriptor 2018
Aktueller Preis: 18,99 Euro

 

Aus erster Hand – Das Judentum im Religionsunterricht

 

Manche Bücher erscheinen glücklicher Weise zur richtigen Zeit. Zwar gibt es in religionspädagogischen Schulbüchern inzwischen viele Kapitel und Querverbindungen zu jüdischen Themen, jedoch mangelte es an einer größeren Gesamtschau aus jüdischer Sicht. Diese Lücke füllt nun das Arbeitsbuch des Autorenpaars Landthaler/Liss.

Das Arbeitsbuch wendet sich vorwiegend an Lehrkräfte für den christlichen Religionsunterricht, aber auch an Ethik-Lehrkräfte, deren Curricula häufig auch religionskundliche Informationen zum Judentum einfordern. Das inhaltliche Ziel ist es, die Tora als Grundlage des jüdischen Glaubens in Grundzügen bekannt zu machen. Die nichtjüdischen Nutzer dieses Buches lernen eine neue Blickrichtung auf die Bibel, bzw. das so genannte Alte Testament kennen. Die jüdische Religion wird aus eigenem Selbstverständnis dargestellt und erläutert. Dies erfolgt in acht so genannten Unterrichtsreihen (UR genannt), die in je 2-3 Unterrichtsstunden (UE genannt) gegliedert sind. Eine spezifische Alterszuordnung wird nicht gegeben. Nach meiner Einschätzung sind die Inhalte und Materialien in der späteren Sekundarstufe I und auch in der Sekundarstufe II einsetzbar. Zu jedem Kapitel (UR) werden sachbezogene Einstiege und pädagogische Impulse empfohlen. Die Erarbeitung erfolgt über Text- und Bildmaterialien, die als Kopiervorlage zur Verfügung stehen.

Der Einstieg erfolgt mit einer pädagogisch-gesellschaftlichen Perspektive. Es gibt in unserem Land viel Unwissen oder auch Halbwissen über Juden. Aus diesem Grund beginnt das Buch mit einer Unterrichtsreihe zur aktuellen Situation in Deutschland. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) setzen sich mit Vorurteilen und mit Antisemitismus auseinander und lernen auch die verschiedenen Strömungen des vielfältigen Judentums kennen.

Immer wieder werden Anknüpfungspunkte aus unserer Gegenwart eingebracht. So kommen im Zusammenhang mit dem Thema Migration Avram (= Abraham) und das Land Mizrajim (= Ägypten) ins Spiel. Die besondere Schreibweise G’tt für den Gottesnamen, wie sie in vielen jüdischen Texten üblich ist, wird hier angewendet. Nichtjüdische Leser werden damit an die hebräischen Ursprünge herangeführt. Das erste Kapitel bietet auf 3 Seiten in vorzüglichen Zusammenfassungen und Darstellungen kompakte Informationen zur Tora ‚vom Feinsten‘ (31-33). Hier schon zeigt sich, dass mit Hanna Liss und Bruno Landthaler hervorragende Fachleute am Werk sind! [1]

In den folgenden beiden Unterrichtsreihen (UR) geht es thematisch um Mosche (= Moses) im Kontext von Mut und Verzagtheit; mit dem Bezug auf Pessach wird der Aspekt der Befreiung durch Gottes Wundertat hervorgehoben. Immer wieder gibt es gedankliche Brücken in die Gegenwart, die Schülerinnen und Schüler sollen auch ihre eigenen Erfahrungen zur Sprache bringen. Dafür bietet das Arbeitsbuch vielfältige Anregungen für Diskussionen, die im Unterricht eingesetzt werden können. Die Gräueltaten der Shoah kommen im Kontext einer Pessachfeier nach der Befreiung 1945 zur Sprache.

Für viele Nichtjuden wird die UR „Was Juden glauben“ eine Horizontveränderung bedeuten. Dazu Landthaler/Liss: „Das Judentum macht nämlich im Wesentlichen keine einzelnen Aussagen zu Gott und seinem Verhältnis zur Welt, wie man dies vom Christentum her kennt“ (49). Dann folgt der Verweis auf das „Höre Jisrael“ (Dtn 6, 4-9), welches als  d a s  Glaubensbekenntnis des Judentumes gilt. Die „Dreizehn Glaubensregeln des Maimonides“ (57) sind als Brücke zum tieferen Verständnis und zu heutigen Fragestellungen gut geeignet. Die weiteren inhaltlichen Schwerpunkte beschäftigen sich mit den Geboten; Überschrift: „Ein störrischer Haufen. Ein Volk erhält Regeln“. Auch hier stehen neben religionsgeschichtlichen Informationen aktuelle Bezugspunkte im Fokus: No-Go-Areas und POP-Oratorium; die SuS erhalten den Auftrag, Rundfunkreportagen zu entwerfen. Im Kontext der Regeln werden auch die Speisevorschriften – die Kaschrut – erläutert. Über den Schabbat – „Endlich Ruhe“ (78) wird der Bogen zu den Feiertagen geschlagen, mit der lockeren Feststellung: „Eine Religion in Feierlaune“ (78ff). Alle Feste des Jahreskreises von Prim bis Channukka werden in Kopiervorlagen erläutert. Die pfiffigen und tiefgründigen Umschreibungen machen deutlich, dass das Judentum auch Humor kennt, und Bruno Landthaler besonders, wie der Rezensent aus eigener Erfahrung berichten darf!

