Buch des Monats Oktober 2014: Initiation und Transformation – der Weg Lama Govindas

Rz-Govinda-InitiationLama Anagarika Govinda: Initiation. Vorbereitung ‚Äď Praxis ‚Äď Wirkung.
Hg.: Birgit Zotz.

Luxemburg: Kairos 2014, 104 S. — ISBN 978-2-919771-07-3

Der als Ernst Lothar Hoffmann 1898 im s√§chsischen Waldheim geborene Lama Anagarika Govinda (gest. 1985) geh√∂rt zu den wichtigen Vermittlern buddhistischer Lebensverst√§ndnisse f√ľr den Westen. Seine Studien, Begegnungen und Erfahrungen in Indien f√ľhrten ihn schlie√ülich zur Gr√ľndung des Ordens Arya Maitreya Mandala, der auch in Deutschland einige Anh√§nger hat.

Das kleine hier anzuzeigende Buch gewinnt fast eine Art Schl√ľsselfunktion, weil mit diesen bisher unver√∂ffentlichten Texten aus dem Nachlass von Lama Govinda der Weg der tantrischen Einweihung dazu f√ľhren kann, die wahre Wirklichkeit zu entdecken.

Die ausgew√§hlten Texte lassen etwas von der Faszination tibetischer Mystik sp√ľren, die auf dem Pilgerweg √ľber das eigene irdische Leben hinaus alte Mysterien auf neue Weise erlebbar machen. Govinda hat dieser Tiefenerfahrung auch eine f√ľr westliche LeserInnen nachvollziehbare Sprache gegeben.

Insofern kann man nur w√ľnschen, dass die Gedanken und Erfahrungen noch st√§rker einflie√üen, wenn buddhistische Praxis in ihrer Vielfalt zur Sprache kommt.

Ausf√ľhrliche Besprechung: hier

Reinhard Kirste

Creative Commons-Lizenz
Rz-Govinda-Initiation, 30.09.14

Engagement f√ľr Befreiung im Buddhismus und im Christentum

Rz-Lukoschek-Ethik-BuddhBarbara Lukoschek: Ethik der Befreiung.
Engagierter Buddhismus und Befreiungstheologie im Dialog.

Beiträge zur Komparativen Theologie, Band: 16.
Paderborn: Schöning 2013, 397 S.       
(zugleich Diss. der Kath. Fakult√§t der Universit√§t T√ľbingen 2012)
— ISBN 978-3-506-77875-8 —

Die vorliegende Dissertation setzt den Fokus auf die ethische und soteriologische Systematik, wie sie sowohl in der (lateinamerikanischen) Befreiungstheologie und in den Positionen des Engagierten Buddhismus zum Ausdruck kommen. Nach einer ausf√ľhrlichen Beschreibung dieser Ans√§tze zieht sie einen Vergleich der Positionen P.A. Payutto mit Aloysius Pieris sowie Karl-Heinz Brodbeck mit Franz Josef Hinkelammert.

Als Bilanz h√§lt sie fest, dass sowohl Christen wie Buddhisten gegenseitig ethisch und spirituell von einander lernen k√∂nnen und sollten. Dies pr√§zisiert sie mit den beiden Komplementarit√§tspaaren ‚ÄěGnosis und Agape‚Äú (Erkenntnis/Wissen und Liebe) sowie ‚ÄěFreiheit und Hingabe‚Äú, die eine interreligi√∂se Br√ľcke zwischen (engagiert-) buddhistischem Selbstverst√§ndnis und christlich-befreiungstheologischen Ans√§tzen bilden. Solche Ethiken der Befreiung bieten offensichtlich eine realistische Hoffnungsperspektive in einer Welt, in der neoliberale kapitalistische Tendenzen sich global auf Kosten eines gro√üen Teils der Mneschheit breit machen. Barbara Lukoschek hat f√ľr notwendige gesellschaftliche Ver√§nderungen interreligi√∂se Beweggr√ľnde offen gelegt. Dies kann nicht hoch genug eingesch√§tzt werden.