Die inhaltliche Fülle dieses Arbeitsbuches legt nahe, die Themen auf mehrere Schuljahre bzw. Kurse  zu verteilen, um im Sinne eines Spiralcurriculums die Kenntnisse zu vertiefen und zu erweitern. Die offene Anlage der Unterrichtsreihe macht diese Verwendung gut möglich. Zwar kann man die Bedeutung der Tora für das Judentum in ca. 100 Seiten längst nicht hinreichend erfassen, aber hier wird man so gut herangeführt, dass Lust zum weiteren Forschen, Studieren und Diskutieren entsteht. Für Lehrkräfte und für Schülerinnen/Schüler liegt hier eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit in die Religionswelt des Judentums vor. Die „Weisung von ganz oben“ kann damit „hier unten“ in der pädagogischen Realität gut angeschaut werden. Informationen aus „erster Hand“ eben. Genau das, was (inter-)religiöses Lernen braucht.

……………………..

Dr. Manfred Spieß, Oldenburg
…………………………………………

[1] Aus den zahlreichen Veröffentlichungen sei hier nur genannt: Hanna Liss; Tanach. Lehrbuch der jüdischen Bibel. Heidelberg 2011; Hanna Liss, Bruno Landthaler: Erzähl es deinen Kindern. Die Torah in fünf Bänden. Bd. 1–5. Berlin 2014-2016

 

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Religiöse Sonderwege

Stefanie Pfister, Matthias Roser

Religiöse Sonderwege.
Weltanschauliche Orientierungskompetenz für Religionslehrkräfte

 

1. Auflage 2018
176 Seiten Paperback
ISBN 978-3-525-70235-2
Vandenhoeck & Ruprecht
22 Euro (o.G.)


Der Begriff „Sekte“ ist weitgehend obsolet geworden, und das ist aus mehreren Gründen gut so. Die Entwicklungen religiöser und weltanschaulicher Gruppierungen müssen unter verschiedenen Gesichtspunkten aktuell betrachtet werden. Differenzierte Kriterien helfen, den Umgang mit den hier so genannten „Sonderwegen“ in konstruktive Kanäle zu lenken. Dabei will das neue Buch von Stefanie Pfister und Matthias Roser helfen.

Zunächst werden theologische Grundlagen erarbeitet und Begrifflichkeiten geklärt. Die Betrachtungsweise geschieht aus der Perspektive des evangelischen Christentums, die Kriterien müssen auch biblischen Grundätzen gemäß sein. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen religiösen Gruppierungen soll Schülerinnen und Schülern zur Deutungs- und Urteilskompetenz verhelfen, um nur zwei Beispiele aus diesem wichtigen Bereich zu nennen. Mit den religionspädagogischen Überlegungen und Schlussfolgerungen (43-45) sind wichtige Grundlagen für die schulische Erarbeitung bereitet.

Das Haupt-Kapitel 4 setzt sich in elf Schritten mit unterschiedlichen Gruppierungen und Bewegungen auseinander:

Zeugen Jehovas, Scientology, Mormonen, Esoterische und okkulte Bewegungen, Neuapostolische Kirche, Neuoffenbarungen, Evangelikalismus, Kreationismus, Messianische Juden, Scharia-Gruppen, Salafismus.

Die Erarbeitung jeder Gruppe geschieht folgendermaßen: Zunächst wird ein Quellentext vorgestellt, danach folgen allgemeine Sachinformationen. Für die unterrichtliche Gestaltung sind viele Arbeitsaufgaben formuliert, die auch je nach Schulsituation und Bedarf variiert werden können. Die religionspädagogischen Perspektiven widmen sich den individuellen Zielen und Kompetenzen bei diesem Thema: hier geht es um Differenzen und Dialogfähigkeit sowie um Distanz und Auseinandersetzung.

Der Gesichtspunkt der Sprach- und Dialogfähigkeit ist sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrkräfte in der Ausbildung besonders beachtet.

Auf weiteres Arbeitsmaterial – auch aus authentischen Quellen der verschiedenen Gemeinschaften – wird verwiesen.

Das 5. Kapitel bietet ein pädagogisches Planspiel aus einer erdachten Schule „Protagoras“. Hier wird an einem Fallbeispiel die Umgangsweise mit einer religiös bedingten Problemsituation ermöglicht.

Das Buch schließt mit einer Sammlung spezifischer Prüf-Fragen, die in Erkundungen oder im Unterricht eingesetzt werden können (163-166); ein Glossar erläutert besondere Fachbegriffe.

Fazit:

Veränderungen bei verschiedenen Religionsgemeinschaften und Bewegungen machen neue Einschätzungen notwendig. Lehrkräfte kommen auf unterschiedliche Weise mit ihnen in Berührung, nicht nur beim Religionsunterricht. Nicht selten werden Schülerinnen und Schüler zu Unterrichtsverweigerern, wenn dort angeblich die religiöse Wahrheit verdreht wird.  Dieses Buch kann Hilfestellung leisten bei Fragen, die anlässlich einer Einschulung, der Teilnahme am Religionsunterricht oder durch persönliche Glaubensbezeugungen durch Eltern oder Schüler auftreten. Als Unterstützung des Religionsunterrichts bietet dieses Buch sehr gute Anknüpfungspunkte und Arbeitsanregungen für die Sekundarstufen.

Pauschal-Urteile wie „Sekte“ oder „fundamentalistisch“ helfen in der pädagogischen Arbeit nicht weiter. Hier gilt es genau zu schauen, welche religiöse Prägung vorhanden ist und wie mit dieser konstruktiv umgegangen werden kann. Dieses Buch ist dazu sehr hilfreich.

PD Dr. Stefanie Pfister ist Lehrerin in NRW und war auch in der Lehrerausbildung tätig. Dr. Matthias Roser ist Lehrer in Berlin.

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Dr. Manfred Spieß, Oldenburg

18.5.2018

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Thomas Hobbes De Cive

 

Thomas Hobbes: De cive / Vom Bürger. Lateinisch/Deutsch.

Hrsg. unter Mitarbeit von Isabella Zühlke von Andree Hahmann und Dieter Hüning. Übersetzt von Andree Hahmann.

Ditzingen: Reclams Universal Bibliothek 18601. 2017. 803 Seiten.
ISNB 978-3-15-018601-5. Kart. 19,80 €

 

»Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf«: Thomas Hobbes‘ Klassiker der politischen Wissenschaft vom „Bürger“ 1642

 

 

Kurz: In einer vorzüglichen zweisprachigen Ausgabe macht der Reclam-Verlag den Klassiker der politischen Wissenschaft zugänglich, in dem Hobbes im englischen Bürgerkrieg Grundlagen legt, die über den Einzelfall Gültigkeit beanspruchen. Um den unbezähmbaren ‚Wolf‘ in die Schranken zu weisen, bedarf es eines starken Staates.

Ausführlich: Thomas Hobbes ist berühmt durch sein Werk Leviathan (1651), in dem er die Notwendigkeit eines starken Staates begründet, um den natürlichen Zustand in Schach zu halten. Denn dieser ist ein Krieg aller gegen alle oder mit dem berühmten Zitat Homo homini lupus: Gegen­über anderen Menschen ist der Mensch ein Wolf! Nur ein Vertrag unter den Menschen ver­hindert das gegenseitig Zerfleischen, Streitsucht: der Gesellschaftsvertrag. Dieser muss allerdings vermittelt werden nicht nur durch Staatsgewalt, sondern auch, auf der Ebene der Einzelnen, durch Religion. Doch schon neun Jahre vor diesem Klassiker der Politikwissen­schaft sah sich Hobbes aufgerufen, ein Buch zu veröffentlichen, eben das Über den Bürger De cive 1642. Hobbes hatte sich schon einen Namen gemacht, als er, noch einmal 14 Jahre zuvor, eine Übersetzung des Thukydides vollendet hatte, bis heute gerühmt. Der griechische Historiker Thukydides hat in seinem Werk über die Niederlage der Athener im Peloponnesischen Krieg schon herausgearbeitet, dass Macht korrumpiert, nach immer mehr verlangt, im Krieg immer zuerst die Lüge siegt. Insofern waren antiker Autor und der eng­lische Übersetzer kongenial. Jetzt war Hobbes 56 Jahre alt und auf der Flucht im französi­schen Exil. Grund war die Angst vor Festnahme und ein lebensgefährliches Gerichtsver­fahren. Denn in England hatte sich der König Karl I. (regierte 1624-1649) gegen die Bürger ins Unrecht gesetzt, weil er autokratisch gegen deren Rechte verstieß. Das Parlament sah sich als Versammlung der Bürger, die vom König gefragt werden müssten. Der Bürgerkrieg und die Hinrichtung des Königs 1649 setzten die Herrschaft des Parlamentes durch. Scheinbar in Stein gemeißelte und angeblich von Gott in der Bibel bestätigte Prinzipien galten nicht mehr. Eine grundlegende Wissenschaft der Politik erwies sich als nötig, statt einer Legitimati­on der gerade Herrschenden. Hobbes hatte schon das Ganze im Kopf, musste nun aber den dritten Teil zuerst schreiben und anonym veröffentlichen:[1] De cive. Der Bürger. Später den ersten Teil über den Körper,[2] dann im zweiten Teil über den politischen Körper,[3] was dann den Titel Leviathan bekam, den Namen des biblischen Ungeheuers,[4] der gleich auf Englisch erschien.[5]