13.04.14

Buch des Monats November 2013: Buddhismus, Schamanismus und der Westen

Rz-Zotz-SchnittstellenVolker Zotz (Hg.): Schnittstellen. Buddhistische Begegnungen mit Schamanismus und westlicher Kultur. Festschrift f√ľr Armin Gottmann zum 70. Geburtstag.
Luxemburg: Kairos Edition 2013, 182 S., Abb.,
kommentierte Auswahlbibliografie (Renate Huf)
— ISBN 978-2-919771-04-2 —

Ausf√ľhrliche Beschreibung: hier

Der aus Berlin stammende Armin Gottmann (geb. 26.05.1943) ist ein echter Grenzg√§nger: Neurologe, Psychotherapeut und Yoga-Lehrer. Seine besonders intensive Verbindung zum Buddhismus dr√ľckt sich darin aus, dass er bereits seit 1999 der weltweite Leiter des Ordens Arya Maitreya Mandala: http://www.lama-govinda.de/ ist, den der ber√ľhmte Lama Anagarika Govinda (alias Lothar Ernst Hofmann, 1898-1985) gr√ľndete.

Diese Festschrift f√ľr Armin Gottmann ist keine der √ľblichen Art, vielmehr zeigt sich hier, wie im Kontext eines Buddhismus mit vorbuddhistischen, vielfach schamanischen Elementen westliche Erfahrungen mit einbezogen werden.

Der vorliegende Band ist dadurch zu einem Kabinettst√ľck west-√∂stlicher Begegnung geworden, weil an asiatischer Spiritualit√§t Interessierte hier einen grenz√ľberschreitenden Blick √ľber die Flexibilit√§t des Buddhismus erhalten. Das ergibt f√ľr den Dialog des Buddhismus mit dem “Westen” z.T. ungew√∂hnliche Perspektiven.

Reinhard Kirste

Rz-Zotz-Schnittstellen, 01.11.13  Creative Commons-Lizenz

Handbuch der Religionen (HdR): Kontinuierlich wachsende Printausgabe und Online-Zugänge

Trotz starker Digitalisierung in der Kultur des Buches ziehen es immer noch viele vor, sich Material auf der ‚ÄúPapierbasis‚ÄĚ zu besorgen.
Dazu geh√∂rt seit 1997 das von dem Religionswissenschaftler  Udo Tworuschka und dem Historiker Michael Kl√∂cker im Olzog-Verlag M√ľnchen herausgegebene
HANDBUCH DER RELIGIONEN (HdR)
Zugang zur Printausgabe: hier

Viele Spezialisten und f√ľr die einzelnen Themenfelder zust√§ndige Fachgebietsleiter haben dieses Handbuch im Ringformat mit j√§hrlichen Erg√§nzungslieferungen zu einem vierb√§ndigen Werk anwachsen lassen. Inzwischen finden sich in den Ordnern mit inzwischen 37 Erg√§nzungsliefeungen √ľber 4500 Seiten Text (!).
Hier wurde also ein umfassendes Lexikon der Religionen entwickelt.  Es erm√∂glicht einen umfangreichen √úberblick √ľber die Geschichte und Gegenwart der verschiedenen religi√∂sen Traditionen und Str√∂mungen in Deutschland.  Das macht allerdings die √úbersicht und schnelle Auffindbarkeit bestimmter einzelner Themen nicht immer leicht.

Das Gesamtinhaltsverzeichnis bietet darum eine erste √úbersicht.
Download Inhaltsverzeichnis: hier

Weiterhin k√∂nnen √ľber eine Suchmaske nun alle Artikel als Volltextsuche
(einige kostenlos, die meisten gegen geringe Geb√ľhr) online abgerufen und heruntergeladen werden:
Online-Zugang zum HdR

Dieses umfassende Werk zu den Konfessionen und Religionen  im deutschsprachigen Raum hat mit seinen Grundsatzbeitr√§gen eine religionswissenschaftliche Basis gelegt. Mit den Aktualisierungen zu religi√∂sen Entwicklungen und Ver√§nderungen d√ľrfte es f√ľr die Recherche von Fachleuten und Interessierten aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgezeichnet recherchierte Zug√§nge f√ľr eine sachkompetente Orientierung bieten.