 

 Abbildung des Titelblatts (Dank der  Houghton Library, Harvard University gemeinfrei: *EC65 H6525 642e) vom Kupferstecher Jean Matheus. Das Blatt zeigt die drei Teile des Werkes: Libertas, der Naturzustand ist durch einen ‚Wilden‘ dargestellt; Imperium, die Herrschaft, trägt Schwert und Waage der Justiz. Im oberen Register Religio mit Christus als Richter über Gute (von ihm aus gesehen die [Ge-]Rechten) und Böse, die der Engel des Paradieses mit seinem Flammen­schwert vom Himmelreich weg in die Hölle verweist. …

 

Im Widmungsschreiben steht der berühmte Satz vom Wolf, allerdings adversativ zum Gegenteil: „In der Tat ist beides richtig: Homo homini deus & Homo homini lupus. Ersteres (der Mensch ist dem Menschen Gott), wenn wir die Mitbürger untereinander vergleichen, das zweite, wenn wir die Staaten vergleichen. Im ersten Fall nähert man sich mit Gerechtigkeit und Hochschätzung den Tugenden[6] des Friedens, der Ähnlichkeit mit Gott. Im zweiten Fall müssen selbst die Guten, wenn sie sich schützen wollen, wegen der Verkommenheit der Bösen Zuflucht nehmen bei der Tugend des Krieges, der Gewalt und der List, d.h. bei der Raubsucht eines wilden Tiere.“ (7 f).

In seiner Wissenschaft von der Politik[7] versteht Hobbes gegen Aristoteles‘ Behauptung, der Mensch sei [von Natur aus] ein Lebewesen, das die Polis-Gemeinschaft braucht (ein ζῷον πολιτικόν zoon politikón), den Staat als menschengemacht und somit jede Herrschaft als begründungsbedürftig. Ist in der Natur der „erste Beweger“, also Gott und die von ihm eingerichteten Naturgesetze,[8] so bewegten den Bürger die staatlichen Gesetze. Nahm hier Hobbes die skeptische und auf den Gottesbeweis verzichtende Ideen von Epikur (vermittelt über Lukrez) auf? (793-95).[9] Letztlich aber beruft sich Hobbes nicht auf ältere Autoritäten, sondern auf seine Vernunft und nachvollziehbare Argumente.

Der Text ist gegliedert in die drei Teile (1) Libertas Freiheit wo Hobbes über den natürlichen Schöpfungszustand reflektiert, der nur Eigennutz kennt. (Kapitel 1-4, S. 44-185). (2) Imperi­um Herrschaft. Die Entstehung, Herrschaft des einen Königs oder Gemeindeversammlung, die drei Typen der Verfassung Monarchie-Aristokratie-Demokratie, dann das Recht der Eltern gegenüber ihren Kindern, Gründe für die Selbstzerstörung von Staaten. Die Notwen­dig­keit eines starken Staates (Kapitel 5-14, S. 186-501). (3) Religion mit den Epochen der Herrschaft Gottes, erst über die Natur, dann den alten Bund,[10] den neuen Bund und endet mit der Frage, was notwendig sei, um ins Himmelreich einzutreten (Kapitel 15-18, S. 502-743).

Auf die 738 Seiten lateinischen Text mit auf der gegenüber liegenden Seite der neuen Über­setzung folgen die Anmerkungen, teils der Nachweis der Zitate aus den antiken Staats-Theoretikern, den Verweisen auf Hobbes‘ eigene Werke, Hinweise auf wichtige Untersu­chun­gen. Das ausführ­liche Literaturverzeichnis (die Aufteilung der Forschungsliteratur stört) und das Nachwort (781-800) zeigen den Herausgeber und Übersetzer auf der Höhe der gegenwärtigen Diskussion. Der lateinische Text ist übernommen aus der führenden kriti­schen Edition, ed. Howard Warrender. Oxford: OUP 1983.

Der Reclam-Verlag hat wieder Mut bewiesen, einen wichtigen Klassiker zweisprachig mit einem gut edierten lateinischen Text und einer modernen Übersetzung, knapp kommentiert und präzise eingeleitet durch Andree Hahmann herauszubringen, neben und durchaus ver­schieden zum auf Englisch konzipierten berühmteren Leviathan.

 

  1. Februar 2018 Christoph Auffarth

Religionswissenschaft

Universität Bremen
…………………………………….

[1] Deshalb lautet der Titel auch Elementorum Philosophiae Sectio Tertia De Cive „von den Grundlagen der Philosophie die dritte Abteilung: Der Bürger“.

[2] De Corpore Der Körper erscheint 1655. De homine Der Mensch erscheint 1658.

[3] Im Titelbild des Leviathan besteht der Körper des Herrschers mit Szepter und Schwert aus lauter Bürgern. Dazu Horst Bredekamp: Thomas Hobbes, der Leviathan. Das Urbild des modernen Staates und seine Gegenbilder 1651 – 2001. [1999] Neuausgabe Berlin: Akademie 22003; 42012.

[4] Leviathan kommt (als Seeungeheuer parallel zum Land-Untier Behemot) bei Hiob vor: 40,25 – 41,26. Der Psalm 104, 26 macht sich lustig über die Gefahr, die von Lewiathan ausgehe: Gott habe ihn ge­schaffen, um damit zu spielen. Jesaja 27,1 prophezeit, dass Gott ihm das Haupt zerschmettern werde. Dazu Otmar Keel: Jahwes Entgegnung an Ijob : eine Deutung von Ijob 38 – 41 vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst. (FRLANT 121) Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1978.

[5] Die Tatsache, dass Hobbes seine Schrift Der Bürger zwar als Antwort auf den Bürgerkrieg versteht, sie aber auf Latein verfasst, veranlasst den Herausgeber 787, Anm. 11 das in Frage zu stellen.

[6] Virtus (sg. femininum) und virtutes (Plural) mit „Tugend(en)“ zu übersetzen ist oft richtig, wenn es sich um gute Eigenschaften handelt (im Gegensatz zu vitum/vitiia Fehler, engl vice). Hier aber, wo sie mit negativen Eigenschaften im Vergleich stehen, müsste man mit „Fähigkeiten“, „Kompetenzen“ wiedergeben.

[7] Hobbes beansprucht als erster Wissenschaft scientia und nicht nur Philosophie der Politik zu treiben, zumal gegen Aristoteles gerichtet (wichtig 789 f mit Anm. 15 und 16).

[8] Damit ist weniger Aristoteles gemeint als vielmehr die Scholastik (Thomas von Aquin).

[9] Diese These hat Andree Hahmann ausführlich begründet in Aristoteles gegen Epikur. Eine Untersu­chung über die Prinzipien der hellenistischen Philosophie ausgehend vom Phänomen der Bewegung. (Unter­suchungen zur antiken Literatur und Geschichte 125) Berlin: De Gruyter 2017.

[10] Pactum vetus übersetzt AH mit „nach dem alten Vertrag“, gemeint ist das Alte Testament oder besser hebr. berit bzw. διαθήκη mit Luther „Bund“, das in der Tat Vertragscharakter hat, also beide Seiten, auch Gott verpflichtet.

 

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Die Mischna – Reinheiten

Die Mischna [6]: Reinheiten – Seder Toharot.

Aus dem Hebräischen übersetzt und hrsg. von Michael Krupp in Zusammenarbeit mit Luke Neubert, Gabriele Penka, Matthias Hopf, Oliver Gußmann, Martin Majer und Harald Samuel.

Berlin: Verlag der Weltreligionen 2017.
982 S. – ISBN 978-3-458-70055-5.     58 €.

 

Kurz: Die kommentierte Übersetzung der Mischna, der sechsten Ordnung „Reine Dinge“ oder „Reinheiten“ behandelt die Regeln jüdischer Gemeinden, wenn sie in der Minderheit leben: Wie kann man sich rein halten? 

Im Einzelnen: Die Bestimmungen dieser Regelungen, wie man in der Situation der Minder­heit in einer ‚fremden‘ Umgebung sich ‚rein‘ halten kann. Die Mischna ist „um das Jahr 200 u.Z. von Rabbi Jehuda ha-Nasi im Land Israel endredigiert.“ (383), also nach der Zerstörung des Heiligtums und dem Verbot, in Jerusalem und Umgebung zu wohnen. Die Situation der Diaspora ist also seit der Zeit der Normalfall für Jüdinnen und Juden. Für die immer mehr zu städtischen Bürger werdenden Diaspora-Juden ist das Zusammenleben mit ‚unreinen‘ Nicht-Juden ein Problem, das in den Reinheiten geklärt wird.

Nach den ‚Ordnungen‘ der Mischna 1 Saaten (Seder Zera‘im),[1] 2 Festzeiten (Mo’ed), 3 Frauen (Nashim)[2] und 4 Schädigungen (Neziqin),[3] 5 Heilige Dinge (Qodashim)[4] schließt dieser sechste Band die Ausgabe ab. Derweil kommt Michael Krupp mit seinem Team mit der in Israel er­schei­nen­den zweisprachige Reihe der Einzeltraktate zügig voran.[5] Der Text der Übersetzung der 12 Traktate – und damit der längsten Ordnung –, umfasst die Seiten 9-380. Nach einer Einlei­tung des Herausgebers Michael Krupp 383-422 erklärt ein Stellenkommentar Beson­derheiten der Texte auf über 500 Seiten, der Band ist sorgsam erschlossen durch Glossar, Mengen-/ Größenmaße, Bibliographie, Bibelstellen, Personenverzeichnis, leider kein Sach­verzeichnis.