 

 

Buch des Monats Januar 2013: Paul F. Knitter РDialogische Theologie und interreligiöses Christsein

KnitterWithout Buddha I Could not be a Christian.
Oxford (UK): OneWorld 2009, XVII, 214 S., Index
— ISBN 978-1-85168-673-5 —
Deutsch: Ohne Buddha wäre ich kein Christ.
Aus dem Englischen von Gerlinde Baumann. Freiburg u.a.: Herder 2012, 360 S. — ISBN 978-3-451-30278-7 —

Der katholische Theologe Paul F. Knitter (geb. 1939) aus den USA geh√∂rt seit vielen Jahren zu den Promotoren interreligi√∂ser Begegnung. Seine innere Verbindung mit der religionspluralistischen Theologie hat ihn nicht nur zu einem Wegbereiter des Dialogs im Sinne der Gleichwertigkeit (nicht Gleichartigkeit) der Religionen gemacht, sondern er hat in der Debatte um die Religionsphilosophie und religionspluralistische Theologie von John Hick zudem den Gedanken der ‚ÄěGerechtigkeit‚Äú konsequent einbezogen. Dazu hat ihn besonders sein Engagement im Zusammenhang der gesellschaftlichen Umbr√ľche in Lateinamerika gef√ľhrt. Er hat so das eigene Christsein in doppelter Weise erweitert  ‚Äď in theologischer Theorie wie in spiritueller und politischer Praxis.

In dem vorliegenden Buch, das nun auch in Deutsch verf√ľgbar ist, schiebt sich ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt in den Vordergrund, der der christlichen Identit√§t. Nachdem er schon l√§nger der christlichen Superiorit√§t als Heilsweg eine Absage erteilt hat, l√§sst er sich intensiviert auf ein Verstehen des eigenen Glaubens aus der Perspektive anderer Religionen ein. Dies f√ľhrt bis zu der in diesem Buch bilanzierten Konsequenz: ‚ÄěWithout Buddha I Could not be Christian‚Äú Die deutsche √úbersetzung des Titels wird manchem etwas synkretistisch erscheinen: ‚ÄěOhne Buddha w√§re ich kein Christ‚Äú. Aber darum geht es Knitter nicht, vielmehr darum, dass sich christliche Identit√§t heute nicht mehr ohne die anderen Religionen sagen l√§sst. F√ľr ihn hat dabei die Begegnung mit dem Buddhismus den Ausschlag gegeben. Knitter hat auch die pers√∂nliche Konsequenz gezogen und ‚ÄěZuflucht zum Buddha‚Äú genommen. Damit bringt er noch einmal zum Ausdruck wie eng sich sein Christsein inzwischen mit dem Buddhismus verbindet.

Sowohl f√ľr die interreligi√∂se Begegnung wie f√ľr die religionstheologischen Debatten und die Notwendigkeit des interreligi√∂sen Lernens ist dies darum ein unverzichtbares Buch. Hier werden zwei Besprechungen vorgestellt: Die eine geht mehr den religionstheologischen Zusammenh√§ngen nach, die andere den M√∂glichkeiten, aus einer solchen Konzeption das interreligi√∂se Lernen zu bereichern.

Achim Riggert / Reinhard Kirste:
Theologische Grenz√ľberschreitungen und interreligi√∂se Lernbewegungen 

√Ąltere Buchbesprechungen von B√ľchern Paul Knitters in RIG 5 (1998) mit Erg√§nzungen bis 2005

 In der Reihe “Religionen im Gespr√§ch” (RIG) erschienene Beitr√§ge von Paul Knitter

 

                                                                                                                                                                    Rz-Knitter-Buddha-Christus-Einl, 31.12.12

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Perry Schmidt-Leukel: Grundlegendes zum Buddhismus und zu religiöser Pluralität

Der interkulturelle Theologe und Religionswissenschaftler  

Perry Schmidt-Leukel (Universit√§t M√ľnster) hat sich  als Vertreter der religionspluralistischen Theologe international einen Namen gemacht.
Das folgende Buch steht daf√ľr als herausragendes Beispiel:
Gott ohne Grenzen.
Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen
.
G√ľtersloher Verlagshaus 2005
(Rezension von Gerd Neuhaus in “Stimmen der Zeit, Nr. 05/2006)
Schmidt-Leukel ist jedoch auch ein bekannter Buddhismusforscher. Das Ergebnis seiner intensiven jahrelangen Arbeit zusammen mit weltweit renommierten Forscherinnen und Forschern hat er jetzt als vierb√§ndiges Werk herausgegeben.  

Perry Schmidt-Leukel (ed.): Buddhism and Religious Diversity
Reihe: Critical Concepts in Religious Studies.
London: Routledge 2012, insgesamt 5112 S.!


Der Verlag stellt ausf√ľhrlich vor, wie die Autoren die “Buddhismen” im Kontext ihrer Geschichte, Gegenwart, geografischen Ausbreitung und gesellschaftlicher Stellung untersucht haben und dabei konsequent den die religi√∂se Vielfalt Asiens ber√ľcksichtigten (in englischer Sprache): 

Die Hinweise des Verlags lassen auf ein neues Standardwerk zum Buddhismus im (inter)religiösen Kontext (Asiens) schließen.

Auf der INTR¬įA-Rezensionsseite “Ein-Sichten” wurden bereits vorgestellt:

Christlich-buddhistischer Dialog – japanische Herausforderungen

MUTO Kazuo (Martin REPP, ed.): Christianity and the Notion of Nothingness. Contributions to Buddhist-Christian Dialogue from the Kyoto School. Translated by Jan van Bragt.

Philosophy of Religion ‚Äď World Religions Vol. 2. Leiden/Boston: Brill 2012, XIV, 227 S., Indices 
— ISBN 978-90-04-22840-5 (auch als E-Buch erh√§ltlich) —

Ausf√ľhrliche Rezension: hier

Der Theologe Martin Repp arbeitete von 1991-2002 in Japan als beigeordneter Direktor des NCC Centers f√ľr die Studien der japanischen Religionen und von 2004 bis 2009 als Professor f√ľr religi√∂se Studien an der Ryukoku-Universit√§t. Seine Forschungsfelder sind neben dem Buddhismus, neue religi√∂se Bewegungen und interreligi√∂ser Dialog. Mit dieser Publikation stellt er Leben und Werk von MUTO Kazuo (1913-1995) vor, einen wichtigen Vertreter der Kyoto-Schule f√ľr Philosophie.
Muto selbst spielt eine wichtige Rolle in der christlichen Theologie Japans. Indem er das Christentum gewisserma√üen in den asiatisch-religi√∂sen Kontext hereinholt und entsprechend gestaltet, wandelt sich f√ľr ihn das christliche Evangelium in eine universale Religion.  So erleben die LeserInnen eine erstaunlich intensive Auseinandersetzung mit westlicher Theologie zwischen existentialer Interpretation und Erfahrungstheologie. Es gelingt ihm unter Aufnahme westlich-theologischer Begrifflichkeit, die er in der Dialektik von “all-umfassend” und “nichts”  transzendiert, der Begegnung zwischen Christentum und Buddhismus erstaunliche Impulse zu geben.

Reinhard Kirste

15.07.2012

Zen-Buddhismus: Meditativer Lebensstil zwischen sozialem Engagement und japanischem Nationalismus

Besprechung zweier B√ľcher im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund, Sommersemester 2012: Theorie und Praxis der Religionen bei Krieg und Frieden. F√ľr die Rezension haben wir uns zwei B√ľcher, die den wichtigen Zusammenhang von meditativer Lebenspraxis, sozialer Verantwortung aber auch den Zusammenhang mit nationalistischen Ausw√ľchsen des Zen-Buddhismus anzeigen:
  • ‚ÄěBarmherzigkeit aus der Stille ‚Äď Zen und soziales Engagement‚Äú von Ruben Habito (1990)
  •  ‚ÄěZen, Nationalismus und Faschismus – eine unheimliche Allianz‚Äú von Brian Victoria (1999)
Rezensentinnen: Julia Sänger und Hannah Abraham
Ruben Habito: Barmherzigkeit der Stille ‚Äď
Zen und soziales Engagement.

Aus dem Amerikanischen von Niklaus Brantschen und Lilian Otto.
Mit einem Vorwort von Hugo M. Enomiya-Lassalle. M√ľnchen: K√∂sel 1990, 119 S.