Die Frage, wie jüdische Menschen ihren Körper von Ansteckung frei halten können, wenn sie Geräte (kelim) benutzen, in Kontakt mit ansteckenden Kranken (nega’im) kommen,[6] wenn jemand im Haus stirbt (ohalot), die Gefährdung durch die Speisen (toharot) ist ausführlich an Fallbeispielen behandelt. Frauen müssen – nach den Regelungen der Rabbinen – be­sonders sorgfältig sein. Sie baden und reinigen sich regelmäßig in der Mikwe, dem Ge­mein­de­bade­haus, durch das Wasser fließt (nicht steht, dann würde es nicht reinigen: miqwaot; tevul jom). Die Menstruation (nidda) sowie die Geburt eines Kindes mache ‚unrein‘ und die Frau muss sich reini­gen. Das Fest ‚Mariae Lichtmess‘ am 2. Februar, 40 Tage nach der Geburt des männ­lichen Kindes Jesus bewahrt diese Regel auch im christlichen Kalender.[7] Männer müssen sich nach Samenerguss reinigen (zavim). Jadajim fragt, wie man die Hände rein halten kann. ‘uzqim handelt von der Reinigung von Stielen und Griffen. Ein besonderes Traktat (para) gilt der (roten) Kuh, zu einem merkwürdigen Kapitel der Tora, Numeri 19, 7f. Ein Lob auf den Frieden beschließt das Kapitel, die Ordnung, die gesamte Mischna.

‚Reinheit‘ ist ein Konzept, bekannt unter dem Begriff koscher (und entsprechend im Islam halal), das weder in Sauberkeit, Hygiene auf der einen, in ethisch gutem Verhalten auf der anderen Seite aufgeht. Was besonders für die Begegnung und das Gespräch mit Gott galt (etwa Priester und Levit müssen im Gleichnis vom Samariter am Verwundeten vorbeilaufen, weil sie sonst erst umständlich gereinigt werden müssten: Lukas 10, 29-37), gewinnt neue Bedeutung, wenn kein Tempel, kein sakraler Ort mehr existiert. Jetzt gibt es nicht mehr die Ausnahmesituation, den heiligen Ort zu betreten, sondern der Körper ist jetzt der heilige Ort und die Reinheit gilt es, den ganzen Tag zu wahren. Das Sakrale verliert seinen Sonder­status. Juden halten sich rein, auch von den (unreinen) Nicht-Juden. Freilich gibt es auch Regeln, die einen unkomplizierten Umgang mit allen anderen ermöglichen.

 

  1. Februar 2018                 Christoph Auffarth,

Religionswissenschaft

Universität Bremen

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[1] Antikapitalismus: „Sozialstaat“ in der jüdischen Mischna. Die Mischna [1]: Saaten – Seder Zera’im. Aus dem Hebr. übersetzt und hrsg. von Michael Krupp. Frankfurt (Main): Verlag der Weltreligionen 2013. In: http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2015/05/15/die-mischna-saaten-seder-zeraim/(15.5.2015).

[2] Rezension Auffarth, in:  https://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2010/12/08/die-mischna-herausgegeben-von-michael-krupp/  (8.12.2010).

[3] Rezension Auffarth, in: Zeitschrift für Religionswissenschaft 17(2009), 213-220.

[4] Wie geht Religion ohne Tempel? Die Mischna beschreibt, was ‚heilig‘ ist. Die Mischna. [5] Heiligkeiten – Seder Qodashim 2015, in: http://blogs.rpi-virtuell.de/buchempfehlungen/2016/02/02/die-mischna-heiligkeiten/ (2.2.2016).  

[5] So sind 12 Traktate der Ordnung in der zweisprachigen textkritischen Ausgabe erschienen, etwa Die Mischna. [6,3] Negaʿim, hrsg. und übersetzt von Luke Neubert. Jerusalem: Lee Achim Sefarim 2016.

[6] Das Thema Aussatz (in der LXX mit lepras übersetzt) behandelt Krupp ausführlich 393-400.

[7] Bei Mädchen wären es doppelt so viele.

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Sichtbares Wort

Jan Harasimowicz: Sichtbares Wort. Die Kunst als Medium der Konfessionalisierung und Intensivierung des Glaubens in der Frühen Neuzeit.

(Kunst und Konfession in der Frühen Neuzeit 1) Regensburg: Schnell + Steiner 2017. 360 Seiten mit 220 Abbildungen
ISBN 978-3-7954-3231-7

 

Neue Bilder für alle drei Konfessionen nach der Reformation

 

Kurz: Ein hervorragend bebildertes Buch zu einer erhellenden Erklärung von Altären, Kanzeln und Grabsteinen im Prozess der Konfessionalisierung.

Ausführlich: Der Breslauer (Wrocław) Kunsthistoriker Jan Harasimowicz[1] hat für die frühe Neuzeit das Gebiet der Adelsre­pub­liken und die Städtelandschaft Schlesiens und Polen-Litauens ausgezeichnete kultur­wissenschaftliche Darstellungen gegeben. Dabei geht er von bildlichen Darstellungen auf den Epitaphien (Erinnerungsbilder an Persönlichkeiten in den Kirchen) und den neuen Bild­motiven (Ikonographie) aus, wie sie, durch die Reformation verursacht, die Konfessionen in aufeinander bezogene Konfessionskulturen unterschied.[2] Während man noch beim letzten großen Reformationsjubiläum die Bilderfeindlichkeit der Protestanten hervor­hob,[3] hat sich die Forschung der letzten Generation geradezu ins Gegen­teil verkehrt. Nicht nur die neue Bildersprache der Familie Cranach,[4] sondern auch „die bewahrende Kraft des Luthertums“;[5] ja auch in calvinistischen Kirchen wurden keineswegs alle Bilder beseitigt, sondern teils auch neue Bilder geschaffen.[6]

Für eine große Region im östlichen Mitteleuropa bringt dieser Band mit Aufsätzen J.H.s aus den Jahren 1999-2015 zunächst grundlegende Fragestellungen: Kunst als Medium der Kon­fessionalisierung (16-42) und Protestantismus und bildende Kunst (43-58). Dann schon spezieller die wichtigen Beiträge Wort – Bild – Wort: Die Rhetorik der lutherischen Kirchenkunst (59-74) und Repräsentation der protestantischen Fürsten und Stände in der Kunst der Reformationszeit (75-92). JH macht deutlich, dass es um drei Konfessionen geht, vor allem auch in ‚seiner‘ Region östlich der Oder. Denn Träger und Gewinner der Reformation sind die Stände und vor allem der Adel, die durch das Bekenntnis zu einer der drei Konfessionen größere Unabhängigkeit und Entscheidungsmöglichkeiten gewinnen. So sind es vor allem Schlosskapellen und Rat­häuser, in denen die neuen Bilder gemalt werden. Bildschnitzer sind bei den Kanzeln, Tauf­steinen und Epita­phien gefragt. „Das Klischee [der calvinistischen Bilderfeind­lichkeit] ist nicht ganz unbe­grün­det.“ (21) Aber es gibt neue Bildmotive, die auch in Kirchen zu finden sind. „Sogar die Gewissheit über die angeblich vollständige calvinistische Bilder­losigkeit ist abhanden­gekom­men“ (44). Das zeigt JH am Beispiel der calvinistischen Kirche im schweize­ri­­schen Trogen. Aller­dings nicht mehr im 16., sondern im 17. Jahrhundert. Auch die katholi­sch­en Bilder sind nicht in Kontinuität zu mittelalterlichen Bildern und Statuen, sondern nach dem Tridentiner Konzil beginnt eine massive Neuausstattung der Kirchen mit neuen ‚barocken‘ Bildmotiven.

In den folgenden Einzeluntersuchungen – jeweils mit exzellent gedruckten (auch gebunden ist das Buch sorgfältig) farbigen Abbildungen im Text, so dass man direkt bei der Erklärung auch das Bild sieht – führt JH die Leser durch die Schlosskapelle von Augustusburg (1568-1573 gebaut, S. 95-118) mit vielen Vergleichsbeispielen, worunter der Altar von Mömpel­gard/Montbéliard (1538/ 40, heute in Wien) hervorsticht. Dann steht man vor dem „lutheri­schen Kampfbild“, dem Epitaph für den Wittenberger Reformator Paul Eber (119-132).[7] Mit den Buchdruckern in der Oberlausitz und ihren Illustratoren kommt das für die Verbreitung der evangelischen Lehre zentrale Medium Buch und Flugschrift in den Blick (133-150). Die umfangreichste Untersuchung (74 Seiten) gilt den Epitaphien der Stadtbürger und Prälaten in Breslau. Wie unterschiedlich das gleiche Medium Erinnerungsbilder von den Konfessi­onen gewünscht wird! Obwohl unter der gleichen Herrschaft können die Breslauer, ob Calvinisten, Lutheraner oder Katholiken, viel freier Bilder in Auftrag geben als die in der Residenzstadt Prag. Die regionale Heilige St. Hedwig genießt auch bei Lutheranern hohe Anerkennung. Die Calvinisten aber distanzieren sich vor allem von den ‚plebejischen‘ Lutheranern.