— ISBN 3-466-20084-9
 Der urspr√ľnglich philippinische Jesuitenpriester und seit langen Professor f√ľr Religionswissenschaft  und spirituelle Traditionen in Dallas/Texas, Ruben Habito (geb. 1947) ist zugleich Zen-Sch√ľler, dessen Erleuchtung von einem japanischen Zen-Meister anerkannt wurde. Er liefert mit diesem Buch Berichte aus eigener Erfahrung, die den urspr√ľnglich in China und Japan entwickelten Zen-Buddhismus sehr anschaulich n√§her bringen.  
Im Sinne einer inhaltlichen Konzentrierung haben wir uns bei diesem Buch f√ľr das Kapitel 8 ‚ÄěZen und das neue Bewusstsein‚Äú f√ľr unsere Buchkritik entschieden, in dem es um ein Gespr√§ch zwischen Yamada Koun Roshi und P. Hugo Enomiya-Lassalle geht. Habito ist dabei der Interviewer. 
1960/70 kamen immer mehr Christen nach Kamakura, einer ca. 50 km s√ľdwestlich von  Tokio an der Sagami-Buchtgelegenen Stadt, um am Sesshin (eine Periode unterschiedlicher L√§nge mit konzentrierter Zen-Meditation) teilzunehmen, das von Yamada Koun Roshi praktiziert wurde. Christen und Buddhisten meditierten zusammen. Hugo Enomiya-Lassalle war damals der einzige Priester der daran teilnahm, weil er wusste, dass er etwas √ľber Zen lernen m√ľsse, wenn er die japanische Mentalit√§t verstehen wollte.
Fazit: Durch die Intensität der Gesprächsteilnehmer, lässt sich deutlich festhalten, dass hier ein bemerkenswerter Fortschritt in der Beziehung von Zen-Buddhismus und Christentum erreicht wurde.
Im Blick auf das nun vorzustellende zweite Buch, ist es wichtig festzuhalten, dass in Japan in der Meiji-Zeit eine politische Ver√§nderung stattfand, die auch erhebliche Auswirkungen auf das Verh√§ltnis von Religion und Staat hatte: Die sog. Meiji-Periode wird zwischen 1868 und 1912 angesetzt. Sie beginnt mit einer Umformung des bisherigen Feudalstaats Japan in eine moderne imperiale Gro√ümacht. Hier gewinnt der sich verst√§rkende Nationalismus auch religi√∂se Unterst√ľtzung ‚Äď durch den traditionellen Shintoismus, aber auch durch den Buddhismus, und zwar in dem Sinne, dass die Religion den Staat sch√ľtzt.
Brian (Daizen) A. Victoria:
Zen, Nationalismus und Krieg.
Eine unheimliche Allianz
.
Aus dem Englischen von Theo Kierdorf
in Zusammenarbeit mit Hildegard H√∂hr. Berlin: Theseus 1999, 400 S. — ISBN 3-89620-132-8
— √úberarbeitete Rezension bei ‚ÄěEin-Sichten‚Äú, zuerst erschienen in
RIG 6 (2000), S. 550‚Äď552:
Rz-Victoria
Um eine kritisch-ehrliche Betrachtung unterschiedlicher Facetten des Buddhismus und die Disziplin und Zen-buddhistische Strenge anzusprechen, die offensichtlich auch den japanischen Nationalismus z.T. ideologische untermauerte, sei dieses Buch besonders herausgehoben. 
Brian Victoria aus Neuseeland ist Zen-Priester, Menschenrechtler und Forscher des Zen-Buddhismus  Durch die in diesem Buch beschriebenen Informationen und Hintergr√ľnde, die Victoria teils aus eigener Erfahrung, teils aus Berichten von anderen Personen beschreibt, werden auch die kriegerischen und faschistischen Seiten einer im Grunde meditativen Spiritualt√§t durchleuchtet.
F√ľr die inhaltliche Zuspitzung haben wir uns f√ľr Abschnitte des zweiten Kapitels des Buches mit dem Titel ‚ÄěEine Zeit gesellschaftlichen und politischen Umbruchs‚Äú entschieden, darin besonders auf die ‚ÄěBuddhistischen Reaktionen auf den Westen‚Äú(vgl. dazu. S. 31‚Äď35).

Fazit: Das gesamte Buch stellt darum in besonderer Weise heraus, wie zum einen der Zen-Buddhismus eine verantwortliche auf innere Ein-Sicht bezogene Lebensweise erm√∂glicht, auf der anderen Seite aber genau dies immer wieder instrumentalisiert werden kann. Auch wichtige Meister aus dem japanischen Zen-Buddhismus haben sich damit durchaus bewusst in eine faschistische Denkweise man√∂vriert und nationalistisch-imperiales Auftreten im 20. Jahrhundert gef√∂rdert. Der 2. Weltkrieg, dessen Ende in Japan die Atombombenabw√ľrfe von Hiroshima und Nagasaki markieren, ist daf√ľr ein warnendes Zeichen.

Weitere rezensierte B√ľcher zum Zen-Buddhismus:
  •  Ursula Baatz:Erleuchtung trifft Christentum. Zen-Buddhismus trifft Christentum (2009): 
  •  Konstantin Wecker / Bernard Glassmann / Christa Spannbauer (Hg.):
    Es geht ums Tun und nicht ums Siegen (2011): 
    Rezension hier                                                                                                           

                                                                                                                                                   Rz-Zen-Buddhismus-SoSe 2012, 26.06.12