Ein dritter Teil (den sich JH gerade erarbeitet hat) gilt dem Pietismus und seinem Einfluss auf Architektur und bildende Künste. (227-292) Etwa das Bild von der Brautmystik, Allego­rien zu Johann Arndts Bestseller Wahres Christentum, und zum Architekten Christoph Leonhard Sturm (1669-1719). Eine enorme Bibliographie auf über 50 Seiten führt in eine Bibliothek von weit über tausend Büchern und Aufsätzen. Ein Orts- und Personenregister hilft dem Wiederfinden.

Man erfährt viel über die früh-neuzeitlichen Konfessionskulturen, umfassende Erklärungen zu den exzellent abgebildeten Kunstwerken. Ein hervorragend gestaltetes Buch eines gelehrten Kulturwissenschaftlers.

29.12.2017                                                                                               Christoph Auffarth

Religionswissenschaft

Universität Bremen

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[1] Im Folgenden abgekürzt mit seinen Initialen JH. Er ist 1950 geboren.

[2] Drei große Konfessionen katholisch – evangelisch-lutherisch – evangelisch-reformiert (Calvinistisch). Statt nur auf Wittenberg als Zentrum der Reformation zu schauen, betont die neuere Forschung die Polyzentrik (Wittenberg, Zürich, Straßburg, Genf), die vielen Zwischentöne und die Widerspre­chen­den (Dissenz), so Irene Dingel: Geschichte der Reformation. Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 2017. Andreas Pietsch u.a. (Hrsg.): Konfessionelle Ambiguität: Uneindeutigkeit und Verstellung als religiöse Praxis in der Frühen Neuzeit. (SVRG 214) Gütersloh: GVH 2013. Thomas Kaufmann (Hrsg.): Frühneuzeitliche Konfessionskulturen. (SVRG 207) Gütersloh: GVH 2008.

[3] Dazu vor allem die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle, besorgt von Werner Hofmann: Luther und die Folgen für die Kunst. [Katalog] München: Prestel 1983.

[4] Der jüngere Cranach wurde „entdeckt“. Roland Enke, Katja Schneider, Jutta Strehle (Hrsg.) Lucas Cranach der Jüngere: Entdeckung eines Meisters. München: Hirmer 2015. Unter den zahlreichen Forschungsbeiträgen sind besonders hervorzuheben: Ruth Slenczka: Cranach als Reformator neben Luther. In: Heinz Schilling (Hrsg.): Der Reformator Martin Luther 2017. München: Oldenbourg 2014, 133-157. Susanne Wegmann: Der sichtbare Glaube. Das Bild in den lutherischen Kirchen des 16. Jahrhun­derts. (SHR 93) Tübingen: Mohr Siebeck 2016.

[5] Johann Michael Fritz: Die bewahrende Kraft des Luthertums. Mittelalterliche Kunstwerke in evangelischen Kirchen. Regensburg: Schnell & Steiner 1997. Für das gemischtkonfessionelle Stift Hildesheim hat Renate Dürr die Bilder der Lutheraner beschrieben: Politische Kultur in der Frühen Neuzeit. Kirchen­räume in Hildesheimer Stadt- und Landgemeinden 1550 – 1750. (QFRG 57) Gütersloh: GVH 2006,

[6] Justin Kroesen: Accommodating Calvinism. The Appropriation of Medieval Church Interiors for Protestant Worship in the Netherlands after the Reformation. In: Jan Harasimowicz (Hrsg.): Protes­tantischer Kirchenbau der frühen Neuzeit in Europa. Grundlagen und neue Forschungskonzepte. Regensburg: Schnell & Steiner 2015, 81-98. J.K. arbeitet an einem Buch, das die These von J.M. Fritz auch für calvi­nistische Kirchen nachweist. Vgl. seinen Aufsatz Tussen Bugenhagen en Borromaeus – De paradox van de conserverende Reformatie. In: Nederlands theologisch tijdschrift 59 (2005), 89-105. Christoph Auffarth: Bilder in der calvinistischen Stadt Bremen. In: ders.; Jan van de Kamp (Hrsg.): Die andere Reformation: Bremen und Nordwesteuropa. 2018.

[7] Zu der Darstellung der Epitaphien in der Stadtkirche von Wittenberg von Doreen Zerbe: Reformation der Memoria. Denkmale in der Stadtkirche Wittenberg als Zeugnisse lutherischer Memorialkultur im 16. Jahr­hundert. Leipzig: EVA 2013 meine Rezension : http://buchempfehlungen.blogs.rpi-virtuell.net/2015/07/27/reformation-der-memoria/ (27.7.2015). JH 121 hebt richtig den Bezug der katholischen Polemik gegen Luther, die Wildsau im Weinberg des Herrn zu sein, zum Namen des Pastors Eber hervor.